Ab wann gilt ein Manufakturwerk als solches?

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datoni

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Was muss ein Hersteller machen, bzw. wie viel Eigenentwicklung muss ein Hersteller nachweisen können, dass sein Werk als Manufakturwerk gilt?
Wie ist das definiert?

Die grundsätzliche Funktion eines Uhrwerks, spezielle Hemmungen, mehrere Federhäuser, spezielle Komplikationen..., Mal vorweggenommen ist immer gleich.

Aber in letzter Zeit sind mir"Manufakturwerke" aufgefallen welche nahezu ident zu Serienwerken wirken.

Selbst die Positionen der Zahnräder auf den Platinen gleicht bekannten Werken.
Lediglich die sichtbare Platine wirkt anders (optisch) gestaltet.
Ein paar Dekoschliffe sind vielleicht noch anders.

Da selbst größere Hersteller Teile wie Spirale aber auch Unruhe, Rubine...(beliebig fortsetzbar) zukaufen Frage ich mich ab wann ist es ein Manufakturwerkwerk?

Reicht es ein bekanntes Layout nachzubauen?
Ist es genug selbst die Platinen zu fräsen und optisch umzugestalten?

Gibt es hier Regeln ähnlich wie bei Swiss Made?
 
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ZeroKelvin

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Ist immer etwas schwierig zu sagen.

IWC zum Beispiel lässt einige Werke bei ETA proudzieren, allerdings nach deren speziellen vorgaben.
Andere Manufakturen, z.B. Alexander Shorokhoff, lassen sich Werke liefern, bauen diese komplett auseinander und veredeln die Teile entsprechend.

Eine vollkommen eigene Entwicklung eines Werks ist natürlich ein enormer Aufwand. Ich kann allerdings auch verstehen, dass es einen abschreckt, wenn in einer 5.000€ Uhr "nur" ein ETA 2892 oder Sellita SW200 steckt
 
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Für mich persönlich zählt die Fertigungstiefe als Maßstab für die Bezeichnung Manufaktur.

Die Fertigungstiefe beinhaltet die Entscheidungen darüber, ob zur Produktion benötigte Zwischenprodukte als originäre Produktionsfaktoren vom Markt zu beschaffen sind, oder ob sie selbst hergestellt werden. Das heißt; ob der Betrieb auch diese tiefere Stufe der Fertigung selbst übernimmt, oder was zugekauft wird.
 
datoni

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Mir geht es nicht ums abschrecken und auch nicht um die Diskussion oben ein Stangenwerk "gut genug" für eine Uhr um X€ ist.

Der Begriff Manufaktur ist mittlerweile marketingmäßig ein starkes Zugpferd, doch weiß man eigentlich nicht wirklich was man dafür bekommt, geschweige denn, dass eine "Eigenentwicklung" besser sein muss als bewährtes von der Stange.
 
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ZeroKelvin

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Für mich persönlich zählt die Fertigungstiefe als Maßstab.

Die Fertigungstiefe beinhaltet die Entscheidungen darüber, ob zur Produktion benötigte Zwischenprodukte als originäre Produktionsfaktoren vom Markt zu beschaffen sind, oder ob sie selbst hergestellt werden. Das heißt; ob der Betrieb auch diese tiefere Stufe der Fertigung selbst übernimmt, oder was zugekauft wird.
Auf neudeutsch nennt man das heutzutage auch Make or Buy :)
 
viertelelf

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Es gibt keine eindeutige Definition.
Nomos als einer der Hersteller, der den Begriff der Manufakturwerke (Manufaktur, in der ursprünglichen Bedeutung von Hand hergestellt) massiv als Werbeträger für seine Uhren eingesetzt hat, hat am Anfang tatsächlich ein bekanntes und bewährtes Werk fast 1:1 als eigenes Manufakturwerk angeboten (genaugenommen ist es mit dem Einsteigerwerk noch heute so) und hat erst im Laufe der Jahre eigene Ideen zur Weiterentwicklung eingebracht, die einen technischen Mehrwerk bieten.

Wenn das Hauptkriterium "Werk stammt auch in den Wurzeln nicht von ETA" wäre, dann könnte man die Seiko 5 problemlos als Uhr mit Manufakturwerk sehen, die sind zwar maschinell gebaut und auch nicht veredelt, aber Uhr und Werk stammen aus einer Hand.
 
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Heutzutage eine neues 3-Zeiger-Werk zu entwickeln ist nicht leicht, wenn sogar unmöglich, weil sich diese Werke, auch durch die Anordnung der Platinen, Räder u.s.w. tech. vorgegeben sind, sehr ähnlich sind.

Manche Uhrmachermeister gehen da ins Detail, und meinen; die eigene Herstellung der Spiralfeder ist / wäre ein guter Ansatzpunkt.
Denn, diese Herstellung ist sehr arbeits - und kostenintensiv.

Ob man dieser Einstellung / Meinung folgt, das bleibt Jedem selbst überlassen.
 
Nuit89

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Moin,

Manufakturwerk ist ja kein geschützter Begriff und wird immer mal anders ausgelegt.

Ist ein Seiko 4R36 ein Manufakturwerk? Die Teile werden ja komplett bei Seiko entwickelt, gefertigt und montiert, damit eigentlich schon.

Für mich ist es trotzdem nicht das, was ich mir unter einem Manufakturwerk vorstelle. Ich finde hier den ja auch häufiger zu lesenden Begriff In-House-Werk sehr zutreffend.

Bei Breitling und Tudor ist das mit dem Deal ja auch so eine Sache, die tauschen Chronographenwerk gegen 3-Zeigerwerk. An sich ja eine sinnvolle und gute Idee.

Also Breitling hat das B01 (Tudor MT5813) und Tudor das MT5612 (Breitling B20) entwickelt, beide Hersteller verkaufen aber beides als Manufakturwerk.


Der Begriff "Manufakturwerk" vermittelt halt Wertigkeit und lockt Kunden an, ich glaube daher wird er sehr gerne von vielen Herstellern sehr weitläufig ausgelegt.


Mir persönlich sind aber solide ETA 2824 / 2892 / 7750 oder deren Sellita-Gegenstücke eh die liebsten Uhrwerke.

Gruß
Henrik
 
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schallhoerer

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Ist ein Seiko 4R36 ein Manufakturwerk? Die Teile werden ja komplett bei Seiko gefertigt und montiert, damit eigentlich schon.
Für mich ist es trotzdem nicht das, was ich mir unter einem Manufakturwerk vorstelle.
Doch, genau das ist ein Manufakturwerk. Ein eigens von einem Hersteller eigenständig entworfenes und produziertes Werk.
Mehr Manufaktur geht halt nicht. Das gleiche bei Citizen mit deren Miyota Werken. Oder bei Orient. Das Problem liegt er
darin, dass die meisten Manufakturwerke nur im hochpreisigen Segment "akzeptieren". Das ist aber Blödsinn.
 
Schorschle

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Manus (Latein) = Hände.
Ich dachte immer, Manufaktur definiert sich dadurch, dass das Produkt in wesentlichen Anteilen nicht nur selbst, sondern vor allem von Hand gefertigt ist.
Je mehr an so einem Werk oder einer Uhr wirklich noch gebaut wird, desto mehr ist es für mich Manufakur.
 
Nuit89

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Doch, genau das ist ein Manufakturwerk. Ein eigens von einem Hersteller eigenständig entworfenes und produziertes Werk.
Mehr Manufaktur geht halt nicht. Das gleiche bei Citizen mit deren Miyota Werken. Oder bei Orient. Das Problem liegt er
darin, dass die meisten Manufakturwerke nur im hochpreisigen Segment "akzeptieren". Das ist aber Blödsinn.
Dazu sage ich ein klares Jein.

Laut Wirtschaftslexikon unterscheidet sich eine Manufaktur von einer Fabrik durch den hohen Grad von Handarbeit von speziell ausgebildeten Personal, wohingegen die Fabrik sich durch einen umfangreichen Einsatz von maschineller Fertigung auszeichnet.

Somit wäre "Fabrikuhrwerk" für ein Seiko 4R36 deutlich zutreffender, denn bei diesem Werk wird nichts von Hand gemacht. Aber Manufakturwerk klingt halt besser als Fabrikwerk.

Versteh mich nicht falsch, ich mag die einfachen Seikokaliber oder auch Miyotakaliber in Citizen Uhren sehr gern, aber ein Manufakturwerk ist für mich trotzdem etwas anderes.

Natürlich werden die Zahnräder bei Rolex auch nicht vom Uhrmachermeister mit dem Mund in Form gelutscht, aber der Teil der Handarbeit ist bei den Werken doch nicht ganz unerheblich.

Ich arbeite ebenfalls in einem Fertigungsbetrieb hochwertiger Produkte, in welchem wir unsere Produkte selbst konstruieren, die Einzelteile fertigen und das Endprodukt sogar zum Teil von Hand montieren.
Deshalb sind wir noch lange keine Manufaktur, der größte Teil der Produktion findet rein maschinell statt.

Gruß
Henrik
 
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citsei

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Manufakturwerk ist, wenn der Uhrenhersteller das Werk in allen Teilen selbst herstellt. Seiko zum Beispiel. Mit dem Preis hat das nichts zu tun, auch wenn viele Hersteller und Kunden das aus Prestigegründen gerne so sehen.

Zahnräder bei Rolex auch nicht vom Uhrmachermeister mit dem Mund in Form gelutscht
Das Zauberwort ist gefallen, und das erst im Post #13 :prost:
 
Cheops

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Da selbst größere Hersteller Teile wie Spirale aber auch Unruhe, Rubine...(beliebig fortsetzbar) zukaufen Frage ich mich ab wann ist es ein Manufakturwerkwerk?
Ich bin mir zu (nahezu) 100% sicher, dass selbst Rolex nicht 100% der Werke selber in eigenen Fabriken / Zuliefern etc. baut. Oder hat hier jemand Kenntnis über die Ölproduktion der Unternehmensgruppe Rolex? Oder müssen die Uhren nicht geschmiert sein?

Rubine "selber" herstellen - bzw. im eigenen Firmenverbund - ist schon eine Herausforderung, Ebenso Spiralen.

Die oben erwähnte Firma Nomos stellt absolut keine Manufajturwerke her, da nur 90-98% der Einzelteile (am Werk) in eigenen Produktionsanlagen hergestellt wird, 100 oder mehr Prozent sind da Minimum. - Mist ist ironische abgedriftet. Kollege Theo @Rostfrei kann/könnte hier sicher auch zu den Werken DUW 3101 und 6101 Stellung beziehen, die Eigenentwicklungen darstellen, die Spirale jedoch außer Haus gefertigt wird.

Genau genommen bauen Citizen, Seiko und auch die ETA-Marken Manufakturwerke.

Geht man weiter und rechnet einen bestimmten Prozentsatz an "Eigenbau" an um die Schwelle zur Manufaktur zu überwinden, können diese einige kleine udn große schaffen. Beispiele: Dornblüth (übernimmt Assortiment von Unitas Werken, macht ansonsten alles "per Hand/auf alten Maschinen"). Oder Mühle: die bauen SW500 und Unitas soweit um, dass diese eine so hohe Eigenleistung haben, dass diese Firmen diese dann Manufaktur nennen könn(t)en.

Was anderes ist es, wenn man bei der ETA/SW ein Werk einkauft und es dann Flötenschniedel 200 nennt und es real nur ein SW 200 ist, bei dem ein anderer Rotor drauf ist.

Geht man einen Schritt weiter und schaut nicht nur den Mikrokosmos "Uhr" an, wird von der Manufaktur nichts übrig bleiben. Dirk Dornblüth benutzt Maschinen (wenn auch alte, mit Hand betriebene oder auf Elektro umgerüstete) oder Rainer Nienaber @Rainer Nienaber hat sogar eine Drehmaschine. Also auch hier: keine 100% Handmade. Kann mir aber auch niemand HEUTE mehr vorstellen, der eine Uhr 100% in handmade herstellt.

Gerrit
 
Micky87

Micky87

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@Nuit89 hat es treffend auf den Punkt gebracht, bravo :klatsch:

Nur sind die Fabrikuhrwerke mittlerweile so ausgereift, dass sie Manufakturkalibern meist überlegen sind. Und wenn es nur am günstigeren Preis liegt :)
 
Micky87

Micky87

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Aber:

War ein Fabrikuhrwerk einst nicht auch Manufakturwerk, das es zum Fabrikuhrwerk schaffte?

Man kann eigentlich nur feststellen, dass die bekannten, massenproduzierten Uhrwerke, die besten sein müssen. Sonst wären das heute andere 😁
 
BSBV

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Nun ja, wenn man den Begriff Manufaktur noch wörtlich nimmt, dann heißt das; die Arbeit mit der Hand gemacht, und stammt aus vergangenden Zeiten.

Damals wurden Teile, ganze Werke, noch von Hand gefertigt. Aber ist Heute nicht mehr möglich. Wäre auch unwirtschaftlich. Könnte kaum einer bezahlen.

Heute muss / soll / darf / kann jeder Hersteller, und jeder Käufer den Begriff Manufaktur deuten oder einordnen wie man es für richtig empfindet oder hält.

Da es keine gesetzliche Vorgabe gibt, ist der Begriff Manufaktur vielsagend.
 
Tschassy

Tschassy

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(...)
Der Begriff Manufaktur ist mittlerweile marketingmäßig ein starkes Zugpferd (...)
Ja, nicht nur bei Uhren. Es ist die Sehnsucht der industrialisierten Welt nach qualitativ guter Handarbeit; das Wort Manufaktur soll dem Konsumenten vorgaukeln, daß er keine Massenware, die in einer Automatenstraße millionenfach vom Band fällt, bekommt, sondern daß sein Produkt in liebevoller Handarbeit gefertigt wurde.

Gruß, Bert
 
Micky87

Micky87

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Wird nicht jedes Uhrwerk in der Entwicklungsphase von Hand gefertigt? Ich schätze, selbst ein schnödes 7S26 wurde von einem japanischen Uhrmacher von Hand perfektioniert, bis es in die Massenproduktion ging..
 
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