Autobahngold oder: „Wolle eschte Uhr kaufe?“

Diskutiere Autobahngold oder: „Wolle eschte Uhr kaufe?“ im Vintage-Uhren Forum im Bereich Uhren-Forum; Ich möchte hier mal eine Uhr vorstellen, die zwar „nix wert“ ist, aber trotzdem einen gewissen Sammlerwert hat, denn an ihr ist alles falsch, was...
Rocki

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Ich möchte hier mal eine Uhr vorstellen, die zwar „nix wert“ ist, aber trotzdem einen gewissen Sammlerwert hat, denn an ihr ist alles falsch, was nur möglich ist. Aber ein Fake ist sie trotzdem nicht.

Die Lings, vermutlich aus den 60-ern, habe ich mal vor einigen Jahren bei Ebay zu einem guten Kurs ersteigert.

Als sie ankam, fiel mir zuerst ihr guter Zustand auf, MINT-Condition sozusagen. Jedenfalls deutlich besser als auf dem Foto (das eigentlich nur ein Scan ist). Das Zifferblatt ist auch nicht so schattig und staubig wie es auf dem Scan wirkt.

Sehr schweres, großes Teil (ca. 40mm). 750-er Goldstempel auf dem Bodendeckel und dem Milanaise-Band. Einen Augenblick zitterten mir damals die Finger, sollte ich etwa eine echte Golduhr erworben haben? Nöö, nach ein paar Sekunden die Sache klar.

Warum die Uhr so schwer war, stellte sich sehr schnell heraus, der Bodendeckel (aus Messing oder Tombak) war besonders dick gearbeitet, um Goldgewicht vor zu täuschen.

Das Werk ist ein blitzsauberes und noch immer sehr gut laufendes Stiftanker-Werk (unter 1 min Fehlgang täglich), ich glaube ein Lapanouse. Zeiten stoppen ist möglich, aber solange der Sekundezeiger gestoppt ist, bleibt die gesamte Uhr stehen. Völlig normal bei diesem Werk.

Der Chrono-Totalisator auf der 9 ist komplett nutzlos, er dreht sich mit dem Stundenzeiger, ist nicht separat einstellbar. Und irgendwie ist er nie synchron mit der richtigen Uhrzeit. Vermutlich reine Show!

Naja, und die Gesichte einer solchen Uhr ist einfach erzählt: In der Wirtschaftswunderzeit der 60-er, als die Deutschen Bleichgesichter in Massen nach z.B. Italien fuhren, wurden einem solche „escht goldenen“ Uhren auf Autobahn-Rastplätzen oder in Bahnhofshallen gerne angeboten, gegen ein paar Mark, Lire oder Geld für eine Tankfüllung. Schwere Notlage, deshalb die Goldene verkaufen, Opa tot, Ebstück usw. Und bis heute ist es so, Gier frisst Hirn, und die deutschen Touristen kauften und kauften und kauften.

In allen Uhrenforen liest man ab und zu von gefälschten Omegas (sehr gern genommen) oder anderen Uhren aus dem Bereich Autobahngold. Es gibt sogar eine eigene Seite dafür: Autobahngold - Was ist das denn?

Ich werde meine Lings aufgrund ihrer ungewöhnlichen Geschichte jedenfalls in Ehren halten (und evtl. sogar mal richtig fotografieren).

An den Arm kommt sie aber definitiv nicht.

Gruß Rocki

 
Doerthe

Doerthe

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Hallo Rocki,
schöne Geschichte!
Recht hast Du, die würde ich auch behalten, in gewisser Weise auch eine Zeitzeugin.
Liebe Grüsse
Dörthe
 
Hans die Uhr

Hans die Uhr

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Ja, die Rolloxine hab ich auch beobachtet... :lol:
 
Hans die Uhr

Hans die Uhr

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...hat Rolex jemals Uhren mit vergoldeten Gehäusen gebaut ? :hmm:
 
Chronometer

Chronometer

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Konnte man die vergoldeten Rolex nicht mal bei Tschibo kaufen?
 
weilwiebeijedem

weilwiebeijedem

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Goldhaube ist aber keine Vergoldung - das ist nicht dasselbe - und wie schon gesagt, keine DD vergoldet!
 
ug-san

ug-san

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Hallo Rocki,

vielen Dank für diesen netten und aufschlussreichen Bericht.
Gut das wir früher nie Zeit hatten um in Italien auf einem Rastplatz zu halten...;-)
 
minutenrohr

minutenrohr

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Was soll Goldhaube sonst sein, das ist ne starke Vergoldung mehr nicht.
Google doch mal und benutz die suche bei Rlx.



Rolex DATE Armbanduhr zu verkaufen - EUR 2.214 - Chrono24.com
ich finde schon dass es einen erheblichen unterschied macht, ob es sich - wie bei stahl/goldgehäusen üblich - um ein stahlgehäuse mit dicker goldauflage handelt, oder, wie bei vergoldeten teilen, um ein messinggehäuse, dass im schlimmsten fall irgendwann via schweiss mit dem gold in beziehung tritt. ich habe schon richtig tiefe löcher gesehen, die daurch entstanden sind. zudem hat (rühmliche ausnahme omega (früher jedenfalls) mit 80 micron, weniger rühmlich iwc mit 40) eine 20-micron-vergoldung eine sehr endliche lebensdauer, ist irgendwann durchgerieben oder durchpoliert.

vghu
 
Micha

Micha

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Goldhaube, früher da es mit der Galvanik nicht so geklappt hat wurde hauchdünnes Blattgold mechanisch in einem nicht einfachem Verfahren
aufgetragen, heute so auch bei der von mir genannten Ref. ist man in der Lage
das Galvanisch mit 40-80Micron aufzudampfen.(Oder was weiß ich wie viel);-)

Am Ende ist es ne Vergoldung egal wie........ und da gab es bei Rolex viele Referenzen.


Ne DD ist glaub ned dabei das war aber auch nicht die Frage, die war glaub ob es das überhaupt gibt, ja das tut es.
 
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