Uhrenbestimmung Defekte Drehpendeluhr von KIENZLE, wie alt?

Diskutiere Defekte Drehpendeluhr von KIENZLE, wie alt? im Sonstige Uhren Forum im Bereich Uhren-Forum; Hallo Uhrforum, im Keller meiner Eltern habe ich eine alte, defekte Drehpendeluhr von KIENZLE gefunden. Ich hoffe, jemand kann mir bei der...
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Vlad L.

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Hallo Uhrforum,

im Keller meiner Eltern habe ich eine alte, defekte Drehpendeluhr von KIENZLE gefunden. Ich hoffe, jemand kann mir bei der Identifizierung weiterhelfen! Wie alt könnte diese Uhr sein? Ich weiß, dass sie in den 80er Jahren erworben wurde.
Leider konnte ich (auch im Uhrwerk, soweit sichbar) keinerlei Kennzeichnung oder Numerierung etc. feststellen, die Uhr aufzuschrauben traue ich mich nicht. Sie ist etwa 39 cm hoch, die Glashaube etwa 47 cm.
Die Uhr ist leider defekt. (Sie ist einmal gegen eine Tür gestoßen worden und der Aufzug wurde vermutlich einmal zu fest aufgezogen.) Ein Uhrmacher in unserer Stadt hat vor vielen Jahren einen dreistelligen Betrag verlangt, um sie zu reparieren. Leider ist auch die Glashaube beschädigt und müsste ersetzt werden.
Ist es sinnvoll, so viel Geld in diese Uhr zu stecken? Es wäre sicher eine nette Überraschung für meinen Vater, wenn ich ihm diese Uhr nach so vielen Jahren funktionierend überreichen könnte, aber leider kann ich nicht einschätzen, ob eine so hohe Investition sinnvoll ist.
Ich würde mich über Informationen zu dieser Uhr sehr freuen!

Im Voraus vielen Dank und mit besten Grüßen, Vlad L.

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Der Stromer

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Eine Uhr mit vielleicht langer Geschichte.
Von den Bildern her kann KIENZLE als Hersteller richtig sein. Das kann man aber erst genauer sagen, wenn ein besseres Bild der hinteren Platine und die Abmessungen der Platine (Breite x Höhe) bekannt sind. Bis jetzt würde ich sagen, Herstellung ab 1909. Dazu passt auch das Kugelpendel, ebenfalls KIENZLE aus ca. 1908. Zum Gehäuse: Bei dem Alter der Uhr (über 100 Jahre) wird es noch teilweise original Feuer vergoldet sein. Der Hersteller war aber definitiv NICHT KIENZLE. Diese Gehäuse wurden vom Zulieferer an viele Uhrenfabriken geliefert. Diese "Louvre" Gehäuse gab es mit 6 und 4 Säulen. Einen Glasdom für diese Uhr zu finden, ist nicht schwer. Und für unter 70,- EUR sind die zu bekommen.
Allerding: für eine Revision dieser Uhr wirst Du schon im niedrigen 3-Stelligen Bereich in die Tasche greifen müssen. Fraglich ist allerdings, ob Du überhaupt einen Uhrmacher findest, der Jahresuhren KANN und auch will.:shock:

Hier kannst Du Dir ansehen, wie so eine Uhr aussehen kann! Jahresuhr mit Louvre-Gehäuse.
 
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Vlad L.

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Lieber Rolf-Dieter,

vielen Dank für deinen Beitrag!
Als Leihe bin ich davon ausgegangen, dass die Bezeichnung auf dem Ziffernblatt [KIENZLE und am unteren Rand in kaum zu lesender Schrift 'MADE IN GERMANY'] eine Auskunft über den Hersteller gibt. Wenn ich dich aber richtig verstanden habe, muss man strenggenommen jedes einzelne Teil der Uhr für sich auf die Herkunft etc. prüfen.
Ich hatte gehofft, dass man über die äußere Gestaltung der Uhr einen Hinweis auf das Herstellungsjahr der Uhr findet, aber es scheint ja vor allem auf das 'Herzstück' der Uhr, also das Uhrwerk anzukommen.
Wenn ich dich richtig verstanden habe, ist es gut möglich, dass diese Uhr ganz grob in den Jahren 1908-1945 hergestellt wurde?

Die Platine ist 6,7 cm x 8,8 cm groß. Auf dem Kugelpendel habe ich die Beschriftung A R [Pfeil] E S (siehe Foto) gefunden, vilt ist es relevant?

Der Durchmesser am Sockel beträgt 23 cm.

Ich habe auch versucht, das Uhrwerk von Innen zu fotografieren.

Damit die vorgestellte Jahresuhr auch nur ansatzweise so aussieht wie deine verlinkte Uhr, muss wohl auch kostentechnisch so einiges geschehen!

Viele Grüße, Vlad

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Hallo, Vlad.
Also auch die Abmessungen der Platine gehören zu der Uhr, die ich schon "im Verdacht" hatte. Herstellungs-Zeitraum war aber nur zwischen 1908 und ca. 1920. Danach gab es einige kleine Änderungen am Layout der Platine.
Folgendes noch zu den Uhren im 20. Jahrhundert: Fast alles wurde zugekauft, da es keinen Sinn machte, z.B. Ziffernblätter in eigener Fabrik herstellen zu lassen. Dazu gab es einfach zu viele Modelle. Ebenso auch die Zahnräder, Triebe und Federhäuser. Nur bei der Entwicklung wurden für Prototypen diese Teile selbst hergestellt und nach der Serienreife an Zulieferer vergeben. Kostenminimierung war das Zauberwort. Und auch die Gehäuse waren in den meisten Fällen Fremdprodukte. Bei den Louvre-Gehäusen mussten z.B. sehr strenge Auflagen (auch um 1900 herum schon) beachtet werden, waren doch die Verfahren zur Feuervergoldung hoch giftig und auch sehr komplex. Nicht viele Fabrikanten machten solche Investitionen.
Aber bei allem gilt immer: Die Ausnahmen bestätigen die Regel!!! Es gab auch Hersteller, die Gehäuse (Holz und Metall) selbst herstellten und auch Ziffernblätter wurden in vielen Fabriken selbst hergestellt, aber mehr Fabriken kauften zu. KIENZLE verkaufte sehr viele "Rohwerke". also nur die Werke. Die konnten auch ohne jede Firmenmarke oder mit Fremdmarken sein. Z.B. die Firma Huber-Uhren - Hoflieferant des Bayerischen Königshofes in München - hat Jahresuhren mit dem Namen A. Huber verkauft, aber die Werke stammten (ohne eigene Markenprägung) von Baduf, der Jahresuhrenfabrik und auch von Kienzle. Nur die im eigenen Verkauf stehenden Uhren hatten (fast) immer das Firmenlogo auf den Platinen geprägt. Das war übrigens nicht nur bei Jahres- oder Drehpendeluhren so. Alle Werke waren davon betroffen.

Zum Pendel: Das Pendel gehörte fest zum Uhrwerk. Darum hatte das manchmal auch eine Nummer geprägt, die auch auf der Uhrenplatine vermerkt war. Das machte das "Wiederfinden" der zusammengehörigen Uhrenteile bei der Montage im Ausland wesentlich leichter und ersparten den Montierern die anschließende aufwändige Justage der Uhr.
Zu Deiner Frage nach der Prägung A und R auf dem Pendel: Nö, das hat nichts mir irgend einer Zeit zu tun. Es bedeutet lediglich "A" für Avancé = Vorwärts oder schneller und das "R" steht für Retardé = zurück, langsam. Die anderen beiden Buchstabe sind F für "FAST" und S für "SLOW". Also Zeichen, in die diese Scheibe am Pendel gedreht werden muss, um die Uhr zu regulieren.

Also zusammengefasst: Die Uhr stammt aus dem 20. Jahrhundert. Sie läuft - richtig revisioniert - mit 1 x Aufziehen mindestens 1 Jahr. Hergestellt von 1908 bis max. 1920. Das Louvre-Gehäuse ist fast sicher teilweise feuervergoldet. Ich würde die Uhr Revisionieren, es lohnt sich bestimmt.
 
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Vlad L.

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Lieber Rolf-Dieter,

ich danke dir auch für diesen weiteren, sehr hilfreichen Beitrag!
Wenn ich richtig verstanden habe, findet die Zuordnung also über die Platine statt und im Idealfall findet man dann im Terwillinger-'Katalog' eine Ensprechung, sodass man das Werk einem Typ zuordnen kann. Wobei dann jede Jahrgangsuhr noch einmal (insgesamt) eine individuelle Konfiguration aufweist, in Abhängigkeit von dem Herstellungsort und den zugehörigen Zulieferern und (evtl.) in Folge von Reperaturen bzw. Umbau?
Noch eine kleine Frage zu den Buchstaben auf dem Pendel. Was bedeuten die Buchstaben 'E' und 'S'. Bestimmt hat es auch etwas mit der Regulierung der Uhr zu tun, aber leider kann ich es nicht erschließen.

Soweit ich verstanden habe, ist die Reperatur aufwenig und teuer. Mein Vater hat diese Uhr damals in der SU erworben, und er hatte einige Schwierigkeiten, einen Uhrmacher zu finden, der sich überhaupt an eine Reperatur herangetraut hat (teilweise haben diese das Problem sogar verschlimmert), darum ist die Uhr letztlich auch leider in diesem Zustand verblieben. Ich habe gesehen, dass du teilweise auch Revisionierungen betreibst, allerdings wohne ich im Norden Deutschlands und bin leider nicht so mobil. Gibt es vilt. einen guten Kontakt Raum Niedersachen-Bremen?

Ich möchte dir jedenfalls für deine Hilfe danken und für den aufschlussreichen Exkurs in die Jahresuhr-Produktionsverfahren von vor hundert Jahren!

Herzlichen Dank und viele Grüße, Vlad
 
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Dille

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Im 20. Jh. hat man fast nicht mehr feuervergoldet (wegen der giftigen Quecksilberdämpfe), sondern galvanisch. Wenn das Gehäuse feuervergoldet ist, würde ich es früher einordnen.
 
Der Stromer

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@Dille.
Mit der Giftigkeit hast Du vollkommen Recht. Aber Feuervergoldungen waren bis zum WKI trotzdem in Meisterbetrieben zulässig. Verboten wurde dieses Verfahren erst nach 1960. Trotzdem dürfen zugelassene Betriebe auch heute dieses Verfahren mit strengen Auflagen noch anwenden, z.B. für Restaurationen etc.

Und zum Früher: Drehpendeluhren dieser Art wurden erst ab 1881 hergestellt. Louvre-Gehäuse sind erst um 1900 auf gekommen.

Ps:. Ein Spruch aus dem späten Mittelalter: Die Vögel fallen tot vom Himmel, die Vergolder kommen!

@Vlad L.
Wenn Du Dir klar geworden bist, was Du machen möchtest und Du die Urh trotz relativ hoher Kosten Revisionieren lassen möchtest, schreib mich einfach an.
 
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Vlad L.

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@Dille
Lieber Dille, ich danke für den hilfreichen Hinweis!

@Der Stromer
Rolf-Dieter, ich werde etwas über die Sache nachdenken und mich gegebenenfalls melden!

LG Vlad
 
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Dille

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Der Hinweis mit '1908' kam vom Stromer (s.o.). ;)
 
clavicembalist

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Eine schöne Uhr hast du da:klatsch:. Ich habe eine ähnliche vor ein paar Wochen erworben und auch revidiert.
Sie sind ein echter Hingucker. Alles andere wurde bereits von den anderen Mitgliedern geschrieben.
 

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