Croissant... nach über100 Jahren immer noch "lecker" !

Diskutiere Croissant... nach über100 Jahren immer noch "lecker" ! im Vintage Uhren Forum im Bereich Uhrentypen; Hallo ! Ich bin zwar kein eingefleischter Uhrensammler aber manchmal finde ich Uhren einfach schön,...immer öfter Vintage Uhren. Muss wohl mit...

henwilk

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Hallo !

Ich bin zwar kein eingefleischter Uhrensammler aber manchmal finde ich Uhren einfach schön,...immer öfter Vintage Uhren. Muss wohl mit dem Alter zu tun haben.

Heute möchte ich euch kurz meine vermutlich älteste Armbanduhr zeigen. Es handelt sich um eine MONNIN CROISSANT (jetzt löst sich sicher der rätselhafte Titel des Beitrages auf...!?) aus der Schweizer Uhrenfabrik in Porrentruy.

MONNIN CROISSANT Uhren wurden nur in einem sehr begrenzten Zeitraum gebaut. Es gab zwar viele Vorläufer Firmen und einige "Erben" wie zum Beispiel PHENIX, aber MONIN CROISSANT hat unter eigenem Namen wohl nur zwischen 1908 und 1917 existiert. Parralelle Produzenten bzw. Nachfolger waren dann z.Bsp. PHENIX etc.

Es verwundert daher nicht das im im Netz nicht allzuviel zu finden ist. Auf der website der Clinique Horologere in Porrentruy kann aber ein paar interessante Details zur Geschichte der Firma finden.

siehe hier:
Die Manufaktur Phénix | A La Clinique Horlogère, réparation et vente de montres, Porrentruy, Jura, Suisse (cliniquehorlogere.ch)

Schnell noch ein paar kurze Eindrücke und Beschreibungen bevor ich gleich Bilder sprechen lasse.

Meine CROISSANT ist eine Armbanduhr. Für ihr Alter vermutlich eher ungewöhnlich, ist sie doch vermutlich vor, spätestens aber noch vor Ende des Ersten Weltkrieges (ich vermute ca.1910 ?) entstanden.
Sie trägt aber noch sichtbar das Erbe der Taschenuhren Ära. Ein sehr massives, dreiteiliges (!) "aus dem Vollen" gefrästes , robustes ,schweres ,800er Gehäuse bei dem man sowohl den gedrückten Rückendeckel als auch den vorderen Deckel komplett mit eingesetzem Plexiglas auf dem Zifferblatt öffnen kann. Man kann bei abgenommen Deckel auch Punzen und Zahlen auf dem Gehäuse erkennen ( 995 ?)

Das Ziffernblatt ist noch gut ablesbar und so wie ich das sehe original. Nur bei der 3 ist etwas Leuchtmasse abgefallen, man sieht das gut im Foto mit dem UV Licht. Die Leuchtmasse dürfte ,zeitgemäß, Radium sein. Ich spare mir daher das oftmalige Öffnen des vorderen Deckels bevor ich auch noch anfange zu Leuchten... 👽.

Die Uhr hat stabile 22er Bandanstöße. Das find ich, für die Zeit, schon ganz respektabel !
Sie ist auch ansonsten nicht die Kleinste. Zum Größenvergleich hab ich für ein Foto mal meinen 37er Junghans Meister Driver Handaufzug daneben gelegt.

Zum Werk kann ich wenig sagen. die Firma hat ja nur wenige Jahre produziert und daher möglicherweise die Werke zugekauft. Es hat, meiner Meinung nach, zumindest starke Ähnlichkeit mit den zeittypischen Taschenuhrwerken von GURZELEN oder OMEGA Vorläufern. Ich denke daher hier wurde das Taschenuhrenwerk einer kleineren Damenuhr in ein , zur damaligen Zeit neues, Armbanduhrgehäuse implantiert.

Im Deckel ist einiges los, ...außen gar nix :shock:
Neben der Firmenmarke (Halbmond mit Croissant und MRC) sowie dem Schweizer Auerhahn ( groß und klein !) gibt's auch die Krone mit Halbmond als 800er Stempel des Deutschen Kaiserreichs.
Links neben der Krone mit Halbmond meine ich einen kleinen Schwan zu erkennen. Das wäre dann ein Französischer Zollstempel um 1900. Könnte aber auch eine Ente als Garantie Stempel für "925/1000 Silberwahren Schweizer Provenienz" sein. Das einzelne große A auf dem Werk (Mitte unten) war wohl vorgeschrieben bei Export nach Frankreich.

Es finden sich noch weitere Punzen (Abnahmestempel ?) und wohl mehrere Uhrmacher Zeichen von vergangenen Revisionen und Reparaturen die ich nicht auflösen kann. Na ja, bei dem Alter eher nicht verwunderlich :-D

Übrigens sieht man auch auf der Rückseite des Gehäuses, also des "Mittelteils" der Uhr, bei abgenommenem Rückendeckel weiter Punzen und Zahlen !
Vielleicht erkennt ja einer von Euch noch mehr und kann berichten !?
Fall jemand von Euch noch weitere Infos zur Firma oder des Uhrentyps hat, ich bin gespannt.:winken:

Auf der schon erwähnten website der Clinique Horolegere Porentruy kann man ein Foto von der Belegschaft MONIN CROISSANTS ( Arbeiter der Endabnahme 1910) sehen. Ich finde es faszinierend das man dort sehr wahrscheinlichen genau die Leute sieht die damals vor über 100 Jahren meine Uhr in der Hand hatten, geprüft und ausgeliefert haben ("Gänsehaut !")

So, genug geschwafelt. Jetzt ein paar Bilder:pics:

wristshot.jpg
totale.jpg

detail.jpg

zifferblatt ab.jpg

deckel innen.jpg

werk.jpg

night.jpg


Gruss ! :prost:

henwilk
 
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MaJoLa

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Ein sehr feines Teil hast Du an Land gezogen, Henwilk. Und zu einem Unternehmen, welches nur kurz existiert hat, überhaupt noch was rauszufinden, incl. Foto, ist schon ein Knaller.

Ich würde die Uhr allerdings eher in die Zeit des WK I datieren wollen. So ab 1915. Ich meine, da wären erstmalig Kissengehäuse erschienen. Beschwören will ich es aber nicht.

Die Leuchtmasse scheint mir später mal erneuert worden zu sein. Ich denke, daß das Fragment der 3 das Original zeigt. Ist doch dort die Lume sichtbar präziser aufgetragen worden, was beim Rest nicht mehr der Fall ist.

Vielleicht versagte die Leuchtkraft nach einigen Jahren so, daß man sich genötigt sah, neue einfach drüberzulegen.

Vielleicht war der Träger auf eine nachtleuchtende Uhr angewiesen.

Das Teil trifft wirklich nen Nerv bei mir.

Nachtrag:
Sie hat je die deutsche Silberpunze, was mich dann doch etwas an 1915 zweifeln lässt. Kaum denkbar, daß man da noch Gehäuse vom Feind importiert hat. Das würde für mich dann eher für 1913 bis erste Hälfte 1914 sprechen.
 
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henwilk

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Ist das Schlimm? Welches Problem könnte da "repariert" worden sein ? Sie läuft und hält sehr gut die Zeit.

P.S.:
Ich wars nicht :-)
 
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falko

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Normalerweise wird das Spiralklötzchen durch eine seitliche Schraube fixiert. Möglicherweise ist diese verloren gegangen oder gar abgebrochen und es war kein passender Ersatz zur Hand.
 

henwilk

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Danke für euer positives feedback und die ergänzenden hilfreichen Hinweise !
Der Klebepunkt am Spiralklötzchen oder die nachgemalten Leuchtziffern waren mir (sieht man eigentlich auch erst auf den extrem vergrößerten Aufnahmen) z.Bsp gar nicht aufgefallen. Die Uhr läuft in 24 Std. auf die Minute genau. Manchmal ist das "Provisorium" ja haltbarer als das Original :super:

Gruss !
henwilk
 
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MaJoLa

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Henwilk, ich muss mich korrigieren.
Vor ca. 2-3 Jahren hätte ich eine Longines kaufen können, deren WerkNr. auf das Jahr 1911 verwies. Diese Uhr befand sich in einem Kissengehäuse und war mit Sicherheit unverbastelt und original. Das hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm. Viel mir heut morgen nach dem wachwerden ein. ;-)
 

DRGM

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Hallo henwilk,

Gratulation zu der Uhr UND zu Deinem lesenswerten Beitrag! :super: Derlei ausführliche Berichte würde man doch gerne öfter lesen.


Bzgl. der kruden „Reparatur“ des Spiralklötzchens: erinnert mich an eine im 2. Weltkrieg in die UdSSR versandte Hamilton

Hamilton Armbanduhren 1919 - 1969

bei der ein russischer „Uhrmacher“ der offensichtlich etwas handfesteren Art auch den Spiralklötzchenträger recht unkonventionell befestigt hat:

Hamilton_987A_Russian-War-Relief_13_arrows_1600.jpg

Da wurde ein Stift (oder Nagel?) durchgetrieben und verstemmt. Erstaunlicherweise läuft diese Uhr ebenfalls.
 
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