Amerika II: Präzisionsfetisch – Hamilton Mod.22

Diskutiere Amerika II: Präzisionsfetisch – Hamilton Mod.22 im Taschenuhren Forum im Bereich Vintage-Uhren; Hallo allerseits! Eine Vorstellung zum Amerika-Genre etwas abseits des Mainstream riskier' ich noch: Hamilton Chronometer Mod. 22./~1942+...
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moskau

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Hallo allerseits!

Eine Vorstellung zum Amerika-Genre etwas abseits des Mainstream riskier' ich noch:

Hamilton Chronometer Mod. 22./~1942+

Ein recht prominentes und wahrscheinlich gelungenes Beispiel - dass sich die Innovation im amerikanischen Uhrenbau keineswegs mehr oder weniger auf die zweite Hälfte des 19. Jhdts beschränkt - ist ein Exemplar, das Vielen bis heute als die präziseste jemals in Großserie produzierte, tragbare mechanische Uhr gilt:
(Das Teil gibt es sowohl im Chronometerkasten mit kardanischer Aufhängung, als auch im doch deutlich handlicherem B_Uhren Gehäuse, wie das hier vorgestellte Exemplar).
Von diesem 'non gimbaled' B-Uhren Modell wurden beginnend mit 1941 an lediglich 9780 Stück hergestellt. Die ersten Stücke wurden 1942 ausgeliefert und das Modell 1948 von der U.S.Navy aus dem aktiven Dienst eingezogen (vgl. 'Militär Taschenuhren' Steffen Röhner. Callwey . München 1992).

Die Gangleistung gut erhaltener Exemplare ist bei revidiertem und sorgfältig reguliertem Werk phänomenal:
Der Fehlgang kann sich dann erfahrungsgemäß durchaus im ein-, höchstens zweistelligem Sekundenbereich pro Monat(!) bewegen.

Sein sehr klar ablesbares Blatt entspricht seinem Verwendungszweck als Instrumentenuhr, und die Gangreserve Anzeige hilft, die Federkraft im optimalen Bereich zu halten.

01_Dial22.jpg

Das Gehäuse mit Innendeckel ist alles andere als schön – wie das ganze Erscheinungsbild der Uhr eher utilitaristisch und wenig dekorativ ausgerichtet .

02_Back22.jpg

Allerdings finde ich, dass das Werk an sachlicher Attraktivität kaum zu schlagen ist.
Und seine inneren Werte sind phänomenal. Hier dient alles der präzisen Zeitmessung:
Eine 60 Inch(!!!) lange Aufzugsfeder garantiert, dass lediglich der annähernd völlig lineare Mittelteil der Federkraft genutzt wird – der federleichte, aber verhältnismäßig riesige Unruhreif mit Invararmen und 'Elinvar extra' Spirale mit aufgebogener Endkurve, garantiert weitgehend temperaturstabiles Verhalten und die 6 fache Positionsregulierung scheint eigentlich - angesichts des hauptsächlich horizontalen Transports und ebensolcher Verwendung - beinahe nur noch der Vollständigkeit halber sichergestellt.
Die 21 Lagersteine und die Mikrometerfeinregulierung muss man kaum erwähnen.

03_Move22.jpg

03_MoveDet22.jpg

Die Uhr ist mit Sicherheit eine Ausnahmeerscheinung – nicht nur als technische Bravourleistung, auch ihre Größe ist nicht wirklich herkömmlich (lancashire gauge - 35 size(!) also etwa 70mm). Sie als Taschenuhr zu verwenden, wäre auch mit monströsen Taschen verwegen.


Die kleine Schwester (oder der Vollständigkeit halber, doch noch ein wenig 'Mainstream'):
Hamilton Navigation Masterwatch GCT/4992b mit 24h Indikation

Die in jeder Hinsicht kleinere Schwester, die GCT mit echter 24h Indikation ist natürlich gegen diesen recht einzigartigen Ansatz des Präzisionuhrenbaus eher Alltagsgemüse (es existieren noch immer beträchtliche Mengen dieser zweifellos guten Uhr – allerdings in meist stark mitgenommenen Zustand - was durch ihren primären militärischen Verwendungszweck nahe liegt).
Ich habe bzw. hatte wahrscheinlich an die 5 oder 6 Stück – sie haben sich als recht nützliche Tauschobjekte herausgestellt, geblieben sind nur wenige.
Darunter eine mit einem Begleitschreiben und Bild des Navigators eines B 52 Bombers - dem ursprüngliche Besitzer der Uhr – der in dem Brief den Einsatz der B-Uhr dokumentierte.

Und das folgende Exemplar, das hauptsächlich durch seinen vollkommen neuwertigen Zustand interessant ist.
Einen wie immer gearteten militärischen Einsatz hat diese Uhr nie gesehen.

Hier noch ein paar Bilder der Uhr, deren Werk (das 4992b) leicht erkennbar auf dem 992b – dem letzten bis etwa Anfang der 70er produzierten amerikanischen RR- Werk basiert.

01_488b_DialL.jpg

04_488b_Back.jpg

02_488b_MoveLittle.jpg

03_488b_MoveDetail.jpg

(Hamilton hat diese Stücke noch bis Mitte der 1970er an interessierte Sammler abgegeben – wie der folgende Brief zeigt,für den selben Preis, der auch von der Armee bezahlt wurde.)

HamiltonLetter.jpg

Obwohl diese Uhr eher sammlerische Alltagsware ist und in einer unvergleichbar anderen Liga spielt, wie der obige Hamilton 22 Chronometer, trotzdem ein recht gutes TU-Kaliber (es gibt von Waltham und Elgin entsprechende GCT-Modelle.)

Und man kann sie etwas leichter in Taschen verstauen.

Abschließend noch mal vielen Dank für Eure Geduld,
Grüße, Harald
 
S

Schnupperfuss

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Hallo Namensvetter
Sehr schöne Taschenuhr die du uns hier zeigst.:super:


Gruß Harald
 
F

Forget_ Time

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wieder ein hochinteressanter Artikel von Dir. Die Feinregulierung erinnert mich an das ZENITH cal 135.
Kleine Korrektur: "zweite Hälfte des 19. Jhdts beschränkt " Du meinst aber "zweite Hälfte des 20. Jhdts beschränkt"?
 
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moskau

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Hallo!
Kleine Korrektur: "zweite Hälfte des 19. Jhdts beschränkt " Du meinst aber "zweite Hälfte des 20. Jhdts beschränkt"?
Nein - keineswegs - das stimmt schon so!

Die wesentlichsten Innovationen des amerikanischen Uhrenbaus fanden zum Großteil in der zweiten Hälfte des 19. Jhdts. statt (in etwa zwischen 1855- 1885).
Ich hatte das versucht ein wenig in meinem Beitrag über Edward Howard anzureissen.
Im 20. wurde dem nur noch Weniges hinzugefügt, was an innovativer Strahlkraft und Konsequenz vergleichbar gewesen wäre. Aber manches eben doch...wie zum Beispiel diese Uhr.


Gruß, Harald
 
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carpediem

carpediem

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Sehr schöne Uhr, wirklich Klasse Vorstellung und auch tolle Fotos vom Werk !
Ich selbst besitze einige Hamilton Exemplare. So eine ist mir leider noch nicht untergekommen.

Viele Grüße...carpediem
 
MAP254

MAP254

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Wieder eine schöne und interessante Vorstellung mit ausgezeichneten Bildern.
Danke für die Information.
Liebe Grüße
Manfred
 
RiGa

RiGa

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Ich hab's ja weder so mit Vintages noch mit Taschenuhren (wenn man denn hier davon überhaupt sprechen darf).

Aber dieser Bericht (ich gehe von der Hoffnung aus, daß es sich hier um in Deinen Besitz befindliche Uhren handelt) hätte im Nichtauffindfall doch eine gewisse Lücke hinterlassen.

Danke, Harald!

Ob der Vielfalt im Uhrenuniversum immer wieder staunenden Gruß,
Richard
 
Peter Becker

Peter Becker

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Ja, eine wirklich sehr lehrreiche Geschichte,die ich mir sofort ausgedruckt habe.

Ich besitze ja auch einige Schätzchen von Elgin und Hamilton, als erstes waren mir damals die wunderschön bearbeiteten Werke aufgefallen und dann im Nachhinein habe ich festgestellt,dass sie,trotz der vielen Jahre, sehr genau laufen.

Viele Grüsse

Peter
 
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moskau

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Hallo!

Vielen Dank für die netten Worte an alle!

Es freut mich vor allem besonders, wenn man das Interesse von Menschen wecken kann, die sich nicht von vornherein der Taschenuhr verschrieben haben.

Meine Freundin und ich planen ja schon seit einiger Zeit eine Website, die sich unserer Sammlung widmet - und in Bruchstücken war sie ja auch schon online (u.a. auch die Hamilton 22)- aber es fehlt im Moment einfach die Zeit...also ist dort alles wieder auf Anfang.

Harald
 
T. Freelancer

T. Freelancer

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Hallo,
Vielen Dank für die Vorstellung der beiden amerikanischen Taschen- bzw. Präzisionsuhren, Harald.
Ich glaube in Wort und Bild setzt sie für mich im Moment die Massstäbe für eine TU-vorstellung, auch wenn sicherlich hinter dem kurzweilig zu lesenden Text auch noch viele Details zu den Uhren schlummern.

Gruss
Romanus
 
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vestus1

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Auch ich bin eher den Nicht-Taschenuhr-Kenner.
Danke für die Erweiterung meines Uhren-Horizonts; die technischen Details in deiner interessanten Vorstellung sowie die Fotos sind beeindruckend.
Hut ab vor den Altvorderen!
Grüße
Reinhard
 
Peter Becker

Peter Becker

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Ich hatte mich ja eigentlich den Vintage Armbanduhren von Glashütte verschrieben, bin aber irgendwann auf die Taschenuhr gestossen,wie
gesagt,die wunderschön beareiteten Werke der US-Uhren hatten mich in ihren Bann gezogen und so lebe ich im Moment etwas meine
Liebe zur Taschenuhr aus.... seither achte ich beim Jeans Kauf,darauf,dass eine 5 cm Taschenuhr auch in die kleine Innentasche passt.
 

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TUL1892

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Schöner Beitrag und um das mal anzumerken auch schöne Bilder. Ich habe selbst eine Elgin GCT und eine nah verwandte 478 die wirklich sehr gute Gangwerte bringen. Jedoch nicht vergleichbar mit der zuerst aufgeführten Hamilton. Das originale Gehäuse der GCT ist übrigens im Nebel der Zeit verschwunden. Das Werk an sich jedoch in einem guten Zustand. Vielleicht hab ich ja irgendwann mal Glück und bekomme ein passendes Gehäuse...

Ich würde vermuten, dass die GCT die heute noch im Umlauf sind primär aus ehemaligen Beständen der Luftwaffe sind? Bei der Marine dürfte die salzhaltige Luft sehr zugesetzt haben. Wurden die eigentlich auch beim Heer eingesetzt? Kann da jemand was sagen?


Hier noch ein ergänzender Link:
Military Watch Museum


Gruß Thomas
 
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mahlekolben

mahlekolben

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Tolle TUs, tolle Bilder - wahnsinn!

Schon alleine die Feinregulierungen bringen mich ins Schwärmen.

Vielen Dank!!!
 
Thema:

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