Bitte um Infos zu einer Pendeluhr

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Haradel

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Ich bitte um Informationen zu der unten gezeigten Pendeluhr! Sie hat ein Schlagwerk, das sich alle halbe Stunde und zur vollen Stunde meldet.
Angeblich ist sie vom Opa des Opas meiner Frau, damit müsste sie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sein. Kann dies jemand bestätigen oder widerlegen? Auf dem Uhrwerk habe ich keine eingravierten Infos gefunden.

Sie geht erstaunlich gut (wurde wohl 1988 von einem auf Pendeluhren spezialisierten Uhrmacher überholt, eine entsprechende Eintragung befindet sich auf der Rückseite). Dort findet man auch eine undeutliche, verblasste Inschrift in altdeutscher(?) Schrift mit der Zahl 85 und noch eine weitere, die ich nicht entziffern kann.

Die Synchronisation des Schlagwerkes mit der angezeigten Uhrzeit habe ich hin bekommen, aber ich habe auch eine Frage zum Einstellen des Pendels.
Auf der Rückseite des Pendels ist 104 ½ Schwingungen pro Minute verzeichnet. Kann man aus dieser Angabe berechnen, wie weit man das Pendel verstellen muss, um einen bestimmten Vor- oder Nachgang zu korrigieren? Oder muss man die Korrektur iterativ einstellen?

Ich bekomme das Werk nicht von der Grundplatte entfernt, die obere Halteschraube ist so vom Rahmen verdeckt, dass ich sie mit meinem Werkzeug nicht richtig fassen kann, ohne den Kopf zu vermacken.

Vielen Dank für Eure Hilfe!
 

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Der Stromer

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Hallo Haradel.

Also nach meinem Dafürhalten wird diese Uhr - Das Werk sieht sehr hochwertig aus, Vollplatinen und Grahamhemmung - aus. Das Gehäuse weist die typischen Merkmale des Neohistorismus auf. Von daher würde ich diese Uhr eher in der Kaiserzeit des Deutschen Reiches sehen, also so ab ca. 1870 bis 1910.
Zur Regulierung: Im Prinzip kann man mit der Pendellänge die Anzahl der Schwingungen ausrechnen und natürlich umgekehrt. ABER! Wenn vorher Jemand z.B. die Pendelfeder ausgetauscht hat, wird das natürlich ungenau. Daher ist es besser, zur Regulierung folgender Massen vor zu gehen: Uhr Aufziehen (Voll, aber bitte ohne Gewalt bis zum letzten Knacken)! Dann in der Mitte der Laufzeit - Sonntag aufgezogen, dann also Mittwoch) die Zeit genau nach Funkuhr einstellen. Dann wieder am nächsten Sonntag aufziehen und am Mittwoch vergleichen und mit der Reguliermutter unten am Pendel entweder na "A" für Advancé drehen wenn die Uhr zu langsam sein sollte oder halt nach "R" für Retardé, wenn sie zu schnell ist. Dabei bitte mit Gefühl an der Schraube drehen. 1 Umdrehung bedeuten ca. 5 - 8 Sekunden in 24 Stunden, die das verändert.

Zum Herausnehmen vom Werk aus dem Gehäuse: Einfach die beiden Schrauben links und recht am Tragstuhl (Bild Werk von unten) nur lösen. Dann kannst Du das komplette Werk aus den Führungsschienen heraus ziehen, ohne das dabei die Position der Tonspirale verändert wird. Natürlich vorher das Pendel abnehmen! Aber wozu das? Hinweise auf den Hersteller des Werkes finden sich zu 99,8% nur auf der hinteren Platine, und von der solltest Du uns mal ein gutes, komplettes Bild zeigen. Da wird dann sicher Jemand hier sagen können, wer der Hersteller war.

Ps.: Das Gehäuse sagt nur etwas über den Zeitgeschmack der Käufer aus. von 100 Uhrenfabriken hatten nämlich noch nicht einmal 5 eine eigene Gehäusefabrikation. Gehäuse waren Wohnmöbel und Uhrmacher und Raumausstatter haben die Uhren nach dem Geldbeutel des Bestellers zusammen gestellt. Bei Deiner Uhr kann es also sicherlich so sein, dass das Werk um einige Jahre älter als das Gehäuse ist.
 
Haradel

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Hallo Rolf-Dieter,
Danke für die ausführliche Antwort!
Dann werde ich versuchen, das Werk aus dem Tragstuhl (danke auch für den Fachbegriff) heraus zu nehmen, um die Platine von hinten zu fotographieren.
Die Regulierung werde ich nach deiner Anleitung durchführen, wird aber ein zumindest mittelfristiges Projekt!
 
T

Tatyana_S

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Hallo!
Das Uhrwerk wird F. Mauthe ~ 1900 hergestellt. Für eine genaue Datierung benötigen Sie ein Foto.
Mit freundlichen GRÜßEN,
Tatyana
 
Haradel

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Danke für die Infos, ich werde dan Ausbau des Werkes demnächst versuchen und ein Photo der rückseitigen Platine machen.
 
Rainer Nienaber

Rainer Nienaber

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Eventuell markierst Du zuvor die Position des Uhrwerkes mit Bleistiftstrichen auf dem Traggestell.
.
Wieso? Er muss doch nur die beiden seitlichen Schrauben lösen und kann Werk und Schlitten nach vorne rausziehen. An der Position des Werkes auf dem Schlitten ändert sich doch nichts.
 
domaß

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Hallo geschätzter Rainer!

Das Uhrwerk ist nicht am hintersten Ende der "Schlitze".
Es geht - so kenne ich es von meiner - um die richtige Position des/der Hammers/Hämmer zu den Tonstäben.
Wer von unten~2.JPG
(Bild von Haradel, Ausschnitt)

Liebe Grüße,
domaß.

Was stört Dich an 2 Bleistiftstrichen?
 
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Rainer Nienaber

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Was stört Dich an 2 Bleistiftstrichen?
Nichts. Aber die beiden Schrauben, mit denen das Werk auf dem Schlitten befestigt ist, müssen doch gar nicht gelöst werden.

Wer von unten~2.JPG

Oder haben wir uns da missverstanden?
 
Haradel

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Ich sehe das so, dass die beiden Rändelschrauben (Gewinde unterhalb des Pfeiles von Rainer) an den langen Schlitzen gelöst werden müssen, dann kann das ganze Werk herausgezogen werden.
 
Rainer Nienaber

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Ich sehe das so, dass die beiden Rändelschrauben (Gewinde unterhalb des Pfeiles von Rainer) an den langen Schlitzen gelöst werden müssen, dann kann das ganze Werk herausgezogen werden.
Richtig. Und zwei Striche, wo bzw. wie tief der Schlitten gesessen hat, können nicht schaden.
 
Haradel

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Danke an die Spezialisten für die Unterstützung, sobald ich das Bild gemacht habe, werde ich mich hier noch mal melden.
Ich bin immer noch am Regulieren, mal geht sie vor, mal nach (sie geht aber nach wie vor), aber die Schwankungen werden kleiner. Wie genau kann man das hin bekommen, viel Geduld vorausgesetzt? So wie ich das Pendel einschätze, ist da eine thermische Kompensation realisiert, oder seht ihr das anders?
 
Rainer Nienaber

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Danke an die Spezialisten für die Unterstützung, sobald ich das Bild gemacht habe, werde ich mich hier noch mal melden.
Ich bin immer noch am Regulieren, mal geht sie vor, mal nach (sie geht aber nach wie vor), aber die Schwankungen werden kleiner. Wie genau kann man das hin bekommen, viel Geduld vorausgesetzt?
Ich gehe immer so vor: eine Undrehung der Schraube. Noch nicht genug? Noch eine Umdrehung. Und dann evt. noch eine und noch eine. Jetzt zu viel? Also 1/2 Umdrehung zurück.

So wie ich das Pendel einschätze, ist da eine thermische Kompensation realisiert, oder seht ihr das anders?
Das wird wohl eher eine "Scheinkompensation" sein. Und selbst wenn: die Temperaturschwankungen in Deiner Wohnung werden wohl nicht 10 oder 15° sein.
 
Haradel

Haradel

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So mache ich das mit dem Regulieren auch.

Zum Pendel:
Ich denke schon, dass da eine Kompensation drin ist, das System muss ich mir aber einmal genauer ansehen, welche Stangen mit welchem Joch(?) geklemmt sind und wie sie sich gegeneinander bewegen können.

Ich habe jetzt Bilder der Rückseite gemacht, vielleicht kann man da substantielles erkennen.
Gehört auf den Hammer eigentlich ein Stückchen Filz oder ähnliches?
 

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domaß

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Kompensationspendel sind so gebaut:

Ein langes Teil mit sehr geringem Ausdehnungsfaktor, darüber und zurück ein kürzeres Rohr mit einem sehr großen Ausdehnungsfaktor.
(Siehe Sattler).

Auf/ in den Hammer gehört üblicherweise Leder.
Ein musizierendes Mitglied unserer Gemeinde hat darüber sehr Interessantes geschrieben.
"Klang und Härte des Leders"

Liebe Grüße vom
Nicht Spezialisten domaß.
 
Haradel

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Du schreibst in Rätseln, Haradel :ok:. Besser :pics: vom Werk.

Generell zum Regulieren von mechanischen Großuhren: Temperaturunterschiede machen in der heutigen Zeit der Zentral geheizten Räume kaum noch was aus. Auch sind da die Uhrwerke selbst wenig anfällig. Lediglich die Pendelstange ist meist die Schuldige, und da sind Kurzpendel wiederum nicht so anfällig. Aber auch hier: Viel Geschichten um die "Temperaturfehler" werden erzählt, verbreitet und leider auch geglaubt.

Zu Deinem Werk also folgendes:
Das Pendel ist ein Pseudo-Rostpendel. Diese Pendel wurden den Temperatur-Kompensationspendel nach empfunden, weil sie wohl schöner zum Stil der (Uhr) Zeit gepasst haben. Die auf der Linse stehenden Buchstaben "R" und "A" bedeuten Retardé für zurück, langsam, verzögern und Advancé für Voranschreiten, schneller, etc. Beide Begriffe aus dem Französischen, war damals (vor 120 Jahren) große Mode:roll:. Jeder und alles sprach Französisch wie heute Weiland Denglish.
Das ist (nehme ich mal an) ein 8 Tage Werk. Das zieht man ein mal in der Woche auf und zwar bis zum Ende, aber ohne den letzten Knacks mit Gewalt erreichen zu wollen. Dann schaut man in der Mitte der Laufzeit sich die Zeit an und stellt die Uhr genau. Nächste Woche wieder das gleiche Spiel. Aufziehen und in der Mitte nach dem Gang schauen. Ist die Uhr zu schnell, dann die Pendelschraube im Uhrzeiger-Sinn nach unten drehen. und darauf achten, dass auch die Pendellinse mit nach unten gestellt wird - die klemmt meist auf ihrem Stab durch Federkraft und bleibt da, wo sie vorher war. Eine Umdrehung dieser Regulierschraube verändert den Gang der Uhr um ca. 3 - 4 Sekunden in der Stunde. Also bei einer Differenz von z.B. 5 Minuten in der Woche macht das 42 Sekunden am Tag oder 1,78 Sekunden in der Stunde. Schraube also um 1/2 Umdrehung nach Unten = Uhr wird langsamer (auf die Pendellinse achten!!!) oder gegen den Uhrzeigersinn - nach oben = Uhr wird schneller.
Diese 3 - 4 Sekunden in der Stunde treffen nur bei einem M3-Gewinde zu. Also bitte, der Uhr immer etwas Zeit lassen und erst dann gefühlvoll nochmals an dieser Schraube drehen! Jeden Tag oder gar Stunde daran rumfummeln bringt kein Ergebnis, sonder nur noch größere Ungenauigkeit.

Hier mal eine Tabelle zur Ausdehnung verschiedener Materialien in Abschnitt 6! Man(n) sieht, Holz ist nicht die schlechteste Wahl für die Pendelstange!

...und nun: Gut Regulier!
 
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