Aus einer Ölsardine wird wieder eine 102 Jahre alte Jahresuhr

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Der Stromer

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Zum Jahresende eine Jahresuhr aus 1911 von der Jahresuhrenfabrik
2848-Von-Vorne.JPG

Eigentlich recht unspektakulär, die Arbeiten an dieser Uhr.

Es handelt sich hier um eine Jahresuhr der Jahresuhrenfabrik Triberg mit der Platine 1595A, im Jahr 1911 hergestellt.
2860-Bildmarke-Jahresuhrenf.JPG

Die Uhr sollte revisioniert werden. Also frisch ans Werk.

Das Messing war rundherum stark angelaufen. Das Werk – wie nicht anders zu erwarten – gut mit Öl „konserviert“ und eine Pendelfeder aus Bronze verbaut. Nichts bewegte sich und von Zeit Zählen war nicht mehr die Rede. Aber trotzdem zeigt die Uhr 2 Mal am Tag die genaue Uhrzeit! Das war aber dem Besitzer wohl zu wenig.

Na, als Erstes komplett zerlegt und ab ins US-Bad. Dann halt meine „Lieblingsarbeit“ - das Polieren der Messingteile inklusive der Räder und Zapfen.

Die Lager wurden geprüft, alle in Ordnung. Ebenfalls die Zapfen, die nur etwas nachgearbeitet (poliert) werden mussten.

Aus Erfahrung habe ich dann mein besonderes Augenmerk den Hebeflächen der Graham-Hemmung und dem Ankerrad gewidmet. Auch hier war ein gutes Polieren angeraten.

Die Feder aus dem Federhaus nehmen, Reinigen und wieder einwinden ist immer wieder eine Arbeit, die mit großer Aufmerksamkeit gemacht werden muss. Diese Feder ist nicht Ohne und wehe, sie geht durch. Verletzungen bleiben dann nicht aus. Also, keine Routine, sondern volle Aufmerksamkeit bei dieser Arbeit.

Auch das Drehpendel wurde in seine Einzelteile zerlegt und gereinigt.

Bei dieser Uhr war übrigens kein Teil lackiert. Also wurden alle teile mit Mikro-Wachs konserviert. Damit sollte dann der Glanz auch einige Jahre so bleiben.

Zur Pendelfeder: Die vorhandene war aus Bronze. Keine Ahnung, ob die auch die 102 Jahre überstanden hat, sie wurde gnadenlos ersetzt. Der Grund? Nun, die Bronzefedern haben eine sehr schlechte Temperaturkennlinie. Eine guter Gang ist mit diesen federn unmöglich zu erreichen und diese federn begründeten auch, dass Jahresuhren als „Ungenau“ verschrien waren. Ich verwende möglichst HOROLOVAR-Federn. Da gibt der „Terwilliger“ gleich die richtige Stärke vor und lieferbar sind diese federn auch ohne Probleme.

Und so präsentiert sich der „Schatz“ mit seinen 102 Jahren auf der Feder:
 

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J

joerg-Ehlen

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Sehr schön. Wie verhinderst du das Anlaufen des Messing? Hast Du es lackiert, oder lässt Du die Oberfläche unbehandelt?
Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, die Jahresuhren mit dem hohen Wulst am Sockel (oben, wo die Plattform mit den Säulen der Uhr ist) hatten ursprünglich Samt auf dieser Plattform.
 
ol1ver

ol1ver

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Ähem:

Bei dieser Uhr war übrigens kein Teil lackiert. Also wurden alle teile mit Mikro-Wachs konserviert. Damit sollte dann der Glanz auch einige Jahre so bleiben.
"wer lesen kann…" ;-)

--- Nachträglich hinzugefügt ---

Toller Bericht, bin eher zufällig darauf gestoßen. Instandsetzungen sind immer spannend :super:
 
Der Stromer

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Hallo8-)

Danke, Smaug:klatsch:

Jörg-Ehlen: Nein, bei Leibe nicht bei allen und auch nicht immer rot oder grün. Kam ganz auf den Geschmack des Käufers an.

ol1ver: Jau, macht auch Spaß, sowas wieder zum zählen der Zeit zu überreden:D.
 
mini

mini

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Ein interessanter, ausführlicher und schöner Bericht, Rolf-Dieter.

Obwohl ich uhrenmässig eine völlig andere Heimat (und auch keinerlei Fachkenntnisse in diesem Bereich) habe, freue ich mich über Member, die sich mit Liebe einer Uhr widmen.
Leider sind Grossuhren und deren Eigenheiten im UF ein wenig unterrepräsentiert, umso wichtiger, das die Pluralität durch Threads wie Deinen ein wenig gewahrt bleibt.

Danke dafür und Glückwunsch (auch wenn es kein Glück, sondern Fachwissen war) zur gelungenen Revision.

Gruss
Mathias
 
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