Borduhr Junghans „FL 22600“

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#1
bonanza

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Allgemeines
Von Junghans besitze ich zwar schon länger eine Stationsuhr, eine „FL 25591“, aber eine Borduhr „FL 22600“ fehlte mir bislang noch. Jetzt habe ich eine. Die Uhr selbst ist hier sicherlich schon genug beschrieben und abgehandelt worden und muss nicht erneut besprochen werden. Sie wurde als lauffähig mit altersbedingten Gebrauchsspuren und natürlicher Patina beschrieben und angeboten. Sie bedürfe nur einer Reinigung schrieb der Verkäufer. Als einziger Mangel waren die beiden fehlenden Griffe auf der Lunette angeführt. Das klingt schon mal vielversprechend.
Die Uhr benötigt zum Einbau eine besondere Einbaufassung. Diese hatte eine Bajonett-Verriegelung. Sie war fest im Instrumentenbrett im Cockpit eingebaut und da befindet sie sich wohl immer noch. Man konnte die Uhr mit einem Handgriff einsetzen oder auch entnehmen. Die Uhr wurde nach jedem Einsatz entnommen und in die Flugbereitschaft gebracht, wo sie vor dem nächsten Einsatz erneut aufgezogen und gestellt wurde.
Diese Einbaufassung fehlte also, wie meistens, so auch bei dieser Uhr. Außer den beiden fehlenden Griffen fehlte auch noch der rote Markierungspfeil auf der Glasscheibe. Mit den vorhandenen Kratzern auf der Glasscheibe muss man aber wohl leben. Von diversen fehlenden Schrauben ganz zu schweigen. So viel zu den Äußerlichkeiten. Die Uhr läuft zwar noch, muss jedoch zum Reinigen und für einen Ölwechsel zum Uhrmachermeister, aber zuvor erledige ich die einfachen Arbeiten selbst.
Reparatur
Griffe, Pfeil und Zeiger

Die Zapfen der abgebrochenen Drehgriffe auf der Lunette waren eingepresst. Ich habe sie ausgebohrt und ein Gewinde M 1,8 eingeschnitten. Meine danach eingeschraubten Ersatzdrehgriffe sind von einfacher Art, also glatt und ohne Rändelung bzw. Riffelung.
Einen entsprechenden Pfeil habe ich anhand von Vorbildern aus dem Internet, mit Hilfe eines Zeichenprogrammes auf dem PC gezeichnet, auf transparente Klebefolie gedruckt und von innen auf die Glasscheibe geklebt.
Die Zeiger waren böse mit klebriger weißer Farbe bekleckert und wurden neu mit Leuchtfarbe belegt.

2 Borduhr.JPG


Während der Reparaturarbeiten zeigten sich dann aber noch weitere, gravierendere Mängel.

Gehäuseflansch mit Tubus

Das Uhrengehäuse besteht aus 2 zusammengelöteten Teilen, nämlich dem Flansch und dem Tubus. Diese Lötverbindung war über mehr als 50% des Umfanges gebrochen, ich habe sie wieder nachgelötet. Zuerst habe ich eine Vorrichtung angefertigt, um die beiden Teile miteinander zu fixieren und dann auf der Herdplatte bei etwa 300°C gelötet (mit Infrarotthermometer überwacht). Da ich nicht wusste, inwieweit das Lötzinn in den Bruchspalt eingeflossen ist habe ich etwas mehr Lötzinn aufgetragen, was an dieser Stelle jedoch nicht stört.

Ein an gleicher Stelle gebrochenes Gehäuse bei diesen Uhren ist kein Einzelfall. Im Internet sind immer wieder solche Uhren mit dem gleichen Defekt zu finden. Auch welche, die schon nachgelötet wurden. Es scheint eine weitverbreitete Schwachstelle zu sein.

3 Flansch löten.JPG


Federhausmutter

Die Mutter MF 3,5 x 0,35 mit Linksgewinde zum Befestigen des Federhauses hatte keinen einzigen Gewindegang mehr. Diese hatte nämlich ein ahnungsloser Uhrenschrauber, der nichts wusste von einem Linksgewinde an dieser Stelle, ausgerissen. Zum Glück war das Gewinde auf der Hohlwelle noch i.O. Durch die Hohlwelle läuft nämlich die Zeigerstellwelle. Ersatz ist dafür natürlich nicht zu bekommen, aber eine neue Mutter musste her.

Stundenlang suchte ich im Net vergeblich nach einem passenden Gewindebohrer. Von vier Händlern, die ganz groß im Gewindegeschäft tätig waren, bekam ich auf eine diesbezügliche Anfrage drei abschlägige Antworten. Einer davon behauptete sogar, so ein Gewinde gibt es nicht. Der vierte meldete sich gar nicht erst. Dann fand ich per Zufall einen Anbieter genau dieser von mir gesuchten Gewindebohrer. Er hatte sogar 5 Stück davon am Lager und die dazu passenden Schneideisen. Ein Gewindebohrer hat mir aber genügt. Der Verkäufer hatte ihn nicht unter der Bezeichnung „MF“ für Metrisches Feingewinde angeboten und so konnte ich ihn über die Suchfunktion nicht gleich finden.

Erst in seiner Beschreibung las ich dann, dass die angebotenen Gewindebohrer eine Steigung von 0,35 mm links haben. Die Bezeichnung lautete „M 3,5x0,35 links“. Feingewinde M 3,5 gibt es auch mit der Steigung 0,25 mm und sogar mit 0,20 mm. Standard bei M 3,5 ist 0,6 mm Steigung.

Aus einem Stück Flachmessing 10x2 mm habe ich dann eine neue Mutter angefertigt. Jetzt kann das Federhaus wieder befestigt werden.

4 Federhaus-Mutter.JPG


Das gleiche Spiel hatte ich schon einmal bei meiner „Hebdomas“. Damals in 2014 fand ich den benötigten Gewindebohrer „MF 2,5 links“ bei einem Händler in Shanghai.

Sperrklinke

Die Uhr hat 2 Sperrklinken damit sich die aufgezogene Feder nicht sofort wieder entspannen kann. Eine davon war gebrochen (nächstes Bild links). Jetzt muss halt eine Sperrklinke genügen. Ersatz ist auch dafür nicht zu bekommen. Eine Selbstherstellung scheitert an meinen bescheidenen Möglichkeiten. Das versuche ich erst, wenn die zweite Sperrklinke ebenfalls gebrochen ist.

5 Sperrklinke & Leuchtzeiger.JPG

Die Nachleuchtfarbe und die Helligkeit der Zeiger, zu den noch original vorhandenen Zahlen, sind recht gut übereinstimmend (obiges Bild rechts). Die Zeiger mit der neuen Leuchtfarbe leuchten allerdings deutlich länger nach.

Einbauhalterung

Da die originale Einbaufassung ja nicht zur Verfügung stand, musste ich hier improvisieren. Hierzu habe ich auf dem Gehäuseflansch 3 Abstandbolzen, (15mm lang mit Innengewinde M3) angebracht mit Hilfe derer die Uhr auf der Befestigungsplatte im Holzgehäuse montiert werden kann. Die Befestigungsplatte wird von der Rückseite her in das Holzgehäuse eingebaut und die Uhr dann von vorne eingesetzt. Siehe mittlere Zeichnung im nächsten Abschnitt Gehäusebau.

Der Gehäuseflansch ist das dickwandigste und somit stabilste Teil der gesamten Uhr. Im Original hing die Uhr über drei Rastnoppen an dem dünnwandigen Tubus in der Einbaufassung. Vielleicht war dies sogar die Ursache für den Bruch der Flansch-Tubus Lötverbindung.

6 Abstandbolzen.JPG


Jetzt kann sie zum Uhrmachermeister und in der Zwischenzeit baue ich ihr ein Holzgehäuse zum Aufstellen in meinem Regal. Sie ist damit die Nr. 48 im Regal.



Gehäusebau

Das Gehäuse baue ich aus Robinien-Holz (falsche Akazie). Es ist von einfacher Art und braucht keine Rückwand. Dafür hat es ja die Befestigungsplatte im inneren des Gehäuses. Die Uhr wird ja von der Rückseite her aufgezogen und gestellt. Deshalb muss das Gehäuse hinten offen bleiben.

7 Gehäusezeichn..JPG


Gehäuse im Bau.JPG


Gehäuse fertig.JPG



Es grüßt aus dem Spessart der


Wolf (Bonanza)
 
#3
bonanza

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Hallo sense,

danke für dein Bild.
Aber zeig doch mal mehr von Deiner Sammlung.
Anbei ein nicht mehr ganz neues Bild von meiner Sammlung.
Keine Uhr ist doppelt vorhanden.
Aktuell existiert nur noch eine Lücke.


Wolfgang_Uhren_Tag.jpg

Gruss vom Wolf (Bonanza)
 
#5
sense

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Hallo Wolf,
da hast Du eine sehr stattliche Sammlung! Viele Uhren würde ich so direkt bei mir hinstellen nur die russischen Uhren haben mich nie so wirklich begeistern können.
Ich hab aktuell sechs Borduhren, die 22600 mitgerechnet und eine Junghans Stationsuhr der Luftwaffe. Für die Borduhren fertige ich immer Plexiglasständer an.
Viele Grüße
Stephan
 

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Zustimmungen: rh_j
#6
bonanza

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Hallo sense

Super, Deine Borduhren.
Auf Deinem ersten Bild spiegelt sich aber im Hintergrund auch eine russische Borduhr.
Sie taucht auf Deinen späteren Bildern aber nicht mehr auf.
Dafür liegt ein Magnetkompass bei den mechanischen Uhren. Das ist gefährlich.

Grüße vom Wolf aus dem Spessart
 
#7
sense

sense

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Absolut richtig, die russische Borduhr war meine erste, mittlerweile habe ich die aber nicht mehr.
Über den Kompass habe ich auch schon mal nachgedacht,ist das Magnetfeld so groß und stark, dass es die Uhren magnetisiert?
 
#8
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Pommes

Guest
Die magnetisierte Kompassnadel sehe ich als absolut ungefährlich an.
Trotzdem, schöne Sammlung.
 
#9
bonanza

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Hallo sense,
Es ist nicht nur die absolute Stäke des Magnetfeldes entscheidend, sondern auch die Einwirkdauer,
Du kannst mit einem Stück Stahl (Eisen) testen, wie weit und stark das Magnetfeldes von Deinem Kompass wirkt.

Wolf
 
#10
bonanza

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Habe eben mal selbst den Test gemacht.

Der Kompass ist ein Billigprodukt wie er bei Sattelitenantennen mitgeliefert wird.
Das Lineal ist aus Aluminium. Die Skalierung ist in cm angegeben.
Der Abstand Kompass zu Stahlstück beträgt ca. 10 cm.

0 Geh für Zenith Nr 5.JPG

Ohne Stahlstück in der Nähe zeigt der Kompass nach Norden. Mit Stahlstück in der Nähe nach Westen.
Uhren ohne magnetische Abschirmung könnten beeinflusst werden.

Es grüßt aus dem Spessart der Wolf
 
#11
P

Pommes

Guest
Die Kompassnadel ist weit weniger, als ein Kühlschrankmagnet, die Nadel wird nichtmal an einer senkrechten Stahlplatte hängenbleiben.
Ich sehe da keine Gefahr.
 
#12
bonanza

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Ja Pommes, Du hast ja recht.

Bei obigem Versuch ist es ja eher so, dass das Stahlteil die Kompassnadel beeinflusst, als umgekehrt.
Dazu sind die Masseverhältnisse viel zu ungleich.
Man sollte solche Dinge aber nicht völlig außer Acht lassen.

Gruß Wolf
 
#13
FL.23885

FL.23885

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@ Bonanza
Gratuliere zu deiner tollen Arbeit mit der Fl.22600 und deinen Betriebsuhren/Borduhren

@ Sense
Ebenso tolle Uhren, bei deiner Fl.23885 fehlt leider die Abdeckung bei dem Umschaltehebel aber ansonsten
ein schöne und stimmige Version 3.1
 
Thema:

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