Uhrenbestimmung 3 Fundstücke: Taschenuhren Bulla, Système Hahn und NoName

Diskutiere 3 Fundstücke: Taschenuhren Bulla, Système Hahn und NoName im Taschenuhren Forum im Bereich Vintage-Uhren; Bewundernd lese ich bei den Kollegen immer wieder, wie sie bei sich zuhause, im Elternhaus oder sonstwo mit diversen Preciosen fündig werden und...
apple1984

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Bewundernd lese ich bei den Kollegen immer wieder, wie sie bei sich zuhause, im Elternhaus oder sonstwo mit diversen
Preciosen fündig werden und stolz vorstellen. Nun ja. Ein blindes Huhn... Endlich bin ich auch mal 'dran. Nichts spektaluläres
bei meinem Glück, aber immerhin. Heute Vormittag auf dem Dachboden meines Elternhauses war eine Entrümpelungsaktion
angesagt (12 Reisekoffer galt es zu entsorgen). Dabei wurde ich dann in einer ganz hinten in der Ecke befindlichen Kiste fündig.
In einer zugestaubten Schachtel befanden sie die drei folgenden Kandidaten aus dem, wahrscheinlich, vorletzten Jahrhundert,
zumindest die beiden letzten:

Eine Bulla Lepine, leider ohne Glas, aufgezogen, läuft, nach einer Stunde ungefähr 30 Sekunden verloren.
Das Werk ebenso gepunzt, sonstige Hinweise im Werkklappdeckel - Fehlanzeige. Steine mindestens 8 an der Zahl.
Dazu habe ich folgendes gefunden: Mikrolisk - The horological trade mark index

DSC_7032.JPG

DSC_7039.JPG

Eine Savonette Système Hahn, ordentlich verziert, Drücker funkioniert und entriegelt, aufziehen geht, Zeiger stellen nicht möglich.
Innen Deckel mit den bekannten Portraits von ???, Ancre bezeichnet, Werk innen unspektakulär, kein Gold, ohne lesbare Punze.
Zur Hahn gehört eine ordentliche, gut erhaltene Kette unbekannten Materials.

DSC_7046.JPG

DSC_7049.JPG

DSC_7052.JPG


Die dritte im Bunde, ebenfalls eine Savonette, muss leider namenlos bleiben. Schwere Ausführung, Drücker funktioniert,
aufziehen und Zeit stellen mangels Schlüssel leider nicht. Ziemlich verrostet und angespant, dafür aber, sehr einfach zwar,
reich verziert. Emaille am ZB leider abgeplatzt. Ein Wappen samt 3 herumdrapierenten Punzen in beiden Außendeckeln.
Unruh schwingt, aber unwillig. Kein Wunder...

DSC_7074.JPG

DSC_7062.JPG

DSC_7072.JPG


Wäre schön, wenn der ein oder andere Spezialist ein paar Anmerkungen zu den drei Schätzchen hätte.
Vielen Dank sagt schon mal - der Marcus
 
batery_99

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Hallo Marcus,
Schöne Stücke, die Du da gefunden hast.
Die letzte im Bünde ist eine für den osmanischen Markt Gefertigte Uhr. Sehr schön und nicht alltäglich. Vielleicht kannst Du die Punzen mal etwas genauernablichten.
Das schadhafte ZB kann sogar mit eigenen Mitteln wieder etwas hergerichtet werden. Spindel hat das mal in einem Faden schön gezeigt ( vorher/nachher). Das Ergebnis ist nicht von schlechten Eltern;-)
Bei der Zweiten ist dort eventuell nich ein herausziehbarer Hebel rechts auf ca 2 Uhr?
Sieht beinahe so aus. Wenn Du diesen herausziehst, kannst Du die Uhr stellen.
Die Erste im Bunde muss nur mal gereinigt werden... dann wird auch das ZB wieder zum Augenschmaus... Dann noch ein neues Glas drauf und freuen.
Soviel Glück hatte ich bislang noch nicht, sowas zu finden.
Zu den Werken werden sich sicherlich noch die Spezialisten melden.
Viel Spaß mit den schönen Stücken...
Marco
 
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apple1984

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Danke, Marco. Ich kann ja nicht immer nur nichts finden ;-). Selbst auf Flohmärkten war mir das Glück nicht hold.
Nicht alltäglich höre ich schon mal gerne. Den Hebel an der Hahn habe ich gefunden. Siehe da. Das Werk läßt sich stellen.
Super. Zumindest zwei von dreien zeigen Funktion. Angesichts des rostigen Zustandes bei der "Osmanischen" sehe ich allerdings
erhöhten Handlungsbedarf. Mal sehen. Die Bulla habe ich ein wenig ins Plus geregelt. Läuft 1a.

Auf beiden Innendeckeln sind bei näherer Betrachtung diverses Getier sowie Schlag-, Stich-, Hieb- und Schusswaffen zu erkennen.
Ferner natürlich Halbmonde mit dem Sternen. Deine Vermutung hat sich bestätigt.

Die Punzen der Türkischen im Bild:

DSC_7091.JPG

Die beiden Deckel nicht sehr aussagekräftig:

DSC_7094.JPG
 
batery_99

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Zur osmanischen spuckt Mikrolisk folgendes aus

(Wappen, oben mit Kranz, Waffen, Lanzen, Halbmond und Sterne, Kreuze, arabische Worte) K. Serkisoff & Cie. Import schweizer Uhren; Konstantinopel, Türkei
Gib mal auf Andreas HP Waffen als Suche ein.
Grüße
Marco
 
apple1984

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Danke Marco. Werde ich nachher mal nachlesen. Einstweilen die zwei Läuffähigen.
Die Bulla übrigens mit 0.800er Silberstempel und die Système Hahn mit gebläutem Sekundenzeiger.
Es wird immer schöner... Das Glas für die Bulla werde ich morgen in Auftrag geben.
Die beiden (fast) im Gleichmarsch:

DSC_7101.JPG


Damit ist mein Bestand an Taschenuhren schlagartig auf 8 angewachsen.

Die Schönste allerdings befindet sich nicht in meinem Besitz:
https://uhrforum.de/a-lange-and-soehne-taschenuhr-repetition-datum-ref-14391-a-t79703
 
apple1984

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So, die erste der drei Taschenuhren ist halbwegs wieder tragbar. Dachte so nach zwei Stunden: Wird die denn gar nicht mehr sauber?
Eh' ich aber mit den ätzenden Hilfsmitteln um die Ecke komme, lieber mit dem Zahnstocher Feinstarbeit leisten als irgendetwas zu versauen.
Aus welchen Materialien diese Système Hahn nun erbaut wurde läßt sich mangels Punzen nicht feststellen. Fakt ist aber: Die Seriennummer
im Deckel paßt zum Werk. Die gebläute Unruh macht einen fitten Eindruck, die vorhandenen Steine habe ich nach einer Grundreinigung des
Werkes geölt. Jetzt läuft sie um die 30 Sekunden am Tag ins Minus. Das ist in Ordnung für mich. Das Zifferblatt liegt nur lose auf, wird allerdings durch
die Art des Einbaus (über Glas) und durch die Halterung des Glases gut gehalten und schlackert nicht. Das Emaille bis auf einen obligatorischen
Haarriß einwandfrei. Zweifel beschleichen mich angesichts der Kombination von goldenen Hauptzeigern und einem gebläuten, schlichten als
kleine Sekunde. Gab es das so?

Das Plexiglas hat mir am meisten Kopfzerbrechen bereitet. Vorgehensweise wie immer: Erst Zahnpaste, dann Polywatch. Und das war ein Fehler.
Erst roch das Ganze plötzlich eigenartig nach einer chemischen Reaktion, dann wurde durch weiteres Reiben die ganze Oberfläche noch verkratzter.
Die Lösung war: Unter fließend Wasser und mit Zahnpasta zwischen zwei Fingern das Problem gelöst. Scheint doch antikes Plexi zu sein. :oops:

Ganz pfiffig finde ich übrigens die Lösung für die Öffnung des Frontdeckels über die Krone: Es verläuft einseitig im Rahmen des Korpus
eine Metallklammer, die dann durch Druck auf die Krone die Verriegelung auf der Gegenseite löst und den Deckel aufschnappen läßt.
Die Feder hat noch ordentlich Kraft, um den Deckel zumindest auf ca. 40 Grad zu "beschleunigen". Liegt gut in der Hand, die Madame.
Nur beim Herausholen aus der Hosentasche ist erst Mal nicht klar, wo vorn und hinten ist. Das leere "Wappen" auf der einen Seite ist die Front.
Hatte bisher nur die Lepine Bauweise als Taschenuhr und muss zu dieser Savonette sagen: Das hat was.

Zum Alter der TU konnte mir bisher niemand etwas sagen, aber um die 80 Jahre sollte sie eigentlich alt sein. Das Innenleben sieht aus wie eine
moderne Uhr, nur halt alles etwas größer. So mein laienhafter Eindruck. Ein Stoßsicherung für die Unruh fehlt auch. Système Hahn sagt mir auch
nichts, bei der obligatorischen Bildersuche heute finde ich nur meine eigenen. ;-)

Hier ein paar fotografische Eindrücke:
 

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Rata

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Hallo, Marcus,

die "Système Hahn" ist ja wieder fein geworden, herzlichen Glückwunsch:klatsch:! Bei den verbauten Louis XV-Zeigern bin ich mir auch nicht sicher, ob die so original zum Ensemble gehören..:???:. Meiner Meinung nach würden gebläute Brequet-Zeiger in der alten oder Halbmond-Form (siehe Mikrolisk.de) auch deutlich besser passen. Das "Glas" könnte aus Zelluloid sein, die gleichen Probleme mit der chemischen Reaktion und dass das Material nach der Behandlung mit Polywatch "blind" wurde, hatte Frank (Kater Mohrle) vor geraumer Zeit ebenfalls bei einer "Bergisch"-Armbanduhr, siehe hier: https://uhrforum.de/uhrglas-eckig-stark-gewoelbt-t80126

Gott sei Dank ist das Problem, hier wie dort, gut behoben worden...:super:. Auf deine Bearbeitung der anderen Uhren und deren Endergebnis bin ich schon gespannt:-).

Viele Grüße, Otto
 
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