Atomzeit Internet (weiss nicht wohin ich das posten soll)

Diskutiere Atomzeit Internet (weiss nicht wohin ich das posten soll) im Sonstige Uhren Forum im Bereich Uhrentypen; Ich habe mich jetzt mal bei Kollegen umgehört, die sich mit hochpräziser Uhrzeitsynchronisation im industriellen Umfeld befassen. Dabei habe ich...

TomS2

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Ich habe mich jetzt mal bei Kollegen umgehört, die sich mit hochpräziser Uhrzeitsynchronisation im industriellen Umfeld befassen. Dabei habe ich immer die Aussage erhalten, dass GPS Vorteile ggü. DCF77 bietet:
  • weltweit verfügbar
  • genauer als DCF77 (unter der Voraussetzung vernünftiger Geräte - s.u.)
  • interessant für weit verteilte Anlagen (Öl- und Gaspipelines, Hochspannungsnetze, Schienennetze)
Die bei den Kollegen eingesetzten Produkte insbs. der Firma Bürk dienen als Timeserver (Stratum 1) in mittleren bis großen Systemen. In verteilten Systemen kann die Zeitsynchronisation oft nicht über einen gemeinsamen Bus und einen zentralen Timeserver erfolgen; hier müssen sich die unterschiedlichen Teilnehmer eigenständig synchronisieren, d.h. über jeweils eigene Timeserver auf GPS-Basis.

Dass von GPS abgeraten wird und man stattdessen auf DCF77 setzen sollte, habe ich von ihnen nie gehört - im Gegenteil.

Zur Genauigkeit und Fehlerquellen von DCF77 und GPS habe ich folgendes gefunden:

Arbeitsweise und Genauigkeit DCF77/GPS Zeitempfänger

Hier ein Auszug:

Weitere Ungenauigkeiten [bei DCFkönnen durch die Laufzeiten vom Sender zum Empfänger auftreten. Bei konstanter Entfernung kann bei reinem Bodenwellen-Empfang eine Konstante eingerechnet werden. Von der Empfangsseite nicht zu beeinflussen sind zeitliche Schwankungen bei reinem Raumwellenempfang. Durch die Höhenvariation der spiegelnden oder beugenden Schicht der Ionosphäre gehen Höhenschwankungen voll in die Zeitschwankungen ein. Ähnlich verhält es sich im Überschneidungsbereich zwischen Boden- und Raumwelle. Dieser Bereich ist nicht konstant, sondern variiert im Laufe des Tages zwischen 600 bis 1200 km vom Sendeort. Hierdurch kann es an einem festen Ort zusätzlich zu absoluten Zeitschwankungen kommen, die bei einigen Millisekunden liegen.

Die Genauigkeit der Positionsbestimmung [für GPS] kann durch die militärischen Kontrollbodenstellen für die Satelliten zeitweilig verändert werden. Einige Satelliten senden dann falsche Bahndaten, aus denen die Laufzeit der Daten falsch berechnet wird. Der Fehler für die Zeitberechnung kann dann einige µsec betragen.

[Es wird also an der Position geschraubt, nicht an der Zeit; der Fehler für die Zeit resultiert dann aus einer fehlerhaften Laufzeitkorrektur]

Die Genauigkeit der einzelnen Sekundenmarke ist [bei GPS] im Gegensatz zu DCF77 an jedem Ort gleich und beträgt bei Standard GPS-Empfängern mit Auswertung der Zeitmarke etwa ± 1 µsec. Dadurch können Standardquarze für die Freilaufeigenschaften der Uhr auf ± 0,1 ppm nachgeregelt werden. Ferner ist auch eine wesentlich feinere Nachregelung der Sekundenmarke möglich. Noch bessere Freilaufeigenschaften werden beim Einsatz von ofen- oder temperaturstabilisierten Quarzen erreicht, hierbei werden Werte von 0,1 bis 2,0 ppb erreicht.

Bei reinen GPS-Positionsempfängern, wie sie für den privaten Bereich Segeln, Wandern usw. angeboten werden, ist die Zeitmarke nicht genauer als bei DCF77.
 
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UhrAlex

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Hallo,

Ich kann hier zu den technischen Hintergründen nicht viel beitragen.

Ich habe allerdings wirklich sehr gute Erfahrungen mit WatchCheck gemacht, was ja auch hier schon erwähnt wurde.
Ich nutze da nur NTP als Quelle und nicht GPS.
Gerade am Anfang habe ich öfters Mal die App mit meinem Funkwecker verglichen.
Ich habe nicht ein einziges Mal eine erkennbare Abweichung festgestellt.
Wo ich aber nahezu immer Abweichungen sehe ist bei Webseiten-Plugins.
Die würde ich entsprechend nicht nutzen.

Gruß
Alex
 

TomS2

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Hallo,

Ich kann hier zu den technischen Hintergründen nicht viel beitragen.

Ich habe allerdings wirklich sehr gute Erfahrungen mit WatchCheck gemacht, was ja auch hier schon erwähnt wurde.
Ich nutze da nur NTP als Quelle und nicht GPS.
NTP ist ja nur ein Übertragungsprotokoll bzw. Standard zur Zeitsynchronisation. Wenn du NTP nutzt, dann sitzt dein Handy auf Ebene (Stratum) N > 1 und empfängt das Signal von NTP-Servern auf Ebene N-1 (so verstehe ich WatchCheck; kann leider wenig dazu sagen, da für mich wg. iOS nicht verfügbar).

Wenn man GPS nutzt - insbs. die von mir o.g. genannten Geräte - sitzt man auf Ebene N = 1 und empfängt das Signal direkt von N = 0 d.h. dem GPS-Satelliten.

NTP ist nun so schlau, dass es die Laufzeitdifferenzen zwischen den verschiedenen Ebenen herausrechnet. Dazu werden einerseits die Signale verschiedener NTP-Server herangezogen, als auch die Laufzeiten zwischen Handy und jeweiligem NTP-Server korrigiert. D.h. das Handy erkennt sozusagen, dass es aufgrund des jetzt empfangenen Signals T seine Zeit nicht auf T sondern auf T - ΔT stellen muss (bzw. diese Zeit anzeigen muss; ich weiß nicht, ob WatchCheck die Uhrzeit stellt oder nur anzeigt).

M.a.W.: NTP ist so gebaut, dass es die systembedingten Ungenauigkeiten zum großen Teil herausrechnet und dich möglich nahe an die exakte Zeit heranbringt.
 

UhrAlex

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Danke für die Erläuterungen.
Sicherlich ist GPS der genauere Weg.
Der Grund warum ich GPS nicht nutze ist eher praktischer Natur.
Es dauert einfach wesentlich länger bis WatchCheck die GPS-Zeit hat.
Da muss erstmal die Funktion des Telefons anspringen und das Signal empfangen werden.
Da ist die NTP-Funktion von WatchCheck deutlich schneller.
Und die Genauigkeit ist für meine Zwecke völlig ausreichend.

Gruß
Alex
 

TomS2

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Noch etwas: die Angabe von NTP oder GPS alleine ist für eine App oder ein Gerät wenig aussagekräftig, denn sie besagt zunächst nur, wie das Gerät das Signal empfängt, nicht, was es damit macht.

Bsp. GPS: empfängt und verarbeitet das Geräte mehrere GPS-Signale und rechnet mittels der exakten Position die Laufzeitunterschiede heraus? oder verarbeitet das Gerät nur ein GPS-Signal zur Uhrzeitbestimmung und zeigt nur diese eine GPS-Zeit ohne Korrekturen an?

Bsp. NTP: verarbeitet das Gerät nur das NTP-Signal eines Zeitservers und führt keine weiteren Korrekturen durch? d.h. arbeitet es letztlich nach SNTP?

Gerade auf Handys muss außerdem unterschieden werden, was das Betriebssystem selbst intern tut, und was davon in Apps verwendet wird oder verwendet werden kann.
 

elekticker

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Das schöne an Watch Check ist, dass es NTP und GPS direkt untereinander anzeigt. Die laufen fast immer synchron. Zumindest so synchron, dass die Abweichung geringer ist, als meine Fähigkeit den Messknoof auszulösen. Und die Zeit stimmt auch noch mit der DCF77 Zeit der Funkuhr im Rahmen dieser Genauigkeit über ein.

Bei GPS empfängt man auch nur das Funsignal und hat dynamische Laufzeitunterschiede vom Satelitten plus eine Standardabweichung von UTC, die der Empfänger alle rausrechnen muss. Bei billigen oder alten klappt das offenbar miserabel.
 

TomS2

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Bei GPS empfängt man auch nur das Funksignal und hat dynamische Laufzeitunterschiede vom Satelitten plus eine Standardabweichung von UTC, die der Empfänger alle rausrechnen muss. Bei billigen oder alten klappt das offenbar miserabel.
Das kann nicht der Grund für
GPS hat sich bei mir in der Praxis als nicht immer zuverlässig herausgestellt. So weicht etwa die reine GPS App um etwa 2 Sekunden von der Funkzeit, der NTP Zeit und lustigerweise auch von der GPS Zeit bei Watch Check ab. Das war früher, als ich noch einen extra GPS Empfänger hatte (Vor -Smartphone-Zeit) auch schon so, dass der von der Funkzeit abwich, die aber ziemlich sicher stimmt.
sein:

GPS-Zeit – Wikipedia

Eine Abweichung bzw. ein Laufzeitunterschied von zwei Sekunden entspräche einen falschen Positionsberechnung von zwei Lichtsekunden = ca. 600.000 km, d.h. ca. doppelter Mondentfernung.

Ich vermute schlichtweg einen Softwarefehler, der die Schaltsekunden nicht berechnet. Die Schaltsekunden werden bei UTC berücksichtigt, sind jedoch nicht im GPS-Signal enthalten, d.h. der Empfänger muss sich darum kümmern - was er hier evtl. nicht tut.
 

elekticker

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Das ist klar. Der Fehler dürfte in der Korrektur der Standardabweichung liegen. Den Laufzeitunterschied bei GPS habe ich nur erwähnt, weil das als Nachteil bei DCF77 angeführt war, wo man ihn genauso vernachlässigen kann ;-)

Das ist der grosse Vorteil der Funkuhr. Der Empfänger muss nix mehr grossartig selber ausrechnen.
 

Junghänschen

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Wenn das empfangene Zeitsignal noch ist genau ist - vom Empfang zur Anzeige vergeht Zeit, die Verarbeitung der Anzeige vom Auge bis ins Bewusstsein braucht auch noch Zeit
 

Der Stromer

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Ich habe mich jetzt mal bei Kollegen umgehört, die sich mit hochpräziser Uhrzeitsynchronisation im industriellen Umfeld befassen. Dabei habe ich immer die Aussage erhalten, dass GPS Vorteile ggü. DCF77 bietet:
  • weltweit verfügbar
  • genauer als DCF77 (unter der Voraussetzung vernünftiger Geräte - s.u.)
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Die bei den Kollegen eingesetzten Produkte insbs. der Firma Bürk dienen als Timeserver (Stratum 1) in mittleren bis großen Systemen. In verteilten Systemen kann die Zeitsynchronisation oft nicht über einen gemeinsamen Bus und einen zentralen Timeserver erfolgen; hier müssen sich die unterschiedlichen Teilnehmer eigenständig synchronisieren, d.h. über jeweils eigene Timeserver auf GPS-Basis.

Dass von GPS abgeraten wird und man stattdessen auf DCF77 setzen sollte, habe ich von ihnen nie gehört - im Gegenteil.

Zur Genauigkeit und Fehlerquellen von DCF77 und GPS habe ich folgendes gefunden:

Arbeitsweise und Genauigkeit DCF77/GPS Zeitempfänger

Hier ein Auszug:

Weitere Ungenauigkeiten [bei DCFkönnen durch die Laufzeiten vom Sender zum Empfänger auftreten. Bei konstanter Entfernung kann bei reinem Bodenwellen-Empfang eine Konstante eingerechnet werden. Von der Empfangsseite nicht zu beeinflussen sind zeitliche Schwankungen bei reinem Raumwellenempfang. Durch die Höhenvariation der spiegelnden oder beugenden Schicht der Ionosphäre gehen Höhenschwankungen voll in die Zeitschwankungen ein. Ähnlich verhält es sich im Überschneidungsbereich zwischen Boden- und Raumwelle. Dieser Bereich ist nicht konstant, sondern variiert im Laufe des Tages zwischen 600 bis 1200 km vom Sendeort. Hierdurch kann es an einem festen Ort zusätzlich zu absoluten Zeitschwankungen kommen, die bei einigen Millisekunden liegen.

Die Genauigkeit der Positionsbestimmung [für GPS] kann durch die militärischen Kontrollbodenstellen für die Satelliten zeitweilig verändert werden. Einige Satelliten senden dann falsche Bahndaten, aus denen die Laufzeit der Daten falsch berechnet wird. Der Fehler für die Zeitberechnung kann dann einige µsec betragen.

[Es wird also an der Position geschraubt, nicht an der Zeit; der Fehler für die Zeit resultiert dann aus einer fehlerhaften Laufzeitkorrektur]

Die Genauigkeit der einzelnen Sekundenmarke ist [bei GPS] im Gegensatz zu DCF77 an jedem Ort gleich und beträgt bei Standard GPS-Empfängern mit Auswertung der Zeitmarke etwa ± 1 µsec. Dadurch können Standardquarze für die Freilaufeigenschaften der Uhr auf ± 0,1 ppm nachgeregelt werden. Ferner ist auch eine wesentlich feinere Nachregelung der Sekundenmarke möglich. Noch bessere Freilaufeigenschaften werden beim Einsatz von ofen- oder temperaturstabilisierten Quarzen erreicht, hierbei werden Werte von 0,1 bis 2,0 ppb erreicht.

Bei reinen GPS-Positionsempfängern, wie sie für den privaten Bereich Segeln, Wandern usw. angeboten werden, ist die Zeitmarke nicht genauer als bei DCF77.

Jetzt noch mal ich :ok:

Auch auf die Gefahr hin, jetzt wieder einen Sturm zu ernten, will ich doch mal einiges erläutern.

Zugegeben, die hier verwendeten Daten und Abläufe sind schon etwas älteren Datums. Aber viel hat sich in den vergangenen Jahren nicht geändert, höchsten noch in Richtung Qualität und Genauigkeit. Die Prüfabfolge ist - bei mechanischen Uhren - immer noch so.
Es geht hier darum, einer mechanischen Uhr die "genaue" Uhrzeit zu vermitteln.
Dazu muss der Fragesteller nach meinem Dafürhalten erstmal klarstellen, was er eigentlich machen will. Die Fragen dabei sind: Hat die Uhr eine Fehlweisung, die einmalig ausgeglichen werden soll? Wenn diese Frage mit JA beantwortet wird, bleibt nur das Zeitsignal (in Deutschland) aus der PTB über DCF. Alles andere wäre dann zwar auch "gestellt", aber genau??? Wobei hier natürlich die Grenzen zwischen Ablesen, Hand bewegen, Uhr stellen, die gröbsten Fehlerquellen für eine "genaue" Einstellung der Uhrzeit sind.

Beim zweiten Problem wird es schon komplizierter: Die Uhr wurde gestellt und nach 10 Tagen hat sie einen Vorlauf von 30 Sekunden.
Hier muss der Uhrenbesitzer gefragt werden, ob er die Uhr in diesen 10 Tagen getragen hat, oder ob sie in der Schublade gelegen hat. Wie oft wurde die Uhr aufgezogen in dieser Zeit und wie weit wurde die Feder gespannt. Welchen Temperaturen war die Uhr ausgesetzt? Das sind alles Parameter, die der Uhrenbesitzer im Normalfall überhaupt nicht beachtet - er hat eine qualitativ hochwertige Markenuhr gekauft und erwartet einen "Genauen" und gleichmäßigen Gang.

Zur Reglage dieser Uhr nun folgendes: Die erste Prüfung wäre auf einer Zeitwaage. Nicht, um die "Genauigkeit" der Uhr zu Prüfen, sondern um an Hand des Bildes fest zu stellen, ob bereits hier Auffälligkeiten zu sehen sind, die ggf. auf Probleme im Schwingsystem hinweisen (Defekt am Hemmrad, lose Paletten, Zapfen gebrochen). Ist hier alles in Ordnung, wird die Uhr in allen von den Prüfrichtlinien vorgegeben Lagen überprüft. Es ist ja jedem Uhrmacher bekannt, dass Uhren in bestimmten Lagen unterschiedliche Gangwerte haben. Als einfaches Beispiel für unbedarfte Uhrenbesitzer: Liegt die Uhr mit Ziffernblatt oben (ZO) des nachts auf dem Nachtisch, wird sie sicher vorgehen. Der Grund dafür ist einfach. Die Unruhe stützt sich nur auf einem Zapfen im Steinlager ab, die Reibung ist sehr gering. Am Handgelenk (KU) hingegen wird die Unruhe mit ihrem Gewicht beide Zapfen in den Lagern belasten und durch die höhere Reibung wird die Uhr nachgehen.
Also es ist klar, dass zwischen all diesen Lagenunterschieden ein guter Mittelweg gefunden werden muss. Sind diese bei der zu prüfenden Uhr nicht im Rahmen der vorgegeben Richtlinien (normale Gebrauchsuhr, gute Uhr, sehr gute Uhr, Chronometeruhr) wird der Uhrmacher seinen Kunden die entsprechen erforderlichen Arbeiten und den Preis dafür vermitteln, wobei zu beachten ist, dass eine Fehlweisung von 30 Sekunden in 10Tagen, also in 240 Stunden, die Gangwerte einer guten Uhr sind.
Jeder Uhrmacher hier wird jetzt wissen, was zu tun ist, will der Kunde dennoch ein besseres Gangergebnis haben. Das fängt an mit einer kompletten Revision des Werkes und endet in der genauen Justierung der Spirale (Ansteckpunkt, Kniebogen, Unwuchtschrauben, etc.) Es ist müßig, hier alle notwendigen Arbeiten auf zu zählen.

Hier nur mal ein kurzer Auszug aus "Die Feinstellung einer Unruh-Uhr" von Hans Jendritzki:
Taschenuhren
Einfache Herrenuhr mit Zylinderhemmung: 2 min
Einfache Herrenuhr mit Ankerhemmung: 1 - 2 min
Mittlere Herrenuhr mit Ankerhemmung: 0,5 - 1 min
Mittlere Herrenuhr mit Ankerhemmung (Markenuhr): 0,25 - 0,5 min
Präzisionsuhr feinster Sorte: 3 - 6 sec

Armbanduhren
Einfache Ankerhemmung: 2 - 3 min
bessere Sorte, Markenuhr: 1 - 2 min
feinste Sorte: 0,5 min

Das sind die zugelassenen Abweichungen pro 24 h.
Nach diesen Werten (und natürlich besseren) werden auch heute noch mechanische Armbanduhren hergestellt. Der Knackpunkt bleibt aber die Unterschiede der verschiedenen Lagen! Da hat sich nichts geändert.

Nach der Reklamation des Kunde mit seiner Uhr liegt diese Uhr also bereits in der Kategorie "Präzisionsuhr feinster Sorte".

Soll die Uhr dennoch neu Reguliert werden - bessere Gangergebnisse sind sicher möglich - muss der Uhrmacher über einen längeren Zeitraum die Uhr Prüfen, mit Zertifikat sind das mindestens 16 Tage:
Geprüft wird die Uhr
durchschnittlicher täglicher Gang
durchschnittliche Abweichung des täglichen Ganges in fünf Positionen
größter Unterschied zwischen zwei aufeinander folgenden täglichen Gangwerten
größter unterschied zwischen dem durchschnittlichen Gang und einem Gang in den 5 Positionen
Temperatur-Koeffizient
Rückgabeldatum

Und wenn jetzt hier jemand behaupten will, dass irgend ein Zeitsignal aus dem "Netz" über diese 16 Tage genau auf die Sekunde ist,...

Na ja. Dem ist nicht zu helfen, höchstens noch mit einem Chinaquarzkracher!

Ps.: Der oben beschriebene Prüfungsablauf stammt aus einen zugelassenen Prüfbüro. Bei Chronometer-Zertifikaten ist die Prüfdauer 40 Tage.

Allerdings muss man auch zugeben, dass nur Chronometer und Uhren mit Gangzertifikat pro Uhr geprüft werden, was sich natürlich im Preis der Uhr nieder schlägt.

Alle anderen Uhren werden nur stichprobenartig geprüft oder - bei günstigen Uhren - nur am Beginn der Produktion. Und da kann es schon Ausreißer geben, wenn z.B. der oder die Prüferin gerade mal für... :ok::shock:
 
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PremiumSeiko

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IP-basierte "Uhren" sind absolut ungeeignet, um Uhren abzugleichen.
Das richtige Vorgehen ist mit einer Funkuhr oder einem GPS-Zeitgeber.

Das hat mit den Latenzen und dem Routing im Internet zu tun.
Das ist nicht richtig. NTP schafft heute eine Genauigkeit von 30milli Sekunden. Zeig mir eine Funkuhr die das an anderen standorten als dem Sendestandort kann.
 

clocktime

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IP-basierte "Uhren" sind absolut ungeeignet, um Uhren abzugleichen.
Das richtige Vorgehen ist mit einer Funkuhr oder einem GPS-Zeitgeber.

Das hat mit den Latenzen und dem Routing im Internet zu tun.
Im Alltag sind Latenzen oder Gangungenauigkeiten bis zu ca. 15 Sekunden immer zu vernachlässigen. Bei grösseren Diskrepanzen ab ca. 30 Sekunden kann es durchaus passieren, dass einem der Zug oder Bus vor der Nase wegfährt. Ich stelle deshalb von vornherein meine Uhr auf eine Minute voraus.
Sonderfall im Alltag, bei dem es auf extreme Genauigkeit ankommt: Navigation auf dem Meer mit Sextant, hat aber mittlerweile Seltenheitswert.
Das ist nicht richtig. NTP schafft heute eine Genauigkeit von 30milli Sekunden. Zeig mir eine Funkuhr die das an anderen standorten als dem Sendestandort kann.
Ist zwar richtig, aber damit die Uhr nicht ständig Korrekturen ausführen muss, muss sie zumindest so genau laufen, dass sie nur minimal abweicht, also braucht es dann sehr genaue Quarzwerke. Damit führt die Funkuhr sich selbst ad adsurdum. Ich habe da eher den Verdacht, dass via Funkuhr die schlecht einregulierten Quarzkaliber kaschiert werden sollen.
 

TomS2

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Das ist nicht richtig. NTP schafft heute eine Genauigkeit von 30milli Sekunden. Zeig mir eine Funkuhr die das an anderen standorten als dem Sendestandort kann.
Natürlich kann die Funkuhr das, die Signallaufzeit ist verschwindend gering.

Bei NTP wird die Signallaufzeit über das Protokoll herausgerechnet, man erhält eine sehr präzises, korrigiertes Zeitsignal in dem von dir genannten Bereich von einigen 10 ms.

Bei der Funkuhr und DCF77 muss zunächst nichts herausgerechnet werden. Bei 100 km Laufstrecke erhältst du lediglich eine Abweichung von 100 / 300000 ~ 3 ms.

In beiden Fällen wird die Uhr automatisch nachgeführt. Die Frage ist, wie häufig dies geschieht, und wie genau die Uhr dann eigenständig läuft, bis sie das nächste Mal synchronisiert. Siehe den Beitrag von @clocktime.

@elekticker war schneller.
 
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ETA2824

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Nun, die Ausbreitung der Funkwellen erfolgt in Lichtgeschwindigkeit. Das sind 300000 km/s. Der DCF77 deckt Deutschland als Bodenwelle ab, also weniger als 1000 km, also 3ms, wenn ich richtig gerechnet habe.
Ist halt immer die Thematik, ob man das Ganze aus einer konzeptionellen oder einer praktischen Perspektive betrachtet.
 

Der Stromer

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Das unendliche Thema, die Zeit.
Was verstehen wir unter "genau"? Und was möchten wir "genau" messen?
In erster Linie ist diese Frage mit der Güte des "Messgerätes" das zur Verfügung steht zu beantworten. Und das hat mit einer theoretischen, weil errechneten "Genauigkeit" nichts zu tun, da der gemessene Wert immer um x Toleranzen hinterher hinkt.
Zu den Abläufen mit "Messinstrumenten" kann der Beitrag 111 hier dienen.

Und die Frage, Funkzeit, NTP, GPS erübrigt sich eigentlich. Alle diese Übertragungswege von Zeitsignalen benutzen mehr oder weniger Funkwellen. Und die haben eine Laufzeit von 300.000 km pro Sekunde. Da ist es vollkommen gleich, ob es Wellen im Bereich von gHz (GPS und NTP) oder mHz (einige Funksender, USA, z.B.) oder kHz wie in Deutschland, sind.

Zur Antwortfindung aber muss eines herangezogen werden. Es haben sich alle Länder der Welt auf einen Standard-Zeitsignal geeinigt, die UTC. Dieser Zeitcode wird mit fast allen (Atom)Uhren in von den einzelnen Regierungen unterhaltenen Instituten "gemessen", verglichen und ggf. korrigiert (in der BRD geschiet durch die PTB in Braunschweig und Berlin) und damit die UTC weltweit als DIE Standardzeit festgelegt. Also schon mal hier ist ein Fixpunkt, der für die BRD von der PTB Zeitserver in Braunschweig vorgegeben ist.

Lediglich die Betrachtung und Einbeziehung von Laufzeiten in die Berechnung von "Zeitsignalen" führt zu gewissen Differenzen, die rechnerisch ausgeblendet werden (können). Bei NTP-Signal ist das nur mit sehr großem Aufwand und immer erst im Nachhinein möglich, da der Leitungsweg und damit die Länge nicht vorher bestimmbar sind, es sei denn es werden speziell für NTP Standleitungen mit einer fest Länge genutzt. Das entzieht sich aber meiner Kenntnis.

GPS und in Zukunft wohl auch Galileo Galileo (Satellitennavigation) – Wikipedia können aber - leider - mit falschen Grundzeiten - manipuliert werden. Das hat militärische Gründe.

Fazit: Als Standard wird immer UTC dienen. In der BRD wird UTC durch die PTB über DCF und damit als Deutsche Standardzeit festgelegt. Danach richten sich hier alle Firmen und Institute, die sich mit der Genauigkeit von Uhren beschäftigen.

Und zum Ende: Es ist vollkommen gleichgültig, welches Signal zur Bestimmung der genauen Uhrzeit herangezogen wird. Denn wenn ich meine Uhr am Handgelenk genau stellen will, ist der Signalweg vom Auge über das Gehirn zum Daumen und Zeigefinger mit der daraus folgenden Drehbewegung der Krone so "zeitaufwändig", dass die Entfernung vom Mond zur Erde bei Lichtgeschwindigkeit bequem zurück gelegt werden könnte.
 

TomS2

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Lediglich die Betrachtung und Einbeziehung von Laufzeiten in die Berechnung von "Zeitsignalen" führt zu gewissen Differenzen, die rechnerisch ausgeblendet werden (können). Bei NTP-Signal ist das nur mit sehr großem Aufwand und immer erst im Nachhinein möglich, da der Leitungsweg und damit die Länge nicht vorher bestimmbar sind, es sei denn es werden speziell für NTP Standleitungen mit einer fest Länge genutzt. Das entzieht sich aber meiner Kenntnis.
Das ist prinzipiell möglich und kann in privaten Netzen - zum Beispiel bei ausgedehnten Industrieanlagen - eingesetzt werden. Ich weiß jedoch nicht, ob dies auch im Internet von den großen Knoten und Providern für NTP zur Verfügung gestellt wird; sinnvoll wäre es.
 

Thomas-A159

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Die Frage ist, wie häufig dies geschieht, und wie genau die Uhr dann eigenständig läuft, bis sie das nächste Mal synchronisiert.
ich habe hier eine Funkuhr (ELV-Bausatz aus 1986) die sich per DCF77 Signal korrekt stellt und dann permanent am Sekundentakt des DCF77 Senders klammert.
Die hat also praktisch keine systembedingte Abweichung wie beispielsweise eine durchschnittliche Funkuhr die die meiste Zeit als Quartzuhr läuft.
 
Thema:

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