Damenuhrwerk Gruen Cal. 135

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Unruhgeist

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Schwitzigen Sonntag, liebe Uhrengemeinde

Trotz angesagter 39° C stand heute wieder eine Expedition auf zwei Ungezieferumschlagplätzen an.
Zu der üblichen Ausrüstung (Messer, Uhrenöffner, Lupe, Kaliberliste und natürlich meiner Holden) musste heute zusätzlich Sonnenschutzcreme mit Lichtschutzfaktor 50+ aufgetragen werden.
Gleich am zweiten Stand kam es zu einer archäologischen Untersuchung eines großen Pappkartons, in dem ein riesiges Knäuel undurchdringlichen Modeschmucks bestehend aus Ketten, Bändern, Broschen, Riemen etc. sein Dasein fristete. Immer wieder tauchte jedoch ein Stück Lederband oder eine Stahlschließe auf, an deren Ende zumindest so etwas wie eine Uhr vermutet werden durfte. Es handelte sich jedoch meistens um bakterienbehaftete Zeigerrundschleudern, deren Zeiger über billigen Metallscheiben ihre Runden drehten. Besser gesagt drehen sollten. Die Bakterien schienen verstorben zu sein. Gelegentlich tauchten auch fünfzackige Kronen auf der 12 auf, die jedoch mit den Originalen nichts zu tun hatten. „Wenn das Hansi wüsste..“, dachte ich mir so. (Anm. des Autors: Gemeint ist Hans Wilsdorf)
Die üblichen winzigen und auf solchen Märkten unvermeidlichen Damenührchen aus den 30’ern bis 70’ern taten ihr Übriges, um dem geneigten Hobbyarchäologen den Tag zu versauen. Einzelne Werke flogen auch noch in der Kiste rum und teilten dem sachkundigen Beobachter durch Nichtanwesenheit ihrer Gehäuse mit, dass sie vermutlich mal in einer Einzimmerwohnung mit goldenen Wänden und Fußböden residierten. Nun lagen sie völlig runtergekommen und obdachlos in einer dieser unzähligen Kisten und wurden vermutlich schon Monate oder gar Jahre von mehr oder weniger Interessierten unachtsam durch das Knäuel geschoben. Auch ich hatte einige dieser Werke in der Hand, die ich genauso desinteressiert wieder verwarf, wie viele andere vor mir auch. Doch plötzlich hatte ich ein winziges Damenuhrwerk in der Hand. „Gruen“ stand da auf dem Zifferblatt. Zwei Zeiger und ein Kratzer bei der 6. Ach nee – das war der Sekundenzeiger.
Mehr gewohnheitsmäßig als interessiert, drehte ich das Werk um. Und nun erhöhte sich mein Puls schlagartig. „Die Räderwerksbrücke…die kennst Du…..die hast Du neulich erst in einer Rebberg Taschenuhr gesehen….Rebberg wurde von Aegler gebaut…Aegler hat später für die Uhren mit der Krone produziert….aber in den 30’ern gab es Kooperationen… auch mit Gruen / Alpina! …und dieses Werk hat noch keine Stoßsicherung….könnte passen…“ So schossen mir die Gedanken durch den Kopf.
Es folgte eine der härtesten Preisverhandlungen seit ich Flohmärkte besuche:

„Was sollen denn die einzelnen Werke in der Kiste kosten?“

„Kommt drauf an welches..“

Ach du Scheiße…will der jetzt auch noch Ahnung vortäuschen??

„Na dieses hier“, sagte ich und hielt es ihm hin.

„Was ist es Dir denn wert?“, war die Antwort

Oha - ein Vollprofi. Jetzt wurde es kniffelig. Ich nannte ihm meinen Preis. Er grinste und sagte das DOPPELTE an!! Außerdem machte er den Eindruck, dass er zu keinen weiteren Verhandlungen bereit war.

„Mist“, dachte ich, „der weiß genau was er da hat“.
Schnell überschlug ich meinen Kontostand, dachte darüber nach, wie viel Geld ich dabei habe, sah mich im Geiste für die nächsten 3 Wochen schon Knäckebrot mit hauchdünn Margarine essen usw. usw.
Aber ich wollte dieses Werk haben!
Argwöhnisch blickte ich mich um, die Umgebung nach unwillkommenen Zeugen absuchend, aber da war niemand. Schließlich will man bei solchen Transaktionen in aller Öffentlichkeit eventuell anwesenden zwielichtigen Gestalten keine Hoffnungen machen.
Entschlossen zog ich nun meine Geldbörse aus der Tasche und übergab ihm tatsächlich den geforderten, um 100% nach oben von meiner Preisvorstellung abweichenden Betrag in Höhe von EINEM Euro!!
Schnell wickelte ich das Werk in ein kleines Stück Papier und steckte es ein.

„Na, was haste denn nun wieder gekauft?“, fragte mich meine Holde, als wir ein paar Meter entfernt waren.

„Och…nichts Besonderes. Ein kleines Aegler von Gruen“
(Dazu muss erwähnt sein, dass meine Holde die Besitzerin der oben genannten kleinen Rebberg Taschenuhr ist und daher die Brückenform genau kennt)

Ungläubiger Blick meiner Holden: „Das glaubst Du doch selbst nicht! Zeig her!“ …. „das ist ja wirklich eines….das gibt’s nicht…“

Eben – mein Reden! Auf den Flohmärkten gibt’s einfach nichts!!

In diesem Sinne, schönen Sonntag noch

Gruß,
Unuhgeist
 

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Rata

Rata

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Hallo, Unruhgeist,

ja, die kleinen alten Damenuhrenkaliber haben schon das gewisse Etwas, stehen ihren "großen Brüdern" in den Herrenuhren dieser Zeit (ich nehme an, dass das Uhrwerk aus den 1930ern ist) in nichts nach:-). Vielleicht findet sich ja auch mal ein passendes Gehäuse für das "Gruen", denn die Damenuhren der 1930er sind ebenfalls ganz ansehnlich. Obwohl: So groß waren die Herren-Pendants damals ja auch nicht, wie unten bei meinen beiden "Eterna" von 1938 (Herrenuhr) und 1939 sehen ist:

Eterna Damen- & Herrenuhr - 1.jpg
Eterna Damenuhr - 07.jpg
Eterna Damenuhr - Cal. 675 - 5.jpg

Ich hoffe, du bist mir nicht böse, wenn ich deinen Fadens so kapere...:oops:

Danke für die flockige Story über den Fund und Erwerb, natürlich auch fürs Zeigen der kleinen Schönheit:super:.

Viele Grüße, Otto
 
Ruebennase

Ruebennase

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Mein Dank dem Unruhgeist für die nette Geschichte und Gratulation zu der Entscheidung in dieses Grün/Aegler Kleinod zu investieren :klatsch:.
Ich möchte Otto zustimmen, Damenuhren unterscheiden sich Qualitativ nicht von ihren größeren Gegenstücken für Herren, die allerdings weitaus begehrter sind. Gerade im Vintagebereich bei den B&B Uhren der begehrteren Hersteller erlauben sie auch bei schmalerem Geldbeutel eine Sammlung sinnvoll zu ergänzen. Das Preis/Leistungsverhältnis ist unschlagbar. In diesen klitzekleinen filegranen Werken erscheinen dann die Lagersteine wie große Bullaugen :shock:. Wenn man sie mal spazieren führen möchte, muß man sich halt die passende Begleitung suchen :D.

Liebe Grüße
 
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