Coïncidence 50 „Stoppuhr“ und Zeitwaage, ca. 1950

Diskutiere Coïncidence 50 „Stoppuhr“ und Zeitwaage, ca. 1950 im Sonstige Uhren Forum im Bereich Uhren-Forum; Ich möchte hier eine extrem seltene Zeitwaage für Taschenuhren, inkl. dazugehöriger „Stoppuhr“ vorstellen. Zu diesem Gerät existiert(e) meines...
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Ich möchte hier eine extrem seltene Zeitwaage für Taschenuhren,
inkl. dazugehöriger „Stoppuhr“ vorstellen.

Zu diesem Gerät existiert(e) meines Wissens bisher im www absolut nichts,
weder von der Uhr, noch von der Zeitwaage selbst, ganz zu schweigen von
Anleitungen oder einem Schaltplan.
Lediglich in einem alten franz. Uhrenjournal von 1948 war ein Verweis auf ein
ähnliches Gerät zu finden.
Das Diagramm (letztes Bild) stammt daraus und wurde von mir so angepasst,
dass die Arbeitsweise gezeigt wird.

Auf dem Typenschild steht weder einen Patentnummer noch ein Hersteller.
(Nur Coïncidence, Modell 50, Baujahr und Seriennummer - 554 oder 55A)
Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass über 500 Geräte produziert wurden,
sonst müsste darüber etwas zu finden gewesen sein.

Coïncidence (frz.) -> Kongruenz (vom lat. congruens „übereinstimmend“, „passend“)
beschreibt auch eher den Verwendungszweck und wohl nicht den Hersteller.

Vermutlich ist das Gerät (aus Schweizer Produktion) ein Vorläufer der frühen
Greiner Zeitwaagen mit Röhrenbestückung. Ersetzt man die „R – A“ Anzeige der
Skizze oder die Coincidence Stoppuhr durch einen Papierstreifen-Schreiber kommt
dies der Funktionsweise der Greiner Zeitwaagen schon sehr nahe.

Das Gerät inkl. Stoppuhr ist ein „Flohmarktfund“ und war im übelsten Zustand.
Kaputte Röhren, abgebrochene Kondensatoren und Relais, wurde aufwendig restauriert
(schwierig ohne jegliche Informationen) und funktioniert jetzt wieder :-)
Ebenso war die Uhr defekt, Zeigerwelle und Rückstellscheibe gebrochen und
insgesamt sehr schwergängig.


Die Stoppuhr


su1.jpg

Verwendung findet ein „Doxa“ 30 Sekunden Stoppuhrwerk.


su2.jpg

Bei dem Gerät war noch ein zweites, unbenutztes Werk ohne Hersteller Angabe,
was absolut identisch war und welches gegen das Defekte ausgetauscht und reguliert wurde.

Das Werk läuft jetzt mit einer Genauigkeit von +/- 3 Sekunden / Stunde.
Mehr ist nicht hinzubekommen, aber auch unwichtig, da die Uhr eine Laufzeit beim
Betrieb des Geräts von nur ca. 30 Sekunden hat.


Die Zeitwaage


zw1.jpg

Als Produktionsjahr ist 1954 angeben, allerdings stammen die elektrischen Teile darin aus den Jahren 1946-1948
(Aufdrucke auf Spulen etc.).

Das Innenleben und die Röhrenbestückung ist hier zu sehen:

zw3.jpg

zw4.jpg

zw4a.jpg

Das Gerät arbeitet "intern" mit 350V, Gleichrichtung, Verstärkung usw., erfolgt durch Röhren.
Die zwischenzeitlich zur Reparatur eingebaute Gleichrichtung mit Dioden wurde auch wieder entfernt.
Zum einen "brummte" das Gerät dadurch stark, zum anderen wollte ich den Urzustand wieder herstellen.
Die jetzt wieder originale Gleichrichtung durch Röhren funktioniert einwandfrei ohne jegliche Störgeräusche!


Das Mikrofon zur Erfassung des „Tickens“ der zu testenden Uhr:

zw2.jpg


Als Zeitbasis dient ein „Etalon“ welches 1937 einmal kurz in einer alten, franz. Zeitschrift, aber nur am Rande, kurz erwähnt wird:

zw5.jpg

Angetrieben wird es über die Spannungsversorgung der Röhrenheizung mit 6,3V~.


Die Arbeitsweise der Zeitwaage wird in der Skizze, wie ich meine, gut erkennbar.

zw6.jpg


Kurzfassung der Überprüfung einer Taschenuhr:


- Das Gerät einschalten und warten, es dauert etwas bis das Etalon sauber läuft und sich der Oszillator (?) einschwingt
- zu prüfende Uhr auf dem Mikro festklemmen und die Empfindlichkeit einstellen
- die „Stoppuhr“ zurücksetzen, den Auslösehebel „hochdrücken“, Teststellung wählen
- in der Teststellung löst das Gerät die Uhr nach einem Moment aus
- die Testzeit läuft jetzt, den Auslösehebel am Gerät erneut hochdrücken
- aufgrund der Differenzzeiten Etalon/Prüfuhr wird die „Stoppuhr“ nach ca. 30 Sekunden wieder ausgelöst
- die Uhr stoppt und zeigt die Zeitabweichung der zu prüfenden Uhr hochgerechnet auf 24 Stunden in Minuten an

Die zu prüfende Uhr kann jetzt entsprechend justiert werden und das Vorgehen solange wiederholt werden
bis die höchste Ganggenauigkeit erreicht ist.

Aufgrund der einfachen Bedienung und der sofortigen, direkten Ablesbarkeit
der Zeitabweichung gestaltet sich die Prüfung sehr komfortabel, lediglich die
fehlende Möglichkeit zur Änderung der Schwingungen/Minute schränkt die Verwendung ziemlich ein.

Dennoch ein IMHO höchst interessantes Gerät, auch, wenn man das Alter von fast 70 Jahren, bedenkt.


Ich hoffe ich habe nichts vergessen und konnte hiermit einen kurzen Einblick in die "prähistorische"
Uhrenmesstechnik geben.

Falls jemand ergänzende Informationen hat bin ich natürlich für jeden Hinweis dankbar.


LG
collector
 
Zuletzt bearbeitet:
Skletti

Skletti

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Hallo Collector,

Leider kann ich absolut nichts beitragen, was Dir weiterhelfen könnte, finde jedoch Deinen Bericht sehr interessant und Deinen Apparat obercool. Viel Frede damit :super:

Sonnige Grüsse,
Ivo
 
Der Stromer

Der Stromer

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Tolles Teil, Collector.

Mir gefallen diese alten Geräte, mit denen man beim Betrieb auch gleich den Kaffee in der Tasse warm halten kann. Vielen Dank fürs Zeigen und Erklären:super:
 
Rata

Rata

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Hallo, Collector;

vielen Dank für diesen Faden, und ich finde es toll, dass du dieses prähistorische Stück Technik wieder zum Laufen gebracht hast:klatsch:! Dass die Restaurierung ein hartes Stück Arbeit war, glaube ich dir aufs Wort, und gerade deshalb ist es schön, dass sich das Ergebnis wirklich sehen lassen kann:super:.

Ich wünsche dir weiter viel Freude an dem Gerät und danke dir nochmals für die tolle Präsentation:-).

Viele Grüße, Otto
 
Badener

Badener

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Hallo Collector,

Hut ab vor deinen Fähigkeiten, ein solches Gerät wieder ans Laufen zu bekommen! Und vielen Dank für diese sehr interessante Vorstellung.

Gruß
Badener
 
collector

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Danke für Euer positives Feedback :-)

Freut mich, dass ich einen kleinen Einblick in dieses Gerät vermitteln konnte.
Ich werde die Zeitwaage meinem privaten "Museum" zuführen, da ich zum einen
relativ wenig mit Taschenuhren mache und zum andern, trotz jetzt intaktem Zustand,
das Gerät aufgrund bauartbedingter, nicht möglicher Erdung, doch ein gewisses
Risiko eines Stromschlags birgt.

Ein reizvolles Projekt war es auf jeden Fall, gelernt hat man auch etwas dabei, was will man mehr :-)
 
uhrenbastler

uhrenbastler

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ja, diese alten Geräte sind wirklich faszinierend. Hut ab vor dieser großartigen Restaurierung!

Das Schöne an den alten Röhrengeräten ist, daß sie wenigstens noch reparaturfreundlich sind und vermutlich alle moderenen IC-gesteuerten Zeitwaagen überleben werden.
 
Thema:

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