Breguet 5907 - Im Archiv bei den Bonapartes

Diskutiere Breguet 5907 - Im Archiv bei den Bonapartes im Uhrenvorstellungen Forum im Bereich Uhren-Forum; Vorgeschichte Mein 91jähriger Vater hat mir letzten Sommer quasi im Vorbeigehen seine Uhr geschenkt - eine Neptun Parat mit einem Dugena 556...
hkrauss

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Vorgeschichte

Mein 91jähriger Vater hat mir letzten Sommer quasi im Vorbeigehen seine Uhr geschenkt - eine Neptun Parat mit einem Dugena 556 (Osco 52)-Kaliber. Ich könne sie gerne haben, er sehe sowieso fast nichts mehr (mein Vater ist da sehr pragmatisch).

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Die Neptun lies ich restaurieren, volles Programm. Die Kosten der Restauration überstiegen wahrscheinlich bei Weitem den Wert der Uhr, aber ich wollte das. Eine meiner Kindheitserinnerungen aus den 60ern und 70ern ist mein Papa mit seiner Neptun am Handgelenk.

Was hat das mit der Breguet zu tun? werdet Ihr fragen.

Nun: Die Neptun hat einen Durchmesser von 33 mm. In den 50ern war das eine durchaus normale Herrengröße. Bis zu meiner Begegnung mit der Neptun aber hatte ich als "Uhr für mich" alle Größen unter 37 mm prinzipiell als “Damengrößen” klassifiziert und weggefiltert.

Die Neptun hingegen fand ich am Handgelenk absolut tragbar. Obwohl der Kontrast, wenn man als nächstes eine PloProf 1200m oder auch nur eine Speedy anlegt, schon sichtbar ist. Aber wer sagt, dass alle Uhren in einer Sammlung gleich groß sein müssen? Es handelt sich ja nicht um Schuhe.

Die Marke Breguet

Die großen Uhrenfirmen bieten auf ihrer Website oft die Möglichkeit an, gratis Kataloge zu ordern. Manchmal muss man erst etwas nach der Katalogbestellmaske suchen oder sonst einfach ein Email schreiben. Diese Kataloge blättere ich immer wieder gerne durch, weil man sich halt gern an schönen Bildern erfreut (aus dem Playboy-Alter bin ich raus, zumindest, was die Hochglanzbilder betrifft).

Von Breguet hatte ich den Katalog 2012-2013 und den Katalog 2015 zu Hause. Im Katalog 2012-2013 fiel mir plötzlich - sensibilisiert durch die Neptun - die Referenz 5907 mit ihrem Gehäusedurchmesser von 34 mm auf. Durch das Neptun-Training war offenbar eine automatische Neukalibrierung meiner Filter erfolgt.

Im Breguet-Katalog von 2015 kam die 5907 nicht mehr vor. Sie war inzwischen aus der Kollektion geflogen.

So ein Mist.

Gut, eine Breguet in Weißgold, noch dazu eine neue, ist jetzt weiß Gott kein Schnäppchen. "Neu" muss bei mir immer sein, und ganz besonders bei Breguet. Bei Breguet finde ich die Möglichkeit faszinierend, mit gewissen Personen (zu diesen später mehr) im selben Kundenarchiv zu stehen, wenn man möchte. Dieses Privileg ist aber nur Erstkunden vergönnt. Das Verschwinden der 5907 aus der Kollektion hätte ich also auch mit einer gewissen Erleichterung sehen können (viel Geld gespart!). Hat aber nicht funktioniert.

Fragen kann man ja mal ...

Also Email an die Breguet-Boutique ums Eck (das war am 25. Jänner 2017). Ob es denn möglich sei, noch eine 5907 in Weißgold aufzutreiben? Vielleicht haben die in L’Abbaye zufällig noch eine in der Lade rumliegen? (So stellte ich mir das echt vor.) Am 3. Feber kam die positive Antwort: Sieht gut aus! Voraussichtlicher Liefertermin: Ende März. Schon am 9. März war sie da.

Abgeholt hab ich sie dann am 25. März. Ein sehr angenehmes Erlebnis, sehr schöne Geschenke als Draufgabe, ein (nach kurzer Einweisung) höchst interessantes Experimentieren mit einer linearen Guillochiermaschine verbunden mit der Einladung, jederzeit zum Giullochieren eines kompletten Zifferblattes nochmal vorbeikommen zu dürfen ... - inzwischen gab es einige Folgebesuche! Und der Manager der Boutique erwies sich als „Bruder im Geiste“: er trägt auch eine 34 mm: die (ebenfalls inzwischen eingestellte) Referenz 5920.

Abraham-Louis Breguet (1747 - 1823)

So wie Omega die Speedmaster-Story marketingmäßig ziemlich ausschlachtet, wird bei Breguet gerne die Geschichte des Firmengründers und uhrmacherischen Genies Abraham-Louis Breguet (1747 - 1823) erzählt.

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(Abraham-Louis Breguet)

Ich finde zunächst, dass er einige sehr sympathische menschliche Züge aufwies. Er machte einfach sein Ding und ging ermüdenden und meist ohnehin fruchtlosen Streitereien unter Kollegen, zum Beispiel wer denn nun der bessere Uhrmacher sei - Berthoud oder Pierre Le Roy - von Anfang an aus dem Weg. Das waren damals schon ziemliche Gockel. Er scherte sich zunächst leider sehr auch wenig um Plagiate und wie man sich davor schützt. Daher beantragte er Zeit seines Lebens insgesamt nur zwei Patente, eines davon für den Tourbillon. Er baute in seinem Leben vielleicht 300 Uhren, keine zwei davon gleich (mit Absicht, natürlich). Mit dem damals verbreiteten, barocken Design von Zifferblättern und Zeigern räumte er auf und schuf klare Linien. Damit sorgte er auch für eine gute Ablesbarkeit der Uhren. Die Breguet-Zeiger sind seither tausendfach kopiert worden. Er ließ neben dem Tourbillon auch eine Hemmung mit konstanter Kraft patentieren, erfand die Tonfeder für Repetieruhren, den „pare-chute“ zur axialen Stoßsicherung, die Breguet-Spirale und perfektionierte den Automatik-Aufzug (dessen Erfindung wird Abraham-Louis Perrelet zugeschrieben). Diese sogenannten „Perpetuelle“-Uhren bildeten schon bald einen wesentlichen Anteil an den Verkaufszahlen.

Die Erfindung der Armbanduhr so wie wir sie kennen, das heißt einer Uhr, die explizit zum Tragen am Handgelenk konzipiert war, geht ebenfalls auf Abraham-Louis Breguet zurück.

Für Caroline von Murat, der kleinen Schwester von Napoleon, entwarf er 1810 ein ovales Formgehäuse. Das Armband bestand aus einem Geflecht aus Goldfäden und Haar. Die Uhr wurde 1812 ausgeliefert. Danach geriet die Armbanduhr für ca. 65 Jahre wieder in Vergessenheit und setzte sich erst im 20. Jahrhundert endgültig durch. Patek Philippe hat später die Erfindung für sich beansprucht. Wohl nicht weit genug zurückgeblättert.

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(Die Große im Bild ist Caroline. Das kleine Mädchen, Carolines Tochter, trug lieber flik-flak-Uhren)

Während in den ersten Jahren nach der Firmengründung in Paris (1775) Breguets Uhren alle Email-Zifferblätter aufwiesen (typischerweise mit den arabischen Breguet-Ziffern), sind seine 1786 von ihm entwickelten guillochierten Zifferblätter eine eigene, faszinierende Welt. Diese Zifferblätter sind fast immer aus Massivgold und werden dann zur besseren Ablesbarkeit versilbert. Für Damenuhren wird auch Perlmutt verwendet, das aufgrund seiner Sprödigkeit aber sehr schwer zu guillochieren ist. Mir gefallen sowohl Email als auch Guilloche sehr gut.

Nach dem Tod von Abraham-Louis Breguet führte sein Sohn die Firma fort. Ein späterer Breguet (Louis, 1880 - 1955) war ein Flugzeug- und Hubschrauberkonstrukteur und übrigens auch Mitbegründer der Air France. Er wird mit den Aéronavale-Uhren (Typ XX, ...) assoziiert.

Die Manufaktur "Montres Breguet" wurde 1999 von Nicolas G. Hayek "gerettet", der ein echter Fan der Marke war und ihr Potential erkannte.

Man recherchiere die Geschichte der Taschenuhr "Marie-Antoinette", denn das würde hier zu weit führen.

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(Marie Antoinette)

Nach der „Einfahrt in den Swatchgroup-Hafen“ wurde kräftig investiert. Die Jahresproduktion stieg seither um das 30-fache, ist aber nicht beliebig steigerbar (selbst wenn man Käufer für alle Uhren finden würde): Die Guillochiermaschinen sind alle noch original und um die 100 Jahre alt. Guillochieren ist ein hochspezieller, künstlerischer, händischer Prozess, der sich nicht durch Roboter automatisieren lässt.

Fürs Marketing ist es ein Geschenk, dass Abraham-Louis Breguet in Paris in einer spannenden geschichtlichen Periode vor, während und nach der französischen Revolution lebte und arbeitete, und dass die Uhren von so vielen historisch bedeutsamen Personen getragen wurden. Die mehrfachen Machtwechsel von den Bourbonen (Louis XVI) zu Napoleon und wieder zurück (Louis XVIII) sorgten zwar für einige heftige Aufs und Abs in den Verkaufszahlen, aber irgendwie ging es immer weiter. Sein Vertriebsnetz reichte von der Türkei und Russland im Osten über England und Spanien bis in die heutige USA. Während der heftigsten Jahre der Französischen Revolution, als Abraham-Louis Breguet bei einem Verbleib in Paris um sein Leben fürchten musste, beantragte er erfolgreich ein Visum für die Schweiz und lenkte von dort aus zwei Jahre lang die Pariser Firma über einen treuen Statthalter bis sich der Rauch verzog, und er gefahrlos zurückkehren konnte. Einfach zu fliehen hätte eine Enteignung der Manufaktur zur Folge gehabt. Daher gab er vor, geschäftlich in die Schweiz reisen zu müssen. Geboren war er übrigens in Neuchâtel in der Westschweiz.

Auch wenn viele Adelige in Frankreich, England und sonst wo sich manchmal als schlechte Zahler erwiesen und Breguet lange Zeit hohen ausstehenden Summen nachlaufen musste, waren die A-Promis - Marie-Antoinette, Napoleon, Caroline Murat, König George IV von England sowie Zar Alexander I natürlich sehr wichtig für das Prestige und den wirtschaftlichen Erfolg der Manufaktur.

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(Napoleon)

Obwohl Napoleon selbst nur einmal bei Breguet einkaufte (vor seinem Feldzug nach Ägypten schaffte er 1798 drei Uhren an) und später eher desinteressiert war, kaufte die Familie Bonaparte in Summe immerhin 100 Uhren bei Breguet. Die kleine Schwester war mit allein 34 Uhren einer der besten Kunden. Manche dieser Uhren wurden allerdings nicht zur Eigenverwendung, sondern als Geschenk für dritte gekauft. Aber auch für das gutbürgerliche Volk mit etwas weniger Kohle hatte er mit seiner „Subskriptionsuhr“ (einer Ein-Zeiger-Uhr) etwas zu bieten.

Was die Qualität seiner Uhren, im Speziellen die der Stoßsicherung betrifft, so gibt es eine weitere Anekdote.

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(Talleyrand)

Auf einer Einladung im Hause des treuen Breguet-Kunden Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord, Bischof von Autun und Fürst von Benevent, ließ Breguet vor versammelter Gästeschar spontan eine seiner Uhren absichtlich zu Boden fallen. Er bat einen Gast sie aufzuheben und herumzureichen, worauf sich alle Anwesenden vom tadellosen Funktionieren der Uhr überzeugen konnten. Dies entlockte dem Gastgeber den Ausspruch: “Ce diable de Breguet veut toujours faire autrement que mieux!" Heute würde man vielleicht sagen: "Muss dieser Teufel Breguet immer noch eins draufsetzen!" Ob sich das Hans Wilsdorf auch getraut hätte? Breguet hat da hoch gepokert, würde ich sagen.

Auch wird gern darauf hingewiesen, dass am Wiener Kongress, der 1814/15 zur Neuordnung Europas in Wien abgehalten wurde, eines der wenigen Dinge, die die an den Verhandlungen beteiligten Parteien einte, ihre Uhr aus dem Hause Breguet war. Die Führer der Quadrupelallianz (Russland, Großbritannien, Österreich, Preußen) waren nach der einige Monate zuvor erfolgten Kapitulation Frankreichs zusammengekommen, um für ein nachhaltig stabiles Kräfteverhältnis in Europa zu sorgen und nebenbei Frankreich wieder auf seine Grenzen vor 1792 zu verweisen. Sie hatten zwar unterschiedliche politische Interessen (weshalb bei den Verhandlungen auch monatelang keine Fortschritte zu erzielen waren), eine Breguet aber hatten sie (fast) alle. Zumindest stellt das Breguet heute verständlicherweise gern so dar.

"Breguet. La première et seule montre portée à Congrès de Vienne." stand damals wahrscheinlich auf den Bodendeckeln der Taschenuhren zu lesen ... ;-)


Die Uhr

Referenz: 5907BB/12/984

Das Werk

Kaliber: 511DR
Durchmesser: 11.5 Linien
Anzahl Rubine: 23
21600 Halbschwingungen pro Stunde (3 Hz)
Aufzug: Handaufzug
Gangreserve: 95 Stunden
Gangreserveanzeige auf der Rückseite

Das Gehäuse

Weißgold
Durchmesser: 34 mm
Gehäusehöhe: 7.5 mm
Saphirglasboden
30 Meter wasserdicht
Abstand Horn zu Horn: 40.7 mm (selbst gemessen)
Bandanstoßbreite: 18 mm

Das Zifferblatt

Massivgold, versilbert
Handguillochiert
Verwendete Muster: Clou de Paris, vieux panier, liseré, filet
Römische Ziffern
Goldpunkte bei den Stunden

Die Zeiger

Breguet-Zeiger, Stahl gebläut
Kleine Sekunde

Das Band

Dunkelblaues Alligator-Band, 18 mm breit
Weißgold-Dornschließe
Breite an der Schließe: 14 mm

Die Bilder

Breguet kann sich also bei meinem Vater bedanken, dass sie mir eine Uhr verkaufen konnten. Hier die 33 mm Neptun neben der 5907 mit 34 mm. Auch die Hörner der Neptun sind relativ lang, aber bei diesem Gehäusedurchmesser können die Hersteller leicht großzügig sein – Probleme mit der Breite des Handgelenks sind da eher nicht zu erwarten.

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Grundsätzlich kommt die 5907 meinem Ideal einer Uhr schon recht nahe. Bei Datumsfenstern bin ich äußerst kritisch.

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Aber von Anfang an! Da Omega meinen Referenzrahmen definiert, war ich von der schlanken Verpackung angenehm überrascht. Mehr Karton muss nicht sein.

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Wer inzwischen Zeit gefunden hat, die Geschichte der „Marie-Antoinette“-Taschenuhr (also der modernen Rekonstruktion) zu recherchieren, der kennt schon die Story mit der 324-Jahre alten Eiche in Versailles, die Nicolas G. Hayek 2005 als Dank für seine Restaurierung des „Petit Trianon“ (des Lustschlösschens von Marie-Antoinette) geschenkt wurde und aus der er die Holzkiste für diese spezielle Uhr zimmern ließ.

Für meine hat das Holz leider nicht mehr ausgereicht. Sie ist aber trotzdem schön.

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„Hand made in Italy“ steht unten drauf, hergestellt von Gentili Fabrizio Srl.

Im Fach darunter die Papiere (die Garantiekarte in Form eines Buchs fehlt auf dem Bild).

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Ich zeig das hier so ausführlich, weil es im Vergleich zu Omega eine andere Art ist, Uhren zu präsentieren. Letztendlich werden bei mir alle Boxen auf dem Speicher verräumt, so auch diese hier.

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Ich hab erst nach dem Kauf bemerkt, dass das meine erste Uhr mit Ziffern als Stundenmarkierung ist!

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Schnell mal ein Wristshot dazwischen. So sieht also eine 34 mm-Uhr bei einem Handgelenksumfang von 16.5 – 17 cm aus.

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Die 5907 hat einen Saphirglasboden, der den Blick auf Kaliber 511DR ermöglicht. Das Werk füllt das kleine Gehäuse schön aus.

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Früher verwendete Breguet bei der 5907 als Basis ein automatisches Kaliber von Frederic Piguet (FP1150) das von Breguet durch Entfernen des Rotors modifiziert und mit 510DR bezeichnet wurde (28800 A/h, 72h Gangreserve). Es schien optisch, wie meist in einem solchen Fall, "Hilfe, wo ist mein Rotor!" zu rufen.

Das deutlich hübscher anzusehende Kaliber 511DR hat hingegen flache Brücken.

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Ein Wort zu den Seriennummern. Am nächsten Bild ist am rechten oberen Rand die Bezeichnung 2087BC zu lesen. Das ist die vollständige Seriennummer meiner Uhr.

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Das Nummerierungsschema bei Breguet ist folgendes (erst mal die vereinfachte Darstellung).

Historisch bedingt werden bei Breguet drei- bis vierstellige Seriennummern verwendet, die auch am Zifferblatt aufgedruckt sind. Allerdings nicht zwischen 100 und 9999, sondern zwischen 250 und 5500.

Abraham-Louis Breguet hat das mal so eingeführt. Wesentlich ist, dass die Nummerierung vollkommen unabhängig von der Referenz ist. Seriennummer 5000 kann also eine Ref. 5907 sein, S/N 5001 aber eine Ref. 7337 etc.

Irgendwann mal war man bei 5500 angelangt und musste sich was überlegen. Also hat man hinten einen Buchstaben angehängt. Damit es nicht zu blöd aussieht, wird der aber auf der Zifferblattseite nicht dargestellt, nur auf der Rückseite der Uhr.

Damit hatte man nach den ersten 5251 Uhren wieder etwas Luft und nummerierte von 250A … 5500A über 250B … bis 5500Z. Dann musste man sich wieder was überlegen.

Wie man leicht ausrechnen kann, ermöglichen zwei angehängte Buchstaben das Durchnummerieren (von AA bis ZZ, wo wir heute noch lange nicht sind!) von weiteren 5251 x 26 x 26 = 3.549.676 Uhren.

Ich hab auch inzwischen schon eine ......BH gesehen, was kein Wunder ist, da meine schon eine Weile als „NOS“ herumlag (NOS direkt beim Hersteller, gibt’s so was überhaupt?).

Ausnahmen von dem beschriebenen Schema gibt es. Sonst wär’s zu einfach.

Erstens hat man am Ende des letzten Jahrhunderts eine Zeit lang nicht aufgepasst und fröhlich bis über 9000 weiternummeriert. Dann besann man sich und kehrte zum alten Schema zurück.

Zweitens gilt das Schema z.B. nicht für die Fliegeruhren (z.B. Type XX, Aéronavale). Die haben ein ganz eigenes Schema.

Wenn ich mich nicht verrechnet habe, dann heißt das ganze, dass vor meiner 2087BC insgesamt 290.642 Breguets produziert wurden (gezählt ab der Nummer 250 noch ohne Buchstaben). Dabei sind die Ausnahmen nicht berücksichtigt, es stimmt also nicht genau. Vor der 250 hat Abraham-Louis Breguet ein anderes Schema, das auch Monat und Jahreszahl enthielt, verwendet.

Um eine Uhr vollständig zu identifizieren gibt es noch eine Werksnummer. Die ist aber auf den folgenden Bildern rausgelöscht.

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Was gibt‘s hinten sonst noch zu sehen? Ach ja, eine dezente und sehr praktische Gangreserveanzeige!

Die Uhr hat unglaubliche 96 Stunden Gangreserve. Bei einem Federhaus. Und der Aufzug ist butterweich. Wenn ich an meine Seamaster 300 Master Co-Axial denke, die mit zwei Federhäusern gerade mal 60 Stunden schafft … (Woran liegt das?)

Was auch sehr nett ist: Den Aufzug kann man nicht überdrehen. Wenn man voll aufgezogen hat (an der Zeigerstellung leicht zu erkennen) und man dreht weiter, passiert genau gar nichts. Macht natürlich nur Sinn, wenn es eine Gangreserveanzeige gibt. Hätte die Speedy so ein Rutschdingens, wüsste man nie, wann sie voll aufgezogen ist.

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Die Anglierungen der Kanten erfolgen natürlich per Hand, und sind schön rund. Die maschinell bearbeiteten Kanten der Werkteile meiner Seamaster (oder auch die der De Ville Trésor) sind hingegen steil abgeschrägt. Nicht hässlicher oder schlechter, aber anders.

Da es sich bei meiner um eine „einfache“ Breguet handelt, ist die Unruhfeder nicht aus Silizium, sondern ganz traditionell.

Ich tröste mich damit, dass auch Gioachino Rossini („Ich gebe zu, dreimal in meinem Leben geweint zu haben: als meine erste Oper durchfiel, als ich Paganini die Violine spielen hörte und als bei einem Bootspicknick ein getrüffelter Truthahn über Bord fiel.“) eine „einfache“ Breguet besaß.

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Den wesentlichen ästhetischen Reiz der Uhr macht für mich natürlich das guillochierte Zifferblatt aus. Das Muster im zentralen Teil heißt Clou de Paris. Trotz der geringen Größe der Uhr ist durch den hohen Kontrast zwischen den gebläuten Zeigern und dem versilberten Zifferblatt die Alblesbarkeit ausgezeichnet (außer bei Nacht, versteht sich). Die kleine Sekunde finde ich perfekt platziert. Das Muster innerhalb der kleinen Sekunde dürfte vieux panier („alter Korb“) sein.

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Nochmal zur Wiederholung: die Nummer vorne ist nicht die Referenz sondern die Seriennummer bzw. ein Teil derselben. Googeln dieser Nummer („Breguet 2087“) führt also in die Irre.

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Die Gestaltung der Gehäuse der „Classique“-Linie weist auch einige Breguet-typische Merkmale auf.

Da wären zunächst die Kannelüren, das sind fein strukturierte, vertikale Rillen auf dem Gehäusemittelteil mit zwei übereinander liegenden Linien. Sie entstehen im Kaltverfahren und werden auf einem unbeweglichen mechanischen Werkzeughalter von Hand bearbeitet.

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Die angeschweißten Bandanstöße sind ein weiteres typisches Merkmal. Die Stege sind geschraubt und in meinem Fall (Stichwort „einfache“ Breguet) sind die Schrauben nur mit etwas Schraubsicherung gesichert.

Bei teureren Breguets ist die Schraube des Steges mit einer Bohrung von unten durch ein Horn mit einer zweiten Schraube fixiert. (Ich glaube es sind sogar zwei Schrauben, eine in jedem Horn.)
Ich finde das trotzdem fast grob fahrlässig! Ob man diese weiteren Schrauben, welche die Steg-Schrauben sichern, nicht mit noch zwei Schrauben gegen das Herausfallen sichern könnte? (ad infinitum) ;-)

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Am Bandanstoß ist die Breite jedenfalls 18 mm. Bis zur Weißgoldschließe (natürlich wieder geschraubt ...) verjüngt sich das Band auf 14 mm.

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Bis ich mich finanziell einigermaßen derrappelt hab, muss ich wohl "Fetzenlook" tragen. ;-)

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Das Schöne daran ist aber, dass man unter Fetzen selten eine Breguet erwartet.

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Eine Breguet fliegt, wie Archie Luxury immer so schön sagt, „under the radar.“ Das finden wir offenbar beide cool.

Und es stimmt. Sie ist absolut unauffällig, nicht nur was die Größe betrifft. Das gefällt mir.

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Das dunkelblaue Alligator-Band (das originale schwarze wurde beim Kauf kostenlos ausgetauscht, ein zweites Ersatzband gab es gratis dazu) ist hochwertiger als alles, was ich von anderen Marken kenne.

Das Band war zwar im Neuzustand ziemlich steif, aber nach zwei, drei Tagen war es perfekt angeformt.

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Die dezenten Goldpunkte als weitere Stundenmarkierung finde ich klasse.

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Mit einer Gehäusehöhe von 7.5 mm gibt es auch mit Hemden keinerlei Probleme.

Ich trage Hemden eigentlich recht selten. Zuletzt, als ich zum Einkaufen in die Breguet-Boutique ums Eck ging (damit mich der Türsteher schneller reinlässt).

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Nein, es ist keine Ein-Zeiger-Uhr, auch wenn es fast so aussieht.

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Man sagt zu den Breguet-Zeigern auch „Pomme“-Zeiger. Pomme ist ja eigentlich der Apfel. Der Apfel hat ein Loch. Da ist also möglicherweise der Wurm drin. Egal, es sind jedenfalls exzentrisch durchbrochene Zeiger.

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Weil sie so schön sind, hier die Zeiger noch mal aus der Nähe.

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Die sogenannte geheime Signatur führte Abraham-Louis Breguet ein, als er sich schließlich doch etwas zum Thema Kopierschutz überlegen musste. Sie wurde mit Hilfe eines sehr kleinen Pantographen graviert. Allerdings: trieb man so ein Gerät auf und übte ein wenig, war’s auch schon wieder vorbei mit dem Kopierschutz.

Wie man mit freiem Auge erkennen kann ist die Geheimsignatur wirklich eine "sogenannte". Sie ist zwar recht klein, aber besonders bei schrägem Lichteinfall ganz leicht zu erkennen.

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Hat eine Breguet ein weißes Email-Zifferblatt, dann gibt es übrigens auch eine Geheimsignatur. Dort verdient sie ihren Namen, denn sie ist erstens viel kleiner, also wirklich klein. Zweitens nützt einem auf dem weißen Email der schräge Lichteinfall wenig. Da hab ich echt eine Lupe gebraucht, um sie zu finden.

So, das war's! Ich hoffe wieder mal, es hat euch gefallen!

Literaturtips

Die zweite Auflage des Buches “Breguet, Watchmakers since 1775. The life and legacy of Abraham-Louis Breguet” ist übrigens gerade erschienen. Um 120 Euro bekommt man 450 spannende, großformatige Seiten über die Geschichte des Hauses Breguet, das historische Umfeld in Europa, und natürlich vor allem die Uhren. Mit vielen hochwertigen Abbildungen ist das Buch ein absolutes Muss für Fans der Marke. Ich hab's in zwei Wochen ausgelesen (daher konnte ich hier auch so ausufernd schreiben).

Auch das Magazin “Quai de L’Horloge” ist zu empfehlen. Es ist eine gute Mischung aus historischen Artikeln (z.B. über den erwähnten Wiener Kongreß, den Petit Trianon, das Verhältnis Talleyrand zu Breguet, die Geschichte der Aéronavale, etc.) und Beschreibungen der aktuellen Uhren und der Technik ihrer Herstellung. Als PDF gibt's derzeit die Ausgaben 1 - 4 auf der Breguet-Website zum Gratis-Download.

Bildquellen historischer Persönlichkeiten

https://www.breguet.com/de/haus-breguet/personlichkeiten/abraham-louis-breguet

https://www.breguet.com/en/timeline/1801-1823/distinguished-patrons/caroline-murat-queen-naples-7104

https://www.breguet.com/en/timeline/1747-1800/distinguished-patrons/queen-marie-antoinette-7007

https://www.breguet.com/en/timeline/1747-1800/distinguished-patrons/napoleon-bonaparte-7049

https://www.breguet.com/en/timeline...ed-patrons/charles-maurice-de-talleyrand-7064
 
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elekticker

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Donnerwetter.

Eine ausführliche Vorstellung, die ich mir sicher noch ein zweites mal gründlicher durchlesen werde, eine interessante Box und...

...eine bemerkenswerte Uhr. Glückwunsch.
 
nerhu

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Geschichts- und Sachunterricht vom Feinsten.
Dazu eine wunderschöne Uhr.
Das legt die Messlatte für Uhrenvorstellungen auf ungeahnte Höhe.
Danke
 
Parameter

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mmh evtl. sollte in den Forenregeln das Verfassen zu langer Vorstellungen mit aufgenommen werden.:D

Spaß beiseite...man man was für eine grandiose Vorstellung.:klatsch:
Frei nach Rossini habe ich jetzt feuchte Augen vor Freude durch Betrachten dieser grandiosen Bilder einer herrlichen, klassischen Uhr einer Spitzenmanufaktur. Danke dafür.:klatsch:
Und natürlich Glückwunsch zu dem erlesenen Geschmack und zur Uhr.:super:

P.S. da sag einer mal das eine solche Uhr nicht auch zur Jeansjacke getragen werden kann, klasse Kontrast, gefällt.:-)
So und jetzt muss ich auch mal die Geschichte von Breguet lesen, die ich eben zugegeben überscrollt habe.;-)
 
MRBIG

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Einfach nur klasse...

...Vorstellung und Uhr.

Wäre es ein Referat, gäbe es die Schulnote "sehr gut" mit * von mir. :super:
 
Doppelbeg

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Lieber Haribo,

meinen herzlichen Glückwunsch zu der Neptun und natürlich "dem Star" deiner Vorstellung: deiner Breguet.
Vielen Dank für die ausführliche Bebilderung und deinen netten, kurzweiligen Text.
Speziell die Kombi mit deiner Jeansjacke ist stark und gefällt mir sehr!

Alles Gute,

N.
 
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hkrauss

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Hier das volle Spektrum, das die Swatchgroup derzeit zu bieten hat. Von. Bis.

breguet590731egu0a.jpg

(Danke an die Tochter von Caroline Murat für das Zur-Verfügung-Stellen ihrer Uhr!)
 
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ENZO

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Sieht nach einer interessanten Vorstellung aus. Aber verzeih mir bitte, dass ich das nicht alles lese.

Glückwunsch zur schönen Uhr!
 
Babba

Babba

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Hallo Haribo,

deine Vorstellungen sind in diesem Forum wirklich ganz weit oben anzusetzen.
Auch wenn die Uhr nicht meinem Geschmack entspricht (etwas zu klassisch) zieh ich meinen Hut vor dir, einfach nur beeindruckend deine Liebe zu Detail.
Die tolle Neptun hätte mit einem Vorher/Nachher-Vergleich doch auch mal eine Vorstellung verdient:D
Ich wünsche dir ganz viel Spaß mit deiner Breguet!
 
Mueller27

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Hi,

da muss man Dir neben dem Besitz dieser schönen Uhr vor allem zu dem Besitz von Geschmack gratulieren.
Ein Glanzpunkt unter den Uhrenvorstellungen hier, und das in einem Forum in dem es - so glaubt man manchmal- außer Divern und Fliegern nur wenig gibt, und in dem der gemeine Foristi beim Wort "Dresswatch" an eine Datejust denken muss.

Vielen Dank für diese Horizenterweiterung.
Und, wie Du selbst schon geschrieben hast: Immer schön unter dem Radar fliegen. :-)

Carsten
 
music-power

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Wow, was ne Vorstellung. Sehr detailverliebt und perfekt recherchiert. Und dann noch die tollen Fotos! Meinen Respekt, Herr Haribo! Und natürlich meine Glückwünsche zur Breguet!

Beste Grüße,
Frank
 
Articus

Articus

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Sehr schöne Geschichte und zwei tolle Uhren. Auch wenn mir die restaurierte Neptun rein optisch besser gefällt:oops:
 
2

2SLS

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Wunderbare Geschichte(n), wunderbare Uhrvorstellung, zwei wundervolle Uhren- Chapeau, herzlichen Dank und herzlichen Glückwunsch!
 
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Sehr tolle Vorstellung und sehr interessante Uhr! Vor allem die Gangreserve auf der Rückseite gefällt mir persönlich hervorragend.
 
falko

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Glückwunsch zur edlen Uhr und vielen Dank für die ausführliche, der Uhr angemessenen Vorstellung, die ich mir gerne noch ein zweites Mal durchlesen will.
 
Königswelle

Königswelle

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Super Vorstellung und Glückwunsch zum edlen Stück! :super:

Die historischen Details muss ich mir mal in aller Ruhe zu Gemüte führen. Die sind zu schade, um sie einfach so mal schnell abzulesen. ;-)
 
Devilfish

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Eine Breguet im Portfolio würde mich auch noch reizen. Viel mehr Beitrag zur Uhrengeschichte geht eigentlich kaum. Dazu noch ein unverwechselbares Äußeres. Vielen Dank für Deine tolle Vorstellung und viel Freude mit dieser besonderen Uhr.
 
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