Ausgleich von Vor- und Nachgang bei Atuomatikuhren

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jazzcrab

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Moin Leute,

Ihr habt doch bestimmt Eure Tricks, um Vor- und Nachgang bei Automatikuhren auszugleichen. Meine Idee ist, hier Erfahrungen zu beschreiben, wie man bei welchen Automatikwerken Vor- oder Nachgang ausgleichen kann.

Die Idee: Da normalerweise die Krone bei Uhren an der gleichen Stelle (bei 3 Uhr) sitzt, sollten gleichartige Automatikwerke auch mit der gleichen Orientierung in den Uhren stecken. Da die Schwerkraft in der Regel auch von unten wirkt, könnte also eine bestimmte Lage der Uhr eher Vor-, eine andere Nachgang bewirken. Oder ist das unterschiedlich bei gleichen Uhrwerken?

Ich fange einfach mal an. Über meine Longines habe ich ja schon geschrieben. Die Uhr hat ein ETA 2892-2A und geht pro Tag ca. 3 Sekunden beim Tragen oder beim senkrechten Aufhängen in einer Wandvitrine (mit der 6 nach unten) nach. Wenn ich sie umgekehrt, also mit der 6 nach oben und der Krone nach links, über Nacht senkrecht in die Vitrine hänge, wird dieser Nachgang nahezu exakt wieder ausgeglichen (einer der Gründe, weshalb ich mich mit Automatikuhren sozusagen ausgesöhnt habe ;-) ). HIer noch einmal ein Bild der Longines:



Gestern habe ich ja meine Maurice Lacroix bekommen:



Die Uhr hat ein ETA 2824-2. Da die Uhr sehr neu ist, kann ich da noch nichts sehr Genaues über Vor- und Nachgang sagen. Die Uhr und ich müssen uns erst aneinander gewöhnen ;-) Jedoch habe ich festgestellt, dass sie wohl so am Tag ca. 6-12 Sekunden nachläuft beim Tragen (habe sie gestern ca. 7 Stunden getragen, daher hier nur eine Schätzung). Ich habe sie jetzt mal zum Spass über Nacht umgekehrt, also wiederum mit der 6 nach oben, in meine Vitrine gehängt und voilà: heute morgen geht sie sekundengenau. So lobe ich mir das :D Ich kann mich langsam wirklich an Automatikuhren gewöhnen ;-)

Bei meiner Christopher Ward Malvern mit ETA 2824-2 funktioniert das leider nicht. Die geht aber auch ca. 16 Sekunden pro Tag vor. Ich werde sie demnächst regulieren lassen.

Nach meinen Erfahrungen kann also ein Nachgang durchaus vorteilhaft sein.

Welche Erfahrungen habt Ihr denn so gemacht? Wäre gut, wenn Ihr auch das jeweilige Werk hier nennen könntet.
 
B

Buteo

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Vor- und Nachgang ist von Werk zu Werk verschieden, egal in was für einer Preisklasse. Wenn man bedenkt dass ein Tag 86.400 Sekunden hat und so ein kleines Ding schafft es, das mit z.T. unter 20 sek. +/- genau anzuzeigen, ist dass schon üppig (find ich zumindest).

Meine Rolex Submariner (Kaliber 3185) hatte vor dem feinregulieren eine Abweichung von +1 bis +4 Sekunden am Tag (2 Monate so gelassen). Also voll in ihrem C.O.S.C.-Standard.
Nach der Feinregulierung (dauerte 2 1/2 Wochen) eines sehr gut befreundeten Uhrmachermeisters, läuft die Uhr seit 1 1/4 Jahren mit konstant 15 Sekunden/+ Abweichung in der Woche. Dass es so lange durchhält und sich überhaupt nicht von äußeren Einwirkungen beeindrucken lässt verwundert auch meinen Uhrmacher ...
So eine gute Laufeigenschaft hatte ich bei meinen Vorgängern (z.T. auch mit 3185-Kaliber) mit Feinregulierung nie auch nur ansatzweise erreicht.
 
K

Korny

Gast
Das ist wohl auf die Tatsache zurück zu führen, dass es halt mechanische Werke sind.
Ist wie bei Autos auch: manche haben mehr Leistung, andere weniger. Toleranzen hat jedes von Menschenhand gefertigte Teil. Je nachdem wie die sich addieren oder subtrahieren geht mal in diese oder mal in die andere Richtung. Regeln kann man kaum erstellen ohne eine wirklich große Anzahl gleicher Gegenstände zu untersuchen.

Aber die Beobachtungen von Jazzy kann ich so eigentlich unterschreiben. bei meinen Werken, die ihren nicht unähnlich sind verhält es sich ähnlich. Daher mache ich es auch gleich wie sie: tagsüber tragen und nachts dann ablegen, aufhängen, ...

Ein Werk tanzt bei mir voll aus der Reihe: 7750 Krone unten abgelegt (also 3 nach unten zeigend) macht PRO STUNDE 5 Sek. Das Werk aber läuft beim Tragen und 6 unten aber mit +15 / Woche! Komische Sache. Aber da ich das weiß lege ich die Uhr halt so ab.
 
JochensUhrentick

JochensUhrentick

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Mechanische Werke haben nun mal unterschiedliche Toleranzen, weil sie "leben". Selbst Werke aus der gleichen Serie können sehr unterschiedlich "reagieren", was in ihren physikalischen und chemischen Eigenschaften begründet ist. Somit ist jedes mechanisches Uhrwerk ein "Unikat" im Gangverhalten ...

Da ich ja nun ein Fan von alten Taschenuhren bin, erwähne ich als Beispiel mal die schon unter "Sonstiges" vorgestellte Taschenuhr von OMEGA:

Am Tage läuft sie in der Westentasche hängend (vertikal) zwischen 10 und 20 Sekunden vor, um in der Nacht die Hälfte dieses Vorgangs in horizontaler Lage (Ziffernblatt oben) auszugleichen. Da sie zwischen 1912 und 1916 das Licht "erblickte", kann man einer so "betagten" Uhr ihre "recht große" Toleranz gern verzeihen. Die im selben Thread kurz erwähnte rotgoldene wesentlich ältere TU von Theodor Knoblich liegt auch heute noch - nach genauer Feinjustierung - innerhalb der Chronometernorm...

"Uhrige" Grüße aus Berlin!

JochensUhrentick
 
J

jazzcrab

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Vielen Dank für Eure Antworten! Mich würde noch interessieren, ob die Erfahrungen, die Forumsmitglieder mit ihren Uhren gemacht haben, bezüglich der Lage der Uhr in Hinsicht auf Vor- und Nachgang ähnlich sind wie meine, also z. B. ob andere Uhren mit 2824er oder 2892er an Tempo gewinnen, wenn sie umgekehrt aufgehängt werden und nachgehen, wenn sie "richtig herum" aufgehängt werden, und wie es da mit verschiedenen liegenden Positionen aussieht. Dass mechanische Uhren nach- oder vorgehen, ist mir schon klar.
 
Tictras

Tictras

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Mein Miyota 8215 in der Invicta Sub Diver läuft etwas vor, wenn man sie auf den Glasboden legt. Beim Tragen und auf die Krone gelegt, läuft sie etwas nach. Ich habe schon den Bogen heraus, wie ich sie über Nacht lege, um den Vor- bzw. Nachgang auszugleichen.

Ich brauche also die Uhr praktisch nie mit der Krone einstellen, sondern regle das durch die Lagen. So komme ich auf einen sehr genauen Gesamtlauf ... 8)
 
schredder66

schredder66

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Moinsen,

ich bin eigentlich kein Sekundenfuchser - weder bei Automatik- noch bei Handaufzugsuhren, mich interessiert nur die Gesamtabweichung pro Woche. Und wenn die nicht mehr als 2 - 3 Minuten pro Woche beträgt, dann bin ich zufrieden.

Momentan beobachte ich die Gangabweichung meiner Speedy:

In zwei Lagen (am Handgelenk und abgelegt ZB oben) beträgt die mittlere Gangabweichung - über 17 Tage gemessen - minus 2,5 Sekunden pro Tag (also Nachgang). Dabei kann ich nicht feststellen, dass die Ablage der Uhr mit ZB oben oder unten den Nachgang wieder neutralisiert.


jazzcrab schrieb:
Bei meiner Christopher Ward Malvern mit ETA 2824-2 funktioniert das leider nicht. Die geht aber auch ca. 16 Sekunden pro Tag vor. Ich werde sie demnächst regulieren lassen.
16 Sekunden Vorgang sind für sich betrachtet nicht schlecht - zumindest wenn diese 16 Sekunden Vorgang in verschiedenen Lagen vorliegt. Eine leichte Regulierung ins Minus dürfte dann ordentliche Werte zum Vorschein bringen - aber nur, wenn der Uhrmacher sein Handwerk beherrscht.
 
S

Swissmade

Gast
Hmm, schwierig. Den Vor-/Nachgang einer mechanischen Uhr durch ein bestimmtes Tragen/Ablegen zu regulieren, funktioniert bestimmt auf die eine oder andere Art, jedoch kann ich dazu kaum Tipps geben - meine Uhren gehen zwischen 3 (Eta 2834) und 20 (Poljot 3133) Sekunden pro Tag vor oder nach, jeweils gemessen mit ein und demselben Funkuwecker.

Da ich eine einzelne Uhr nur selten länger als zwei Wochen am Stück trage, fällt die Abweichung kaum ins Gewicht.

Wenn ich eine Handaufzug tragen möchte, überprüfe ich die Uhrzeit aber mehrfach, bevor ich mich für die Tragephase darauf verlasse.

Nachreguliert durch bestimmtes Ablegen auf der Krone oder aufs Glas, hängend oder einfach ganz normal - nee, wird nicht, das ist mir zu stressig.

Ich seh das so: es sind mechanische Uhren, die weichen halt ein Bisschen ab. Dafür hab ich ein schönes Stück Feinmechanik, muss keine Batterie wechseln und habe eine vergleichsweise hochwertige Uhr, die auch noch nahezu perfekt genau läuft.
 
Junnghannz

Junnghannz

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Meiner Erfahrung nach tendieren viele mechanische Werke dazu, in den Lagen "Zifferblatt oben/unten" schneller zu laufen als in den "hängenden" Lagen "Krone oben/unten".

Es gibt sowohl Uhrwerke, die beim Tragen schneller laufen als in Ruhelage, als auch Werke, die langsamer laufen.


Meist (nicht immer) schneller beim Tragen als in Ruhelage laufen vor allem die Seiko-Kaliber 7S26/35/36; sie reagieren auf Schüttelbewegungen auch gerne mit "Sprüngen" nach vorne. Manchmal laufen sie in hängenden Lagen langsamer, manchmal schneller - wohlgemerkt, beim gleichen Uhrwerk!


Ebenfalls recht erschütterungsempfindlich (Vorgang!) zeigte sich das ETA 2824-2 meiner Nettuno 3, wobei die Lagenunterschiede aber gering sind.


Die Citizen/Miyota 82XX-Kaliber dagegen lassen sich durch Schütteln etc. kaum beeindrucken; auch bei sportlicher Betätigung gibt es nur selten "Überraschungen" durch "Sprünge" nach vorne. Im Alltagsbetrieb gehören sie wohl zu den gangstabilsten Kalibern überhaupt; die Lagenabweichungen sind deutlich geringer als bei den Seiko-Standardkalibern. Auch sie laufen in hängenden Lagen etwas langsamer als in den Lagen "Zifferblatt oben/unten".



Wie bereits JochensUhrentick richtig feststellte, ist jedes mechanische Werk ein Unikat, was das Gangverhalten betrifft - und das heißt in der Praxis: Will man durch verschiedene Lagen nach dem Ablegen der Uhr (über Nacht) Vor- oder Nachgang ausgleichen, so hilft nur ausprobieren!

Gerade diese Einzigartigkeit macht mechanische Uhrwerke in meinen Augen sehr sympathisch; jedes hat seinen eigenen Charakter, man könnte fast sagen, seinen eigenen "Willen", den es auch durchsetzt! :wink:


Viele Grüße

Wolfgang
 
J

jazzcrab

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Herzlichen Dank Euch allen für Eure erhellenden Antworten. Es scheint also kein einheitliches Gangverhalten mechanischer Uhren zu geben - ausser möglicherweise bei bestimmten Werken. Einer der Gründe für meine Frage war, dass jeder einzelne von uns ja keine Statistik machen kann, welches Werk wie reagiert auf Ablegen in welcher Lage, da die wenigsten von uns 10-20 Uhren mit dem gleichen Werk besitzen dürften. Es wäre interessant gewesen zu sehen, ob Werke gleichen Fabrikats gleich reagieren.
 
schredder66

schredder66

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Junnghannz schrieb:
Meist (nicht immer) schneller beim Tragen als in Ruhelage laufen vor allem die Seiko-Kaliber 7S26/35/36; sie reagieren auf Schüttelbewegungen auch gerne mit "Sprüngen" nach vorne. Manchmal laufen sie in hängenden Lagen langsamer, manchmal schneller - wohlgemerkt, beim gleichen Uhrwerk!
Hallo Wolfgang,

meine beiden Monster laufen in jeder (un)möglichen Lage unerschütterlich - die OM hat eine mittlere Gangabweichung von ca. 20 sec./Tag plus, die BM läuft ca. 6 sec./Tag im Plus. Beide Monster halten diese Werte in jeder Lage, auch Erschütterungen erschüttern das Gangergebnis nicht. Die Werte der OM mögen verbesserungswürdig sein, aber die Konstanz der mittleren Gangabweichung ist bei beiden Monstern sehr lobenswert.


Dagegen habe ich bei meiner Moon-Speedy die Beobachtung gemacht, dass die "hängende Lage" Krone unten, das Lemania ordentlich galloppieren lässt!
 
Junnghannz

Junnghannz

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Hallo schredder66!

Was einmal mehr zeigt, daß jedes Uhrwerk ein Unikat ist - ich besitze 8 Seikos mit baugleichem Kaliber (7S26A), die sehr unterschiedliche Gangleistungen aufweisen. Es gibt relativ gangstabile (wie von Dir beschrieben), aber auch Werke mit großen Lagenabweichungen und/oder großer Erschütterungsempfindlichkeit. Tendenziell scheinen die Unterschiede zwischen verschiedenen Uhrwerken gleichen Typs bei Citizen geringer auszufallen (ich besitze 12 Uhren mit einem Citizen 82XX-Kaliber) als bei Seiko, aber das ist nur mein persönlicher Eindruck. Vielleicht habe ich bei Citizen einfach nur etwas mehr Glück gehabt?!


Viele Grüße

Wolfgang
 
eastwest

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schredder66 schrieb:
meine beiden Monster laufen in jeder (un)möglichen Lage unerschütterlich - die OM hat eine mittlere Gangabweichung von ca. 20 sec./Tag plus, die BM läuft ca. 6 sec./Tag im Plus. Beide Monster halten diese Werte in jeder Lage, auch Erschütterungen erschüttern das Gangergebnis nicht. Die Werte der OM mögen verbesserungswürdig sein, aber die Konstanz der mittleren Gangabweichung ist bei beiden Monstern sehr lobenswert.
So, Du magst also meine Uhren nicht, aber hast eine OM und eine BM? :fresse:

Aber zum Thema: Meine spirit geht am Arm ziemlich genau soviel zu langsam, wie sie nachts (hochkant auf die 9 gelegt) zu schnell geht. Das Dumme: Ich bin viel länger wach als im Bett! :wink:

eastwest
 
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