Aufarbeitung einer Dugena Automatic mit ETA 2790

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Bei mir ist kürzlich eine Dugena Automatic angekommen, die zwar bedingt durch den Zustand etwas unscheinbar aber dafür auch unverschämt günstig war. Die Uhr war als defekt beschrieben und es bewegte sich auch durch Schütteln absolut nichts.
01-vorher-1.jpg

Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich den Boden entfernt hatte.
02-geöffnet.jpg

Im Innern war ein ETA 2790 das quasi identisch mit dem 2789 ist, aber mit 28800 Halbschwingungen pro Stunde und nicht mit 21600 wie das 2789 schwingt. Es war nicht nur vergoldet sondern auch optisch in einem guten Zustand. Allerdings fehlte eine Schraube zur Befestigung der Automatik-Einheit.
03-Eine-Schraube-da.jpg

Nach dem Abnehmen der Automatik-Einheit lief das Werk an und die Frage nach der fehlenden Schraube hatte sich auch erledigt (siehe Kleinbodenrad im Ausschnitt der Räderbrücke).
04-Andere-auch-da.jpg

Das Zifferblatt macht noch einen guten Eindruck.
05-ZB-ok.jpg

Nach dem entfernen der Zeiger und des Zifferblatts sowie der Tag-Scheibe wird der Blick auf die Datum-Mechanik frei.
06-Werk-ZB.jpg

Der Ring in der Mitte ist, wie das Stundenrad darunter und die Tag-Scheibe nur aufgelegt und nicht weiter befestigt. Neben dem Ring habe ich auch gleich die Kloben über Datumsklinke und Wechselrad sowie die Klinke für die Tagesscheibe und die zugehörige Feder entfernt. Außerdem ist im Bild unten schon das Rad für die Tagesschnellschaltung ausgebaut.
07-Brücken-klinke-runter.jpg

Nach dem Abnehmen von Datumsring und der anderen jetzt losen Teile habe ich das Werk umgedreht und die Zugfeder entspannt.
08-Feder-entspannen.jpg

Danach habe ich das Sperrrad, das Kronrad mit Sperrklinke und Feder und die Unruh entnommen.
09-Sperrad-kronrad-unruh-raus.jpg

Unter der Federhausbrücke kam dann auch noch ein Stopphebel zu Tage. Das habe ich beim 2790 und auch beim 2784 bislang noch nicht gesehen. Falls man das nachrüsten möchte, kann man für die Werke der 27xx Serie mit 28800Bph auch den Hebel vom 2824 verwenden. Bei den Werken mit 21600 Halbschwingungen pro Stunde ist die Unruh etwas größer. Da funktioniert das nicht, weil der Hebel für das 2824 zu lang ist.
10-Stophebel-montiert.jpg

Ich habe dann den Stopphebel und das Federhaus entnommen.
11-Federhaus-raus.jpg

Danach habe ich die Brücke entfernt und die Räder entnommen.
12-Räder-Brücke.jpg

Jetzt muss auf der anderen Seite noch die Winkelhebelfeder und die Teile darunter raus.
13-Platine-leer.jpg

Danach noch die Steine der Stoßsicherung entnehmen und schon ist die Platine leer. Auf der anderen Seite habe ich die Unruh für die Reinigung im Ultraschallbad eingebaut.
14-Unruh-rein.jpg

Hier die Teile vor der Reinigung. Die Feder habe ich nur abgerieben. Alles andere ist ins Bad gegangen.
15-Teile-vor-Reinigung.jpg

Danach habe ich die Teile wieder geordnet abgelegt und mit dem Zusammenbau begonnen.
16-Teile-nach-reinigung.jpg

Ich muss da mal wieder an meiner Disziplin bei Fotografieren der einzelnen Schritte arbeiten. Ich habe die Räder mit Brücke montiert ohne ein Foto zu machen. Danach habe ich die Platine umgedreht und die geölten Lagersteine der Stoßsicherung eingebaut.
17-ZB-Stoßsicherung.jpg

Danach habe ich den Anker eingebaut und das Federhaus eingelegt.
18-Räder-Anker-Federhaus.jpg

Danach den Stopphebel eingelegt.
19-Stophebel.jpg

Dann die Brücke und Sperr- und Kronrad sowie die Unruh eingebaut.
20-Sperrrad-kronrad-unruh.jpg

Die Feder der Stoßsicherung ist schon offen. Also können jetzt die Steine wieder rein. Danach habe ich erst mal auf der anderen Seite die Mechanik für die Krone eingebaut, damit der Stopphebel sich nicht mehr hin und her bewegen kann.
Ah mal wieder 20 Bilder voll. Also geht es im nächsten Beitrag weiter.
 
DreizeigerFan

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So jetzt die Stellwelle mit den Rädern (Kupplungstrieb und Aufzugstrieb) wieder eingebaut. Dabei muss man darauf achten, dass das Ende des Stopphebels in der Nut des Kupplungstriebs liegt. Das ist aufgrund des geringen Farbunterschieds zwischen Platine und Stopphebel im Bild unten nur sehr schwer in der oberen Nut des Kupplungstriebs zu erkennen.
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Danach kommen die restlichen Teile, die unter der Winkelhebelfeder liegen hinein.
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Jetzt kann die Winkelhebelfeder montiert werden und Minutenrad, Ziegerstellrad, Wechselrad und das Rad für die Datumsschnellschaltung wieder rein.
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Danach die Teile für die Datums-Mechanik und die Datumsscheibe.
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Falls jetzt jemand eine gute Idee hat, wie man die Feder der Datumsklinke, die im Bild oben schon auf der Klinke liegt, einfach und sicher hinein bekommt, möge man mir das bitte mitteilen. Für mich ist das immer ein Moment mit hoher Anspannung. Meistens klappt das irgendwie. In diesem Fall habe ich die Feder, dort wo sie im Bild oben an der Platine anliegt mit dem Fingernagel (natürlich unter einem Handschuh) festgehalten, während ich das andere Ende mit einem Schraubendreher hinter die Klinke geschoben habe. Das hat ganz gut funktioniert aber ich würde das jetzt nicht als einfach und sicher bezeichnen.
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Jetzt schnell den Kloben mit dem Datum-Zwischenrad rein, damit die Feder nicht mehr fliegen kann.
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So jetzt noch die Klinke für den Tag mit Feder und das Rad für die Tagesschnellschaltung montieren, das Stundenrad einlegen und die Abdeckung über dem Stundenrad hinein und schon sind wir fast fertig.
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Beim Aufsetzen der Tagesscheibe hilft es, wenn man das Ende der Tagesklinke bei der 5 der Datumsscheibe etwas nach innen drückt, damit die Scheibe in die Klinke rutschen kann.
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Jetzt sollte möglichst schnell das Zifferblatt wieder drauf, damit die Tagesscheibe nicht mehr herausfallen kann.
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Sind die Zeiger wieder gesetzt, kann das Werk eingeschalt werden.
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Erst danach baue ich die Automatik-Einheit wieder ein.
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Gehäuse und Glas habe ich leicht poliert.
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Jetzt werde ich sie mal eine Weile tragen und sehen, wie sie läuft.
 
L

luckycop

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Seufz,

sowas würde ich auch gerne können...

Ich finde gut, die alten Schätzchen wiederzubeleben...

Sehr schön.

Gruß
 
Schraubendreher

Schraubendreher

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Hallo Dreizeigerfan,

ein sehr schöner Reparaturbericht mit wirklich guten Fotos. Ich schaue mir so etwas immer gerne an.
Zwei Tipps:
1. Du machst Dir das Leben einfacher, wenn Du den Aufzugsmechanismus zuerst montierst und schmierst. Also vor der Montage des Räderwerks und des Federhauses. Dann kannst Du gleich die Funktion des Aufzugs und den Leichtlauf der Räder prüfen.
2. Die Feder der Datumsraste ist auch für einen Profi immer eine undankbare Sache. Ich weiß nicht, wieviele davon mir im Lauf der Jahre schon weggeflogen sind.
Ich halte den einen Arm der Feder mit einem Schraubendreher runter und hake den anderen dann mit der Pinzette (Form 2 Carbonstahl) ein. Dann muss ich nicht mit den Fingern auf das Werk, egal ob mit Fingerlingen oder nicht.

Bis dann:
der Schraubendreher
 
Donnerkeil

Donnerkeil

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Hallo DreizeigerFan,

danke für den informativen Bericht samt der schönen Bilder!
Beeindruckend, wie Du diesem schon beinahe vergessenen Schmuckstück einen zweiten Frühling geschenkt hast!

Gruß,
Michael
 
DreizeigerFan

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@luckycop , @Donnerkeil und @Don Jorge : Vielen dank für die freundliche Reaktion.
@zeitvergeht : Ja Dugenas mag ich auch. Die sind irgendwie die Ü-Eier unter den Uhren. Man weiß nie welches Werk man in einer Uhr findet aber es ist immer gut.
@Schraubendreher
1. Danke für den Tipp. Ich bin gerade an einem 2783 und werde das mal ausprobieren.
2. Ja ich habe befürchtet, dass es keine einfache und sichere Lösung gibt. Das mit dem einsetzen, ohne den Finger zu benutzen, werde ich auch mal testen.
 
DreizeigerFan

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Ich habe gerade ein ETA2789-1 überarbeitet, das quasi baugleich mit dem 2790-1 ist (21600bph statt 28800bph). Weil das sich wesentlich von den Werken ohne das -1 unterscheidet, zeige ich hier mal die Bilder.
Die Mechanik entspricht im wesentlichen der des ETA2836.
Unter dem Datumsschaltrad befindet sich ein Hebel.
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Die Hebel auf dem Schaltrad sind beweglich gelagert (können auf dem Rad um einen gewissen Winkel verdreht werden). Hier das Rad von unten.
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Das klauen-artige Ende des Hebels wird über eine Feder gegen das Rad gedrückt. Wenn es über den Zapfen rechts gleitet springt das Datum. Die Klaue greift dann über die Rundung, die im Bild oben zwischen 2 und 8 Uhr liegt. Die Feder ist recht massiv (siehe Bild unten).
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Der Hebel und das Schaltrad werden von einer Abdeckung gehalten, die über dem Zapfen des Hebels geklipst wird.
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Das Stundenrad wird durch die Wechselradabdeckung gehalten.
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Die Klinken für Tag und Datum werden durch ein einziges gestaztes Blech realisiert. Das ist einfach und hat wenig Neigung weg zu fliegen.
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Der Kloben der Klinken hält auch das Ende der Abdeckung über dem Stundenrad auf der Platine.
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Im Bild oben fehlt noch der Rotor für die Schnellschaltung des Tags. Er ist rund mit zwei gegenüberliegenden Fingern. Dummerweise habe ich kein Bild gemacht bevor ich die von einem Sprengring gehaltene Tag-Scheibe montiert habe.
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Gegenüber dem 2789 oder 2790 haben die Werke mit -1 ein zweisprachiges Datum.

Ich wünsche Euch noch einen schönen Tag,
Christian
 
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