Das Runde muss ins Eckige. Unbekanntes, seltsam gestaltetes Felsa-Kaliber ist Felsa 311

Diskutiere Das Runde muss ins Eckige. Unbekanntes, seltsam gestaltetes Felsa-Kaliber ist Felsa 311 im Taschenuhren Forum im Bereich Vintage-Uhren; Hallo Taschenuhrfreunde, heute habe ich ein Rätsel: Welches Kaliber ist das? Es ist in einer recht kleinen (44,8 mmDurchmesser) und flachen (8,2...

andi2

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Hallo Taschenuhrfreunde,

heute habe ich ein Rätsel:
Welches Kaliber ist das? Es ist in einer recht kleinen (44,8 mmDurchmesser) und flachen (8,2 mm) Taschenuhr der Marke 'Genie'. Die Uhr stammt mutmasslich aus den '40er Jahren und ist schon ziemlich abgenutzt. Das Werk läuft, aber nicht gut, die Zeigerreibung fehlt und es braucht dringend eine Revision. Trotz des ziemlich erbärmlichen optischen Zustands habe ich die Uhr wegen des interessanten Uhrwerks ersteigert. ). Den Bügel habe ich ersetzt, Zeiger und Zifferblatt gereinigt. Die übrigen Arbeiten stehen noch an...

Hier ist das Ebay-Angebot mit einigen Fotos. Das Plastik-Glas (Zelluloid) ist etwas trüb und vergilbt, das Zifferblatt hat Alterungsspuren und das Chrom auf dem Gehäuse ist überall stark abgerieben:
http://www.ebay.ch/itm/331918858746?_trksid=p2057872.m2749.l2648&ssPageName=STRK:MEBIDX:IT

Das Werk ist rotvergoldet und ein Kaliber der Felsa-SA in Neuenburg / Grenchen, Schweiz. Auf der Werksvorderseite ist das Felsa-Symbol eingepräft, ein 'F' in einem Wappenschild.

vorn.1.png

vorn.2.png

Das Werk hat 38,1 mm Gesamtdurchmesser und 36,2 mm Durchmesser hinter der Grundplatine. Es hat schweizer Ankerhemmung, eine monometallische Schraubenunruh mit weisser Flachspirale, 15 Jewels.
Auf der Werksrückseite ist die 'Génie'-Bildmarke (das Wort 'Génie', darunter eine Glocke, darunter ein arabischer Schriftzug), siehe http://mikrolisk.de/show.php?site=280#sucheMarker. 'Génie' ist eine Marke der Quartier Fils SA in Les Brenets, Schweiz.

hinten.1.png

hinten.2.png

hinten.3.png

Das Werk hat ein interessantes Design. Ein besonderes Merkmal springt sofort ins Auge: um die hinteren Lager des Räderwerks herum (Ankerrad, Sekundenrad, Kleinbodenrad, Minutenrad), gibt es Absenkungen, die nicht trichterförmig mit rundem Umriss sind, sondern einen quadratischen Umriss haben und pyramidenförmig sind. Die Lochsteine (Rubine) von Ankerrad, Sekundenrad und Kleinbodenrad haben aber einen runden Durchmesser und sind am Grund der pyramidenförmigen Absenkungen in runde Löcher verpresst.

Was für ein Aufwand, der nur dem Design dient und keinen praktischen Zweck hat! Das Werk ist zwar nicht gerade häufig, ich habe es aber schon mehrfach gesehen. Keine der Uhren hatte einen Sichtboden. Das Werk blieb also im Verborgenen, so mancher Uhrenbesitzer wird es nie zu Gesicht bekommen haben.

Ich möchte natürlich gern das Kaliber wissen, bekomme es aber selber nicht heraus...
Vielleicht kann mir ja jemand weiterhelfen. Interessant wäre auch noch die ungefähre Bauzeit.

Gruss Andi
 
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Badener

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Hallo Andi,

das dürfte ein Felsa 311 sein:

Felsa_311.jpg

Das Bild stammt aus der Classification Horlogère von 1949. Das Ebauches SA-Schild (die "Wolke" um das F) wurde ab 1939 genutzt. Zusammen grenzt das das Alter zumindest ein.

Ein wirklich großartiger Fund!

Gruß

Badener
 

andi2

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Vielen Dank, Badener,
kein Zweifel, das Felsa 311! Auf dich kann man sich halt verlassen. Das Zifferblatt der Uhr ist am Rand heruntergezogen, solche gewölbten Blätter waren bis weit in die '40er noch nicht gebräuchlich, deshalb würde ich dann die zweite Hälfte der '40er als Entstehungszeit der Uhr annehmen.
Einen Bügel habe ich drangemacht. Evtl. vernickle ich das abgeriebene Gehäuse neu. Das Werk muss ich reinigen, reparieren und neu ölen. Mal sehen, wie gut ich es wieder hinbekomme.
Gruss Andi

PS: Ich habe die Überschrift mal geändert und dort die Kalibernummer reingeschrieben, so kann es leichter gefunden werden...
 
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JackDaniels83

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Welche Kaliber gibt es denn in der Familie noch? Ich hab hier ein identisches Rohwerk (neue, unbenutzte Platine mit Brücken), allerdings ohne die Fase am Rand:

IMG_5960.jpg
 

Badener

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In 17''' gar keines. Aber es gibt in der Classification von 1949 ein Felsa 140/310 in 16''':

Felsa_140_310.jpg

Im Paulson hat das Felsa 140 aber eine ganz andere Brückenform. Dann bliebe das Felsa 310 übrig, wenn da nicht im Paulson ebenfalls zwei Kalibernummern (310/322) zur selben Brückenform angegeben wären:

Felsa_310_322.jpg

Immerhin sind sich beide Quellen einig, dass es ein Felsa 310 in 16''' mit den Brückenformen deines Werkes gibt!

Gruß

Badener
 

JackDaniels83

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Ups, ganz vergessen. Mein Werk hat 36mm Durchmesser, also tatsächlich 16'''. Also ein Felsa 310. Ich werde entsprechende Bilder machen, und diese in unteren Werksucher eintragen. Dank dir.
 
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