Borduhren von Jaeger LeCoultre

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bonanza

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Borduhren von Jaeger LeCoultre

.............Jaeger.....................Sphinx...................Smith
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Die Jaeger LeCoultre-Borduhren „Chronoflight“ wurden in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts in der Schweiz produziert und in diverse andere Länder wie nach Russland, in die USA und nach Großbritannien exportiert. Sie hatten dann die entsprechenden Aufschriften in der jeweiligen Landessprache auf den ZB‘s. Auch für Frankreich gab es eine Version. In meinem Besitz befinden sich jedoch nur die drei erstgenannten Exemplare. Sie sind abgesehen von der Ausbaustufe alle mit dem gleichen Uhrwerk ausgestattet und diese sind komplett vergoldet. Sie befinden sich natürlich alle in von mir selbstgebauten Aufstellern aus Holz. Diese sind den Holzgehäusen der deutschen Stationsuhren der ehemaligen Wehrmacht bzw. Luftwaffe nachempfunden. Deren Abmessungen sind in B x H x T, 104 x 128 x 40 mm. Die Uhren sind alle aus der sogenannten Bucht. Sie waren natürlich alle defekt. Die gröbsten Fehler habe ich selbst behoben und den Rest -wie baden und Ölwechsel- hat dann der Uhrmachermeister durchgeführt.

Die Jaeger (Russland)

Diese Uhren wurden Ende der 30er Jahren noch so mit kyrillischen Aufschriften auf dem Ziffernblatt für die Luftwaffe an die UdSSR geliefert, bis diese ihre eigene Borduhrenproduktion aufgebaut hatte. Danach fertigte Russland mit oder ohne Lizenz seine eigenen Borduhren.

Gehäusebau

Für den Gehäusebau verwendete ich diesmal amerikanischen Mammutbaum, genannt „Red Wood“ aus Kalifornien. Diese Bäume werden bis über 100 m hoch. Das Holz dieses Baumes ist außen hell und im Kern rotbraun. Mein Holzklotz stammte aus dem Übergangsbereich zwischen rotem und weißem Teil. Die Dichte des Holzes beträgt 0,43 -also nur die Hälfte von Olivenholz- und ist somit sehr leicht und auch weich. Ein Wunder, dass man damit so große Bäume bauen kann.
Beim Bearbeiten neigte es dazu zu spreißeln (ist bayerisch). Es sollte sehr gut eingespannt werden um ein Verrutschen zu verhindern und die Werkzeuge müssen scharf geschliffen sein. Redwood ist wie alle anderen Weichhölzer (Nadelhölzer) für ein Erstlingswerk nicht zu empfehlen
Besondere Uhren sollte man aber auch in besondere Gehäuse einbauen. Allerdings ist weiches Holz dafür nicht besonders geeignet, was man aber erst merkt wenn man es bearbeitet. Das Gehäuse, ohne Beschläge und Uhr, wog gerade mal 80gr. Das Gehäuse wurde mit den obligatorischen Ausstellfüssen versehen und mit Kunstharzlack aus der Sprühdose farblos lackiert. Das Holz saugte den Lack auf wie ein Schwamm und ich musste dreimal sprühen.

Anhang anzeigen Gehäusebau.jpg

Die Reparatur

Der Minutenzeiger des kleinen Hilfsziffernblattes für die Flugzeit fehlte. Aber von meiner Smith (LeCoultre), der ich an dieser Stelle ein neues Zeigerpaar spendierte (ihr fehlte der Stundenzeiger), hatte ich noch einen passenden Minutenzeiger übrig und das Problem war damit beseitigt.
Fehlende Gehäuseschrauben wurden ergänzt. Die Befestigungsschrauben der beiden Kronen waren defekt und mussten auch ersetzt werden. Schrauben mit dem originalen Zollgewinde konnte ich jedoch nicht auftreiben, so dass ich metrisches Gewinde M 1,5 in die 3mm dicken Wellen schnitt. Die Wellen waren jedoch hart (Edelstahl), so dass ich für jedes Gewinde eine gute Stunde benötigte.
Die Schraubanschlüsse für die elektrische Heizung der Uhr waren abgebrochen und wurden durch kleine Polklemmen ersetzt. Es sind seltsamerweise 3 Anschlüsse. Alle meine anderen russischen Uhren haben nur 2 Anschlüsse für 27 V. Da es ja wohl kaum für 3Phasen-Drehstrom sein dürfte, gehe ich von einer abgestuften Heizleistung, oder einer umschaltbaren Versorgungsspannung wie z.B. 13,5 V und 27 V aus. Der Widerstand der Heizwicklung beträgt 2 x 30 Ohm; was bei 27 V an 60 Ohm immerhin einer Mindestheizleistung von über 12W (P=U2/R) entspricht.
Die Uhr war anschließend zum Ölwechsel beim Uhrmacher und läuft wieder einwandfrei.

Die Sphinx (USA)

Die Uhr wurde von der Sphinx American Corp. U.S.A. für die US Air Force aus der Schweiz importiert. Das Werk ist komplett vergoldet. Die Uhr war abgesehen von dem Fehler, dass sie sich nicht mehr aufziehen lässt, in einem sehr guten Zustand.

Gehäusebau

Das Gehäuse baute ich diesmal wieder in bewährter Manier, allerdings aus afrikanischem Padouk.

Anhang anzeigen 0 SPHINX.jpg

Reparatur

Der Verkäufer beschrieb schon in seinem Angebot, dass sich die Uhr nicht mehr aufziehen lässt. Die Aufzugskrone ließ sich sehr leichtgängig durchdrehen, so dass man das Gefühl hatte, es sei keine Zugfeder mehr vorhanden. So hatte ich die Hoffnung, dass die Zugfeder nur ausgehängt war. Sie war ausgehängt, aber durch Drehen der Aufzugkrone in der richtigen Richtung (links herum) hängte sie sich wieder ein. Damit war aber die Reparatur noch nicht beendet, denn die Rücklaufsperre funktionierte nicht. Die Feder, die die Sperrklinke in die Verzahnung des Federhauses einrasten lässt, war gebrochen. Ein originales Ersatzteil aufzutreiben ist schier unmöglich. Also ist wieder einmal Improvisation gefragt. Die Sperrklinke ist als ein in der Mitte gelagerter Kipphebel ausgeführt und war gehärtet. Also die eine Seite weichglühen, 1,2mm Loch bohren und 1,5mm Gewinde reinschneiden. In dieses Gewindeloch kommt eine Schraube M1,5 in die eine Spiral-Zugfeder eingehängt wird, deren anderes Ende an einem zweiten Aufhängepunkt auf der Platine befestigt ist. Dies lässt die Rücklaufsperre wieder in die Verzahnung des Federhauses eingreifen. Die Rücklaufsperre funktioniert wieder einwandfrei und die Uhr lässt sich normal aufziehen.
Die Uhr kam danach zwecks Durchsicht und Ölwechsel zum Uhrmacher. Sie läuft wieder ganz hervorragend und hält die Zeit sehr gut.

5- Rücklaufsperre.jpg

Die Samuel Smith & Son (Großbritannien)

Diese Uhr habe ich schon in einem anderen Beitrag hier im Forum vorgestellt. Siehe „Borduhr von S. Smith & S“.

Zum Schluss noch eine Nachtaufname meiner Sammlung mit UV-Beleuchtung aus z. Z. 288 UV-LED’s aufgenommen. Die Intensität der Beleuchtung ist einstellbar und regelt sich in Abhängigkeit der Umgebungshelligkeit selbst nach. Die LED’s befinden sich hinter der um 45° abgewinkelten Blende mit den Namensschildern auf den Regalbrettern.

P1050015.jpg

Allen geneigten Lesern noch die besten Wüschen für das neue Jahr von
Wolf (Bonanza)
 
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fantomaz

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Alter Schwede! Da ziehe ich meinen Hut – aber ganz tief:super:

Geniale Sammlung und sehr beeindruckend Dein Wissen um die Spezialuhren!
Ich habe mich auf die verschiedenen Nachbauten der Russen beschränkt nachdem ich
gesehen habe, wie die Jaeger gehandelt werden....

Gerne mehr Bilder :-D

Alexander
 
Articus

Articus

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Tolle Uhren + Sammlung:super:

Nach meiner Erinnerung sind diese Schätzchen, wenn man sie überhaupt noch bekommt, preislich recht hoch angesiedelt, oder?
 
JackSlater

JackSlater

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Sehr geil. Auch von mir Danke fürs Zeigen!
 
bonanza

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Hallo an alle Freunde von Borduhren,

zunächst vielen Dank für die positiven Kommentare. Damit hatte ich gar nicht gerechnet.

Zu der mehrfach durchschimmernden Frage nach den Preisen für diese Uhren kann ich nur sagen, dass für die russischen Nachbauten häufig höhere Preise aufgerufen werden. Man muss aber nicht auf jeden Preis abfahren.

Übrigens sind alle gezeigten Uhren unterschiedlich. Ich habe keine doppelt, auch wenn es bei manchen russischen Uhren so aussieht. Sie unterscheiden sich häufig nur im Innenleben. Mal haben sie eine eingebaute Heizung, mal ein Zeitschaltwerk und manchmal gar nichts von allem. Erkennen kann man dies an den rückseitigen Anschlüssen und natürlich an der Typenbezeichnung. Beispiel: „123 ЧC“ ist mit Heizung, „59 ЧП“ ist mit Schaltuhr und die „60 ЧП“ ist mit gar nichts. Aber vom ZB her sind alle gleich.

MfG aus dem Spessart
Wolf

--- Nachträglich hinzugefügt ---

Nachschlag zu Borduhren von Jaeger LeCoultre

Kleiner Beitrag zu russischen Nachbauten von Jaeger LeCoultre Borduhren.

Für eine meiner russischen Borduhren (die Neptun) benötigte ich eine neue Unruhe. Die kostet ca. 25 € in Ebay und eine komplette Ersatzuhr ist ab 30 € zu bekommen. Also erwarb ich eine komplette Uhr mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass ich dann auch noch andere Ersatzteile auf Lager hätte. Das Foto in Ebay war so schlecht, dass man so gut wie nichts erkennen konnte. Der Verkäufer schrieb „Sammlerobjekt, Funktion nicht geprüft, Uhr zum Herrichten“. Funktion nicht geprüft, bedeutet in der Ebay-Sprache aber, die Uhr ist kaputt. Ich schlug trotzdem zu in der Hoffnung, dass die Unruhe noch intakt war und war überrascht als ich sie bekam. Die Uhr war ein früher russischer Nachbau (1939) der Schweizer „Chronoflight“ von Jaeger LeCoultre mit komplett vergoldetem Werk, aus der ich natürlich keine Ersatzteile ausbaute. Die Unruhe hätte auch gar nicht gepasst.

Aussenansichten.jpg

Die Einprägungen im Uhrengehäuse bedeuten: Gewicht 450 gr, Fertigungsnummer 13989 und Fertigungsdatum 1939.

Das Werk war sowas von identisch mit einer Chronoflight von Jaeger, dass es schon fast ein Original sein könnte. Sie hatte folgende Fehler: Beide Wellen für die Kronen waren abgebrochen und die Rastfeder der Welle zum Ein- und Ausschalten der Stoppuhr fehlte wie ebenso der Tastknopf hierzu. Also erwarb ich erneut eine preiswerte Ersatzteileuhr, aus der ich nun alle Teile für die Reparaturen der nun beiden Uhren gewinnen konnte. Zum Glück wurden diese Teile über viele Jahre hinweg von der russischen Uhrenindustrie unverändert weiterproduziert, so dass man sie problemlos austauschen kann. Die beiden Borduhren laufen jetzt wieder, wobei der Chronoflight-Nachbau noch zum Uhrmachermeister kommt, zwecks Reinigung und Ölwechsel.

Innenansichten.jpg

MfG von
Wolf (Bonanza)
 
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FORZA SGE

FORZA SGE

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Super interessanter Bericht und tolle Bilder mit Erklärungen, danke für´s zeigen. Das Thema ging bis vor ca. 6 Monaten komplett an mir vorbei ist aber echt spannend.
 
bonanza

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Hallo Freunde von Borduhren!

Die Uhr ist vom Uhrmacher wieder zurück. Sie steht seit 2 Wochen im Regal bei ihren anderen Geschwistern und läuft mit 14 Sekunden Vorlauf pro Tag wieder recht ordentlich. Immerhin ist die Uhr Jahrgang 1939 und somit ein Jahr älter als ich. Mein Uhrmacher hat außer Baden und Ölwechsel noch einen Rubin-Lagerstein vom Kleinbodenrad auf der ZB-Seite gewechselt. Den Lagerstein hat er aus meinem Ausschlachtwerk gewonnen.:-)

Es grüßt aus dem Spessart der
Wolf
 
S

Solon

Gast
Ein tolles Hobby und dickes Lob dafür. Ich finde die Sammlung und die Präsentation genial. Und das Wichtigste: Wieder etwas Neues gelernt. Vielen Dank dafür!

Du regst ja mit UV-Lampe die Leuchtschrift an. Ich gehe nicht davon aus, dass Radium verwendet wurde, sondern Tritium?

Könntest Du da ein wenig Details dazu geben?
 
bonanza

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Hallo Solon,

ja das sind UV-Leuchtdioden, mit denen ich die Borduhren anstrahle. Bis auf die Waterbury, die ich selbst illuminiert habe, sind alle anderen Uhren noch mit der original Leuchtfarbe versehen. Verwendet wurden dafür sicherlich je nach dem Alter der Uhr was damals halt so üblich war, ich weiß es nicht. Aber ich denke, wenn mir in 10 oder 20 Jahren die Haare ausfallen, spielt das nicht mehr die große Rolle für mich.

Es grüßt der Wolf aus dem Spessart
 
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