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  1. #1
    Avatar von Unruhgeist
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    Sargent & Greenleaf Mechanisches Zeitschloss für Tresore

    Werte Gemeinde,

    ich habe mal wieder was ausgebuddelt wovon ich meine, dass es sich lohnt das Teil vorzustellen: Es handelt sich um ein mechanisches Tresorzeitschloss das, wie der Name schon vermuten lässt, dazu dient, einen Tresor für einen vorher bestimmten Zeitraum für jede Person unzugänglich zu machen. Also auch für diejenigen, die die Schlüsselgewalt in Form von Schlüssel, Code, Transponder etc. besitzen.


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    Es ist ein Schloss von Sargent & Greenleaf USA, die Uhrwerke sind Swiss Made, leider jedoch ohne Herstellerpunze.
    2 Uhrwerke deshalb, weil das System redundant arbeitet. Fällt ein Uhrwerk aus, läuft immer noch das zweite um die Sperre zum vorgegebenen Zeitpunkt wieder frei zu geben. Schlösser dieser Art werden in größeren Tresoren eingesetzt, bis hin zu Tresorräumen in Banken, und werden auf der Innenseite der Tresortür montiert. Von hier aus blockiert ein einzelner Stahlbolzen das gesamte Riegelwerk. Nach Verschließen der Tür ist das System also vollständig sich selbst überlassen. Es gibt jedoch eine Notentriegelung auf der Innenseite, falls versehentlich eine Person im Tresorraum eingeschlossen wurde. Schließlich lässt sich dieses Schloss auf bis zu 144 Stunden einstellen, was 6 Tagen entspricht. Das könnte vermutlich eng werden ohne Wasser und Lebensmittel. (Womit wir wieder bei dem Thema wären, dass es Momente gibt in denen man feststellt, dass man Geld nicht essen kann)
    Andere Schlösser haben noch längere Verschlusszeiten und arbeiten mit bis zu 3 Redundanzen, also insgesamt 4 Uhrwerken. Und eben weil das System autark und im Betrieb unzugänglich arbeitet, sind auch die Uhrwerke von guter Qualität mit 13 Steinen, Ankerwerk und Stoßsicherung.

    Die Einstellung der Verschlusszeit funktioniert nach dem Prinzip einer mechanischen Eieruhr: Einfach so weit aufziehen, bis die gewünschte Verschlusszeit (in Stunden) erreicht ist. Die Uhr läuft dann ab und bei 0 wird das Schloss entriegelt. Der Tresor ist dann natürlich nicht offen, kann aber dann durch Codeeingabe und betätigen des Riegelwerks geöffnet werden.
    Zwar gibt es auch hier wiederum Techniken zur Öffnungsverzögerung, z.B. Riegelwerköffnung erst 10 Minuten nach Codeeingabe möglich, dafür ist dieses Zeitschloss aber nicht verwendbar. Also bitte nicht ein Zeitschloss mit einer Öffnungsverzögerung verwechseln. Das sind verschiedene Welten!
    (Letzteres läuft auch elektronisch ab. Mechanische Öffnungsverzögerungen sind mir nicht bekannt)

    Kleiner Nachteil bei diesem (Basic-) Modell: Zu viel eingestellte Zeit lässt sich nicht wieder zurückstellen. Beispiel: 4 Stunden soll das Schloss verriegeln, 5 Stunden wurden eingestellt. Es gibt dann keine Möglichkeit die Zeit zurück zu drehen. Einzige Möglichkeit ist, das zweite Schloss auf 4 Stunden zu stellen. Dieses wird dann zuerst die Verriegelung wieder lösen.
    Im Übrigen ist das auch die einzige Möglichkeit, die Funktion der Uhrwerke zu überprüfen. Aber dazu später mehr.

    Kommen wir erst mal zur Funktion:
    Wie schon gesagt, arbeiten beide Schlösser völlig unabhängig voneinander. Es sind also 2 einzelne Uhrwerke ohne jegliche Verbindung. Generell werden IMMER beide Schlösser aufgezogen um die Redundanz herzustellen und das Schloss in den Funktionszustand zu versetzen.


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    Jedes Uhrwerk wird an seinem Vierkant(1) aufgezogen, der natürlich direkt auf den Federhauskern einwirkt. Dabei drehen sich die weiße Scheibe und Entsperrhebel (2) im Uhrzeigersinn mit. An der schwarzen Nadel (3) wird die eingestellte Zeit in Stunden abgelesen, die das Schloss gesperrt bleiben soll.

    Nach dem Aufzug wird mit dem Schlüssel der in der Abdeckplatte versenkte Knopf (4) eingedrückt.
    Es macht einmal „Klack“, das mittig zu sehende Metallteil zwischen den Uhrwerken macht einen kleinen Ruck nach links und das Schloss ist verriegelt. (Der kleine, etwas versenkte Hebel (5) ist die Notentriegelung von Innen)


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    Was ist nun genau passiert?
    Oben im Bild sehen wir einen kleinen Haken (6), der seitlich neben dem Metallgebilde hervor lugt. Unter dem Metallgebilde ist eine Feder verbaut, die das Gebilde permanent nach links drückt. Dieser einwirkenden Kraft wird jedoch erst nachgegeben, wenn der (federnd gelagerte) Knopf 4 eingedrückt wird. Wir haben es also mit 2 Federkräften in verschiedene Richtungen zu tun.
    Stellen wir uns vor, wir stehen auf der Innenseite einer Tresortür, an der das Zeitschloss montiert ist.
    Bei Betätigen des Knopfes 4 wird durch die Kraft der Feder 6 das Metallgebilde nach links verschoben. Gleichzeitig wird durch unsere (aus unserer Sicht) von vorne mit dem Schlüssel einwirkende Kraft auf Knopf 4 auf der Rückseite des Zeitschlosses in einem Führungskanal ein Riegel (7, unteres Bild) einrastend ausgefahren.
    In dem Führungskanal(8) läuft ein Stahlbolzen (9), an dessen Ende ein Stahlwinkel (10) befestigt ist, dessen freier Schenkel durch waagerecht verlaufende Löcher in der Türrückwand mit einer waagerechten Strebe des Riegelwerks der Tresortür verbunden sind.
    Dies bedeutet, dass der Stahlbolzen nicht durch das Zeitschloss bewegt wird, sondern durch die Person, die den Tresor von außen öffnet. Hierfür muss ja bekanntlich an dem eigentlichen Tresorschloss der Code, Schlüssel etc. verwendet werden. Das Tresorschloss gibt dann den Zugang zum schweren Riegelwerk frei, welches mit einem Hebel oder Drehrad (ähnlich einem Steuerrad eines Schiffs) betätigt wird. Innerhalb des Riegelwerks gib es auch immer einen waagerecht verlaufenden Riegel, an dem an einem beliebigen Punkt der freie Schenkel des Stahlbolzenwinkels montiert werden kann.
    Wenn nun besagter Knopf 4 eingedrückt wurde und der kleine Riegel auf der Rückseite des Zeitschlosses ausgefahren ist, fährt das in dem Kanal geführte Ende des Stahlbolzens gegen den Riegel und blockiert somit das gesamte schwere Riegelwerk der Tresortür.


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    Das war vielleicht etwas schwere Kost?

    Zur Entspannung ein kleines Zahlenspiel:
    Ich habe eine etwas – sagen wir mal „massivere“ Tresortür eines Herstellers gegoogelt, die (theoretisch) mit so einem Zeitschloss gesteuert werden könnte:
    Maße der Tür (H x B) 4,4 Meter X 2,5 Meter. Masse: 8,5 Tonnen.
    Dieses filigrane Vitrinentürchen könnte also von dem Wohlwollen einer kleinen Unruh mit sagenhaften 0,7 Gramm(inkl. Spiralfeder) abhängig sein. Vergleich mit einer alten Weckerunruh mit ähnlichem Durchmesser.

    Das entspricht
    0,0007 kg zu 8.500 kg oder 0,7 g zu 8.500.000 g oder 0,0000007 t zu 8,5 t

    So viel zur Macht des Kleinen über das Große





    So, weiter geht’s!
    Wir wissen ja noch nicht genau wie das Schloss nach Ablauf der eingestellten Zeit selbsttätig öffnet.
    Das ist im Grunde ganz einfach: Bei Ablauf der voreingestellten Zeit drückt der Entsperrhebel (2) von links gegen das Metallgebilde und überwindet die Kraft der Gegendruckfeder (6). Dadurch wird das Metallgebilde ein kleines Stück nach rechts verschoben, die Arretierung des Knopfes 4 wird aufgehoben und springt nach vorne. Somit fährt der Riegel(7) in dem Führungskanal wieder in das Gehäuse ein und gibt den Stahlbolzen (9) frei, der jetzt wieder durch seinen Verbund mit der waagerechten Querstrebe des Riegelwerks innerhalb des Führungskanals bewegt werden kann.
    Zum Überwinden der Kraft der Gegendruckfeder (6) reicht natürlich die Kraft eines Entsperrhebels (2). Würden beide Entsperrhebel benötigt, wäre es kein redundantes System!


    Kommen wir nun zur Überprüfung der Redundanz im täglichen Betrieb:
    Gewohnheitsmäßig ist anzunehmen, dass zuerst das linke, dann das rechte Uhrwerk auf die gleiche Verschlussdauer eingestellt wird. Nehmen wir hier mal 24 Stunden an. Wir wissen also, morgen um diese Zeit ist die Tür wieder öffnungsfähig. Aber wir wissen nicht, welches der beiden Uhrwerke die Öffnungsbereitschaft wieder hergestellt hat. Schließlich gibt es ja auch zeitliche Toleranzen, da die Uhrwerke nicht auf die Minute einstellbar sind. Theoretisch könnte es also sein, dass, aus was für Gründen auch immer, eines der beiden Werke vielleicht schon längere Zeit defekt ist. Zwar läuft das Werk noch, aber der Öffnungsmechanismus funktioniert nicht mehr. Das wird spätestens dann bemerkt, wenn auch das zweite Uhrwerk ausfällt und gar nichts mehr geht. Allerspätestens dann stellt man fest, dass die kleine Vitrinentür zwar abhängig von 2 x 0,7 Gramm ist, aber wenn die beide versagen, sehen wir uns ausgewachsenen 8,5 Tonnen Masse gegenüber. (Das ist dann so wie Doppelkorn im Tiefkühlschrank und die Tür ist zugefroren)

    Um das auszuschließen verfährt man wie folgt: An geraden Tagen stellt man das linke Uhrwerk eine Stunde später ein als das rechte Werk. Also auf 25 Stunden. An ungeraden Tagen verfährt man anders herum. Vorausgesetzt, dass die Tür dann am nächsten Tag zwischen den abgelaufenen 24 und 25 Stunden geöffnet wird, MUSS sie öffnungsbereit sein. Ist sie es nicht, ist das auf 24 Stunden eingestellte Uhrwerk defekt. Dann greift aber die Redundanz eine Stunde später – und zwischenzeitlich der Banker zum Telefonhörer um einen Techniker zu bestellen der das Zeitschloss repariert.
    Vorteil auch: Bei fester Systematik weiß man auch genau welches Uhrwerk defekt ist.

    Kommen wir nun zur (in diesem Fall konstruierten) Reparatur:
    Insgesamt ist das ja ein ziemlich komplexer, vollmechanischer Ablauf. Die ganze Konstruktion mit Zugfedern, Druckfedern, Hebeln, Bolzen und allerlei anderen Kleinteilen muss ja auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt werden. Und dann muss das alles auch noch funktionieren wie vorher. Deshalb dauert die Reparatur eines solchen Zeitschlosses auch etwa sagenhafte 5 Minuten!

    Die Arbeit gestaltet sich wie folgt:
    1. Frontdeckel mit Taschenmesser abhebeln
    2. Das Metallgebilde an den 2 Rändelschrauben lösen und abnehmen.
    3. Gegendruckfeder (6) abnehmen, wenn sie einem nicht schon um die Ohren geflogen ist.
    4. 3 Halteschrauben des defekten Uhrwerks lösen, Uhrwerk herausnehmen
    5. Ersatzuhrwerk einsetzen, 3 Halteschrauben anziehen
    6. Gegendruckfeder (6) wieder einsetzen
    7. Metallgebilde aufsetzen und die 2 Rändeschrauben anziehen
    8. Frontdeckel aufdrücken
    9. FERTIG!


    Gerüchten zufolge lässt sich das Schloss auch auf Innenseiten von modifizierten Kühlschranktüren zur Sicherung von Biervorräten einsetzen.
    Aber Achtung! Die Mindestsperrzeit beträgt 12 Stunden!! Der morgendliche Verschluss für das nachmittägliche Grillfest oder Fußballspiel ist daher nicht zu empfehlen!


    Zum Schluss noch ein paar technische Daten und Detailbilder:

    Abmessungen: (HxBxT) 103 x 103 x 56 mm
    Gewicht: 956 Gramm (ohne Sperrbolzen)
    Einstellbare Verschlusszeiten: 12 bis 144 Stunden
    (Es gibt auch Uhrwerke mit 168 Stunden Sperrzeit und nach unten korrigierbaren Verschlusszeiten)


    Legale Rücksetzmöglichkeiten während Verschlusszeit: keine

    Illegale Rücksetzmöglichkeiten während der Verschlusszeit (Oder auch legale Möglichkeit wenn beide Uhrwerke ausfallen): Ja, wenn von außen auf den Millimeter genau bekannt ist wo das Zeitschloss von innen an der Tür montiert ist. Dann besteht die theoretische Möglichkeit mit einem Bohrer genau dort durch die Tür und das Türriegelwerk zu bohren, wo der Riegel (7) sitzt. Der Riegel lässt sich auch dann von außen eindrücken, wenn er ausgefahren ist. Aber dazu muss man erst mal durch so eine Tür und das Türriegelwerk kommen.



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    Gruß,
    Unruhgeist
    Geändert von Unruhgeist (13.02.2018 um 18:02 Uhr)
    Unruhen waren schon immer der Taktgeber zur Änderung der Zeit

  2. #2
    Avatar von fantomaz
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    Kurz: GEIL Lang: VOLLGEIL

    Ich liebe diese Art von Uhren!

    Freue mich schon auf live beim nächsten Treffen

    Alexander
    Happiness is a state of mind, the more you want, the less you find.

    Ein Leben ohne Uhr ist möglich aber sinnlos.

  3. #3
    Avatar von Badener
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    Hallo Unruhgeist,

    das ist eine wirklich ungewöhnliche und vor allem sehr interessante Vorstellung! So ein Mechanismus ist mir vorher noch nie begegnet. Vielen Dank!

    Gruß

    Badener

  4. #4
    Avatar von Königswelle
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    Super interessantes Teil, das du uns hier zeigst!

    Ich muss allerdings gestehen, dass ich das live sehen müsste, bevor ich alles kapiert habe, trotz vorbildlich bebilderter Erläuterungen.
    Viele Grüße,

    Bernd

  5. #5

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    Hallo Unruhgeist!

    Großes Kino - vielen Dank!

    Gruß,

    Peter

  6. #6
    Avatar von Zeit-Reisender
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    Toll! Großes Kompliment zur Vorstellung! Gerne mehr davon.

    Besonders schön finde ich die Formulierung
    'Legale Rücksetzmöglichkeiten während Verschlusszeit: keine'
    Take care, Hartmut

    Heute sind weltweit nur noch ein paar Hunderttausend Elefanten übrig......

  7. #7
    Avatar von Oelfinger
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    "Unsere Mitarbeiter haben keinen Einfluß auf die Öffnungszeit des Tresores"

    Ich nominiere den Thread für die Uhrforumhall of Fame!
    3620 IG FSJW, JAZZ, SGFF, HWOC, OCD, SOCC

  8. #8
    Avatar von eretmodus
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    Vielen Dank für die interessante Vorstellung.
    Mit freundlichem Gruß - X X X
    Freund aller Uhren, aber besonders der mechanischen ....
    Die Einstellung der Menschen verändert sich nicht dadurch, das Feindbilder ausgetauscht werden.

  9. #9
    Avatar von eugen
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    Genial...
    Wir werden innerlich nicht glücklicher, wenn wir mehr Speck essen können

  10. #10
    Avatar von Skletti
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    Ich mag solche Dinge. Sehr, sehr interessant. Vielen Dank für’s Teilen.
    …obwohl ich mir noch nicht richtig vorstellen kann, wie denn die Uhrwerke den Riegel (7) betätigen.

    Gehe ich richtig in der Annahme, dass es sich um ein (Metall?)Chassis handelt, das an die Tresortür geschraubt wird und dann der (Kunststoff?)Träger mit den beiden Uhrwerken eingesetzt und den zwei Messingschrauben befestigt wird?

    Könntest Du uns bitte die Rückseite des Trägers, mit den eingebauten Uhrwerken zeigen?
    Geändert von Skletti (14.02.2018 um 18:31 Uhr)
    Sonnige Grüße
    Ivo


  11. #11
    Avatar von Pronto
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    Vollkommen abgefahren! Danke für deine Ausführungen!

  12. #12
    Avatar von eugen
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    Diese Firma stellt auch die Ultra-Hochsicherheits-Vorhängeschlösser für amerikanische Behörden her.
    Einfach mal googeln unter Highsecurity Padlock von der Firma. Kosten aktuell bei Amazon 2400,-$.
    Das sind andere Dimensionen.
    Wir werden innerlich nicht glücklicher, wenn wir mehr Speck essen können

  13. #13
    Avatar von sevenfifty
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    Einfach nur genial!
    Danke dafür.

  14. #14
    Avatar von Unruhgeist
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    Danke für die Rückmeldungen!
    Das freut mich, dass das Teil auf so viel Interesse stößt. So langsam entwickle ich so ein kleines Faible für Geräte, in denen mechanische Uhren verbaut wurden die dann eine sinnvolle oder auch unsinnige Funktion erfüllen.

    Die Funktionsweise ist jedoch wirklich etwas schwer zu beschreiben. Ich habe versucht ein Schema grafisch darzustellen. In Powerpoint ist das ja ganz nett mit den Animationen, aber ich habe keine Ahnung, wie ich das animiert hier hineinbekommen kann. Daher versuche ich es mit Screenshots und anschließend mit weiteren Detailbildern.
    Aber bitte – das ist ein SCHEMA! Nicht versuchen, die Grafik perspektivisch zu sehen. Das klappt schon nicht mit der Anordnung der Zifferblätter. Perspektivisch wäre bei dem Querschnitt nur die Metallkante des ZB zu sehen.

    Name:  Schema 1.jpg
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    Blau = Zeitschloss
    Gelb = Metallgebilde (Weiter unten im Original)
    Rot = Riegel (7)
    Schwarz = Riegelbolzen auf Tresortürinnenseite mit Verbund durch Langlöcher mit dem Türriegelwerk)

    Das obige Bild zeigt die verriegelte Tür.


    Hier jetzt das entriegelte Zeitschloss nach Ablauf der Uhrwerke:

    Name:  Schema 3.jpg
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    „Mehr“ kann das Zeitschloss nicht. Es wird nur das (gelbe) Metallgebilde und der (rote) Riegel 7 betätigt.
    Der Tresor ist natürlich noch zu! Erst mit Zugangscode (Schlüssel, Nummern etc.) kann das eigentliche Tresorschloss und das Riegelwerk in der Tür von außen betätigt werden. Wie das aussieht zeigt die nächste Abbildung:

    Name:  Schema 2.jpg
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    Der kleine Riegelbolzen auf der Innenseite der Tür ist nun in den Führungskanal eingefahren, der vorher von dem roten Riegel versperrt war. Und über den Verbund des Riegelbolzens mit einer waagerechten Strebe des Riegelwerks in der Tür, blockiert dieser kleine Bolzen tatsächlich das gesamte Riegelwerk.



    Nun zu den Detailbildern:

    Name:  Metallgebilde.jpg
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    Dies ist das Metallgebilde, das zwischen den beiden Uhrwerken sitzt.

    1 = Drehpunkt für die Rechts / Linksbewegung. Befestigung mit Rändelschraube
    2 = Hier stoßen die Entsperrhebel (2 aus der Vorstellung) gegen, wenn die Zeit abläuft. Das Gebilde wird nach rechts gedrückt.
    3 = Weites Befestigungsloch für die 2. Rändelschraube. Der Spielraum lässt das rechts / links Schwenken zu.
    4 = Diese Kante greift in eine umlaufende Nut an dem Knopf (4 aus der Vorstellung). (Die Feder ist ja bestrebt, das Gebilde permanent nach links zu drücken)
    5 = Der Notentriegelungshebel. Wenn das Schloss eingerastet ist, kann hier das Gebilde das besagte Stückchen nach rechts geschoben werden, womit dann die Kante 4 aus der Nut des Knopfes (4) springt. Das Schloss ist dann geöffnet, der rote Riegel (7) springt auf der Gehäuserückseite zurück.



    So…jetzt könnte ich mich in den Allerwertesten beißen – Skletti hat recht, ein paar Detailfotos mehr und ich hätte mir jede Menge Text und verwirrende Erklärungen sparen können.
    Nu aber – frisch aus der Kamera:


    Fangen wir noch mal ganz von vorne an (Aber mit bis hierher schon bekanntem Wissen), dafür im Schnelldurchlauf

    Hier sehen wir das Schloss mit einer Restlaufzeit von ca. 16 Stunden. Dann werden die Entsperrhebel von links gegen die Kanten des beschriebenen Metallgebildes stoßen, dieses nach rechts drücken und das Schloss entriegeln.

    Name:  15 Stunden.jpg
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    Die Detailansicht des Knopfes (4) sieht bei offenem Schloss so aus.
    Gut zu erkennen, die umlaufende Nut und die gerade Kante des Metallgebildes die sich in die Nut schiebt wenn der Riegel ausgefahren ist.

    Name:  Riegel offen.jpg
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    Hier nun der eingedrückte Knopf (4) – der Riegel ist ausgefahren (Folgt auf den nächsten Bildern)

    Name:  Knopf gedrückt.jpg
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    Und nun die andere Seite: Hier sehen wir, was der Knopf (4) bewirkt:
    Im ersten Bild ist der Knopf noch nicht gedrückt, Der Riegel ist noch eingefahren:

    Name:  Riegel eingefahren.jpg
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    Und hier ist der Knopf(4) gedrückt und der Riegel ausgefahren. Zur Demonstration noch etwas mit dem Finger hochgehoben.
    Dass das alles in einer Kunststoffaufhängung verankert ist mutet sehr instabil an angesichts der zugedachten Funktion, aber das Gerät wird, wie Skletti schon richtig vermutet hat auf einem Metallchassis verschraubt. Und da der Riegel gegen seitliche Belastung der Riegelstange ausgelegt ist, Wird der Riegel durch das Metallchassis seitlich abgestützt.

    Name:  Riegel ausgefahren.jpg
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    Hier nun auch die Innenansicht des Metallchassis:

    Name:  Chassis.jpg
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    Puuuh…das war echt Arbeit das alles zusammenzustellen. Aber hat Spaß gemacht

    Ich hoffe, die Funktionsweise ist nun deutlicher geworden? Zugegeben, nur mit Worten ist das doch schwer zu beschreiben / zu verstehen. Andererseits ist es auch kein Alltagsprodukt, dass man mal eben so beschreiben kann.

    Weitere Fragen beantworte ich natürlich gerne.

    Gruß,
    Unruhgeist

    --- Nachträglich hinzugefügt ---

    .....ich habe mir mal bei ebay ein paar Bilder entliehen, um zu zeigen wie solche Tresortüren aussehen können in denen solche Zeitschlösser eingesetzt werden. Sehr schön zu sehen in der Vergrößerung, der kleine Riegelbolzen auf der rechten Seite des Schlosses. (Übrigens mit zweifacher Redundanz)
    Dieser kleine Maccaronistab blockiert das gesamte Riegelwerk.

    Name:  Tresortür 1.jpg
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    Bild entliehen bei ebay


    tresortuer-2.jpg
    Bild entliehen bei ebay


    Name:  Tresortür 3.jpg
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Größe:  85,6 KB
    Bild entliehen bei ebay


    Gruß,
    Unruhgeist
    Unruhen waren schon immer der Taktgeber zur Änderung der Zeit

  15. #15
    Avatar von Skletti
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    Vielen Dank, für die weiteren Erklärungen und Bilder. Jetzt verstehe ich die Funktionsweise.

    Es hat etwas gedauert, bis ich begriffen habe, dass der Riegel das u-förmig gebogene Ende ist. Bis dahin bin ich von einem Zylinder ausgegangen und konnte nicht nachvollziehen, wie dieser in den Weg des Stahlbolzens (9) „gedrückt“ und aus seinem Weg „gezogen“ werden sollte.

    Solche genialen (und genial einfachen) Patente erstaunen und begeistern mich immer wieder.
    Geändert von Skletti (15.02.2018 um 00:01 Uhr)
    Sonnige Grüße
    Ivo


  16. #16
    Avatar von Unruhgeist
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    Patent ist ein gutes Stichwort: Das Gerät hat die US-Patentnummer 4269050. Eingereicht wurde es 1978, erteilt 1981. Unter anderem war ein gewisser Charles G. Bechtiger aus La Chaux de Fonds daran beteiligt. Vielleicht kann ich an der Stelle noch tiefer buddeln.
    Allerdings gab es solche Zeitschlösser auch schon Mitte / Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika. Es ist also nicht so, dass erst 1978 das Rad neu erfunden wurde.
    Beruhigend für mich, das Patent hat auch 14 Seiten. Scheint also doch einiges an Text nötig zu sein um das Teil zu beschreiben.

    Falls sich jemand interesssiert, hier noch ein Video zur Geschichte von Sargent & Greenleaf

    Gruß,
    Unruhgeist
    Unruhen waren schon immer der Taktgeber zur Änderung der Zeit

  17. #17
    Avatar von Harpye
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    Ich kenn solche Zeitschlösser chemisch von Nobel ... man stellt die Zeit von jetzt bis zur Öffnung über die Länge der Zündschnur ein ....

    Ernsthaft: richtig toller Mechanismus! - nur - wie kriegt man die Tür wieder auf wenn mal einer vergessen hat " ihn aufzuziehen" oder der Strom ausgefallen ist und der Mechanismus sich verstellt hat, bzw hängengeblieben ist?

  18. #18
    Avatar von Unruhgeist
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    Stromausfall ist völlig egal. Der Mechanismus läuft vollmechanisch durch Federkraft. Ist ja ein Uhrwerk.

    "Vergessen aufzuziehen" ist nicht möglich. Damit das Zeitschloss verriegelt, muss erst Knopf 4 gedrückt werden. Das ist aber erst möglich wenn beide Uhrwerke aufgezogen wurden.
    Und wenn gar nicht aufgezogen wird ist das für die Tresorverriegelung auch egal. Das Zeitschloss verriegelt nicht den Tresor, sondern blockiert nur dessen Riegelwerk für den voreingestellten Zeitraum. Ist kein Zeitraum eingestellt, wird das Riegelwerk auch nicht blockiert.

    Zum Ausfall der Mechanik: Deshalb ja 2 Uhrwerke. Versagt das eine, entriegelt das andere. Fallen beide aus, wird es richtig teuer. Dann geht nichts mehr ohne Öffnung mit irgendeiner Zerstörung. Deshalb gibt es ja auch Zeitschlösser mit bis zu 4 Uhrwerken. Das alle 4 Werke während einer Schließzeit ausfallen ist höchst unwahrscheinlich.

    Gruß,
    Unruhgeist
    Unruhen waren schon immer der Taktgeber zur Änderung der Zeit

  19. #19
    Avatar von Der Stromer
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    Tolle Sache und Dokumentation! Vielen Dank.

    @Harpye: Methode 1 greift
    Liebe Grüße,
    Rolf-Dieter, der Stromer
    Schaut doch mal rein: www.rolf-dieter-reichert.de es lohnt sich bestimmt

  20. #20
    Avatar von Spindel
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    Vielen Dank für die Vorstellung und Erläuterung.Habe das sehr gerne gelesen.

    Gruß Roland
    Mitglied des Glashütte Besitzer Club G.B.C.

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