Uhrenbestimmung Bauerntaschenuhr Remontoir

Diskutiere Bauerntaschenuhr Remontoir im Taschenuhren Forum im Bereich Vintage-Uhren; Hallo zusammen, ich bin bereits vor ein paar Jahren auf eine Taschenuhr gestoßen die ich gern zur Tracht trage. Ich finde jedoch nicht wirklich...
Shin_Chan

Shin_Chan

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Hallo zusammen,

ich bin bereits vor ein paar Jahren auf eine Taschenuhr gestoßen die ich gern zur Tracht trage. Ich finde jedoch nicht wirklich Details zur Uhr heraus, vielleicht könnt ihr mir noch etwas weiterhelfen bei:
  • Hersteller (unbekannt), Herstellungsort?
  • Herstellungsjahr (ca. 1880-1900?)
  • Uhrwerk (Remontoir Cylindre 6 Rubis): kann man hier mehr sagen? Ich habe bisher kein vergleichbar verziertes gefunden, weiß auch nicht mehr darüber. Lässt sich per Hand ohne Schlüssel aufziehen und über den Drücker bei ca 1Uhr stellen.
  • Werk geht aktuell ca. 6Min am Tag nach, das ist nicht wirklich bedenklich, oder muss man hier dringend was machen?
  • Punzen: 0.800 und Halbmond/Krone für Silber, aber was sagt mir der Rest? z.B. unten Mitte 165C19
  • Material der Uhr: ist der äußere Deckel gepunzte Deckel aus Silber, der Rest Metall?
  • Ziffenblatt/Zeigermaterial?
  • Gern alles was man sonst herausfinden kann :)

Vielen Dank und schönen Samstag aus München,
ShinChan

20200502102438.JPG20200502102355.JPG20200502102512.JPG20200502102534.JPG20200502102730.JPG
 
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monozelle

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Hi! Ja, eine typische "Trachten-Uhr". 🙂 Der Rücker steht leicht im "Retard"-Bereich (also "Nach"), schieb ihn doch mal auf Mitte und schau, wie sich das auswirkt. 6 Minuten Abweichung ist selbst für eine Zylinderhemmung recht viel, auf 1 oder 2 Minuten sollte man sie schon eingepegelt bekommen. Ist der Nachgang denn konstant?
 
Ruebennase

Ruebennase

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Monozelle hat recht. Der Rücker reguliert den Gang über minimale Längenveränderung der Spirale. Grundsätzlich ist ein leichter "Nachgang" ein Zeichen dafür das die Spirale nicht gaanz frei athmet und ggf. in den Lagern das Öl verstaubt/gehärtet ist. Eine Reinigung des Uhrwerkes wenn Du sie regelmäßig und dauerhaft nutzt, ist sicherlich eine sehr gute Investition und gibt ein gutes sicheres Gefühl. Dringend ist es sicherlich nicht, aber wenn die Pampe in den Lagern die Zapfen schmiergelt (gestauchte Zapfen) so ist es nie wieder behebbar. Es kommt auf den Grad der Nutzung an. LIegt sie in der Lade ist es egal weil sie sauber aus schaut. Sie kann genauer Laufen. Eine Revision ist sicherlich nicht unbedingt wirtschaftlich, aber nicht wirklich teuer und steht m.E. absolut im Verhältnis zu einer Trachtenuhr die zu Einem gehört.

@monozelle Dann schreib ich mal den Rest zu dem Du zu faul warst :lol:

Wie Monocelle schrieb, ist es mit den opulenten Verzierungen aller Uhrnteile eine sehr klassische Herrenuhr, die im alpenländischen Raum besondere Beliebtheit erfuhr. Also perfekt zur Tracht.

Gebaut wurde sie in der westlichen Schweiz und verkauft in Deutschland ( Silberstempel Schweiz /Deutschland). Die 165C19 kann ich auch nicht zu ordnen. Das Gehäuse ist komplett aus Silber und der Staubdeckel vielleicht versilbert. Wenn er dicker und stabiler ist als der Rest, ist das sicherlich so. Die Öse ist vermutlich dann auch kein Silber. Der gebördelte Rand ist /war (auf dem Foto schlecht erkennbar) rotvergoldet. Zeiger: Vergoldet ..Messing vermutlich.
Von wem genau läßt sich nicht mehr feststellen da sie aus der Zeit um 1900 stammt (Deine Angabe 1890/1900 sollte stimmen aber etwas später halte ich auch für möglich) und noch viel im Verlagssystem hergestellt wurde. Das bedeutet das die Uhr von Spezialist zu Spezialist für eine bestimmte Arbeit an der Uhr wanderte bis sie komplett fertig gestellt wurde.

Das Zifferblatt aus Email auf Kupfer mit Goldeinlagerungen um die Ziffern wurde handbemalt und gebrannt. Die Sekunderie ist recht offensichtlich auch per Hand gemalt. SChau mal mit der Lupe ob die feinen Striche der Römischen Ziffern handgezogen sind oder perfekt gedruckt.

Das Werk selber ist mit 6 Lagersteinen an den wichtigsten Orten ( 4 Unruhe und 2 am Zylinderrad), Ringunruhe und Zylinderhemmung sehr zeittypisch für um 1890 und entspricht technisch der Mittelklasse. Eine Präzisionsuhr oder damaliges High End ist sie nicht, aber eben auch kein Billigheimer. Damals waren Uhren sehr teuer im Verhältnis zum Einkommen und Diese war durchaus ein Statussymbol. Die Verzierungen wieder dem Zielmarkt geschudet und geben der Uhr einen besonderen Pfiff.

Feiner Klassiker der sicherlich als Orginal der Tracht ein Sahnehäuptchen auf setzt und bei guter Pflege noch locker weitere 130 Jahre macht

GRüße Rübe
 
Shin_Chan

Shin_Chan

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Vielen Dank für die ausführliche Rückmeldung!

Ist der Nachgang denn konstant?
Das muss ich nochmal Nachprüfen, eher nicht, aber der Nachgang insgesamt schon:)

Eine Revision ist sicherlich nicht unbedingt wirtschaftlich, aber nicht wirklich teuer und steht m.E. absolut im Verhältnis zu einer Trachtenuhr die zu Einem gehört.
Könnt ihr eine grobe Hausnummer abgeben (ich weiß das ist oft schwer) was eine Reinigung oder/und Revision einer solchen Uhr kostet? Ich trage sie nur ca 5 Mal im Jahr, habe aber stets Freude daran.

Gerade das mir dem Verlagsystem war mir ganz neu. Schade dass hier genauere Spurensuche schwer ist.

SChau mal mit der Lupe ob die feinen Striche der Römischen Ziffern handgezogen sind oder perfekt gedruckt.
Ich habe leider keine Lupe, mit Kamera rangezoomt sieht es so aus als wären einige dünne Striche per Hand gezogen, aber bin mir unsicher.

Gebaut wurde sie in der westlichen Schweiz und verkauft in Deutschland ( Silberstempel Schweiz /Deutschland).
Woran erkennt man hier die Schweiz?


Wenn es noch mehr zu Wissen gibt freue ich mich über euer Wissen.

Schönen Gruß,
ShinChan
 
H

holli

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Wenn Du auf den Staubdeckel innen schaust siehst Du den Reichssilberstempel für 0,800 Silber aus Deutschland
oben rechts neben 0,800 ist ein Auerhahn zu sehen,das ist die schweizer Punze für 0,800 Silber ,daher kommt Deine TU
aus der Schweiz
heute würde man dazu Aus-und Einfuhrstempel sagen ;-)
Gruß aus München
Kontrollstempel – Watch-Wiki
 
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Shin_Chan

Shin_Chan

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Ah, um den Auerhahn zu erkennen hat mir tatsächlich die Fantasie gefehlt und Aus-/Einfuhrstempel kannte ich nicht, nur die deutsche Punze, vielen Dank! :)

Links auf 9Uhr findet man noch ein Oval mit CA, DA, OA, JA oder ähnlichem. Wisst ihr dazu auch was, ich finde nichts?

Gruß aus München zurück!
 
Q

qwerty123

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Könnt ihr eine grobe Hausnummer abgeben (ich weiß das ist oft schwer) was eine Reinigung oder/und Revision einer solchen Uhr kostet? Ich trage sie nur ca 5 Mal im Jahr, habe aber stets Freude daran.
Bei meinem alten Uhrmacher hat die Revision einer alten Taschenuhr vor einigen Jahren rund 60€ oder 70€ gekostet, aber die Uhr lief gar nicht mehr und es war eine Reparatur erforderlich. Meine Armbanduhren lagen letztes Jahr auch zwischen 40€ und 55€ mit kleineren Reparaturen. Würde also mal so grob 50€ bis maximal 100€ schätzen. Gute Uhrmacher geben aber meist schon vorab eine grobe Abschätzung.
 
M

Matthias MUC

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Uhren mit Zylinderhemmung können schnell teuer werden, wenn Ersatzteile fällig sind, die der Uhrmacher evtl. anfertigen muß. Nachdem die Uhr aber läuft, dürfte nichts grundsätzliches fehlen. Falls Du in München jemand suchst, der sie durchsehen, reinigen bis hin zur kompletten Revision könnte, kann ich Dir meinen alten Uhrmacher empfehlen, der hat schon meinen Eltern eine alte Spindeltaschenuhr (technisch nochmal eine Generation älter als Deine) repariert.

lG Matthias
 
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Scherox

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Ich hatte für meine 120 Jahre alte Alpina Taschenuhr vor einigen Wochen für Revision und Ersatz der Aufzugsfeder, die gerissen war, 180€ gezahlt. Einfach nur als Hausnummer. Inzwischen läuft sie mit weniger als 10 Sekunden Abweichung in 24h.
 
Shin_Chan

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Danke euch! Ich frage erst mal bei meinem Uhrmacher nach, mal sehen, ggf. komme ich auf die Tipps zurück. 😊

Hat noch jemand spannendes Detailwissen zur Uhr an sich? :)
 
S

Scherox

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Hat noch jemand spannendes Detailwissen zur Uhr an sich? :)
Die floralen Verzierungen sind m.E. handgemalt. Die Ziffern müssen gedruckt sein. So filigran kann selbst mit einem Einhaarpinsel nicht gemalt werden.

P.S., ich habe mal ein Bild dazu gesetzt, um zu zeigen, was mit feiner Malerei machbar ist. Das ist Pozellan von KPM von Anfang 20 Jhdt. Dies ist sehr viel feiner gearbeitet als die floralen Objekte auf dem Zifferblatt. Dass die Ziffern handgemalt sind, halte ich für nicht wahrscheinlich.

3035343
 
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S

Scherox

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Aber nicht die feinen Striche bei den römischen Ziffern.
 
Ruebennase

Ruebennase

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@Scherox Ich weiß nicht womit die nachgezeichnet werden, aber mir erscheint es so das Diese im Übergang zwischen Druck und Handmalerei in zumindest zwei Gängen gemacht werden. Mir ist das erstmalig aufgefallen, als ich eine Uhr mit einem zu "scharf" gereinigeten Zifferblatt erstanden habe. Nur die feinen "Striche" waren stark verblaßt. Dann sind mir da des Öfteren kleine Ungeanuigkeiten aufgefallen die m.E. nur bei "Handarbeit" entstehen. Das habe ich bisher nur bei Blättern gefunden deren Sekunderie auch mit händisch mit Zahlen versehen wurde. Leider kenne ich den Werdegang eines Zifferblattes nicht detailiert genug. Wäre super da ein wenig Aufklärung zu bekommen. Hier mal ein defektes Longines Blatt aus der Lade, wo es auch so zu sein scheint. Wenn ich etwas länger suchen würde finde ich zahlreiche analoge Beispiele ebenso wie den "Hilfsrand" der mit blosem Auge nicht sichtbar ist:

3035962
Wenn Du eine Erklärung für das Phänomen hast wäre das riesig. Ich weiß noch nicht ob es auch beim Datieren hilft.

Grüße Rübe
 
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Shin_Chan

Shin_Chan

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Hallo zusammen,
bei mir ist es am Ziffernblatt wie bei Ruebe, die feinen Striche am großen Blatt sowie die kleine Sekunde schauen handgemalt aus. Der Rest eher gedruckt. :)

Gibt es noch Wissen zum Werk, bin mir unsicher was genau das richtige Rohwerk ist.
 
Ruebennase

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Da ist es auch schwer Sicher zu sein da das Werk sehr zeittypisch ist und ich keinerlei Alleinstellungsmerkmale aus mache. Das Rohwerk wurde soar eventuell ohne Verzierung ausgeliefert. Allein von der Wahrscheinlichkeit her ist die damals schon große FHF aus Fontainemelon der Hersteller und ich sehe nichts, was dagegen spricht. Zu Japy paßt das Werk m.E. weniger.

Grüße Rübe
 
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