Aktuelle Großuhrwerke mit schleichender Sekunde: Wie funktionieren die?

Diskutiere Aktuelle Großuhrwerke mit schleichender Sekunde: Wie funktionieren die? im Sonstige Uhren Forum im Bereich Uhren-Forum; Sorry, noch eine Großuhrenfrage, man merkt ich überlege an einem Projekt rum: Wie funktionieren eigentlich die aktuell zu kaufenden Quarzuhrwerke...
A

ausserirdischesindgesund

Themenstarter
Dabei seit
11.06.2019
Beiträge
32
Sorry, noch eine Großuhrenfrage, man merkt ich überlege an einem Projekt rum:

Wie funktionieren eigentlich die aktuell zu kaufenden Quarzuhrwerke mit schleichender Sekunde? Hat man da einfach den gleichen Schrittmotor wie bei denen mit 1s-Tick, nur halt öfter angesteuert und mit anderem Räderwerk (z.B. 4 mal pro Sekunde) oder sind die mechanisch den Stimmgabelwerken ähnlicher (mit einem feinen Zahnrad in das eine vibrierende Sperrklinke eingreift)? Oder ganz anders? Oder gibt es da mehrere konkurrierende Prinzipien?

Gibt es da vielleicht irgendwo im Internet eine technische Beschreibung (ich hab trotz Googeln nicht wirklich was gefunden).

Und: Wie schaut da der Batterieverbrauch und die Zuverlässigkeit im Vergleich zum "traditionellen" Quarzwerk aus, muß man da die Batterie merkbar öfter wechseln, oder bleiben die eher mal hängen (billige Großuhrenquarzwerke kenne ich sowieso nicht als Hort der Zuverlässigkeit,
manchmal ist das Werk noch vor der Batterie hin).

Danke im Vorhinein,
Ralph
 
Rainer Nienaber

Rainer Nienaber

Uhrenhersteller, Nienaber
Dabei seit
28.10.2010
Beiträge
3.486
Ort
O W L
Die laufen im Prinzip statt mit einem Schritt pro Sek. mit 32 oder 64 Schritten pro Sek.
 
Oelfinger

Oelfinger

Dabei seit
03.11.2007
Beiträge
5.831
Beim Lavet-Schrittmotor handelt es sich um einen einphasigen Schrittmotor, der elektro-mechanischen Quarz- und Funkuhren als Antrieb dient und für die „springende Sekunde“ des Sekundenzeigers verantwortlich ist.[1][2] Durch Miniaturisierung kommt er in Armbanduhren zum Einsatz und benötigt dabei nur sehr wenig Leistung, womit ein jahrelanger Batteriebetrieb möglich ist. Als Erfinder dieses Motors gilt der französische Ingenieur Marius Lavet, der das Funktionsprinzip 1936 im Patent FR823395 beschrieb.

Lavet-Schrittmotor – Wikipedia

Welchen Antrieb haben dann Quarzuhren mit schleichender Sekunde? Oder wird der Sekundenzeiger separat (eigener Motor) angetrieben?
 
O

OWLer

Dabei seit
21.07.2018
Beiträge
263
Welchen Antrieb haben dann Quarzuhren mit schleichender Sekunde? Oder wird der Sekundenzeiger separat (eigener Motor) angetrieben?
Der Schrittmotor wird durch FlipFlops angesteuert. Die Teilen die Frequenz des Schwingquartzes solange durch zwei bis man die gewünschte Frequenz zum Ansteuern des Motors erhält - bei Armbanduhren mit springender Sekunde ist das üblicherweise 1Hz (Motor macht 0,5 Umdrehungen/sec). Pro eingehendem Impuls macht der Lavetmotor eine halbe Umdrehung. Bei einer Uhr mit schleichenden Sekunde lässt man einfach ein paar Teilerstufen weg und erhält z.B 8 Hz. Der Lavet-Motor dreht sich dann 4 x Mal pro Sekunde und der Zeiger läuft schon flüssiger. Dazu muss die Übersetzung Schrittmotor/Sekundenzeiger geändert werden. Allerdings hat man dann erhöhte Reibungsverluste, was man sich bei einem Großuhrwerk angesichts der großen Batterie aber leisten kann. Bei der Kleinuhr ist das problematisch, weswegen sich schleichende Sekunden dort kaum durchgesetzt haben.

In diesem Video von Phalos ist das sehr anschaulich dargestellt, vor allem weil die Teilerstufen (die gestapelten Platinen links) noch diskret aufgebaut sind. Der Motor ist heute aber weniger aufwendig ausgeführt:

@ausserirdischesindgesund
Der Aufbau eines Uhrwerks mit schleichender Sekunde ist also im Prinzip gleich, außer das ein paar Teilerstufen/Flipflops fehlen und die Übersetzung des Sekundentriebs anders ist.
 
Zuletzt bearbeitet:
Oelfinger

Oelfinger

Dabei seit
03.11.2007
Beiträge
5.831
@OWLer danke für die für Laien gut verständliche Erklärung!
 
LERVIN

LERVIN

Dabei seit
18.11.2014
Beiträge
402
Ort
Kreis CLP
@OWLer
tolle Uhr! Die dürfte seinerzeit ziemlich teuer gewesen sein. Wie lange hält denn die Baby-Zelle? Der Verschleiß dürfte sich, bedingt durch die hohe Schwingfrequenz der Unruh, deutlich erhöhen gegenüber den üblichen elektromechanischen Werken.
 
U

uhr_10

Dabei seit
02.10.2010
Beiträge
1.382
Der Motor ist heute aber weniger aufwendig ausgeführt:
Das ist mMn kein Lavet, auch wenn ich die Ausführung noch nie gesehen habe. Frühe Uhren hatten Spaltpol- bzw. Reluktanzmotoren. Mit richtigen Lagern etc... Grundsätzlich ist der zugrunde liegende Effekt gleich.
Der höhere Energieverbrauch kam u. a. durch die Elektronik und die schlechteren Spaltmaße.

Die Lavet-Bauweise hat sich produktionsökönomisch durchgesetzt - sie ist am einfachsten / billigsten zu fertigen. Die werden zusammengesteckt wie Lego :-)
 
A

ausserirdischesindgesund

Themenstarter
Dabei seit
11.06.2019
Beiträge
32
Dh die sind also auch mit einem Lavet-Motor, halt einem schneller getakteten. Danke an euch alle!
 
Der Stromer

Der Stromer

Dabei seit
14.03.2011
Beiträge
1.704
Ort
92272 Hiltersdorf
Das ist mMn kein Lavet, auch wenn ich die Ausführung noch nie gesehen habe. Frühe Uhren hatten Spaltpol- bzw. Reluktanzmotoren. Mit richtigen Lagern etc... Grundsätzlich ist der zugrunde liegende Effekt gleich.
Der höhere Energieverbrauch kam u. a. durch die Elektronik und die schlechteren Spaltmaße.

Die Lavet-Bauweise hat sich produktionsökönomisch durchgesetzt - sie ist am einfachsten / billigsten zu fertigen. Die werden zusammengesteckt wie Lego :-)
In dieser Uhr ist ein Unruh-Schwinger verwendet worden. Nach Paten Hatot, Junghans ATO-Mat . Die Teiler-stufen (rechts die kleinen Platinen übereinander) sind mit Transistoren in einer Flip-Flop-Schaltung aufgebaut. Der relativ große Quarz in einem Glasröhrensockel (im Video vom Phalos unten liegend zu sehen) ist zur Dämpfung von Außeneinflüssen mit Schaumstoff umwickelt.

Der Lavet-Motor wird auch heute noch verwendet. Er ist in Analogen Quarzuhren immernoch das häufigste Bauteil. Natürlich auch in Armbanduhren!
 
O

OWLer

Dabei seit
21.07.2018
Beiträge
263
Schon komisch warum man sich bei Junghans diese Umstände mit dieser Unruh gemacht hat.
Hier hab ich mal ein typisches preiswertes Q-Werk für Wanduhren aufgemacht. Der Lavetmotor ist deutlich einfacher aufgebaut (eigentlich nur ein Blech mit einer Spule und einem Permanentmagneten als Rotor) und begnügt sich mit einem Kunststoffpinöpel als Lager:
2592204
2592207
2592210

Da ist nix mit Steinlagern ;-) Das Werk lag in der Gartenlaube im Dreck. Eine Kur mit Bremsenreiniger und nun tut es wieder seit vier Wochen mit tellergroßen Zeigern. Das Werk ist wohl nicht auf Schmierung angewiesen. Bezüglich deines anderen Threads @ausserirdischesindgesund , du musst dir auch bei günstigen Werken keine Sorgen machen, dass sie kaputt gehen.
 
U

uhr_10

Dabei seit
02.10.2010
Beiträge
1.382
Genau so kenne ich die auch :-) Kriterium der Lagerung: eine nicht völlig ungeeignete Materialpaarung ;-)
 
Der Stromer

Der Stromer

Dabei seit
14.03.2011
Beiträge
1.704
Ort
92272 Hiltersdorf
Na ja, Junghans und Hatot ist ein eigenes Kapitel, über das sich heute noch diverse Menschen streiten. Zum Beispiel die ATO-Uhren. Die hat Junghans eigentlich ohne jede (rechtliche abgesicherte) Lizenz nachgebaut. Den Lizenz-Prozess hat Junghans 1953 nach fast 20 Jahren vor Gericht verloren. Und noch was muss man wissen: Junghans hat eine eigene Abteilung unterhalten, die Neuerungen daraufhin untersuchte, was man ändern könnte, um teure Lizenzgebühren zu umgehen. Hat auch in vielen Fällen der gerade modernen Elektrouhren recht gut funktioniert. Und zu den Drehschwingern: Eigentlich eine Entwicklung von Hettich. Hier wird als Zeitnormal das in Art des Drehpendel in Bewegung gesetzen Unruhe genutzt. Der verbaute Transistor war ohne Zeitfunktion nur zum Antrieb. Später kan dann an Stelle des Transistors ein Baustein zur Anwendung, der auch gleichzeitig die Arbeitsspannung stabilisierte.
Übrigens, die jetzigen Quarzwerke werden fast ausnahmslos von der UTS hergestellt (Uhren-Technik-Schwarzwald). Wurde von vielen Uhrenherstellern gegründet, Junghans, KundO, Kienzle usw. waren dabei.

Zum Schatz-Werk: Auch das basiert auf einem Patent von Hatot. Später hat Schatz daran aber Veränderungen vorgenommen, die dann wieder Lizenz-frei waren.

Trotzdem ist und bleibt der Lavet-Motor ein Bahnbrechende Erfindung nicht nur in der Uhrenindustrie. Lavet war der Techniker bei Lvet. Bereits 1928 (glaube ich) in die Firma eingetreten. Lavet war eigentlich der "Elektriker" von Hatot.
Wusstet Ihr aber, dass auch die erste Automatik-Uhr von Lavet und Hatot erfunden wurde?
 
Thema:

Aktuelle Großuhrwerke mit schleichender Sekunde: Wie funktionieren die?

Aktuelle Großuhrwerke mit schleichender Sekunde: Wie funktionieren die? - Ähnliche Themen

  • Aktuelle hochwertigere Wecker/Tischuhren

    Aktuelle hochwertigere Wecker/Tischuhren: Bei Armbanduhren kriegt man ja von 2 Euro bis 2 Millionen Euro problemlos Uhren in allen Preis- und Qualitätsstufen. Und die teureren Uhren sind...
  • aktuelle Gangreserven von älteren Grand Seiko-Uhrwerken (60/70ziger Jahre)

    aktuelle Gangreserven von älteren Grand Seiko-Uhrwerken (60/70ziger Jahre): Aus aktuellem Anlass möchte ich mal fragen, wie groß bei Euren Uhren die Gangreserven bei älteren (60/70ziger Jahre) Grand...
  • Moonwatch - Referenz der aktuellen Schließe

    Moonwatch - Referenz der aktuellen Schließe: Hallo zusammen, Ihr könnt mir sicherlich weiterhelfen. Ich bin auf der Suche nach der Referenz der aktuellen Schließe der Moonwatch. Das Band hat...
  • [Verkauf] Casio DEP 510, Head only, aktuell ohne Funktion, Batterien dabei

    [Verkauf] Casio DEP 510, Head only, aktuell ohne Funktion, Batterien dabei: Wahrscheinlich bin ich zu doof ;-) aber ich bekomme diese CASIO DEP 510 nicht zum laufen. Nichts ausgelaufen oder oxidiert. Uhr hat starke...
  • "Aktuelle" Omega - Reparatur wo?

    "Aktuelle" Omega - Reparatur wo?: Hi, heute muß ich aus traurigem Anlass einen Thread erstellen - heute morgen ist mir meine Seamaster (Ref.: 2894.51.91, Kal. 3303, neu gekauft...
  • Ähnliche Themen

    Oben