Der Meister der Präzisionspendeluhren: Erwin Sattler

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RiGa

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Liebe Uhrenfreunde!

Ich hatte Glück!

Ich hatte sogar Riesenglück!

Ich dürfte an einem sehr beeindruckenden und absoluten Uhren-Enthusiasmus ausströmenden Event teilhaben!

Eine Privatvorführung durch den (Mit-)Besitzer Richard Müller selbst – der es sich nicht nehmen ließ (nachdem unser carpe-Frank die Vorarbeit geleistet hat – mehr als nur herzlichen Dank nochmals an dieser Stelle an Frank!), seinen eigentlich samstags geschlossenen Betrieb extra für uns Uhrenbegeisterte zu öffnen, im Beisein seiner Schwester und seines Sohnes und unter "Einladung" von Mitarbeitern, damit wir in den vollen Genuß dieser einmaligen Führung gelangen können.

Bei strahlendem Sonnenschein und einem ebensolchen Hochgefühl in unseren Herzen wurde die kleine Uhr-Forum-Gruppe also mit sehr persönlichen Worten von Herrn Müller vor dem Haus in Empfang genommen.



Und da gab es für uns schon etwas wohl Einmaliges zu bestaunen: Die Monumentum Temporis Nr. 1 – eine wie selbstverständlich in die Fassade des Betriebes integrierte Riesen-Pendeluhr mit enormen Ausmaßen.



Unseren verblüfften Augen wurde ein Teil präsentiert, das geschätzte +10 Meter hoch und laut Herrn Müller ca. € 700.000,- gekostet hat.







Herr Müller ließ bereits an dieser Stelle mehrmals aufhorchen: Bereits jetzt verspürten wir so etwas wie Ehrfurcht vor seiner Begeisterung, seinem Enthusiasmus, seiner vollen und innigen Zuneigung zu diesem Thema (und wir wurden im Zuge der mehrstündigen Führung mehrmals Zeuge dieser Uhren-Liebe).



Anschließend betraten wir gespannt das Haus – im Wissen, daß über einem dieses Riesenteil in stoischer Ruhe ihrer Bestimmung nachgeht.



Im kleinen Empfangsbereich wurden wir weiter über die Geschichte von Erwin Sattler aufgeklärt und detailliert in die Philosophie des Hauses eingeführt.

Wir sahen erstmals an den Wänden hängenden Präzisions-Pendeluhren, die diesmal (im Gegensatz zur Momentum Temporis Nr. 1) über praktikablere Dimensionen verfügten.



Und hier kam dann auch bereits eine zarte Einführung über die Preisvorstellungen – die wohl bei dem einen und anderen einen kurzen Schluckreflex auslösen ließ.
Aber: Nach dem ersten kleinen Schock und den weiteren erläuternden Worten von Herrn Müller sahen wir es wohl mit anderen Augen: Wert hat eben so seinen Preis – und es gibt ja auch Alternativen: Nämlich einen Bausatz zum Selberzusammenstellen, der mit € 3.700,- dann nicht wirklich in unerreichbaren Sphären entschwindet, den Schluckreflex aber auch nicht unbedingt mit einem Schlag einstellen ließ.

uhrenbausatz.jpg
www.uhrenbausatz.de | Ihr persönliches Stück Zeitgeschichte [ ]

Mit diesem Starterset kann man wohl erste Berührungen mit Präzisionspendeluhren angstfrei hinter sich bringen – und, weil dies ja quasi "nur" eine Grundausstattung ist, gibt es natürlich jede Menge Zubehör, von denen z.B. eine kugelgelagerte Seilrolle und das Barometerinstrument wohl gleich mitbestellt werden müßten.
Ein in meinen Augen mehr als nur clever durchdachtes Projekt – wohl wissend, daß hier ein auf alle Fälle fruchtbarer Samen für diese Art von Uhren gesät wird …

Und: An Geschenkideen zu festlichen Anlässen ist auf Jahre hinaus ausgesorgt.

zubehör.jpg

Tja – was durften wir nicht alles über Präzisionspendeluhren erfahren: Sekunden-Kompensationspendel, Pendelgewichtformen, die auch aerodynamisch überlegt werden müssen, Feinregulierung, Wochenläufer (die aber eher zu vernachlässigen sind, wenn man sich einmal mit Monatsläufern beschäftigt hat *gg*), Physik, Chemie und Mechanik und, und, und …

Ich versuche nun – in kurzen Worten – eine kleine Zusammenstellung, was man über Präzisionspendeluhren ganz einfach wissen muß:

Monatsläufer werden im Gegensatz zu Wochenläufern nach links aufgezogen (warum ich das vorher nicht auch schon wußte, ist mir schleierhaft ;-)).

Der Pendelstab ist aus einem speziellen Material, nämlich Superinvar (Eisen-Nickel-Legierung Fe + 36% Ni) ausgeführt, um der Längendehnung einigermaßen Herr zu werden.
Da es sich um Kompensationspendel handelt, wird eben der Pendelstab aus mehreren Teilen bestehend ausgeführt: Der längere Teil aus Invar, das Kompensationsteil unterhalb des Pendelgewichtes aus einem anderen Material – und in Summe kompensieren diese Komponenten im Gegenausgleich die Längenausdehnung.



Dann ist diese Geschichte mit dem Luftdruck: Klar wird bei Erwin Sattler nichts dem Zufall überlassen, und natürlich auch hier darauf Rücksicht genommen: Mit einem Barometerinstrument wird gegengesteuert:



Auf dem Feinregulierteller können Gewichte unterschiedlichster Ausführung plaziert werden – auch hier haben sie direkten Einfluß auf die Regulierung:



Ach was – es gäbe noch soooooooo viel zu Details erzählen – an dieser Stelle möchte ich nur ganz einfach auf die Homepage verweisen, ich muß ja irgendwann fertigwerden ja auch – oder?

Erwin Sattler | Präzision - Faszination [ ]

Dann ging es weiter in den "Turm", wo wir – wohl als kleine Wiedergutmachung für Herrn Müllers aufgewandte Zeit – das Pendelgewicht der Momentum Temporis Nr. 1 aufziehen mußten.



Aber allzugroße Arbeit war dies natürlich nicht – und außerdem ging es bei weitem nicht so schwer, wie man es vielleicht bei dem ca. 200 kg schweren Pendelgewicht erwarten durfte.



Im Turm war auch ein zweites Uhrwerk dieses "Monstrums" ersichtlich:



Überhaupt war dieser Turm eine einzige "Seelenpein": Schönheiten und Innovatives, wohin man nur blickte.

Unter anderem die Secunda Accurata 1958, die ob ihrer Einzigartigkeit und patentiertem Pendelaufhängung sogar im Deutschen Museum ausgestellt ist (wenn ich es richtig behalten habe, sogar als einzige Präzisionspendeluhr dort).



Auch hier wurde dem staunenden (jetzt schon gar nicht mehr so sachkundigen) Publikum vieles erklärt, Rede und vor allem Antwort gestanden, und auch weiter auf diese mehr als nur im Detail liebevolle Ausführungen von Sattler-Uhren aufmerksam gemacht.

Werkzeuge, Feinregulierungsgewichte, Aufzugskurbel (mit eingravierter Aufzugsrichtung) etc. werden natürlich nicht irgendwie abgelegt, sondern mehr als standesgerecht in einer separat zu öffnenden Lade:



Das Zifferblatt als auch das Uhrwerk stehen natürlich in nichts nach:





Dem aber bei weitem noch nicht genug! Auf Armbanduhren wird natürlich auch "Rücksicht" genommen, besonders der standesgerechten Aufbewahrung.
Da steht so irgendwie ein Sideboard herum – und Sekunden später fahren wie von Geisterhand bewegt (mittels Fernbedienung) Aufbewahrungsboxen der ganz anderen Art aus diesem Teil:



Uhren werden da aber nicht ganz einfach nur abgelegt, sondern auf Uhrenbewegern aufgespannt, die es wie selbstverständlich auch in sich haben.
10 Jahre lang wurden Informationen und Notwendigkeiten zu verschiedensten Uhrwerken zusammengetragen, ein Computerprogramm entwickelt, die haargenau auf die Bedürfnisse eines jeden einzelnen Uhrwerkes Rücksicht nimmt.
Umdrehungen von einer (1!) pro Tag bis … sind natürlich (wie könnte es denn anders sein) möglich.



Vielleicht auch dazu ein nettes Detail: Die Uhren bleiben nicht ganz einfach stehen, sondern werden exakt wieder auf die vertikale Lage ausgerichtet. Wie würde denn das sonst aussehen - wäre ja noch schöner …

Übrigens: Die Uhrenbeweger gibt es in allen Dimensionen – sollte sich also für jeden etwas finden lassen, unabhängig von der Stückzahl (notfalls kauft man sich halt mehrere davon):


Zusätzlich gibt es auch nette Kombinationen: Präzisionspendeluhr gepaart mit Uhrenbewegern.
Irgendwo möchte man doch alles an einem Platz wissen …



Und wenn man dann ab und an auch noch ein wenig Schreibtischarbeit erledigen möchte (weil das nötige Kleingeld ja auch irgendwie verdient werden muß) – hier läßt Sattler kein Klientel alleine, für alles ist gesorgt:



Auch hier habe ich wieder etwas Außergewöhnliches zu berichten: Angesprochen darauf, ob Sattler denn auch schon rein mechanische Uhrenbeweger (war ja erst unlängst ein Thema hier im Forum) überlegt hat, kam die zu erwartende Antwort: "Selbstverständlich! Haben wir überlegt, haben wir gebaut – aber leider gibt es ein kleines Problem: Das Bewegen an sich ist überhaupt keine große Sache – leider haben wir das Problem mit dem Anlaufen noch nicht im Griff …" (Zitat Herr Richard Müller).

Gibt es eigentlich etwas, was die noch nicht gemacht haben?

"Ja", erwiderte er. "Umsetzungen, die sich nicht mit der Historie von Erwin Sattler vereinbaren lassen – oder Dinge, die irgendwie nicht in das Produktportfolio passen. Also Uhren, die um die Ecke laufen, wären wohl umsetzbar – machen wir aber nicht."
Weiter geht’s (aber keine Angst, es geht dem Ende zu): Als Reminiszenz auch an die Vergangenheit und an Schiffsuhren-/meßgeräte entwickelten sie die Trilogie, sogar mit einer Aufnahmemöglichkeit der eigens gebauten Armbanduhr:





Ich sage Euch – an dieser Stelle fühlte ich mich schon ein wenig "overload" – wohl auch deswegen, weil ich in Gedanken schon das Kleingeld zählte, und mir in einer kurzen Aufarbeitung des bisherigen Gehörten den Begriff "Exit-Watch" erstmalig vorstellen konnte.

Es gibt sie also, diese vielgerühmte Exit-Watch. Es muß ja nicht immer eine sein, die man überall mitnehmen kann.
Aber eine Exit-Watch an der Wand hängend: Ja, die kann ich mir vorstellen …

So – es geht also weiter – nämlich in die Produktion (Ihr erinnert Euch: Mitarbeiter opferten ihren Samstag, um unserer kleinen Gruppe auch Echtbetrieb präsentieren zu können. Aber selbst bei diesen Leuten war die Begeisterung immer zu verspüren – fast so, als ob sie froh darüber wären, daß da irgendwer daherkommt, ihr Wochenende unterbricht, aber dennoch voller Freude und Enthusiasmus).





Sogar beim Zeigerbläuen durften wir Zeuge sein:


Zum Abschluß der Führung zeigte uns Herr Müller dann noch das "Test-Labor", wo unter klinischen Bedingungen neue Materialmischungen ausgestestet, neue Entwicklungen probiert und genau analysiert werden können.
Wie so eigentlich alles ist das natürlich nicht nur ganz einfach ein separater Raum – nein, auch hier wurde großer Aufwand betrieben.

Im Keller wurde extra ein vom Haus getrenntes Fundament errichtet, mit Sand und Kiesel zusätzlich vor Erschütterungen geschützt, eine Glasglocke an einem sehr imposant aussehenden U-Beton-Gebilde erschütterungsfrei installiert, sogar mit der Möglichkeit, mittels Vakuumpumpe verschiedene Luftdrücke simulieren zu können.



Erschöpft, erstaunt, beeindruckt – so wurde dann dieses Event einem Ende zugeführt.

Aber nicht profan, sondern auch hier fand Herr Müller wieder sehr persönliche Worte, bevor er uns mit ausreichend Informationsmaterial und mit dem Wissen "eine Sattler muß es irgendwann einmal werden" herzlich verabschiedete.

Somit entließ er uns mehr als nur beeindruckt in unser weiter bevorstehendes MUC-Uhrentreffen – und diesen Start darf man durchaus als bestgelungen bezeichnen!

So, meine Freunde – ich möchte nun den Rundgang beenden, in der Hoffnung ich konnte dies oder jenes richtig und halbwegs interessant darstellen.

Eines gebe ich Euch noch mit auf den Weg: Wenn Ihr Gelegenheit habt, Euch diesen Betrieb anzusehen: Zaudert nicht!

Ihr seid anschließend mehr als nur verzaubert – glaubt mir!

Zusammenfassend noch einmal die beiden HPs:
Erwin Sattler | Präzision - Faszination [ Produkte > Uhrenbeweger ]
www.uhrenbausatz.de | Ihr persönliches Stück Zeitgeschichte [ ]

Danke an allen Beteiligten, die mir dieses beeindruckende Spektakel ermöglicht haben – und ich denke mal, da spreche ich vielen aus der Seele!

Gruß, Richard
 
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hass67

hass67

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Klasse Bericht. Hast Du Dir bei der Führung Notizen gemacht ?:-P
Ich weiß was jetzt kommt : Östereicher haben sowas nicht nötig, sondern merken sich solche Kleinigkeiten aufgrund Ihres überragenden Intellekts, richtig ?

Du hast auf jeden Fall die Faszination, die von der Manufaktur und dem Inhaber ausgingen, gut rübergebracht - auch durch die schönen Bilder. Für Außenstehende, die bei der Besichtigung nicht dabei waren, kann dies nur ein erster Eindruck sein, sozusagen dass Equivalent zum Anfixen bei Drogenabhängigen. Richtig süchtig wird man erst, wenn man die Uhren und sonstigen Skurilitäten im Original gesehen hat. Also wer knapp bei Kasse ist, sollte um Sattler einen riesigen Bogen machen. Ein paar oder auch sehr viele Tausender sind hier schnell weg. Ich bin sicher, dass in den nächsten Jahren diese Uhren gehäuft im Haushalt von Forumsmitgliedern auftauchen werden. Hoffentlich steigert dass nicht die Scheidungsrate.

Gruß nach Östereich
ULI
 
RiGa

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Östereicher haben sowas nicht nötig, sondern merken sich solche Kleinigkeiten aufgrund Ihres überragenden Intellekts, richtig ?
Ich wollte gerade etwas von "nicht nötig, "überragenden Intellekts" und so schreiben - aber da bist Du mir ja wohl zuvorgekommen. :D

-------------------

Nein, nein ist von allem nichts Auffälliges.

Sondern ganz einfach nur ein kleine Gedankenzusammenfassung eines mich sehr beeindruckenden Gesamtkonzepts ERWIN SATTLER.

Wenn man das Glück hatte, so liebevoll und kompetent durch einen Betrieb geführt zu werden, dann sollte man das schon auch ein wenig teilen dürfen.

Nein: Man muß es teilen - ansonsten erdrückt einem diese Uhrenleidenschaft ganz einfach.

Und das ist Sinn und Zweck dieses kleinen Berichts - man muß ja die Welt aufklären, welche schönen Teile es gibt ...

Gruß, Richard
 
M

Maxe

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Hallo Richard,

Mit ein bisschen Wehmut (Boah so ein einmaliges Erlebnis) habe ich diese schöne Vorstellung gelesen.

Herzlichen Dank das du (ihr) uns in Bild und Wort daran teilhaben lasst...

Da habt ihr etwas sehr schönes erlebt!

(Jetzt weiß ich was Frank Gestern mit Event meinte ;-) )

Dann freue Ich mich natürlich auch über ein paar neue " Großuhren Spezialisten" ;-)

Viele Grüße Maxe
 
Stumpy

Stumpy

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Hallo Richard,

das ist ja einmal ein Bericht, wirklich toll und sehr informativ :klatsch:!
Da wäre ich wirklich gerne dabei gewesen.
Diese riesengroße Pendeluhr ist ja der absolute Hammer, auch wenn man bedenkt,
welche Umwelteinflüsse da drauf einwirken und welchen Aufwand man betreiben muss, um dem Herr zu werden.
Da bin ich nicht nur als Uhrenfreak, sondern auch berufsbedingt von den schon "maschinenbaulichen" Fähigkeiten hin und weg.
Hat Hr. Müller auch was zur Genauigkeit dieser Uhr gesagt?

Hast dir gleich so einen kleinen Uhrenbeweger-Schrank mitgenommen für deine Schätzchen? ;-):D
 
twehringer

twehringer

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Hallo Richard,

erstmal schön zu sehen, dass Du gut nach Hause gekommen bist, nach der gestrigen Berichterstattung ;-)

Ich bin zutiefst beeindruckt von dem was Ihr erleben durftet, aber auch ein bisschen wehmütig angesichts dessen, was ich versäumt habe.

Dein toller Bericht (Danke an dieser Stelle fürs teilhaben lassen und für die Arbeit) lässt deutlich durchhorchen, dass es Euch auch schwer beeindruckt hat, was es bei Sattler zu sehen gab. Schon toll!

By the way, ich könnt mir Sattler auch als Exit-Pendel-Watch vorstellen und hab mir auch schon mal Bausätze angeschaut, um das finanzierbar zu machen. Nur hab ich Angst, dass ich drei Bausätze brauch, bis ich eine funktionierende Uhr beisammen hab.
 
RiGa

RiGa

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Danke für Euer Interesse - meines wurde auf alle Fälle mal geweckt.

Und nein, es gab dort nichts zum Mitnehmen - dort nicht ... ;-)


Diese riesengroße Pendeluhr ist ja der absolute Hammer, auch wenn man bedenkt,
welche Umwelteinflüsse da drauf einwirken und welchen Aufwand man betreiben muss, um dem Herr zu werden.
Herr Müller wußte zu allem etwas zu berichten, zu wirklich allem.

Wenn Du Dir die Gebäudefront ansiehst, siehst Du da vier so eher unmotivierte (aber auch nicht auffallende) Stahlträger.

Diese mußten eingezogen werden, um dem Haus Stabilität zu verleihen, und auch ein wenig als "Gegengewicht" für das Gewicht auf der Nordfassade (wenn ich mich richtig entsinne, sprach Herr Müller da von einer Tonne oder so in bezug auf die Momentum).

Nordfassade deswegen, um eben das Material nicht der direkten Sonneneinstrahlung auszusetzen - ein wenig also in Schutz zu nehmen.

Aufwand pur - auch in diesem Teil, daß im Maßstab 6,25:1 nachgebaut wurde - also alles in etwa sechseinhalbmal größer als die "Normal"-Ausführungen.

Bloß das Aufzugsgewicht wurde nicht aus Vollmetall (bei Sattler-Uhren bestehen dem spezifischen Gewichts wegen ansonsten diese Aufzugsgewichte aus Wolfram), und der Pendelstab ist nicht aus Superinvar ausgeführt, sondern aus einem Carbonfasergemisch.

Die Werkhalteplatte hat eine Fläche von mehr als zwei Quadratmeter!

Das Zifferblatt einen stolzen Durchmesser von 1,60 Meter!

Das Doppelzylinder-Pendelgewicht wiegt ca. 200 Kilogramm!

Alles hat ein wenig größer ... :D

Hat Hr. Müller auch was zur Genauigkeit dieser Uhr gesagt?
Der Pendel benötigt exakt 2,5 Sekunden pro Ausschlag in eine Richtung (demnach 5 sec für einen ganzen Ausschlag) - und wer den Präzisionsgenaugigkeitswahn bei Sattler kennt, der kann davon ausgehen, daß die Gangungenauigkeit dem Großprojekt entsprechend bei nur wenigen Sekunden pro Monat ausfällt.

Leider habe ich mir den genauen Wert nicht gemerkt - aber sehr auffällig ungenau war der mitgeteilte Wert wohl nicht ... ;-)

Schaut Euch doch mal ein wenig auf der Homepage um, da gibt es viele Informationen, vieles zu entdecken (zum Beispiel - der Vorteil ist, daß dort wenigstens alles stimmen wird, was ich mir schon ein wenig mühevoll aus dem Gedächtnis abrufen muß *gg*)

Es wäre doch eine spannende Herausforderung eine solche Riesenpräzisionsuhr fertig zu stellen, genau handelt es sich um die 6,25-fache Vergrößerung einer schon über 1000 mal hergestellten Sattler Präzisionspendeluhr, dachten sich die Manufakturinhaber Stephanie Sattler-Rick und Richard Müller. Es gab natürlich auch keinen besseren Zeitpunkt als den des Umzugs ins neue Firmengebäude in Gräfelfing, Lohenstr.6 und das gleichzeitige Firmenjubiläum 50 Jahre Erwin Sattler. Die Konstruktionspläne und Baudetails wurden von den Uhrmachermeistern der Manufaktur selbst erstellt. Die Bauzeit der Uhr betrug 2 Jahre.

1.jpg

Genau über dem Eingang des neuen Firmengebäudes in einem 12m hohem Stahlturm befindet sich die komplette Mechanik der Uhr in einem 8,80 m hohen, 2,40m breiten und 1m tiefen Stahlgehäuse. Der Nachts voll beleuchtete, mit 13 riesigen Scheiben verglaste Turm erlaubt einen faszinierende Blick auf das Regulatorzifferblatt mit 160cm Durchmesser, und die 3 gebläuten Zeiger, die getreu dem Stil der alten Sternwartuhren auf je separaten Zifferblättern, die Sekunden, Minuten und Stunden anzeigen.

3.jpg

Nicht nur durch den Durchbruch im Zifferblatt, sondern auch durch die Seitenscheiben, sind die aufwändig ins Messing gefrästen und anschließend vergoldeten Zahnräder und die feine Grahamhemmung zu sehen.

2.jpg

Getreu dem Motto, eine Pendeluhr ist so genau wie ihr Pendel besteht das temperatur- und luftdruckkompensierte Pendel aus einem Mix verschiedenster Materialien. Carbon, Messing, Edelstahl und Aluminium in genau aufeinander abgestimmten Dimensionen garantieren, daß das 7,80 m lange Pendel seine Frequenz von 0,2Hz (5 sec. pro Pendelschwingung) auch bei Temperaturschwankungen, exakt einhält. Die Präzisionsuhr wird vom Hausinneren, rein mechanisch, über eine Kurbel einmal pro Woche aufgezogen. Um auch das Uhrwerk während des Aufzugsvorganges mit Kraft zu versorgen, wurde ein Huygenscher Endlosaufzug gewählt, dessen Kennzeichen zwei verschieden große Aufzugsgewicht sind.
Gruß, Richard (der da ein wenig auf die Unterstützung anderer MUCs hofft ;-))



Nachträglich hinzugefügt:
... und hab mir auch schon mal Bausätze angeschaut, um das finanzierbar zu machen. Nur hab ich Angst, dass ich drei Bausätze brauch, bis ich eine funktionierende Uhr beisammen hab.
Hab' ich schon einmal erwähnt, daß Herr Müller auf alles eine Antwort wußte? ;-)

Also: Keine Angst, keine Sorge - überhaupt kein Grund zur auch nur geringsten Beunruhigung.

Es soll ganz, ganz simpel gehen - ein "IKEA-Regal" sei schwieriger zusammenzustellen (so oder ähnlich argumentierte Herr Müller).

Und ich glaube ihm das auch - die sind dort dermaßen mit viel Liebe auch zum Detail an der Arbeit, die ließen das gar nicht zu, daß einer Uhr von ihnen auch nur ansatzweise Ungemach widerfährt.

Und zur letztgültigen Beruhigung, wenn man wirklich, entgegen aller Vermutungen, einmal nicht weiterkann: "Wo ist das Problem, dann schicken wir eben einen Außendienstmitarbeiter zu Ihnen, der hilft dann schnell weiter."

Erwähnte ich schon, daß die mit Leib und Seele zur Sache gehen? ;-)

Gruß, Richard
 
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Franziskuss

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Was soll man als Teilnehmer der Führung sagen....

Danke nochmals für den Klasse Bericht, lieber Richard :klatsch:

und für die Torte:D
 
Pronto

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Vielen Dank für diesen Bericht, ich bin sprachlos ! :klatsch::schock:
 
JochensUhrentick

JochensUhrentick

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Hallo Richard,

auch Pendeluhren haben´s in sich! Danke für die sehr interessante "virtuelle" Mitnahme und den tollen Bericht! ;-)
 
carpediem

carpediem

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Na Hallo,

da ist man mal ein paar Tage nicht im Forum und dann legt der liebe Richard hier einen Erlebnisbericht der Spitzenklasse vor, wo ich schon im Terminkalender nachgeschaut habe, welche Nacht ich mir jetzt um die Ohren hauen muss...;-)

Lieber Richard, als Initiator und Organisator dieser Veranstaltung ein ganz dickes Lob für Deinen schönen Bericht. Danke für´s "Mitnehmen" :D

Die 2,5 Sekunden treiben meinen Blutdruck noch immer in die Höhe. Aber ich dachte, ich habe eh schon mal geschrieben, daß ich Uhren liebe. Die Größe ist da eher sekundär, solage da was tickt....

Man spürt auch aus Deinen Worten die nachschwingende Begeisterung in jeder Silbe. Obwohl ich mich schon viele Jahre mit Großuhren (viieeel länger als mit Armbanduhren) beschäftige, hat dieser Besuch einen starken Eindruck hinterlassen. Das pesönliche Herzblut ist eben jener Funke, der aus Bildern nur bedingt überspringt. Und obwohl ich diesen Präzisionspendeluhren auch schon vielen Jahren folge, muß ich noch einmal sagen: die Atmosphäre und auch die Stimmung - auch die, die aus der Gruppe zu sprüren war - werde ich so bald nicht vergessen.

In diesem Sinne noch einmal vielen Dank für Deine Impressionen und allen einen heißen Dank für die spannungsgeladenen Atmosphäre.

viele Grüße...Frank.
 
knoedelfan

knoedelfan

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Richard. Danke nochmals! Jetzt habe ich zum (hochösterreichisch) geprochenen Wort
noch den Text, in dem die Begeisterung widerum mitschwingt.
Selbstverständlich im 2,5 Sekunden - Takt.
 
B0_1

B0_1

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Toller Bericht Richard (gleicher Vorname wie Richard Müller!),

ich kann den Bericht nur bestätigen, weil ich 2006 auch an einem Rundgang durch Richard Müller teilnehmen durfte (die Großuhr über dem Eingang war damals noch im Bau). Mit welcher Begeisterung Richard Müller die Geschichte und die Gegenwart der Sattler Uhr präsentiert ist schon toll. Ich plane mir die Mechanica M1 zu kaufen und zusammen zu bauen. Ich freue mich schon jetzt, wenn in ca. 2 Jahren diese Uhr in meiner Wohnung hängt und ich das ticken der Uhr hören kann.

Alex
 
RiGa

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Danke für Eure Statements - zeigten sie mir doch, daß ein wenig der "nachschwingenden Begeisterung" (© Frank *gg*) rübergekommen ist.

Allen, die sich überlegen, eine Groß-/Pendeluhr zuzulegen, denen kann ich mit reinem Gewissen eine Erwin Sattler ans Herz legen.

Nix sonst scheint es auf diesem Gebiet zu geben, wenn man wirkliche Qualität an allen Ecken und Enden besitzen möchte.

Nicht umsonst "eine Uhr für Generationen"!

Und allen, die schon eine Ihr Eigen nennen dürfen - jetzt oder in naher Zukunft:
Schon jetzt neidlose Gratulation! Ihr habt Euch vollkommen richtig entschieden!

Ich studierte heute nochmals ausgiebig das Prospektmaterial - einfach irre, welchen Aufwand die da betreiben (in allen sichtbaren und unsichtbaren Belangen).

Und hätte ich es vorher gelesen, wäre mein Bericht noch ein wenig detaillierter ausgefallen. ;-)

Gruß, Richard

PS an Robert: Danke für Deine Meldung - da mußtest Du Dich wohl ein wenig durchmühen, wenn ich es richtig in Erinnerung habe ...
 
BBouvier

BBouvier

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Danke, Carpediem! - für dieses
ganz ausserordentliche Erlebnis, -

Danke, Richard!...für Deinen Bericht!!

Es ist eine ganze zeitlang her, dass mich etwas
so tief begeistert und bewegt hat, wie dieses
Erlebnis, in mechanische Uhren nicht zu überbietender
Perfektion eingeführt zu werden.

Wie lautet doch nochmal das Firmenmotto?
=>
Wieso es sich einfach machen,
wenn es auch kompliziert geht!


Wenn man miterlebt, wie ein Fachmann dort,
der eine Ausbildung in Raumfahrt- und Messtechnik hinter sich hat,
dabei ist, ein fünfcentgrosses Messingzahnrad anzufertigen
und erwähnt, in so 2 Stunden etwa wäre er wohl fertig,
dann ergreift den Betrachter tiefe Ehrfucht vor deren Einsatz,
deren Können und deren Liebe zu Uhren.
Und man versteht, dass SATTLER-UHREN weltweit
kaum ihresgleichen wohl haben.
Es handelt sich um schiere Perfektion schlechthin!
Die jeden Cent wert ist.

Gruss,
BB
 
Doerthe

Doerthe

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Hallo Richard,
das war aber wirklich sehr interessant, vielen Dank für diesen so ausführlichen und anschaulichen Bericht.
Liebe Grüsse
Dörthe
 
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