Bau eines Borduhrengehäuses

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bonanza

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Bau eines Borduhrengehäuses

Am Beispiel einer Waterbury-Borduhr will ich einmal zeigen, wie man ein einfaches Gehäuse im Stile einer Stationsuhr herstellen kann.
Mein Maschinenpark umfasst eine Handbohrmaschine mit Bohrmaschinenständer, eine Stichsäge und einen Schwingschleifer. Spezielle Werkzeuge sind Lochsägen verschiedener Durchmesser, eine Holzraspel, diverse Bohrer und Schleifpapier unterschiedlicher Körnung und ein paar Schraubzwingen.

3-Form sägen.jpg

Zunächst wird eine Zeichnung angefertigt. Hierzu wird die zu verwendende Uhr vermessen und die Maße wie Durchmesser und gewünschte Einbautiefe der Uhr im Holz in der Zeichnung berücksichtigt. Die äußeren Abmessungen entsprechen nach Möglichkeit den Standardabmessungen der bekannten Stationsuhren wie 128 mm hoch, 104 mm breit und 40 mm tief. Bitte aber korrigieren wenn die Abmessungen der einzubauenden Uhr grösser sind. Auch ist bereits bei der Zeichnung die Entscheidung zu treffen, ob man die Uhr auf dem Holzgehäuse nur aufsetzt (der Elektriker sagt auf Putz), oder versenkt einbaut. Erst mal nur aufsetzen und später evtl. versenken wollen geht nicht wie wir gleich sehen werden.

4-Loch sägen.jpg

Danach kommt die Entscheidung über das Material, also die gewünschte Holzart. Dies hat keinen Einfluss auf die Zeichnung, wohl aber auf die Beschaffung. Wer Kein Holz vor der Hütte hat muss halt nach Ebay gehen. Dort gibt es unter dem Begriff Drechselholz viele Sorten und Größen zur Auswahl. Wenn wir also dann alles beisammen haben, kann es richtig losgehen.

2-Kontur-Aufriss.jpg

Der erworbene Holzklotz ist in der Regel in seiner Oberfläche sägerauh. Den müssen wir erst einmal glätten, oder beim nächsten Schreiner glatthobeln lassen. Der Schreiner kann dann gleich auch die Rückseite des Holzklotzes bis auf die gewünschte Tiefe runterhobeln. Jetzt haben wir eine gute Ausgangsbasis, um die Konturen und Ausbrüche auf dem Holz anzuzeichnen.

5-Aussparungen sägen.jpg

Machen wir nur eine Aufputz-Montage, dann brauchen wir nur ein entsprechend großes Loch sägen, in das die Uhr hineinpasst. Wünschen wir aber einen versenkten Einbau, dann muss zuerst der große Flansch-Durchmesser und zwar nur bis auf die gewünschte Senktiefe gesägt werden. Kann auch etwas tiefer sein, man kann die Tiefe der Uhr durch zwischenlegen von Beilagscheiben wieder nach oben korrigieren Danach wird dann das Durchgangsloch mit dem Durchmesser des Uhrengehäuses ausgesägt. Die Differenz zwischen dem kleineren Loch und dem größeren Sägeschnitt kann man in der Regel leicht herausbrechen.

6-Rückseite.jpg

Natürlich müssen die Lochsägen so gewählt werden, dass die Uhr etwas Spiel hat. Wir wollen die Uhr ja nicht hineinklopfen. Wenn man die Reihenfolge der beiden Sägevorgänge vertauscht, also erst das kleinere Loch aussägt, dann hat man für das größere Loch kein Holz mehr um den Bohrer zu zentrieren. Die Rückseite des Holzgehäuses wird üblicherweise mit einer entsprechend großen Metallplatte verschlossen. Zu guter Letzt kommt die Oberflächenbehandlung des Gehäuses. Ob man nach einem letzten Schleifen (um die Bearbeitungsspuren zu beseitigen) beizt, wachst oder lackiert ist Geschmacksache und auch ein wenig von der Holzsorte abhängig.

7-Vorderseite.jpg

Die Konturen anderer Uhren sind vielleicht komplizierter, aber die Vorgehensweise ist bei mir immer nach dem gleichen Prinzip.

0a Gehäusebau Waltham.jpg

3 Poljot Uhrengehäuse..jpg

u.s.w., u.s.w. Viel Erfolg beim Häuslebauen.
Viele Grüße aus dem tiefsten Bayern (gemessen über NN)
Wolf
 
batery_99

batery_99

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Die sehen alle klasse aus:super:
Schöner kann man solche Uhren, mal abgesehen von einem Cockpit, nicht unterbringen.
Jetzt juckt es mich schon wieder in meinem "Bietfinger", mir auch sowas in der Bucht zu fischen und entsprechend unter zu bringen;-)
Der Werkunterricht ist schon sehr lange her... Würde mich wirklich sehr interessieren, was dabei herauskommt.
Viele Grüße
Marco
 
bonanza

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Danke Marco, nur Mut. Ich war auch schon über 70, als ich damit angefangen habe.

Gruß Wolf
 
Tom-Wien

Tom-Wien

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Also das is ja mal ein schönes Stück, ja macht Lust auf Basteln.
 
Duc999

Duc999

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Nu, du hast ja scheinbar schon richtig Routine bekommen.

Für was braucht es diese "Ausstellwinkel" ?

73,

Arno

DB5ZG
 
bonanza

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Um einen sichereren Stand zu gewährleisten wenn es einmal wackelig wurde.

73 Wolf
 
EDNX

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Servus,

das ist einer der besten Threads, die ich hier jemals gesehen habe. Tolle Arbeit. Die Borduhren sehen in diesen Gehäusen sehr gut aus. Ich habe meine alle in selbstgebauten "L" Ständern aus Holz untergebracht und wenn ich das sehe, bin ich begeistert.

Danke fürs Zeigen.

VG Felix
 
bonanza

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Servus Felix,

danke für Deinen Kommentar.

Aber an alle die ans Nachbauen denken

Wer mit so einer Lochsäge hantiert, dem sei gesagt, dass man da immer nur stückchenweise sägen darf und dann das Sägemehl wieder aus dem Sägespalt entfernen muss. Man kann keinen 40 mm dicken Holzklotz am Stück durchsägen.
Das ist nicht wie bei einem Bohrer, wo die Spähne durch den Drall des Bohrers aus dem Bohrloch herausbefördert werden. Bei der Lochsäge bleibt das Sägemehl im Sägespalt.
Das wird dann ganz schön eng da drinnen, was dazu führt, dass das Sägeblatt heiß wird. Das geht bis zum Ausglühen des Sägeblattes und das Holz verkohlt rund um den Sägeschnitt. Je nach Kraft der Bohrmaschine und der Einspannmöglichkeit des Holzklotzes kann es auch zu einem Crash kommen und im schlimmsten Fall kann sich der Werker böse Verletzungen zuziehen, was wir aber nicht hoffen wollen.
Wenn die Sägetiefe einer verwendeten Lochsäge nicht ausreicht, was bei den meisten der Fall sein dürfte, muss die zweite Hälfte des Loches von der Rückseite her angegangen werden. Dazu ist allerdings das Loch des Zentrierbohrers vorher zum Durchgangsloch zu erweitern um die Lochsäge von der Rückseite wieder richtig ansetzen zu können. Das ist wie beim Tunnelvortrieb. Die Löcher sollen sich in der Mitte in der Flucht, ohne Versatz ja treffen.

Viel Erfolg bei der Arbeit.
Wünsch euch Wolf
 
Der Stromer

Der Stromer

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Wolf, da hast Du meinen vollsten Respekt und wie Felix schon schrieb: Einer der Besten Trööts hier! Vielen Dank dafür und ich hoffe, noch viele Beiträge über Borduhren von Dir zu lesen.
 
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