ATO Magnetpendeluhren

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Ramses300

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Hallo Forum!


Wenn man sich mit mechanischen Pendeluhren beschäftigt, dann stößt man früher oder später auf Pendeluhren, die nach dem ATO Prinzip funktionieren.

Ich finde diese, wie so viele andere auch, einfach faszinierend.
Ohne angeben zu wollen, viele Jahrzehnte nach dem Patent bin ich, ohne diese Uhren zu kennen, ganz unabhängig auch auf den Gedanken gekommen, daß eine solche Uhr funktionieren müßte.
Die Idee zu haben und sie auch praktisch umzusetzen, sind aber zwei ganz verschiedene Dinge.

Das Faszinierende an diesen Uhren ist, daß das Uhrwerk anders als feder- oder gewichtbetriebene Uhrwerke nicht unter Spannung steht.
Man benötigt also keine Hemmung.
Und vor allem läßt sich die Energie, die man dem System zuführt, damit die Schwingung erhalten bleibt, viel präziser steuern, was der Genauigkeit zugute kommt.

Also mußte ich eine solche Uhr unbedingt haben! :)

Eine Junghans hatte es mir angetan, aus Gründen, auf die ich später zurückkommen werde.

ATO Wanduhren mit Pendel werden recht teuer gehandelt.
Ich habe recht viel Geld investiert und einen Haufen Schrott erhalten.
Die Grundsubstanz war aber brauchbar.

Revision.jpg
Also habe ich das Werk zerlegt, es gereinigt und geschmiert.
Chaos.jpg
Die ersten Probeläufe zeigten, daß das Prinzip funktioniert.
ATO.jpg

Noch mehr Arbeit war es, das Gehäuse wenigstens halbwegs ansehnlich zu bekommen.
Leider fehlte der Sekundenzeiger, den ich dann nach Recherche im Netz (es handelt sich bei dieser Uhr um einen relativ primitiv gestalteten) selber angefertigt habe.
Er befriedigt keine höheren Ansprüche, funktioniert aber halbwegs.
ATO_Junghans.jpg

Sollte jemand einen solchen Zeiger über haben oder eine Quelle kennen, dann würde ich mich freuen, wenn ich so an ein Original käme.

Der Grund, wieso ausgerechnet diese Junghans ATO es mir angetan hatte, liegt an einer Uhr, welche ich bestimmt seit weit über 20 Jahren besitze.
Junghans_neu.jpg

Früher war ich vom technischen Fortschritt noch mehr begeistert als heute und habe mich nicht gescheut, in diesen zu investieren.
Ich habe aber auch nicht ahnen können, daß Funkuhren einmal sehr billig werden würden.
Interessant ist, wie sich Junghans im Design selber treu gebleiben ist.

Ich habe die Junghans ATO ziemlich empfindlich eingestellt, so daß eine möglichst kurze Zeit ein Strom fließt.
Deswegen wohl ist sie sehr zickig, was die richtige Stellung angeht, in der sie aufgehängt ist.
Das kann ein ziemliches Geduldspiel werden, bis die Uhr richtig läuft. Dann ist sie aber sehr zuverlässig.

Bei der Reparatur der Uhr begeisterte mich das Uhrwerk und seine Funktion.
Ich fand es jammerschade, daß es hinter dem Zifferblatt verborgen ist.
Also wollte ich eine ATO Uhr, bei welcher man das Werk arbeiten sehen konnte.

Und natürlich sollte es wieder etwas zum Basteln werden... 8-)
Ich kaufte eine Kundo Electronic, nicht funktionierend.
Sie war glücklicherweise bedeutend billiger als die Junghans.

Als sie bei mir ankam, schloß ich probeweise eine Batterie an, die Anschlüsse lagen lose.
Die Uhr lief nicht.
Ich habe den Strom gemessen und mich gewundert, daß fast ein Ampere floß, etwas viel, wenn eine Batterie rund ein Jahr halten sollte.
Die Isolierung der Zuleitung war kaputt.
Nachdem ich diese erst einmal notdürftig geflickt hatte, lief die Uhr immer noch nicht.

Also wurde es Zeit zu recherchieren.
Ich nahm auch Kontakt zu einem Sammler dieser Uhren auf.
Es sprach dafür, daß der Transistor hinüber wäre.
Ich fand einen musealen Transistor des Typs TF65 vor. Nach Recherche fand ich kompatible Typen.
Aus alten Zeiten, in denen ich viel aus dem Sperrmüll gesammelt habe, hatte ich noch einen AC122, den ich einbaute.
Die Uhr lief immer noch nicht.
Da war guter Rat teuer...
Ich hatte eine Quelle gefunden, in der ein Stromkreis dieser Uhr abgebildet war.
Dummerweise war dieser offensichtlich nicht richtig. Im Spulenkörper war eindeutig ein Widerstand verbaut, kein Kondensator.
Diesen Widerstand lötete ich ersteinmal frei, um weitere Messungen vornehmen zu können.
Es stellte sich heraus, daß eine der beiden Spulen keinen Durchgang hatte.
Ein ziemlich mieses Ergebnis!
Viel konnte ich nicht kaputt machen, und ich wickelte den äußerst feinen Kupferlackdraht langsam ab.
Da endlich hatte ich bei dieser Uhr mal Glück.
Nach einigen Metern fand ich die schadhafte Stelle.
Nun hatte ich aber viel auseinander genommen und kannte nicht mehr die richtige Verschaltung; die Leitungen der Spulen sind ziemlich durcheinander verlegt.

Ich hatte den guten Einfall, Google einmal englisch zu bemühen: "Kundo electronic circuit"
(Funktioniert seltsamerweise inzwischen nicht mehr.)
Da fand ich den richtigen Stromlaufplan und konnte es wieder richtig zusammenlöten.

Ein Probelauf
Kundo_Test1.jpg
Und es funktionierte!
Wirklich beeindruckend finde ich, daß diese Uhr wirklich von alleine anläuft. Ich habe es jedenfalls nicht geschafft, das Pendel so ruhig zu stellen, daß sie es nicht tut.

Gäbe es keine Quarzuhren, so wären diese ATOs bestimmt immer noch Stand der Dinge und immer noch sehr verbreitet.
Das einfache, aber geniale Funktionsprinzip macht(e) sie so erfolgreich.


Alles Gute!

Ramses300.
 
Der Stromer

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Schöner Bericht! Vielen Dank. Und schön auch für die KUNDO, dass sie auch wieder die Zeit zählen darf!
 
fantomaz

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Superklasse!

Kannst Du noch mehr Bilder von dem Werk einstellen? Jetzt wo man es sehen kann?

Alexander
 
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Ramses300

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Hallo Forum!


Aktuelle Fotos habe ich noch nicht gemacht.
Ich werde versuchen, das nachzuholen.
Aber damals habe ich doch ein kleines Filmchen gemacht.
Solche findet man aber massenhaft bei YouTube.




Alles Gute!

Rasmes300.
 
thpsch

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Hallo Ramses300!

Danke für Deinen schönen Bericht.
Vor vielen Jahren habe ich in einem Uhrengeschäft eine magnetgesteuerte Tischuhr gesehen.
Bitte erläutere die Steuerung Deiner Uhr. Danke

Liebe Grüße
thpsch
 
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Ramses300

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Bitte erläutere die Steuerung Deiner Uhr. Danke
Die beiden Uhren unterscheiden sich etwas in der Steuerung.
Im Prinzip sind beides mechanische Pendeluhren. Das Prinzip eines freischwingenden Pendels, dessen Schwingungsdauer von der Pendellänge und der Gravitation abhängt, kommt hier zum Tragen.
Um die Reibungsverluste auszugleichen, ein Pendel würde sonst irgendwann einmal ausschwingen, muß Energie zugeführt werden.
Das geschieht bei beiden Uhren durch einen Stromstoß zur rechten Zeit durch eine Spule, was wiederum eine Kraft auf das magnetisierte Pendel bewirkt.
Im Werk der Junghans befindet sich ein Schalter, welcher durch das Werk betätigt wird und so den Strom zur rechten Zeit ein- und ausschaltet.

Im Spulenkörper der Kundo befinden sich zwei Spulen. Die eine bewirkt das gleiche wie bei der Junghans. Fließt durch sie ein Strom, so wirkt eine Kraft auf das magnetisierte Pendel.
Bei der zweiten Spule wird dieses Prinzip umgekehrt!
Das magnetisierte Pendel induziert mit seiner Bewegung eine Spannung, ein Strom fließt, durch welchen der Transistor einen Strom durch die erste Spule fließen läßt. Hier dient der Transistor als Schalter.
Insofern ist das Prinzip bei dieser Uhr recht genial, weil kein mechanischer Schalter mehr zum Einsatz kommt. Es handelt sich um einen elektromechanischen Schwinger. Das Werk hat überhaupt keinen Einfluß mehr auf die Steuerung des Schwingsystems.

Was mir nicht ganz klar ist, ob mit diesem Prinzip die Genauigkeit der Uhrwerke mit Schalter erreicht werden kann.
Bei genau gehenden mechanischen Uhren besteht die Kunst, dem System nicht unnötig viel Energie zuzuführen, weil das einen Einfluß auf die Konstanz der Schwingungsdauer hat.

Man könnte dies aber durchaus mit Hilfe eines regelbaren (anstelle des festen) Widerstandes steuern.
Der Widerstand begrenzt die Spannung der ersten Spule, die beim Abschalten des Stroms auftritt (induziert wird) und den Transistor zerstören könnte.
Mit diesem Widerstand kann die Dämpfung des Schwingkreises gesteuert werden.
 
thpsch

thpsch

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Hallo Ramses300!

Danke für die Beschreibung, wobei ich den Auslösevorgang für das Ein- beziehungsweise Ausschalten der Spulen nicht ganz verstanden habe.
Kannst Du das photograhieren/darstellen?

Herzlichen Dank und
Gratulation zu einer Besonderheit in unserer Uhrenwelt.
thpsch
 
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Ramses300

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Bei der Junghans befindet sich der Schalter dierekt am Uhrwerk, und er wird durch einen Hebel betätigt, der wiederum von einem Nockenrad betätigt wird, welches auf der gleichen Welle lagert, wie das Zahnrad, das vom Pendel "angeschubst" wird.
Junghans.jpg
Ich habe den Schaltkontakt mal markiert.

Bei der Kundo Electronic übernimmt wie gesagt der Transistor den Schaltvorgang.
Da kann man von außen nichts von sehen. Es führen nur zwei Leitungen direkt von der Stromquelle (Batteriezelle) in den Spulenkörper.
Kundo.jpg
 
thpsch

thpsch

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Hallo Ramses300!

Danke für die Bilder und die Erläuterung. Sehr interessante verschiedene Lösungen.
Ich habe jetzt den Text des Fadens noch einmal übeflogen, leider konnte ich nicht meine Frage nach der Ganggenauigkeit beantworten.

Liebe Grüße
thpsch
 
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Ramses300

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Hallo Forum!


Vor einiger Zeit machte meine Junghans ATO Probleme.
Sie ging von heute auf morgen massiv nach. Ich konnte das Pendelgewicht gar nicht weit genug nach oben drehen.
Dann blieb sie auch noch immer wieder stehen, was aber mit einer neuen Batterie behoben werden konnte.

Weil das Pendel etwas schief hing, machte ich den Fehler, das Pendel zu verdrehen.
Danach wabbelte es nur noch. Ursache: Pendelfeder gebrochen.
Neue bestellt (teuer! :shock: ) und lange darauf gewartet.
Nach Einbau läuft sie besser als je zuvor.

Ich bin der Meinung, daß nicht allein mein ungeschicktes, fahrlässiges Handeln am Pendel für den Schaden verantwortlich war.
Ein plötzliches Nachgehen noch dazu so heftig, kann nur aus einem Absacken des Pendels resultieren.

Jetzt zerschneidet sie aber wieder die Ewigkeit in kleine Häppchen.


Alles Gute!

Ramses300.
 
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Ultima 66

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Hi,

Ich bin seit paar Wochen auch stolzer Besitzer einer Kundo Elektronic.
Kundo ATO 02.jpg

Eher durch Zufall bei einen Trödelhändler entdeckt. Sie scheint doch nicht so häufig zu geben. Und gefallen hat sie mir von Anfang an.
Leider ging sie nicht im Laden und sah auch nicht so ansehnlich aus. Trotzdem konnte ich nicht wiederstehen.
Zu Hause habe ich den Sockel erst mal leicht gereinigt und die Elektronik durch gemessen. Die war in Ordnung.
Mit Hilfe aus dem Netz habe ich sie nun zum Laufen. Die muß richtig genau in Waage stehen. Und der Hebel am Pendel stimmte gar nicht. Das war bestimmt auch der Grund des Vorbesitzers, sie irgendwo eingemoddet gelagert zu haben.
Mein eigentliches Problem ist jetzt sie zum genauen Gang zu bewegen. Bis auf +/- 4 Min pro Woche bekomme ich die Uhr. Ich weiß nicht, ob diese Art der Uhren noch genauer gehen.
Ich habe dabei festgestellt, sie geht in der ersten Stundenhälfte so ne halbe Minute vor und verliert dann bis zu vollen Stunde diese halbe Minute.( +/- 4min/Wo). Ich habe das Werk selbst noch nicht gereinigt und auch nicht geölt. Denn dann fang ich mit der ganzen Prozedur wieder von vorn an. Aber warscheinlich muss ich das tun. Was meint Ihr dazu?
Ich kann mir nur vorstellen, das das Gewicht vom großen Zeiger diese Ungenauigkeit gepaart mit - ähm.. ohne öl hervor ruft.

@Ramses300. Vielleicht hat die Pendelfeder auch ein Problem. Ich hab aber zum Kauf einer Feder nix finden können. Hast Du einen Tip für mich?.

MfG Ultima 66
 
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Ramses300

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Hallo Ultima 66!


Diese "Ungenauigkeit" vor und nach der vollen Stunde hängt ganz sicher mit dem Spiel im Werk zusammen.
Dagegen habe ich auch keine Idee (darunter leiden meine Uhren z.T. auch).
Ölen wird daran bestimmt nichts ändern.

Ich habe vor einiger Zeit eine Pendelfeder für eine Kundo gekauft.
Die war für meine Junghans, und ich mußte das Werk dafür anpassen.
Bevor ich mir aber eine neue Pendelfeder besorgen würde, würde ich erst einmal schauen, ob die alte überhaupt beschädigt oder gar kaputt ist.
Bei meiner Junghans hat die neue Feder Wunder bewirkt; aber ich weiß nicht, wie stark sie vorher schon beschädigt war.

Wenn ich bei Ebay in der Suchmaske "Pendelfeder Kundo" eingebe, dann finde ich eine. Aber ich weiß nicht, ob diese mit knapp 17 Euro günstig ist oder nicht.
Es gibt aber diverse Uhrengroßhändler, die auch mit Zubehör handeln. Da könnte man natürlich auch nachfragen.


Alles Gute!

Ramses300.
 
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Ultima 66

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Hi,

Hab jetzt Uhr mal Öl gegeben. Der Hebel griff auch noch zu tief in Zahnrad. Sie ging noch rund 15 sek/d nach. Aber das Gewicht ist schon ziehmlich weit oben. Und habe ich ein Strich weiter auf plus gedreht, blieb sie immer kurz vor dreiviertel stehen. Ich vermute, es hat das Eigengewicht nicht mehr zum Ausschwingen gereicht. Und es wurde auch noch zu viel Energie zum weiter bewegen gebraucht.
Mal sehen, wie sie jetzt geht. Die Pendelfeder ist in Ordnung. Ist nichts von einer Beschädigung zu sehen.
Die Uhr hat einen gewissen Reiz, fordert sie mich doch schon gut raus. :D
 
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Ramses300

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Sie ging noch rund 15 sek/d nach. Aber das Gewicht ist schon ziehmlich weit oben.
Meine (Kaminuhr) hat in letzter Zeit auch solche Allüren. Ich habe festgestellt, daß sie nicht ganz gerade stand.
Im schlimmsten Falle läßt sich aber komplette durch die Spule führende Bogen ein Stück höher stellen, was wegen des Gewichts bestimmt einen gravierenden Effekt haben müßte.
 
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Ultima 66

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Auch wenn der Beitrag etwas älter ist,:|

möchte ich was zu meiner Kundo schreiben.
Ich habe der Uhr im Winter eine neue Pendelfeder spendieren müssen. Die alte Feder war geknickt und nach paar Wochen auch gebrochen. Ein Einstellen war nicht möglich, siehe alten Beitrag weiter oben. Die Feder war recht Teuer! Aber ich wollte die Uhr am Leben erhalten. Der Einbau war etwas erschwert, da der Sitz der neuen Feder minimal dicker ist.
Die Investition hat sich gelohnt! Ich brauchte nur 4-5 Tage zum Einstellen der Ganggenauigkeit. Seit dem läuft sie jetzt rund ein halbes Jahr ohne nachzustellen. Die Kundo geht zwar in der ersten halben Stunde 5-6 Sek vor, verliert die aber wieder in der zweiten Hälfte, so dass sie zur vollen Stunde wieder mit meinen Funkwecker überein stimmt. Die meisten Quarzer in meiner Sammlung schaffen das nicht mal, so lange ohne nachstellen genau zu Laufen. Ich bin echt beindruckt von der Uhr.
 
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Ramses300

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Die Laufgeschwindigkeit meiner Kundo, so habe ich inzwischen festgestellt, ist sehr vom Ladezustand der Batterie abhängig.
Die Junghans ebenso, zwar weniger, aber sie geht wesentlich sparsamer mit der Energie um.

Bei der Junghans könnte(!) ich mich aber irren, das ist bei ihr fast eine Sache von Jahren.
 
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ZG_Ganja

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Hallo liebe Community,

ich freue mich hier sein zu dürfen.

Vor einigen Tagen kam mir eine Magnetpendeluhr zwischen die Finger und ich musste sie sofort als Schmuckstück kaufen. Leider kann ich zu der Uhr wenig bis garnichts erzählen, da ich mich bisher nicht mit dieser Materie beschäftigt habe. Das Web spuckt verschiedene Angaben dazu aus, weshalb ich mich gezwungen sah mich hier zu registrieren und um Eure hilfe zu bitten.

Angeblich soll es eine Junghans aus den 1950er jahren sein, wurde mir von einem Uhrmacher erzählt. Die Uhr hat 2 gekreuzte Pfeile bei der Sekundenanzeige und im unteren Bereich steht in großbuchsaben ATO.
Hinter dem Pendel befinden sich Gravuren oder Einstanzungen untereinander.Erst eine Zahl 115362, darunter wieder die 2 gekreuzten Pfeile und darunter steht D.R.P. .
Ich weiss aus dem Web das dass Pfeilkreuz 1891 als Warenzeichen eigetragen wurde, und Junghans um 1930 die Firma H.A.U übernommen hat. Woraufhin H.A.U glöscht wurde.

Was mich aber stutzig macht ist, warum produtiert Junghans Uhren mit dem Zeichen von Pfeilkreuz und benutzen nicht ihr eigenes Logo. Oder wie sonst auch mit ATO im Junghansstern ( 6 oder 8 eckig ) ?

Schaut sie euch selber mal an, und vieleicht weiss ja Jemand von Euch mehr über diese Uhr.
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Vielen dank für Eure mühen schon im voraus.
LG ZG_Ganja
 
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Der Stromer

Der Stromer

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Hallo und grüß Gott, Ganja.

Herzliches Willkommen hier im Forum.

Ich will Deine Fragen zu dieser schönen Uhr mal beantworten:
Die eigentliche Idee zu einer Uhr mit diesem Magnetpendel-Antrieb stammt von dem Franzosen Léon Hatot und seinem Techniker Marius Lavet - der Erfinder des Schritt-Motor für Uhren, wie er noch heute z.B. in Quarzuhren Verwendung findet. Dieser Magnetpendel-Antrieb wurde 1923 von Hatot zum Patent angemeldet.
Zur Funktion: Das Uhrwerk wird durch das Pendel angetrieben und nicht wie sonst üblich, das Pendel über das Uhrwerk durch Gewichte oder Zugfeder, etc.
Durch einen Kontakt, der entweder direkt von der Pendelstange, oder wie bei dieser Uhr durch einen Hebel, der vom Zahnrad im Werk betätigt wird, kurz geschlossen und damit ein magnetischer Impuls in der Spule erzeugt wird, der dem Pendel einen kleinen Bewegungsimpuls gibt, der die Verluste durch Reibung (Werk) und Luft ausgleicht.
Der Stromverbrauch liegt bei ca. 85µA pro Schaltung, also wird eine 1,5 Volt Zelle ca. 4 Jahre (wenn sie sich vorher nicht selber auffrisst) halten. Die ursprünglichen Zellen waren Sauerstoff - Kohle - Zellen, heute gehen natürlich auch "normale" Zellen wie z.B. AA, Baby oder LR20.
Léon Hatot hat Lizenzen zum Bau von Uhren z.B. ins "Deutsche Reich" vergeben. Aber es gab eine Einschränkung: die Werke mussten auch weiter von ATO (Léon Hatot) bezogen werden. Die Gehäuse konnten frei gestaltet werden. Der erste Lizenznehmer war die Firma die Firma Haller & Benzing (H&B) um 1924. Von H&B wurden bis zum Konkurs 1929 ca. 15.000 Uhren nach Hatot (ATO-Uhren) hergestellt. Danach übernahm die Firma HAU (Hamburg-Amerikanische-Uhrenfabrik) mit Zustimmung von L. Hatot die Lizenz und stellt weiter Uhren nach diesem System her. Dazu gehörten inzwischen auch Zentraluhren für Uhrenanlagen mit bis zu 100 Nebenuhren. Auch die HAU kam in finanzielle Schwierigkeiten und Junghans wurde Federführend und baute ebenfalls Uhren nach dieser Lizenz, die aber von Hatot angefochten wurde! Inzwischen hat die Firma KUNDO die Lizenz erworben und Junghans klagte - und verlor 2 Mal: einmal durfte KUNDO seine Werke weiter bauen und zweitens musste Junghans eine Strafe an Hatot nach den verloren Prozess 1953 zahlen.
Also, Hersteller in Deutschland waren 1.) H&B, 2.) Hau, 3.) Junghans (ohne Lizenz) und KUNDO. Bereits im Jahr 1956 gelang es KUNDO (der TRANSISTOR wurde erst 1948 von den Bell-Laboratories in USA entwickelt) vor seinen Mitkonkurrenten und sogar noch vor L. Hatot, den mechanischen Kontakt durch eine Transistorsteuerung zu ersetzen. Das war 1956 die Sensation schlecht hin und das Werk wurde mit der Bezeichnung EM1000 - Elektrisches Magnetpendelwerk 1000 Tage - in allen Fachzeitungen beworben. Hatot stellte sein Transistorwerk erst 1962 vor.

Deine Uhr stammt von der HAU (Markenzeichen Pfeilkreuz) aus ca. 1928 - 30. Sie hat einen mechanischen Kontakt. Bitte diese Uhren niemals mit höheren Spannungen betreiben. Für die "Normalen" war wirklich nur eine Zelle mit 1,5 Volt vorgesehen. Der Kontakt ist ein "Schließer". Das heißt, jedes Mal, wenn der Forstschalt-Hebel das Uhrwerk um 1 Zahn weiter schaltet, wird auch der Kontakt sehr kurz geschlossen. Dadurch entsteht in der Magnetspule - die zweite war nur bei den Mutteruhren auch eine Spule - ein Magnetfeld, das die Verluste des Werkes und des Luftwiderstandes ausgleicht und so das Pendel in Bewegung hält.
Richtig Justiert sind diese Uhren absolut genau und können auch mit PPU`s mithalten.

Ps.: Hinter dem Pendel befindet sich eine Patent-Nummer: D.R.P. xxxxx Da kannst Du ja mal im DEPATIS-Net mal nach schauen.

Leider ist mir kein Serien-Nummern-Verzeichnis der ATO-Uhren bekannt. So wird also das genaue Herstellungsdatum ein Geheimnis bleiben. Trotzdem: Viel Glück zu diesem schönen Schnäppchen und behandle sie gut.

Warum Junghans "fremde" Marken verwendete? Das lag wohl in der "Natur" der Junghänse! Zum Beispiel wurde auch die Marke GB weiter verwendet, ebenso dann das Pfeilkreuz. Aber speziell bei den ATO-Uhren war Junghans wohl stolz auf seine Entwicklungen im Bereich der Uhrenanlagen und verwendete (bis zum Urteil des Gerichtes) seine eigene Marke, den Stern.

Später "durfte" Junghans dann Uhren mit ATO-Werken offiziell bauen: Aber auf den Werken steht dann ATO Lic. Also ATO - Licence. Das waren aber alles sog. Schwingpendelwerke, auch eine Entwicklung von Hatot und Marius Lavet.
 
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ZG_Ganja

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Hallo,

ich möchte mich für die sehr ausführliche geschichtliche Unterweisung bedanken. Das hört sich zwar jetzt böse an, aber mir ist es egal ob die Uhr ihren job macht oder nicht, ich finde sie einfach nur schön.

Nochmals vielen lieben dank, für Deine sehr interessante Erzählung. Ich werde sehr darauf aufpassen ;) , und vieleicht eines Tages doch einmal mit einer neuen Batterie versorgen.

Danke und liebe Grüße,
Ganja
 
Der Stromer

Der Stromer

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Neue Batterie ist sicher kein Problem, nur auf richtigen Anschluss achten. Sonst zählt sie nicht die Zeit:)!
 
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ATO Magnetpendeluhren

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