Baumgartner 866

Diskutiere Baumgartner 866 im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhren-Forum; Liebes Forum, ich habe heute eine alte Damentaschenuhr mit dem Werk Baumgartner 866 zerlegt, mit Feuerzeugbezin komplett gereinigt, geölt und...
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wonder78

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Liebes Forum,

ich habe heute eine alte Damentaschenuhr mit dem Werk Baumgartner 866 zerlegt, mit Feuerzeugbezin komplett gereinigt, geölt und wieder zusammengebaut.

Und siehe da, die Uhr, bei der vorher gar nichts mehr ging, lief nach einem leichten Schupps an der Unruh mit kräftiger Amplitude an. :klatsch: Ich war begeistert, musste dann allerdings feststellen, dass die Uhr sofort stehen bleibt, wenn man die Uhr umdreht (Ziffernblatt oben). :angry; Alle anderen Lagen laufen.

Nun zu meiner Theorie: Wenn die Uhr genau in der entgegen gesetzten Lage stehen bliebt, muss etwas mit den Lagern in den Brücken nicht in Ordnung sein (Lager in der Werksplatine müssten dagegen okay sein). Im Worst Case ist sogar ein Zapfen verbogen, wobei mir diesbezüglich nichts aufgefallen ist. Da die Uhr sofort beim Umdrehen stehen bleibt muss es sich um eine schneller drehende Welle handeln (Unruhwelle, Anker oder Ankerrad). Alles andere schieße ich eigentlich aufgrund des beschriebenen Fehlerbildes aus.

Was meint Ihr? Ist diese Schlussfolgerung richtig? Was würdet Ihr als nächstes machen? Noch einmal reinigen?

Freue mich auf Eure Antworten.

Viele Grüße Thomas
 
Badener

Badener

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Hallo Thomas,

zuerst solltest du mal die Zapfen der Unruhwelle genau prüfen. Gebrochene Zapfen der UW sind die häufigste Ursache, wenn ein Werk auf einer Seite nicht läuft. Danach dann die Lager bzw. der korrekte Sitz der Steine in der Stoßsicherung (falls vorhanden).
Von da aus kannst du dich dann in Richtung Federhaus vorarbeiten ;).

Gruß
Badener
 
Thallius

Thallius

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Es kann auch sein, dass die Spirale Verbogen und sehr dicht unter dem kloben sitzt. Beim umdrehen berührt sie diesen dann weil die Schwerkraft sie noch weiter runter drückt und die uhr bleibt stehen weil die Reibung zu hoch ist.

Aber ich wuerde auch auf einen defekten Zapfen an der Unruh setzen.

Gruß

Claus
 
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wonder78

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Besten Dank Badener und Claus für Eure Antworten.

Ich habe jetzt noch mal die Unruh und den Anker ausgebaut. Bei der Unruh kann ich zumindest keine Auffälligkeiten erkennen. Hier ein Foto:
IMG_5190 bearbeitet.jpg

Vielleicht seht Ihr was? Sorry für die Qualität der Bilder, aber besser kann ich mit meiner Ausstattung die kleinen Teile leider nicht aufnehmen.

Und jetzt noch ein Bild vom Anker:
IMG_5195 bearbeitet.jpg

Hier habe ich schon eher den Eindruck, dass die Well etwas nach rechts gedreht ist und der obere Zapfen vielleicht etwas kurz ist. Was meint Ihr?

Viele Grüße Thomas
 
Badener

Badener

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Hallo Thomas,

die Zapfen der UW sehen zumindest auf den ersten Blick okay aus. Beim Anker müßtest du beim Einbau merken, wenn er zu viel Höhenspiel hat. Ob er etwas verbogen ist, kann ich auf dem Bild leider nicht beurteilen. Hast da dir die Lager- und Decksteine der Unruh mal genauer angesehen (zerlegen...)? Vielleicht hängt einer etwas schief oder ist sogar zerbörselt...

Gruß
Badener
 
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wonder78

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Hallo Badener,

vielen Dank für die prompte Antwort. Die Baumgartner 866 hat nur einen Rubin und dieser fixiert den oberen Zapfen der Unruh, alle anderen Zapfen gehen direkt in das Metall der Platine bzw. Brücken. Dieser eine Rubinstein sieht okay aus.
Aber jetzt werde ich mal ausprobieren, wieviel Spiel der Anker hat. Wieviel Spiel darf er denn haben?

Gruß Thomas
 
Badener

Badener

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Hallo Thomas,

na ja, er darf nur so viel Spiel haben, dass die Ankerstifte in beiden Lagen (ZB oben/unten) sauber in das Ankerrad greifen, der Anker aber auch nicht auf dem Ankerrad aufliegt. Hast du denn die Ankerstifte auch ausreichend geölt? Bei Stiftankern ist es manchmal auch sinnvoll, zusätzlich die Lager des Ankers etwas zu ölen, auch wenn dies der reinen Lehre widerspricht...

Gruß
Badener
 
Thallius

Thallius

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Bau die Unruh ein OHNE den Anker. Dann schubs die unruh kraeftig an und hält die Uhr ueber den Kopf (oder noch besser ueber einen auf dem werktisch liegenden Spiegel) und Schau nach ob die Unruh unvermittelt stehen bleibt oder korrekt langsam ausschwingt, auf die Art kannst du das schwingsystem als Übeltäter verifizieren oder eben ausschließen,

Gruß

Claus
 
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wonder78

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Sehr gute Idee, Claus. Werde ich morgen gleich ausprobieren! Bin mal sehr gespannt!
Zwischenzeitlich hatte ich wieder alles zusammengebaut und folgendes festgestellt: Wenn die Uhr komplett aufgezogen ist, dann kann ich sie auch umdrehen und sie läuft mit etwas Glück weiter (aber mit deutlich schwächerer Amplitude). Schon sehr merkwürdig das ganze :hmm: Dieses Phänomen spricht nun aber dafür, dass doch irgendetwas schleift, aber ich kann immer noch nichts erkennen :wand:

Für den Fall, dass nun doch ein Zapfen verbogen sein sollte, habe ich schon mal im Flume-Katalog geblättert und bin dabei auf das Zapfenrichtgerät von Bergeron gestoßen. Was meint Ihr? Bringt man damit zuverlässig verbogene Zapfen wieder in den gewünschten Zustand? Braucht man das als Hobbybastler?

Gruß Thomas

--- Nachträglich hinzugefügt ---

@ Badener: Ankerstifte habe ich vorschriftsmäßig geölt. Ich werde morgen (entgegen dem Lehrbuch) auch mal die Zapfen der Ankerwelle ölen.
 
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wonder78

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Wie gestern angekündigt, habe ich den Vorschlag von Claus befolgt: Unruh ohne Anker eingesetzt, angeschubst und dann auf den Kopf gestellt. Und tatsächlich, wenn ich die Uhr auf den Kopf stelle, bleibt die Unruh sehr schnell stehen.

Jetzt habe ich noch mal ausführlich hier im Forum nachgelesen. Dabei bin ich darauf gestoßen, dass bei einer Unruh ohne Stoßsicherung die Reinigung des Decksteins nur durch das Entfernen der Spirale und das Aufschrauben des Steins möglich ist. Vor dem Reinigen ging die Uhr gar nicht, nach dem Reinigen läuft sie nur in einer Lage. Kann es sein, dass einfach der Deckstein noch verharzt ist? Der Zapfen ist in jedem Fall nicht gebrochen (siehe Bild oben).

Jetzt habe ich nur ein Problem. Die Unruh hat kein verschraubtes Spiralklötzchen, scheint vernietet zu sein. Wie trenne ich in diesem Fall die Spirale vom Kloben?

Gruß Thomas

--- Nachträglich hinzugefügt ---

Von dem ganzen Konstrukt habe ich jetzt noch ein Foto erstellt:
IMG_5197 bearbeitet.jpg

Der Fehler ist soweit auf das obere Steinlager der Unruhwelle eingekreist. Die Zapfen der Welle sind einwandfrei. Im Best Case ist das Lager verharzt (sowie auch die gesamt Uhr vor der Reinigung verharzt war), im Worst Case ist der Stein gebrochen. Um das festzustellen, muss ich allerdings die beiden Schrauben (Unterseite des Kloben, siehe Foto) öffnen. Hierzu muss ich die Spirale entfernen, den Spiralschlüssel am Rücker habe ich bereits geöffnet, aber wie entferne ich das Spiralklötzchen? Das Spiralklötzchen ist fest mit dem Kloben verbunden (eingepresst oder genietet?). Die typische Schraube zum Lösen des Klötzchen fehlt.

Was kann ich tun?

Gruß Thomas
 
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Thallius

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Hi Thomas,

normal solltest du jetzt den Messingstift mit dem die Spirale im Klötzchen eingeklemmt ist entfernen und dann die Spirale ausfädeln. Das ist aber verdammt schwierig und man macht sehr schnell die Spirale kaputt.
Ich würde an Deiner Stelle versuchen die Schrauben ganz vorsichtig durch die Spirale hindurch zu lösen und nachher auch wieder zu befestigen. Die Wahrscheinlichkeit dabei etwas kaputt zu machen ist für einen Laien, meiner Meinung nach, deutlich geringer.

Gruß

Claus
 
Alberich

Alberich

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Hallo Thomas,

wie meine Vorposter schon geschrieben haben, ist das Auspressen eines Spiralklötzchens ohne Spezialwerkzeug schwierig.
Ich habe mir dazu einen kleinen Amboss gemacht, mit dem die Arbeit fast gefahrlos gemacht werden kann.
Wenn der Klötzchenträger sicher aufliegt, wird das Klötzchen mit einem Messingdorn ausgedrückt. Vielleicht hast Du Möglichkeiten, das nachzubauen.
Für den Schaft habe ich 3 mm Silberstahl verwendet, und verschieden breite Schlitze eingesägt. Durch die Abschrägung kann die Spirale nicht verbogen werden.

Zum wieder Einpressen nach der Reinigung solltest du aber eine Triebnietmaschine haben, und das ganze an einem Schrott-Teil vorher üben.

Bild1.jpg

Bild2.jpg

Viel Erfolg, und viele Grüße!


Matthias
 
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wonder78

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@Claus, vielen Dank für die Antwort. An das Aufschrauben durch die Spirale traue ich mich ehrlich gesagt nicht richtig dran.
@Matthias: Respekt :klatsch:
Tolles Werkzeug und dann noch selbst gebaut. Auf dem zweiten Bild ist mir die Funktionsweise allerdings noch nicht ganz klar. Ich hätte vermutet, dass Du das Spiralklötzchen in die Kerbung des Amboss legst und dann von oben her das Klötzchen rausschlägst. Im Bild ist aber zu erkennen, dass dieses Klötzchen nicht in die Kerbung passt. Vielleicht kannst Du mich diesbezüglich noch weiter aufklären.
Beste Grüße Thomas
 
Alberich

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Hallo Thomas,

die Funktionsweise hast Du richtig erkannt. Bei der gezeigten Unruh klemmt das Spiralklötzchen in einer größeren Buchse, die auf dem Amboss aufliegt. Die Einkerbung dient dazu, dem Klötzchen nach unten Platz zu geben, wenn man von Oben ausdrückt.


Viele Grüße!


Matthias
 
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