Alte (Spindel)TU: Welche Lagen für Langzeitbeobachtung?

Diskutiere Alte (Spindel)TU: Welche Lagen für Langzeitbeobachtung? im Taschenuhren Forum im Bereich Vintage-Uhren; Hallo in die Runde! Es geht um die Ganggenauigkeit einer sehr alten TU. Wenn man die Abweichung über einen "Durchschnittstag" mit üblichen...
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Matthias MUC

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Hallo in die Runde!

Es geht um die Ganggenauigkeit einer sehr alten TU. Wenn man die Abweichung über einen "Durchschnittstag" mit üblichen Tragegewohnheiten ermitteln will, geht es ja bei einer Armbanduhr oder einer TU, die für normalen Werktag nicht zu empfindlich oder zu wertvoll ist, einfach: Tragen wie gewohnt und gut.
Wenn man das nicht möchte (weil die betreffende Uhr zu wertvoll, zu empfindlich etc. ist), welche Lage(n) für wie lang wären da bei einer TU am sinnvollsten? Den ganzen Tag flach im Etui (ZB oben) käme der Uhrentasche in der Jeans am Bürositzplatz nahe, aber ganztags eher unrealistisch. Krone oben wie in der Westentasche oder wenn man aufrecht steht?

lG Matthias

PS.: Zeitwaage scheidet aus. Das Corpus Delicti ist eine Spindeltaschenuhr, die meine Weishi in den galoppierenden Wahnsinn treibt...
PPS.: Wie sollte man's speziell mit einer Spindel-TU mit dem Aufzug halten bei solchen Beobachtungen? Ganz genau wäre wohl, in jeder Lage einmal eine volle Gangdauer ablaufen zu lassen und im Stundentakt Sollzeit <> Istzeit vergleichen....
 
Schraubendreher

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Hallo Matthias,

wie eine Spindeltaschenuhr geht, ist doch völlig nebensächlich. Hauptsache sie läuft überhaupt. Gangabweichungen bis zu 15 Minuten am Tag oder mehr sind absolut akzeptabel. Lass sie so laufen, wie Du sie in der Vitrine oder dem Schrank liegen hast und gut. Ich rate ohnehin davon ab, so alte Uhren regelmäßig aufzuziehen. Das sorgt nur für unnötigen Verschleiß im Werk, insbesondere an der Spindel. Und wenn Du sie ohnehin nicht trägst, ist der Gang doch vollkommen egal. Erfreue Dich an der Funktion.

Völlig unabhängig von der Spindelhemmung gibt es bei Taschenuhren ohne Chronometerprüfung ohnehin nur zwei wichtige Lagen: Glas oben im Schrank und Krone oben in der Jackentasche. In der Hosentasche werden Taschenuhren klassisch nicht getragen.

Bis dann:
der Schraubendreher
 
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Matthias MUC

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Naja, das ist schon Taschenuhrenehre, wenn, dann so genau wie nur möglich zu laufen. Die alte Lady dürfte lt. Uhrmacher um 1820 entstanden sein, leider keinerlei Signaturen, im Deckel "GH" oder evtl. "HD"? im Oval, "T13", zwei winzige "Halbmonde" und zwei winzige "Stiefelchen" als Punzen im Boden, sonst nix, Unruhbrücke verziert, ansonsten sehr schlicht, Gehäuse ist guillochiert und mit verziertem Rand, kein Überghehäuse vorgesehen. Tippe auf Schweizerin oder Französin, da R und A beim "Rücker" oder wie das Ding bei den Spindeln heißt. Fotos mache ich mit Muße, wenn ich den Halb Vorstellungs-, halb Bestimmungsthread mache. Laut Rechnung 2010 repariert worden (Kettenendstück ersetzt, Werk gereinigt, Zugfeder neu, Spirale neu, Sperrrad, Wechselrad neu, Gang eingestellt, Zeiger entrostet, Glas neu, alles für 350€. Der Meister hat für solche Oldies offenbar ein Händchen und einen guten Ersatzteilfundus. Die alte Lady möchte ich schon doch gelegentlich würdig ausführen, nicht ständig, und sicher seltener als meine andere gut 100 Jahre jüngere Robert-Winter-Buser-Art-Deco-Savonnette, die öfters mal mit darf.

Was das Tragen betrifft: Zumindest die Arbeitertaschenuhren dürften regelmäßig am kurzen Kettchen in der kleinen Extratasche der traditionellen Jeanshosen getragen worden sein (schreibt sogar Mikrolisk), und so führe ich zumindest die genannte Savonnette (Deckel = robust) aus. Klassische Weste mit Uhrtasche, sowas besitze ich nicht mal.... Meine alte Spindellady käme natürlich nie ohne Etui in diese Tasche.

Zum Stand: Hab die alte Lady heute Mittag aufgezogen und sie hat bis jetzt auf 5h50' mit Krone nach oben 3 Minuten verloren. Das ist.... phänomenal für so eine alte Lady...

lG Matthias
 
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holli

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Hallo Matthias
vorweg erstmal Spindeltaschenuhren sind keine Quarzuhren.;-)
eine funktionfähige Spindeluhr sollte in allen Lagen die ganze Kette ablaufen.
Die Ganggenauigkeit ist für mich eigentlich sekundär,sollte aber nicht mehr als +/- 15 min in 24 Stunden ( eigene Vorgabe von mir für meine Spindeltaschenuhren) betragen.
Wenn man die Uhr langsam aufzieht merkt man sehr gut wann die Kette von der Schnecke komplett auf dem Federhaus ist.

Meine 11 Spindeltaschenuhren sind zwischen 170 und 260 Jahre alt ,funktionieren und haben alle eine Ganggenauigkeit von ca. +/- 10 min in 24 Stunden.
ab und zu trage ich sie auch:-)

"Die Spindelhemmung ist auch recht störanfällig und besitzt eine durch ihre Bauart bedingte Ungenauigkeit (wie alle rückführenden Hemmungen). Wenn eine Taschenuhr mit Spindelhemmung "nur" 5 Minuten am Tag falsch geht, so hat man schon eine "genau" gehende Taschenuhr!"
Quelle:Mikrolisk
 
Spindel

Spindel

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Habe ja auch einige Spindeluhren.Alle funktionieren.90 % habe ich alle selber wieder zum laufen gebracht.Von gerissener Kette,gebrochene Federn oder fehlender Spindellappen.Eigentlich fast alles.Sogar Zeiger habe ich selber hergestellt.
Spindeluhren stehen in meiner Sammel Leidenschaft an erster Stelle.
Ganggenauigkeit bei den alten über 200 Jahre alten Uhren interessiert mich nur nebensächlich.Toll wenn mal eine genau geht.Aber wenn sie 15 vor oder nachgeht interessiert mich weniger.Ich erfeue mich an ihrem herlichen Klang und das die Kette komplett abläuft.
Ca. 2 mal im Jahr werden sie rausgeholt ,aufgezogen und bei der Gelegenheit mit Putztuch zart gereinigt.Silber hat nun mal seine Tücken.

Meine 11 Spindeltaschenuhren
Schau an der Günther.:super: Kann mich noch gut erinnern als du dir mal eine anschaffen wolltes.;-)

Gruß Roland
 
Schraubendreher

Schraubendreher

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Hallo Matthias,

eine Spindeltaschenuhr ist keine Arbeiter-Taschenuhr. Im übrigen behaupte ich mal, dass in den 20er Jahren niemand, der schwere körperliche Arbeit leisten musste eine TU dabei hatte.

Aber eine Spindel-TU ist In erster Linie kein Zeitmesser. Das ist ein Prestigeobjekt. Und zur Zeit seiner Herstellung noch deutlich mehr als heutzutage. Der Gegenwert dieser Uhr zu ihrer Zeit dürfte heute dem eines Mittelklassewagens entprechen. Solche Uhren wurden nur zu besonderen Gelegenheiten ausgeführt und dienten dann eher repräsentativen Zwecken als zur Zeitmessung. Die Uhr wurde dann vor Benutzung nach der Kirchturmuhr (damals das genaueste Zeitsignal) gestellt und dann beim großen Auftritt vor Adeligen und Großbürgern demonstrativ aus der Tasche gezogen und präsentiert.
(„Uuuh, der hat eine Uhr in der Tasche. Der muss richtig reich sein!“ :klatsch:)

Die ersten präzisen tragbare Uhren mit weiterer Verbreitung waren die Eisenbahnertaschenuhren. Ansonsten bestand Bedarf nach präzisen mobilen Zeitmessern nur bei der Marine und die hatten ihre Chronometer in ihren Kästen. Alle anderen Institutionen hatten ihre Wand- und Standuhren. Für genauere mobile Zeitmessung im privaten Bereich bestand kein Bedarf. Wozu auch? Es gab ja die Kirchturmuhr und eventuell Hausuhren.

Das solltest Du Dir klar machen, wenn Du Deine Spindeluhr betrachtest. Das ist ein Stück Zeitgeschichte. Das ist ein prächtiges Stück Technik. Das ist eine absolute Luxusuhr.
Aber das ist kein Präzisionsinstrument und erst recht keine Alltagsuhr. Das war sie nicht als sie neu war und die vergangenen 200 Jahre haben nichts daran geändert.

Viel Spaß mit Deiner tollen Uhr. Ich bin ein bisschen neidisch. ;-)
Der Schraubendreher
 
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Matthias MUC

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Das ist mir schon klar, daß diese Spindeluhr dunnemals in keinem Jeanshosensack zuhause war :-D - ich weiß leider nicht mal, wie die in unsere Familie gekommen ist. Als ich die entdeckt habe beim Ausräumen, waren alle, die ich hätte fragen können, bereits 6 feet under.... Ich hätte mögliche Kandidaten des entsprechenden "Standes" als potentielle Eigner in meiner Ahnengalerie (von einer Seite eine alte böhmische Glasmacher- und Spiegelbelegerdynastie), aber das wird nur Vermutung bleiben. Die Spindel wird wie auch die oben genannte 100 Jahre jüngere Savonnette dieses Geheimnis für sich behalten, wobei die Savonnette mit deutlichen Spuren schonenden aber regelmäßigen Gebrauchs vermutlich durchaus eine in der Westentasche getragene Alltags- und "Arbeits"-uhr möglicherweise eines Beamten, Oberlehrer etc., oder einer sonstigen "Respektsperson" ohne Schmutzige-Hände-Job gewesen sein dürfte (Kandidaten einige von der ganz anderen Seite der Vorfahren, aber wieder nur Vermutung). Die Arbeitertaschenuhren in den Uhrentaschen der Jeans waren dann eher die Rosköpfe & Co (leider nichts dergleichen im Nachlaß) oder später welche wie die leider völlig abgeranzte, inzwischen jeder Zeitwaage spottende Kienzle Markant mit 146/30, die ich meine, bei meinem Vater früher in Benutzung gesehen zu haben, und die ihm vom Zeitlichen her in Studentenzeiten oder spätestens zum ersten Job zugelaufen sein müßte (eher als Geschenk als selber gekauft?).

Nichtsdestotrotz freu ich mich gerade, daß die geheimnisvolle alte Lady inzwischen jetzt, nach knapp 10h insgesamt nur 4 Minuten verloren hat (besser als die Kienzle allemal), und ja, da werd ich's wie @holli halten, die darf auch mal "raus".

lG Matthias
 
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Schraubendreher

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Hallo Matthias,

natürlich sollst Du die alte Dame mal austragen, die muss ja schließlich auch mal an die frische Luft. :super:

Viel Spaß dabei.
Der Schraubendreher
 
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Matthias MUC

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Ja, vielleicht komm ich am Wochenende dazu. Ein paar schöne Fotos in die Eingeweide sind ja nicht mehr soooo simpel klick und fertig.
lG Matthias

PS.: auf nunmehr 24h hat die Lady 7 Minuten liegen lassen. Das ist doch mal eine Ansage. Für Bauart und Alter eigentlich chronometermäßig :D , spricht für die Uhr und den Uhrmacher.
 
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holli

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Matthias,
ich will ja nicht drängen,aber wo bleibt die Vorstellung der "alten Lady";-)
 
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Matthias MUC

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Jaaaa… ist nicht vergessen. Ich möchte das nicht hopplahopp machen, das hat die alte Lady mit ihren Geheimnissen nicht verdient. Mit ein paar nach meinen Möglichkeiten optimalen Fotos etc....
lG Matthias
 
Thema:

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