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  1. #1

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    Lenzkirch Gewicht / wie schwer?

    Hallo zusammen,

    seit Jahren hängt im Keller der Lenzkirch - Regulator, mit einem Gewicht, welches nicht original ist und offenbar auch die falsche Masse hat.
    Es wiegt 1220g, die Uhr läuft zu schnell, die Pendellinse ist bereits von der Verstellung her ausgereizt. Wer weiß die richtige Masse bei dieser Uhr?




    Danke und Gruß, Westminster.

  2. #2
    Avatar von Stoerzel
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    Hallo,

    um wie viel läuft die Uhr denn zu schnell? Am Gewicht sollte das normal nicht liegen. Ist die Pendelfeder die richtige? Man kann/ könnte auch die Pndellinse etwas schwerer machen wenn du sie schon ganz nach oben geschoben hast und es zu keinem Erfolg kommt.
    Wohlstand ist, wenn die Menschen mehr Uhren haben als Zeit.

  3. #3
    Avatar von Zeit-Reisender
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    Falsches Pendel, evtl. zu kurz oder nicht richtig eingehängt?

    Zu kurze Pendelfeder kann es auch sein.
    Take care, Hartmut

    Die Wildtierbestände auf der Erde sind seit 1970 um durchschnittlich 58% zurückgegangen

  4. #4

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    Danke Euch für Eure Antworten. Das Pendel ist original, die Pendelfeder der Länge nach i.O., da der Mitnahmestift für die Ankerwelle mittig in der Aussparung im Pendel sitzt. Also nach beiden Richtungen (oben und unten) mit demselben Abstand. Genauso mittig, mit demselben Verstellbereich, gehört eigentlich die Pendellinse bei korrekter Funktion montiert. Wie gesagt, das Gewicht gehört nicht dazu, ist vermutlich von einer Schwarzwalduhr. Die Uhr geht schon genau, jedoch fällt mir fast die Schraube unter der Pendellinse ab, so ausgereizt ist der Verstellbereich. Meine Vermutung nach wie vor: Das Gewicht ist zu schwer oder zu leicht.

    Gruß Westminster.

  5. #5
    Avatar von Stoerzel
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    Die Paßgenauigkeit der Pendelfeder ist das eine. Die genaue Feder zu haben die andere Sache. Länge und Klingenstärke muss stimmen.
    Wenn es nur um kleine Abweichungen geht, folgendes.

    Ziehe die Pndellinse ab und fülle ( so mache ich das) etwas Senkblei (zu bekommen im Anglershop in verschiedenen Größen/Gewichten) in die Linse.
    Somit wird sie schwerer, der Auschlag kürzer und der Gang langsamer .

    Mit etwas mehr Aufwand kannst Du die Linse auseinander nehmen und innen (habe ich auch schon gemacht) etwas gewichtiges deiner Wahl einkleben.
    Mit deinem Gewicht solltest du soweit richtig liegen. Jetzt anfangen andere zu Kaufen um 250 gr. +/- auszugleichen ist Unfug.
    Wohlstand ist, wenn die Menschen mehr Uhren haben als Zeit.

  6. #6
    Pegasus
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    Zitat Zitat von Westminster Beitrag anzeigen
    ...die Uhr läuft zu schnell, die Pendellinse ist bereits von der Verstellung her ausgereizt.
    Die Uhr läuft also vor? Hierbei drehe ich bei meiner Pendeluhr die Stellschraube der Pendellinse nach unten, wodurch die Linse nach unten kommt und somit den Pendelweg verlängert, das wiederum verlangsamt die Uhr.

    Alles klar?

  7. #7
    Avatar von Der Stromer
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    Zitat Zitat von Stoerzel Beitrag anzeigen
    Die Paßgenauigkeit der Pendelfeder ist das eine. Die genaue Feder zu haben die andere Sache. Länge und Klingenstärke muss stimmen.
    Wenn es nur um kleine Abweichungen geht, folgendes.

    Ziehe die Pndellinse ab und fülle ( so mache ich das) etwas Senkblei (zu bekommen im Anglershop in verschiedenen Größen/Gewichten) in die Linse.
    Somit wird sie schwerer, der Auschlag kürzer und der Gang langsamer .

    Mit etwas mehr Aufwand kannst Du die Linse auseinander nehmen und innen (habe ich auch schon gemacht) etwas gewichtiges deiner Wahl einkleben.
    Mit deinem Gewicht solltest du soweit richtig liegen. Jetzt anfangen andere zu Kaufen um 250 gr. +/- auszugleichen ist Unfug.
    Also so einen Unfug habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Lese bitte erstmal das Pendelgesetz, bevor Du hier Mutmaßungen von Dir gibst.

    Pendel länger = Uhr langsam und umgekehrt. Und das hat nichts mit dem Gewicht der Pendellinse zu tun!

    Übrigens auch nicht mit dem Ganggewicht. Bei dieser Uhr liegt ein anderer Fehler (in der Hemmung) vor. Ein paar gute Bilder des Werkes und der Hemmung würden helfen.
    Liebe Grüße,
    Rolf-Dieter, der Stromer
    Schaut doch mal rein: www.rolf-dieter-reichert.de es lohnt sich bestimmt

  8. #8
    Uhrenhersteller
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    Das Gewicht sieht mir eigentlich stimmig aus. "Schwarzwälder" hatten Tannenzapfen oder Gussgewichte. Das Gewicht hat auch keinen Einfluss auf die Ganggenauigkeit. Man kann die Linse etwas schwerer machen, um den Schwerpunkt des Pendels etwas nach unten zu holen. Vor solchen Maßnahmen würde ich aber alle anderen Faktoren überprüfen. Wenn die Uhr jetzt genau geht, ist vielleicht ein Stück der Gewindestange abgebrochen. Auf dem Bild ist ja noch Luft nach unten. Die Gewindestange ist mit einem Holzgewinde im Pendelstab. Ist vielleicht etwas zu tief reingedreht. Einen Fehler an der Hemmung kannst Du erkennen, indem Du mal den Sekundenzeiger beobachtest. Wenn da ein größerer Sprung ist, ist ein Zahn defekt. Das ist übrigens eine Lügensekunde, der Zeiger ist in ca. 45 Sek. einmal rum.

  9. #9

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    Danke zusammen,

    dann werde ich noch mal alle in Frage kommenden Teile betrachten. Allerdings würde ich trotzdem gerne wissen, wie die Uhrenhersteller das Gewicht festgelegt haben. Ob sich die Mühe gemacht wurde (oder wird) Reibung, Materialien, Anzahl der Achsen, Schmierung und Lagerdurchmesser zu berechnen? Tut mir leid, daß ich mich daran festbeiße.

    Gruß Westminster.

  10. #10
    Avatar von Stoerzel
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    Also so einen Unfug habe ich schon lange nicht mehr gelesen.
    Vielen Dank für deine belehrenden Worte Rolf-Dieter!

    Er hat wie zusehen, noch Luft nach unten. Also kann die Linse noch nach unten verschoben werden. Er spricht ja von wenigen Minuten!
    Auch die Pendelfeder (das weisst Du zu 100%) ist nicht gleich Feder und von Ausschlag her gibt es da Unterschiede (siehe z.B. deine Jahresuhren) wo oft falsche Federn verbaut sind.

    Und, mit dem beschweren der Linse hatte persönlich schon Erfolg. Grad bei alten Uhren ist vieles gebastelt und zusammen gewürfelt. Da werden andere Gewichte genommen da sie schöner aussehen, eine andere Pendellinse verbaut da sie eine schönere Gravur hat usw.

    Das es das Optimum ist, hat keiner behauptet! Comtoise - Uhren z.B., gibt es mit einem einfachen Stabpendel oder aber mit einem um ein vielfaches, größeres und schweres Prachtpendel und sehr schweren Gewichten....

    Das der Fehler auch an der Hemmung liegen kann, wurde ja nicht ausgeschlossen oder steht das irgendwo?

    Zitat:

    Das Pendelgesetz des Galileo Galilei,

    Die Länge einer Aufhängung bestimmt die Schwingdauer des daran hängenden Gewichts. Längere Pendel schwingen langsamer, kürzere entsprechend schneller. Verlängert man ein Pendel um das Vierfache, so schwingt es nur noch halb so schnell.
    Wohlstand ist, wenn die Menschen mehr Uhren haben als Zeit.

  11. #11
    Uhrenhersteller
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    Avatar von Rainer Nienaber
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    Zitat Zitat von Stoerzel Beitrag anzeigen
    Vielen Dank für deine belehrenden Worte Rolf-Dieter!
    Du fühlst Dich aber jetzt nicht auf den Schlips getreten, oder?

    Zitat Zitat von Stoerzel Beitrag anzeigen



    Das Pendelgesetz des Galileo Galilei,

    Die Länge einer Aufhängung bestimmt die Schwingdauer des daran hängenden Gewichts. Längere Pendel schwingen langsamer, kürzere entsprechend schneller. Verlängert man ein Pendel um das Vierfache, so schwingt es nur noch halb so schnell.
    Hier ist mit dem Wort "Aufhängung" aber nicht die Pendelfeder gemeint, sondern der Pendelstab.
    Und wenn, wie der TS ja sagte, der Ankerstift mittig im Schlitz liegt, kann man von der richtigen Pendelfederlänge ausgehen.

    @Westminster: natürlich wird das Antriebsgewicht genau berechnet. Toll ist es, wenn die Berechnungen dann auch stimmen und die Uhr mit dem berechneten Gewicht zuverlässig läuft.

  12. #12
    Avatar von Nippon-Fan
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    Zitat Zitat von Westminster Beitrag anzeigen
    Danke zusammen,

    dann werde ich noch mal alle in Frage kommenden Teile betrachten. Allerdings würde ich trotzdem gerne wissen, wie die Uhrenhersteller das Gewicht festgelegt haben. Ob sich die Mühe gemacht wurde (oder wird) Reibung, Materialien, Anzahl der Achsen, Schmierung und Lagerdurchmesser zu berechnen? Tut mir leid, daß ich mich daran festbeiße.

    Gruß Westminster.
    Hallo!

    Also der Vorgang kommt, wenn überhaupt, dann nicht wesentlich durch ein zu schweres Gewicht zustande. Welches Gewicht benötigt wird, hängt von der Bauart des Uhrwerks ab. Z.B. läuft das Gewicht direkt ab oder wird eine Umlenkrolle verwendet. Gibt es ein oder zwei Satzräder um die Gangautonomie zu verlängern usw. Außerdem bestimmt die Masse der Pendellinse das benötigte Gewicht. Je massereicher das Pendel umso mehr Gewicht wird am Antrieb benötigt.
    Grundsätzlich ist es für die Mechanik von Vorteil, wenn so wenig Gewicht wie möglich verwendet wird. Hast du das Originalgewicht nicht mehr, kannst du das Gewicht auch experimentell ermitteln mit einem Gefäß, welches du mit Sand o.ä. befüllst und auswiegst.
    Das Gewicht verändert den Gang nur gering, aber beeinflusst die Pendelamplitude bei gegebener Masse der Pendellinse.
    Dein Regulator hat ja eine Pendelskala. Vorausgesetzt das Werk ist gereinigt und richtig geölt, sollte die Pendelamplitude zwischen 1 und 2 liegen. Reduzierst du das Gewicht oder machst die Pendellinse schwerer, fällt die Amplitude geringer aus.

    Bei deiner Uhr, so wie du das Problem geschildert hast, sehe ich das Problem entweder so wie es Rainer beschrieben hat oder eben doch in der Pendelfeder. Der Schlitz im Pendel, in den die Ankergabel eingreift ist doch verhältnismäßig lang. Eine z.B. um 3mm zu kurze Pendelfeder würde hier nicht zu Passproblemen führen, den Gang allerdings deutlich beschleunigen. Gerade Pendelfedern werden gerne mal so nach "über den Daumen gepeilt" ersetzt.
    An einen Fehler in der Hemmung oder sonst im Räderwerk glaube ich erst mal nicht. Es sei denn deine Uhr ist Bastelware und jemand hat ein unpassendes Rad eingebaut. Ausschließen kann man das bei einer so alten Uhr leider auch nie.

    Der Tipp von Stoerzel etwas Masse in die Pendellinse zu füllen, wäre eine Bastellösung, die funktioniert. Allerdings kommt der "Abbremseffekt" nicht durch die zusätzliche Masse zustande, sondern durch die Veränderung des Schwerpunktes der Pendellinse (nach unten). Nachteil hier: Die Pendelamplitude verkleinert sich durch die zusätzliche Masse der Pendellinse, was man möglicherweise wieder durch ein größeres Gewicht ausgleichen muss, das dann die Mechanik wiederum stärker belastet.

    Der Lenzkirch Regulator sieht übrigens klasse aus

    Gruß!
    Markus
    Geändert von Nippon-Fan (19.03.2017 um 18:11 Uhr)

  13. #13

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    Ist ein ausführlicher Beitrag und fast alles stimmt, aber ein Aberglaube wird leider weiterverbreitet:

    Außerdem bestimmt die Masse der Pendellinse das benötigte Gewicht. Je massereicher das Pendel umso mehr Gewicht wird am Antrieb benötigt.
    Nachteil hier: Die Pendelamplitude verkleinert sich durch die zusätzliche Masse der Pendellinse, was man möglicherweise wieder durch ein größeres Gewicht ausgleichen muss, das dann die Mechanik wiederum stärker belastet.
    Das Pendel verändert dauernd seine Bewegungs- in Lageenergie und wieder zurück, ohne weitere Energiezufuhr, egal wie schwer es ist. Verluste entstehen hauptsächlich durch Luftwiderstand, und der ist form- aber nicht gewichtsabhängig.

    Frank

  14. #14

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    Hallo Zusammen,

    gerade habe ich die Pendelfeder gewechselt, die Neue ist ca. 3mm länger. Jetzt läuft sie und ich werde berichten!

    Danke für Eure Tips. Als ich die Uhr kaufte, war sie in desolatem Zustand, mein Restaurator hat beim Gehäuse ganze Arbeit geleistet.

    Gruß Westminster.

  15. #15
    Avatar von Nippon-Fan
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    Zitat Zitat von AHVintage Beitrag anzeigen
    Ist ein ausführlicher Beitrag und fast alles stimmt, aber ein Aberglaube wird leider weiterverbreitet:




    Das Pendel verändert dauernd seine Bewegungs- in Lageenergie und wieder zurück, ohne weitere Energiezufuhr, egal wie schwer es ist. Verluste entstehen hauptsächlich durch Luftwiderstand, und der ist form- aber nicht gewichtsabhängig.

    Frank
    Das stimmt so aber auch nicht ganz Frank. Den Luftwiderstand kannst du bei einem Uhrenpendel getrost vergessen. Dazu schwingt es viel zu langsam. Aber wir reden hier nicht von einem idealen Pendel, sondern dem Pendel als Bestandteil der Graham Hemmung. Das Pendel gibt Energie an den Anker ab und bekommt sie wieder zugeführt.
    Energieverluste entstehen einerseits an der Pendelfeder (wenig) und andererseits an der Verbindung des Pendels mit der Ankergabel (viel). Ein großes, massereiches Pendel gleicht Störungen im Energiefluss des Räderwerks gut aus und ist auch unempfindlicher gegen äußere Störeinflüsse. Allerdings muss ihm diese größere Energiemenge, die es abzugeben vermag auch wieder zugeführt werden, z.B mittels eines schwereren Gewichts oder einer stärkeren Zugfeder.
    Bei einer freien Hemmung fallen die Reibungsverluste deutlich geringer aus und dem Pendel muss weniger Energie zugeführt werden. Bei einer rückführenden Hemmung ist der Energieverlust noch deutlich größer als bei der Graham Hemmung.

    Was nun aber das ideale Pendel angeht, stimmt deine Aussage natürlich Frank.

    Gruß!
    Markus

  16. #16
    Avatar von Der Stromer
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    So, jetzt ich mal wieder.

    Ich wollte sicher Niemanden beleidigen. Aber das Pendelgesetz sollt (fast) Jedem, der sich mit Pendeluhren beschäftigt, auch bekannt sein.

    Darum nochmal kurz zusammengefasst: In solchen "einfachen" Uhren kommen grundsätzlich zwei Arten Hemmungen zur Anwendung: Die Grahamhemmung und die Blechanker- oder Schwarzwald- oder Hakenhemmung. Sonderbauarten der Hemmungen wollen wir hier bitte außen vor lassen, das würde den Rahmen sprengen.

    Wie kann man diese Beiden auseinander halten, ohne das Uhrwerk zu zerlegen? Nun, die Blechanker- Schwarzwald- oder Hakenhemmung ist im Vergleich zu anderen Bauarten sehr laut. Dieses Tick - Tack hört man im ganzen Haus und stört nicht nur die "Bessere Hälfte" Hier sind Funktionsmodelle abgebildet: Volker Vyskocil. Viel Spaß!

    Zur Grahamhemmung: Diese Hemmung ist eine sog. "ruhende Hemmung", dass heißt, diese Hemmung hat keine Kraftraubende Auswirkung auf den Gang der Uhr. Einzig die Verluste (Reibung, Luftwiderstand, Schwerkraft) müssen durch die Hebung ausgeglichen werden. Das bedeute im Umkehrschluss, dass hier mit geringen Pendelgewichten gerechnet werden kann, da der Ausgleichsschwung im Vergleich zur Hakenhemmung sehr klein gehalten werden kann. Die Grahamhemmung ist die Hemmung, die in guten Wohnraumuhren Verwendung fand und findet. Das Ganggewicht muss natürlich genau vom Konstrukteur berechnet werden, muss es doch das Getriebe in Gang halten und eben über die Hebung das Pendel dazu bewegen, in Bewegung zu bleiben.

    Dagegen ist die Blechanker- Schwarzwald- oder auch Hakenhemmung eine sog. Rückführende Hemmung. Bei dieser Art der Hemmung wird bei jeder Pendelschwingung das Getriebe über das Ankerrad etwas (gegen die Kraft des Ganggewichtes oder der Feder) zurück gedreht. Und DAS braucht zusätzlich zu den Verlusten aus Reibung etc. Kraft. Daher muss bei dieser Hemmung das Gang-Gewicht schwerer sein und auch die Pendellinse (oder das gesamte Pendel) ein höheres Gewicht haben sonst ist der Ausgleichsschwung zu gering.

    Das Ganggewicht bringt die benötigte Kraft auf, das Gewicht der Pendellinse stellt den relativ großen Ausgleichsschwung zur Verfügung. Die Krux bei dieser Hemmung ist, das Ganggewicht darf nicht zu schwer werden, sonst wird der Gang sehr ungenau durch das Schlagen des Ankers (zu großer Ausgleichsschwung). Ein zu hohes Pendelgewicht kann neben anderen negativen Einflüssen hier die Lager und Zapfen des Ankers, der meist ohne Zugentlastung durch eine Pendelfeder mit dem Pendel verbunden ist, beschädigen. Ist aber eine Pendelfeder vorhanden, entfällt dieses Problem.

    Also ganz kurz:
    Das Gewicht des Pendel beeinflusst den Ausgleichsschwung, aber niemals die Schwingungsdauer, WENN die restlichen Bauteile der Hemmung in Ordnung sind.
    Die Länge des Pendels (vom Biegepunkt der Pendelfeder bzw. Lager des Ankers bis ca. unteres Drittel der Pendellinse) bestimmt die Zeit der Schwingung nach dem Pendelgesetz. In unseren Breiten sind das bei einer Länge von 99,4 cm circa 1 Sekunde (Richtwert, abhängig vom Breitengrad und der Höhe!).

    Das Ganggewicht hat jedoch auf den Gang bei Rückführenden Hemmungen einen Einfluss. Hohes Gewicht = Schneller und umgekehrt. Das liegt aber nur im Minutenbereich über die Laufzeit von 1 Woche.

    ....und: Bitte niemals "normale" Pendeluhr mit Drehpendeluhren vergleichen wollen. Bei Jahresuhren bestimmt die Länge der Pendelfeder bei einer Differenz von 0,5cm den Gang um ca. 4 Sekunden in 24h. Und: die Länge der Pendelfeder beeinflusst das "Aussehen" der Uhr Der Gang bei einer Drehpendeluhr wird ausschließlich durch den Durchmesser des Drehpendel UND die Stärke der Pendelfeder bestimmt. Das Gewicht des Drehpendel - egal ob Scheiben- oder Kugelpendel - beeinflusst aber auch den Ausgleichsschwung.

    Ps.: Wer nicht schlafen kann, dem empfehle ich, sich hier mal ein zu lesen: Sekundenpendel Eine aufregende Lektüre aus Wikipedia für Schlaf gestörte Fans von Pendeluhren

    Pps.: Ich bin kein Uhrmacher und habe mir mein weniges Wissen über diese Ticker, die die Zeit bedeuten, als Autodidakt an geeignet. Seht mir daher meine Fehler nach. Korrekturen nehme ich gerne an. Man(n) lernt doch nie aus!
    Liebe Grüße,
    Rolf-Dieter, der Stromer
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  17. #17

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    Hallo Leute,
    das Standardgewicht bei Wiener Regulatoren liegt meistens zwischen 600g - 800g vorausgesetzt das Werk ist sauber und die Lager sind in Ordnung. Um das Idealgewicht für eine bestimmte Uhr zu ermitteln hängt man an das Zugseil eine kleine Flasche oder Dose und gibt mal ein Kilo Gewicht (Wasser oder Sand) rein und entfernt dann so lange kleine Mengen bis die Uhr stehenbleibt. Sobald man dieses Mindestgewicht ermittelt hat erhöht man den Wert um 10% und das ist dann das Idealgewicht für diese spezielle Uhr. Aber wie schon gesagt, Voraussetztung ist ein sauberes Werk das in Ordnung ist. Bei schmutzigen oder eingelaufenen Lagern kommt sonst viel zu viel Gewicht dabei raus.

    lg Christian
    P.S.: Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten

  18. #18
    Avatar von Nippon-Fan
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    Hallo Christian!

    Genau mit dieser Methode würde ich auch das notwendige Gewicht ermitteln, wenn das Originalgewicht nicht dabei ist. Meine Vermutung ist ja, dass die Hersteller der Uhren das benötigte Gewicht ebenfalls so ermittelt haben, anstatt mit mathematischen Gleichungen, Reibungskoeffizienten etc. Besonders bei der industriellen Herstellung kommt ja nur sehr selten ein neues Uhrwerk auf den Markt. Da kann man doch locker das benötigte Gewicht alle Jahrzehnt mal experimentell ermitteln.

    @Westminster: Wie genau hat denn dein Restaurator das Gehäuse behandelt? Ist das ein Möbelschreiner?
    Ich frage weil ich in Sachen Gehäuseaufarbeitung keine Erfahrung habe und sich das bei mir immer auf etwas Möbelpolitur erschöpft.
    Und macht der "Sekundenzeiger" tatsächlich schon in 45 Sekunden eine 360° Umdrehung? Ich dachte immer diese Uhren hätten eine korrekte Sekunde, also keine Sekundenschritte, aber eine komplette Umdrehung in 60 Sekunden.

    Gruß!
    Markus
    Geändert von Nippon-Fan (20.03.2017 um 15:31 Uhr)

  19. #19

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    Zitat Zitat von Nippon-Fan Beitrag anzeigen
    Das stimmt so aber auch nicht ganz Frank.
    Hallo Martin, das stimmt schon so, und Falschinfos kann ich halt nicht stehen lassen.

    Den Luftwiderstand kannst du bei einem Uhrenpendel getrost vergessen. Dazu schwingt es viel zu langsam.
    auch das ist leider falsch.

    Aber wir reden hier nicht von einem idealen Pendel, sondern dem Pendel als Bestandteil der Graham Hemmung. Das Pendel gibt Energie an den Anker ab und bekommt sie wieder zugeführt.
    Beim Graham sicher nicht, da gibt es nur Ruhereibung (s.a. Rolfs Beitrag)

    Energieverluste entstehen einerseits an der Pendelfeder (wenig) und andererseits an der Verbindung des Pendels mit der Ankergabel (viel).
    nur bei schlecht konsrtruierten Werken (nicht zusammenfallende Drehpunkte Pendel/Pendelgabel)

    Ein großes, massereiches Pendel gleicht Störungen im Energiefluss des Räderwerks gut aus und ist auch unempfindlicher gegen äußere Störeinflüsse. Allerdings muss ihm diese größere Energiemenge, die es abzugeben vermag auch wieder zugeführt werden, z.B mittels eines schwereren Gewichts oder einer stärkeren Zugfeder.
    Letztere Behauptung verkennt leider immer noch die Realität. Seine Energie (mehr beim schweren, weniger beim leichten) wird dem Pendel beim Anschwingen zugeführt. Einmal in der stationären Schwingung, müssen nur noch die geringen Verluste ausgeglichen werden. Das Pendel gibt danach keine "Energie ab". Bei Stössen ("Störungen") wird sogar noch Energie eingetragen.

    Bei einer freien Hemmung fallen die Reibungsverluste deutlich geringer aus und dem Pendel muss weniger Energie zugeführt werden. Bei einer rückführenden Hemmung ist der Energieverlust noch deutlich größer als bei der Graham Hemmung.
    Na ja... Der Luftwiderstand (sorry!) hat mit der Hemmung nichts zu tun. Für gleiche Amplitude muss Du einem Pendel auch die gleiche Energie zuführen, egal wie viel vorher in der Hemmung flöten geht. Und bei der rückführenden Hemmung wird die Energie der Rückführung kurz in Feder/Gewicht gespeichert und beim Rückschwung gleich wieder ans Pendel zurück gegeben, verloren geht sie nicht.

    Was nun aber das ideale Pendel angeht, stimmt deine Aussage natürlich Frank.
    Das alles hat rein garnichts mit idealem Pendel zu tun.
    Natürlich musst Du mir nichts glauben, es ist ja nur Physik und keine Theologie. Nicht in der Bibel, aber in guten Fachbüchern ist das alles nachprüfbar.

    Grüße,
    Frank

  20. #20

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    Hallo zusammen,

    das freut mich jetzt, daß das Thema Gewicht so ausführlich behandelt wird. Ich bin nämlich auch kein Uhrmacher, meine Maschinen sind ein wenig größer und fertigen Serienteile für die Industrie.
    Und Markus, (Nippon - Fan), ja, der Sekundenzeiger flunkert tatsächlich. In 45 Realsekunden hat er 360 Grad hinter sich gelassen. Die Uhr kaufte ich vor Jahren in Lübeck, schleppte sie im Sommer durch die halbe Stadt zum Parkhaus. Die Scheiben fehlten, das Gehäuse hatte viele Wurmlöcher. Das hat mein Restaurator (der leider nicht mehr tätig ist), alles erledigt. (Wurmlöcher gespachtelt, Gehäuse geschliffen und lackiert, neues Glas eingesetzt) Das Uhrwerk wurde vom Uhrmacher überholt, es ist ja auch in Ordnung.
    Mit der längeren Pendelfeder läuft sie seit gestern, die Linse konnte ich dementsprechend nach oben korrigieren.
    Auch werde ich mal Christians (steffl62) Rat befolgen und mich nach einem leichteren Gewicht umsehen.

    Danke und einen angenehmen Abend Euch!

    Gruß Westminster.

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