Davidoff 5350 mit JLC 839: Revisionsbericht

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Mic69

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Wie versprochen kommt heute endlich der Bericht zur Arbeit.

Im Juli kam diese seltene Schönheit zu mir:
Davidoff 5350 im Titaniumkleidchen
front-davidoff.jpg

Dieses Modell ist an sich nicht so selten, jedoch mit Quarzuhrwerk. Mit einem Handaufzug muss man diese Uhr schon suchen.

davidoff-839-hinten.JPG davidoff-839-vorn.JPG

Hier nochmal ein paar Eckdaten zum Werk:
Jaeger LeCoultre 839, Durchmesser: 9 1/4 Linien
21.600 bph, Einseitig gelagertes Federhaus

Dieses ultradünne ( 1,85 mm) Kaliber 839 von 1975 wurde 1994 überarbeitet und in Kaliber 849 umbenannt.
Das andere Schwesterkaliber 838 unterscheidet sich im Wesentlichen durch die kleinere Frequenz der Unruhe und damit natürlich auch durch eine andere Übersetzung.
Aufzug und Antrieb sind scheinbar bei allen drei Werken identisch.
Die erste Diagnose ergab eine gerissene Zugfeder, Etwas Rost an der Aufzugwelle und eine abgenutzte Krone.
Glücklicherweise war im Aufzug selbst kein Rost.

Zunächst ging es an die Ersatzteilsuche. In der Bucht wurde ich auf einen französischen Lieferanten aufmerksam, welcher die Zugfeder liefern konnte. Leider war das erstmal ein Fehlstart. Nach meinem Urlaub stellte ich fest, dass die gelieferte Zugfeder falsch war. Der Lieferant versprach eine schnelle korrekte Nachlieferung und hielt Wort. Super.
Bei einem deutschen Lieferanten fand ich nach langem Suchen die Aufzugwelle. Leider nur ein einziges Stück aus Restbestand und leider ein Fabrikationsfehler. Dem Teil fehlte tatsächlich der Vierkant. Gibt´s sowas?
Eine neue Krone war leider nicht aufzutreiben. So ein exotisches Maß konnte scheinbar niemand liefern.

Nun frisch an die Arbeit!
Dieses wirklich schöne Uhrwerk besticht nicht nur durch seine Maße, sondern auch durch seine Ausstattung. Das freistehende Federhaus mit dem Lagerkern (das nenne ich jetzt mal so) beinhaltet eine der feinsten Nivaflex-Zugfedern, die ich kenne. Das Sperrrad (siehe oben) ist Teil des Lagers und hält das Federhaus "in Waage". Ankerrad und Unruhe sind in KIF-Stoßsicherungen gelagert. Der Aufzug ist extrem flach gehalten. Anker und Unruhe sind super filigran. Die Unruhe läuft wirklich absolut perfekt flach und rund - und sowas bei der Größe, schade, dass man das nicht per Foto zeigen kann.

werkoffenhinten-JLC839.jpg aufzug.jpg
FH-offen-JLC839.jpg Steine_JLC839.jpg

Ich nehme grundsätzlich ALLE Lager auseinander - auch auf die Gefahr hin, mal eine halbe Stunde nach einer versprungenen Feder zu suchen:D.
Die Lochsteine und sonstigen Lager wurden vor der Reinigung in der Maschine mit dem angespitzten Putzhölzchen bearbeitet. Hier war schon reichlich Kruste und die geht manchmal nicht ganz weg.
Das Einwinden der Zugfeder mit dem Federwinder war leider nicht möglich, weil diese Feder für mein Werkzeug zu klein ist - oder umgekehrt.
Eine Besonderheit bei diesem Werk ist die Unterlegscheibe an der Winkelhebelschraube - kann man leicht übersehen, wenn dreckig.

WH-Schraube.jpg FH2-offen.jpg

Bei der Montage ist eine kleine Schwierigkeit, das Federhaus in Position zu bringen, da es ja nicht auf die Grundplatine gestellt werden kann. Die insgesamt 6 Schrauben an Federhaus und Sperrrad sind so winzig, dass sie nicht in die Reinigungsmaschine gingen. Die purzeln sofort aus dem Körbchen.
Hier das Uhrwerk nach der Reinigung während der Montage:

Uhrwerk-JLC839.jpg Unruhe.jpg

Ankerrad und Anker werden epilamisiert. Die Unruhe darf in one-dip-solution baden.

Nach der Endmontage läuft das Werk erstaunlich gut mit ca. +3 Sek./d. Ein neues Band bekommt sie auch und so...

Back-JLC839.jpg Front-JLC839.jpg

hat ihre Besitzerin wieder Freude an ihrer Uhr. Durch den Glasboden kann man dieses kleine Wunder bei der Arbeit beobachten und genießen.
Ich hatte jedenfalls Spaß.
 

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nobrett

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Wow, wirklich eine aussergewöhnliche Uhr und eine schöne Dokumentation.
Jeder hier hat offenbar so seine Methoden mit denen er arbeitet. Was zählt ist dann das Ergebnis. Und das ist hier gelungen!

Ein paar Fragen noch: Hast Du den Vierkant der A-Welle dann nachträglich gefeilt, eine neue gemacht oder die alte verbaut? Und was hast du mit der Krone gemacht?

Gruß
Norbert
 
Mic69

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Die A-Welle wurde mechanisch und chemisch entrostet. Sieht nicht schön aus, betraf aber nur den Teil außerhalb des Werks. Material ist noch ordentlich vorhanden und das hat somit keine ernste technische Relavanz.
Die Krone habe ich nach Rücksprache mit meiner Kundin so belassen und ordentlich mit Silikonfett geflutet. Dadurch ist die Uhr nicht wasserdicht, jedoch ist das bekannt. Wenn es soweit ist, werden wir einen weiteren Versuch starten, eine originale Krone zu beschaffen.
 
Alberich

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Hallo Micha,

danke für den ausführlichen und interessanten Bericht! So ein edles Werk bekommt man nicht alle Tage zu sehen.

Kannst Du mir noch etwas zum Öffnen der Stoßsicherungen aus Bild nr. 7 erklären ? Mid dieser Bauart habe ich größte Schwierigkeiten: Entweder fliegen sie, oder sie brechen.

Wird da die "Lyra" zusammengedrückt, und dan herausgehebelt, oder muß man den kurzen Zapfen eindrücken, daß die beiden Schenkel auseinanderfedern?


Vielen Dank, und viele Grüße!

Matthias
 
nobrett

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Die Schenkel mit nem feinen Ölgeber nacheinander ausklinken.
Die Gefahr dass sie fliegen ist immer gegeben, brechen tun sie selten.

Das darf ich jetzt keinem Profi hier verraten, sonst werde ich gebasht, aber ich nehme Stoßsicherungen deswegen nicht mehr raus, sondern reinige sie ungeöffnet mit 1:9 in Ultraschall. Negative Aspekte wie Restschmutz oder unzureichende Amplitude habe ich so nicht feststellen können, aber die "Verfahrensicherheit" ist enorm gestiegen.

Gruß
Norbert
 
alte Uhr

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Hallo Micha,

Vielen dank für Deine tollen Bericht. Ich finde die Werkskonstruktion sehr interessant.
Hatte neulich zwei Audemars Piquet kal 2003 auf dem Tisch gehabt. Das scheint doch fast die selbe Gundplatine zu sein. Auch das durch das Sperrad gelagerte Federhaus scheint dem Kaliber
sehr ähnlich. Bei welchem zulieferer konntest Du die Feder bekommen. Gerne auch per PN.
Schöne Arbeit. :super:

Danke für`s Zeigen

Regulierte Grüße
Helmuth
 
Mic69

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Die Federn der Ankerraddeckplättchen öffne ich mit nem Ölgeber, und zwar an der Rückseite. Dabei werden die Schenkel weiter in die Halterung geschoben und so automatisch etwas zusammengedrückt. Auf diese Weise springen die Federn recht selten weg, da die Schenkel noch in der Halterung klemmen. Die so teilweise offene Feder kann man mit der Pinzette vorsichtigst herausziehen. Das ist der "gefährliche" Moment. Der Einbau geschieht genau umgekehrt: Schenkel in die Führung fummeln und dann die Rückseite nachschieben. Durch die Federspannung rastet das Ganze dann automatisch ein wie es soll.
 
Alberich

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Hallo Micha, hallo Norbert,

danke Euch beiden für die Erklärung und die Antwort! :super:

Viele Grüße!

Matthias
 
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