Der lange Weg zu meiner ersten (zweiten) Automatikuhr. Tissot PR 516 GL

Diskutiere Der lange Weg zu meiner ersten (zweiten) Automatikuhr. Tissot PR 516 GL im Uhrenvorstellungen Forum im Bereich Uhrenvorstellungen; Das wird hier ein längerer Aufsatz, soll aber nicht nur eine Uhr- sondern eine Mitgliedsvorstellung sein. Kurz zu mir und wie ich zu den Uhren...
#1
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käptn_supermann

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Das wird hier ein längerer Aufsatz, soll aber nicht nur eine Uhr- sondern eine Mitgliedsvorstellung sein.

Kurz zu mir und wie ich zu den Uhren, die ich weiter unten vorstelle, kam:
Ich bin vor kurzem 31 Jahre alt geworden, verheiratet und lebe in Wien. Meine Beziehung zu Uhren beginnt in meiner Kindheit, den 90ern, Zeit der ausgeflippten Quarzuhren. Uhrenliebhaber gab es in meiner Familie nicht. Trotzdem hat mein Vater mir damals öfter mal eine coole Kinderuhr von einer seiner Geschäftsreisen mitgebracht. Wirklich gut erinnern kann ich mich nur an eine davon, eine orangene mit Basketball-Ziffernblatt und Gummiband. Sie hat, glaube ich, keinen ganzen Sommer durchgehalten. An ihr genaues Ende kann ich mich aber nicht erinnern.
Dann, zu meinem 10 Geburtstag fragte mich meine Mutter an einem Nachmittag in der Stadt, was ich mir denn zum Geburtstag wünsche. Ich glaube wir gingen da gerade am Schaufenster eines Uhrengeschäfts vorbei und ich sah die coolste Uhr evva(!): Eine G-Shock. Genauer gesagt, eine Casio G-Shock DW 6600. Obwohl es nicht gerade eine günstige Angelegenheit war, bekam ich sie und war der coolste Junge in der gesamten Volksschule - oder fühlte mich zumindest so. Die G-Shock ging mit mir durch dick und dünn und war ungefähr 5 Jahre lang meine tägliche Begleiterin.
Danach habe ich den Draht zu Uhren verloren und trotz einer kurzen Liaison mit eine Binäruhr (dachte dann wieder eine Zeit lang, der Coolste zu sein), blieben meine Handgelenke den Großteil meiner 20er nackt.

Erst als ich auf die 30 zuging, fing ich an mich wieder für Uhren zu interessieren. Hauptmotiv war, dass ich es satt hatte andauernd auf mein Smartphone zu gucken wie spät es denn ist, nur um 10 Minuten und 50 scroll-Meter auf Facebook später draufzukommen, dass ich auf die Uhrzeit vergessen hatte. Eine Armbanduhr sollte Abhilfe schaffen. Sollte mich befreien aus dem digitalen Dickicht, von dem ich mich so bedrängt fühlte. Nun war ich aber noch Student, preisempfindlich, nicht sonderlich eitel und geprägt von der goldenen Casio-Ära. Außerdem waren diese LCD-Uhren wieder hip und überall günstig zu bekommen. Ich legte mir also eine Casio AW 158 zu, oder genauer gesagt zwei davon, und war zunächst einmal zufrieden. Zwar zupften sie mir massenweise die Haare aus aber cool waren sie. Und unaufdringlich. Sie erfüllten ihre Aufgabe.
Casio AW 158_small.jpg

Nur war da dann sehr bald eine neue Aufgabe. Nicht nur vom Sog des Uhrenblicks aufs Smartphone wollte ich mich befreien. Nein, auch dem ständigen Geläute und Gepiepse wolle ich entkommen. Einfach stummschalten ging nicht, da ich dann auch wichtige Anrufe und Nachrichten meiner Frau verpasste. Glaubt mir, wenn man am Nachmittag 20 verpasste Anrufe sieht und 30 hysterische Nachrichten, weil die Frau sich beispielsweise ausgesperrt hat, will man an diesem Tag eher nicht nach hause. Been there, done that.

Anstatt digitalen Zölibats musste eine andere, eine smarte Lösung her. Na? Schon erraten? Genau, Smartwatch. Eine Pebble besorgte ich mir und sie schien alle meine Probleme zu lösen. Bis das Display den Geist aufgab (ein häufiges Problem bei Pebbles) und die Firma nach Verkauf an Fitbit die Pebble-Serie einstampfte und den Support für alte Pebbles dann auch irgendwann auslief. Da stand ich also. Wieder eine geplagte Seele, wieder gefangen im digitalen Dickicht. Eine dieser richtig smarten Smartwatches à la Samsung Gear oder Apple Watch wollte ich nicht. Nicht nur weil sie teuer waren (aber schon auch deshalb), sondern vor allem weil ich meine Uhr nicht ständig laden müssen wollte. So fanden die Casios wieder öfter den Weg an mein Handgelenk und ich schaute mich außerdem immer wieder mal im Internet um, was es auf verschiedenen Plattformen denn so gab. Unter anderem entdeckte ich dabei eine coole Vintage-Uhr: eine Tissot PR 516 GL. War aber zu teuer damals und so blieb sie doch nur unerfüllter Wunsch. Nicht zu teuer und auch extrem cool war eine andere Uhr, und die checkte ich mir dann auch. Es war eine alte Quarzuhr von Junghans.
Junghans 1.jpg
Junghans 2.jpg

Junghans wrist shot.jpg
Junghans wrist shot 2.jpg

Ich war zwar begeistern von ihr habe sie eine Zeit lang an einem olivfarbenem Nato getragen aber sie löste ja nicht mein Problem mit den nervigen Smartphone-Benachrichtigungen. Erst ein Plastikbomber aus China befreite mich wieder von meinem Leiden. Die Huami Amazfit Bip. Zwar nicht sonderlich smart und ausgestattet mit allerlei Sportfunktionalitäten, die mir nicht sehr wichtig waren, aber dennoch genau das, was ich brauchte. Sie brachte Benachrichtigungen direkt an mein Handgelenk, ließ mich sogar spezifizieren welche Benachrichtigungen überhaupt zu mir durchdringen sollten und welche nicht, das wichtigste Feature allerdings war die Akkulaufzeit. Ein Monat, locker. Die Welt war wieder in Ordnung.
Amazfit Pebble.jpg
Amazfit wrist shot.jpg

Ich war mittlerweile 30 und obwohl ich Armbanduhren überwiegend als Nutzobjekte erachtete (und die Amazfit Bip unfassbar großen Nutzen bot), war da schon auch mein wiedererwecktes Interesse an Uhren. Endgültig ins Rollen brachte slles ein Kollege als er eines Tages mit seiner SKX antanzte. Taucheruhren sind halt schon auch cool. Und so entschied ich mich , als mein 31. Geburtstag in unmittelbare Nähe rückte, meine erste Automatikuhr zu kaufen, eine Citizen Promaster NY0040-LEM. Was für eine Uhr! Genau nach meinem Geschmack: toolig, dennoch schick, robust und erlässlich, authentische Taucheruhr inklusive Militärgeschichte. Geil.
Citizen orange 1.jpg
Citizen orange 2.jpg

Citizen nato.jpg
Citizen loom.jpg

Und fast wäre sie es auch geworden, wenn da nicht das Schicksal einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Ihr erinnert euch noch an die Tissot von vorhin? Da war wieder eine. In wunderschönem Zustand, zwar zwei kleine Macken am Gehäuse, dafür aber unpoliert. Noch dazu die Version mit geraden Bandanstößen. Ein braunes Lederband würde diesem blauen Ziffernblatt so gut stehen. Aber ich hatte doch erst gerade die Citizen gekauft und fast ließ ich meinen Traum weiterhin unerfüllt. Aber dann dachte ich mir: Ich kann mir nicht so eine Gelegenheit entgehen lassen wegen einer Citizen, die ich jederzeit wieder kaufen kann. Außerdem hatte ich sie über amazon gekauft und 30 Tage waren noch nicht verstrichen. Ich machte also von meinem Rückgaberecht Gebrauch und schlug bei der Tissot zu. Ich kaufte sie über willhaben.at ohne sie vorher begutachtet zu haben per Banküberweisung. Dementsprechend groß war der Nervenkitzel. Ah, die Aufregung. 100 mal spannender als amazon prime.
Da war sie also. Genauso wie auf den Bildern. Ich war entzückt!
Tissot 1.jpg
Tissot night.jpg


Mein Traum war erfüllt. Ganz zur Ruhe setzen konnte ich mich aber nicht. Der vorhin erwähnte Kollege machte mich auf dieses Forum hier aufmerksam und schon bald tauchte auf dem Markplatz dieses Tissot-Pärchen auf. Wieder mit blauem Ziffernblatt, aber diesmal in der Ausführung am Edelstahlband. Einmal für Herren und einmal für Damen. Bezaubernd! Und vielleicht eine gute Art und Weise meine neue Leidenschaft meiner Frau näher zu bringen.
Tissot 2.jpg
Tissot 3.jpg


Ich trage die Tissot, die neue vorwiegend, jetzt an Wochenenden und wenn ich etwas schickeres als meine Amazfit brauche. Meine Alltagsuhr ist aber der chinesische Plastikbomber geblieben. Ich möchte ein paar schicke Lederbänder für die andere Tissot kaufen und außerdem werde ich, früher oder später, wieder eine Citizen Promaster kaufen. Sie hat in der kurzen Zeit einen fantastischen Eindruck hinterlassen.

Da es ja doch eine Uhrvorstellung ist, hier noch ein paar Angaben zu der neuesten:

Hergestellt irgendwann in den (frühen) 70ern, in der Zeit in der Tissot unter einem Dach mit Omega war.
Daher tickt in ihr ein abgeändertes Omega Automatikwerk, das Tissot 784.
Es verfügt über Datumschnelleinstellung und hat eine Gangreserve von über ca. 45h.
Der Gehäusedurchmesser von 36mm ist wie gemacht für meine recht schmalen Handgelenke.

Da ich die meisten Infos zur Uhr ohnehin aus diesem Thread hier habe, empfehle ich bei Interesse sich einfach hier zu informieren:
Tissot PR 516 GL (Vintage) - Versionen und Werke?

Zum Abschluss noch zwei wristshots der Neuen und ein Tissot-Familienfoto.
Tissot wrist.jpg
Tissot bike shot.jpg

Tissot trio.jpg


Danke fürs Lesen und Hallo an die Forumsgemeinde!
 
#4
K

käptn_supermann

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Ihre Begeisterung hält sich leider in Grenzen :-(

Ich hoffe, sie wird mit der Zeit Gefallen daran finden.
 
#5
johannes2411

johannes2411

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772
Ort
HG
Echt stark :-)

Herzlichen Glückwunsch, dein Tissot Trio ist wirklich super schön.

Ich mag diese schwebenden Indexe und finde es cool wie die Zeiger darunter durchlaufen.

Ganz viel Freude wünsche ich dir damit und deine bessere Hälfte braucht eventuell einfach noch etwas Zeit.

Meine hat auch lange gebraucht und jetzt bekomme ich meine Sinn 856 nur selten zurück ;-)
 
#6
U

UhrAlex

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Sehr schöne Tissots! Vielen Dank für die Vorstellung!
Diese Ausführung der Indizes fasziniert mich immer wieder.

Gruß
Alex
 
#7
Gezeiten

Gezeiten

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Ah, bei dir ist das Tissot-Pärchen also gelandet:super:... Ich hatte die kleine Variante auf dem Radar, aber leider keine Verwendung für die Große gehabt, da mein Mann diese bereits besitzt.
Herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Tragen wünsche ich dir! Und hoffe natürlich, dass deine Frau sich auch noch ein wenig verlieben wird... Diese schwebenden Indizes sind einfach immer wieder faszinierend!
 
Zuletzt bearbeitet:
#9
bachmanns

bachmanns

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Mit etwas Verspätung auch von mir noch herzlichen Glückwunsch zum schönen Vintage-Tissot-Pärchen:super: Ich hatte das Angebot ebenfalls im Auge, aber meine Freundin hat nur entnervt abgewunken; sie hätte die Kleine nicht tragen wollen und so habe ich verzichtet. Freut mich sehr, daß die 2 eine schöne neue Heimat gefunden haben:super:
 
#10
T

thp001

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Auch von mir einen herzlichen Glückwunsch - die PR 516 GL ist eine tolle Uhr. Sie ist eine meiner liebsten Vintageuhren. Vor allem schätze ich die Vielseitigkeit dieser Uhr. Sie trägt sich zum Anzug genau so gut wie zum Freizeit-Look. Und sie ist eine der wenigen Uhren, auf die ich auch schon mal angesprochen werde. Meiner Frau habe ich natürlich auch das passende Damen-Modell gekauft, oft trägt sie sie aber nicht. Ist wahrscheinlich einfach zu wenig Glitzer dran ;-) Gruß, thp001.
 
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