Das ETA 2825-2 - Ein Exkurs

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Badener

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Hallo zusammen,

ein ETA 2825-2, ist das nicht ein Schreibfehler? Nein, es existert tatsächlich und wird von ETA nur an Mitglieder der eigenen Familie, also der Swatch-Group, verkauft. Bekannt sind mir hier bisher Tissot und Mido.

Was ist das Besondere an diesem Werk?
Das zeigt am besten ein Blick auf eine Tissot Couturier Automatic Gent Small Second:

Tissot_Couturier_Small_Second_1.JPG

Die Minuten-/Stundenzeiger befinden sich nicht im Zentrum des Zifferblattes. Und auch die kleine Sekunde ist nicht an einer der Standardpositionen bei 6 oder 9 Uhr. Sehen wir uns also an, wie die ETA das realisiert hat.

Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht davor zurückschrecke, auch neu gekaufte Uhren zu zerlegen, um dem Werk auf die Spur zu kommen :D.

Nach dem Ausschalen liegt das Werk in voller Schönheit vor uns:

ETA_2825-2_1.jpgETA_2825-2_2.jpg
ETA_2825-2_3.jpg

Das sieht von der Brückenseite doch aus wie ein ETA 2824-2? Mehr dazu gleich.

Nehmen wir auf der Zifferblattseite zuerst mal das Stundenrad (bei ca. 10 Uhr im Bild) und das darunterliegende Minutenrohr ab:

ETA_2825-2_4.jpg

M = Träger für Minutenrohr
S = Kleine Sekunde
Das neben „M“ sichtbare Rad lässt sich von außen nicht entnehmen.

Dann öffnen wir die drei großen Schrauben. Zum Vorschein kommt ein auf das Basiswerk gesetztes Modul:

ETA_2825-2_5.jpg

Darunter sieht es auch auf der Zifferblattseite aus wie ein ETA 2824-2. Wir haben hier also ein Werk auf der Basis des 2824-2 mit Modulaufbau vor uns. Das erklärt auch die Bauhöhe des Werkes von 6,6 mm. Das 2824-2 hat nur 4,7 mm. Also kein Kandidat für besonders schmale Uhren.

Die Rückseite und Seitenansicht des Moduls sind wenig spektakulär:

ETA_2825-2_5a.jpg ETA_2825-2_6.jpg

In der Mitte der Rückseite des Moduls sind zwei Zahnräder zu sehen, auf die wir gleich zurückkommen. Das Modul selbst ist nicht verschraubt, sondern nur gesteckt. Machen wir es also auf:

ETA_2825-2_8.jpg

Bei S ist das Trieb für die kleine Sekunde zu sehen, bei M der durchgesteckte Träger, auf dem auf der Vorderseite des Moduls das Minutenrohr sitzt. Minute und Sekunde werden beide unabhängig voneinander vom Basiswerk angetrieben, die Minute vom Minutenrad des Basiswerkes, die kleine Sekunde von der direkten Zentralsekunde:

ETA_2825-2_7.jpg

Dies erklärt die zwei Räder, die auf der Rückseite in der Mitte des Moduls zu sehen sind (s. o.).

Und was ist jetzt soll toll an diesem Werk?
Die wirkliche Besonderheit des ETA 2825-2 sind die sechs inneren (grün) und zwölf äußeren Bohrungen (blau) auf dem Modul. Die vier beteiligten Bauteile lassen sich bei der Produktion fast beliebig in den Löchern positionieren, wobei die zwei Zahnräder immer in der inneren Lochreihe verbleiben. Damit kann die Anzeige der kleinen Sekunde an 12 verschiedenen Positionen realisiert werden, die der Stunde/Minute sogar an 13, da der Träger für das Minutenrohr auch in der Mitte des Moduls sitzen kann.

Eine sehr kreative Lösung, um viele Anzeigevarianten zu ermöglichen. Ein Bild von Tissot zeigt noch ein paar Varianten:

ETA_2825-2_1.jpg

Der Vollständigkeit halber noch ein Bild der ZB-Seite mit entfernter Datumscheibe:

ETA_2825-2_9.jpg

Und zum Schluss die technischen Daten des ETA 2825-2:
Maße: 11 1/2''', Höhe 6,6 mm
Funktionen: Automatic (beidseitig aufziehend, Handaufzug möglich), indirekte kleine Sekunde mit Sekundenstopp, Datum mit Schnellschaltung auf mittlerer Kronenposition
Hemmung: Steinanker
Steine: 25
Stoßsicherung: Novodiac
Schlagzahl A/h: 28.800
Unruh: Vermutlich Nickel vergoldet
Gangreserve: 42 h
Herstellungszeitraum: Ab 2013
Identifizierung: Unter der Unruh mit ETA-Logo und 2825-2 beschriftet

Gruß
Badener
 
wafa

wafa

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Ein sehr interessanter "deep-dive " in das Uhrwerk :super:
Danke fürs Zeigen!
Walter
 
uhrenbastler

uhrenbastler

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Faszinierend, was (und vor allem, mit welchen "Hacks") man noch alles aus diesem Oldtimer herausholen kann.

Nur eine kleine Frage hätte ich noch, wieso verwendet Tissot keine Incabloc-Stoßsicherung, sondern nur die einfachere Novodiac, die man von den Swatch-Werken ETA-2840-42 kennt?

Ciao
Christoph
 
10-nach-10

10-nach-10

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Schon phantastisch zu sehen, mit wie wenig konstruktivem Aufwand sich Kreativität verwirklichen läßt. Das Geniale ist ja manchmal ganz einfach. Zwei Platinen, ein paar Rädchen und Bohrungen mehr - und schon lassen sich x Uhrengesichter zaubern.

Danke, daß Du auch vor nagelneuen Uhren nicht zurückschreckst ;-)!
 
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Badener

Badener

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Hallo Christoph,

meines Wissen wir mittlerweile auch das 2824-2 in Standard- und Elaboré-Ausführung mit einer Novodiac bestückt, die Incabloc gibt es erst ab der Top-Version bzw. auf besonderen Wunsch.

Gruß
Badener
 
EdisonAlpha

EdisonAlpha

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Autsch, nicht ein einziger Lagerstein in dem Modul. Da mag zwar wenig Last sein, aber dennoch: Hier würde ich mir Rubine wünschen.
 
Pronto

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Herrlich, sowas anzusehen macht Spaß ! Eine Sternstunde des Uhrforums !
 
Dr. Wu

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Mir war schon klar das die andere Lage der Zeiger über Nebentriebe realisiert wird und doch ist es überraschend einfach zu machen.
Danke für die Ausführungen!
 
alte Uhr

alte Uhr

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Klasse, vielen Dank für die tiefen Einblicke.

Interessant finde ich allerdings, das man hier schon "vorbaut" und der Aufbau sogar gleich unterschiedliche Stellungen der Zeigerwellen
ermöglicht.

Viele Grüße
Helmuth
 
Philipp

Philipp

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Danke für den interessanten Einblick und die guten Bilder. :super:
Autsch, nicht ein einziger Lagerstein in dem Modul. Da mag zwar wenig Last sein, aber dennoch: Hier würde ich mir Rubine wünschen.
Wirklich nötig sind Rubinlager im Modul nicht und die Rotorbeschriftung "25 Jewels" ist und bleibt stimmig. ;-)
Selbst komplexe Chrono-Module kommen ohne ein einziges Steinlager aus.
Dieses Cal.11 hat gerade mal einen für die Achse des Chronozentrumzeigers.




 
Spitfire73

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Toller Beitrag. Top bebildert, aufschlußreich und verständlich geschrieben. Vielen Dank für Deine Mühe!

Gruß
Helmut
 
Rainer Nienaber

Rainer Nienaber

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Cool gemacht, Danke für Deine Arbeit. Liegt da im Modul ein Flitter am "neuen" Sekundenrad? Oder zappelt der Sekundenzeiger etwas?

@Philipp:
wieso stehen da meine Initialen auf dem Werk? :D
 
EdisonAlpha

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Phlipp: Bei der Breitling handelt es sich um ein Chronomodul, das ja üblicherweise nicht dauernd mitläuft. Da kann ich nachvollziehen, dass es keine Lagersteine braucht. Bei der Tissot allerdings ist das Modul stetig im Eingriff, wenn dann keine Steine Sinn machen, warum dann im Basiskaliber? Sicher ist weniger Drehmoment auf den Zapfen im Modul, aber bei einer Alltagsuhr würde ich hier gerade weil sie wohl immer getragen werden wird Rubine einsetzen.
 
Rainer Nienaber

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Phlipp: Bei der Breitling handelt es sich um ein Chronomodul, das ja üblicherweise nicht dauernd mitläuft. Da kann ich nachvollziehen, dass es keine Lagersteine braucht. Bei der Tissot allerdings ist das Modul stetig im Eingriff, wenn dann keine Steine Sinn machen, warum dann im Basiskaliber? Sicher ist weniger Drehmoment auf den Zapfen im Modul, aber bei einer Alltagsuhr würde ich hier gerade weil sie wohl immer getragen werden wird Rubine einsetzen.
Die Räder laufen aber ohne Kraft, werden nur so mitgenommen. Keine Kraft = kein (oder fast kein) Lagerdruck. In so fern kann man auf Rubinlager verzichten.

Nachtrag:
@Badener: kannst Du mal den AA von der Zifferblattmitte zum neuen Sekundenzapfen messen? Nicht auf das 100stel, aber so mit Schieblehre nach Augenmaß?
 
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Badener

Badener

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Hallo zusammen,

freut mich, wenn es euch gefällt!

Liegt da im Modul ein Flitter am "neuen" Sekundenrad? Oder zappelt der Sekundenzeiger etwas?
Da liegt kein Flieder o. ä. Ich habe es aber bisher auch nicht geschafft, den kleinen Sekundenzeiger zum Zappeln zu bringen. Vermutlich hat die ETA die Zahneingriffe ziemlich gut optimiert, sodass bei 28.800 A/h nichts zu sehen ist.

Gruß
Badener
 
nobrett

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Hochinteressante Einblicke, danke Badener!

Mir ist keine einziges Uhrwerk bekannt, dass im Zeigerwerk Steine verwendet (lasse mich aber gerne eines besseren belehren). Da diese Räder kraftlos mitlaufen würde das technisch auch keinen Sinn machen. Es ist daher falsch daraus auf mangelnde Qualität, Langlebigkeit oder gar Alltagstauglichkeit zu schließen.

Gruß
Norbert
 
falko

falko

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Da das Zeigerwerk bzw. dessen Antrieb ausserhalb des Kraftflusses liegt, sind Lagersteine nicht erforderlich und evtl. sogar kontraproduktiv. Diese Art der Übertragung hat zwangsläufig Zahnflankenspiel, da ist eine gewisse "Schwergängigkeit" sogar sinnvoll (siehe Flitter). Insgesamt hat die Konsruktion den Nachteil eines potentiell ungenauen Zeigerlaufes.
 
angefixt

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Super Bericht 2825-2 ich dachte zuerst was ist das denn für ein Schreibfehler! Danke für diesen tollen Bericht und die schönen Bilder!
 
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