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  1. #1
    Avatar von Labrador
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    Labradors Werkstatt: TISSOT mit Pointerdatum

    Als Uli (hass67) vor kurzem bei mir ein Wochenenduhrenseminar absolviert hat, lies er mir eine wunderschöne Tissot mit Pointerdatum zur Revision da. Ich denke sie stammt aus den 40ern. Äußerlich ist die Uhr in einem bemerkenswert gutem Zustand und läuft auch noch recht gut (Amplitude/Ganggenauigkeit).



    Hier ein Bild vom Werk. Oberflächlich betrachtet sieht es gar nicht mal verschmutzt aus...



    Wenn man sich aber die Lager genauer ansieht (Uli hat jetzt auch einen Kennerblick dafür), ist deutlich zu erkennen, dass das Öl seine ursprüngliche Schmierkraft verloren hat: ein klebriger Rand sitzt in den Ölsenkungen.



    Würde die Uhr längere Zeit in diesem Zustand genutzt, wären teure Folgeschäden sehr wahrscheinlich!

    Also habe ich heute begonnen, die Uhr zu zerlegen. Da ein Pointerdatum eher selten ist, möchte ich den Mechanismus einmal näher erklären und zeigen.

    Zur Veranschaulichung hier ein Bild mit abgenommenen Zifferblatt:



    Der Aufbau ist etwas einfacher und übersichtlicher als bei einem Fensterdatum.



    I: Das Datumsrad, auf dem der Pointerzeiger sitzt. Es dreht sich in 31 Tagen um 360° und hat 31 Rastungen.

    II: Die Arretierfeder. Sie greift nach jedem Datumswechsel in den nächsten Zahnzwischenraum ein und sorgt dafür, dass der Datumszeiger/rad nicht verrutschen kann.

    III: Das Mitnehmerrad. Es dreht sich in 24 Stunden um 360° und hat oben einen kleinen Stift, der in den nächsten Zahnzwischenraum des Datumsrades eingreift und dieses einen Zahn weiterstellt. Von aussen zu sehen, wenn der Datumszeiger um Mitternacht eine Position vorrückt.

    Beim Thema Zerlegen möchte ich darauf hinweisen, dass es wichtig ist den Schraubendreher in exakt der Größe der Schraube zu wählen, damit der zarte Schraubenschlitz nicht beschädigt wird. Hier ein leider etwa unscharfes Foto. Hoffe aber das Prinzip ist zu erkennen.



    Die Uhr ist zerlegt und wird demnächst gereinigt. Dann erst ist es möglich, die Einzelteile auf Schäden zu überprüfen.



    Ich hoffe, ich habe euch die Technik dieser klassischen Datumsschaltung etwas erklären können. Über Rückfragen freue ich mich wie immer.

    Viele Grüße

    Jörn (Labrador)
    Geändert von Labrador (30.06.2010 um 08:58 Uhr)

  2. #2
    Avatar von falko
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    Wieder sehr aufschlussreiche Bilder, Danke für die Mühe, die Du Dir immer machst! Deine Leidenschaft für die Uhrmacherei ist bei jeder Deiner Zeilen und jedem Deiner Fotos zu spüren. Dafür empfinde ich tiefe Bewunderung!
    Grüsse Gerd
    Die Beschäftigung mit Uhren lässt die Zeit vergessen.
    Man sollte nicht alles tun, was man könnte,
    aber man sollte alles können, was man tut!

  3. #3
    Avatar von Lexi
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    Dem kann ich mich nur anschliessen .

    Und deine Fotos sind immer klasse.

    Vielen Dank dafür .

    Gruss vom Lexi
    Gruss vom Lexi

  4. #4
    Avatar von Philipp
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    Pointer-Date

    Hallo Jörn,

    vielen Dank für die Einblicke in die Pointer-Date.

    Eine recht einfache und doch schicke Art das Datum anzuzeigen.
    Oft gesehen und noch nie Gedanken gemacht, wie es umgesetzt wird.

    Eine Schnellverstellung ist wohl nicht vorgesehen, aber wie es aussieht kann man in beider Richtungen "kurbeln", oder?
    Gruß aus Berlin
    Philipp
    "チトーニ / 梅花錶 / 티토니"

  5. #5
    Avatar von Labrador
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    @falko: Hallo Gerd, ein solches Lob aus deinem Munde ist für mich besonders wertvoll - danke dir. Aber speziell für uns beide gibt ja auch nichts schöneres als sich an der historischen Technik der alten Uhren zu erfreuen.

    @Lexi: Danke dir. Leider ist das Schraubendreherfoto etwas unscharf - hatte aber meine Assistentin nicht dabei und musste das so aus der Hüfte schießen.

    @Philipp: Hallo Philipp, das stimmt. Das Pointerdatum ist konstruktiv recht einfach - sieht aber klasse aus. Es gibt dabei auch so schöne Zeigervarianten (Halbmond, Pfeil, Kugel,etc...)
    Eine Schnellverstellung ist bei dieser Uhr nicht eingebaut. Meist hat man das über Drücker, die seitlich im Gehäuse eingelassen sind geregelt. Über den Drücker wurde eine kleine Schaltklinke betätigt, die das Datumsrad einen Zacken weitergeschaltet hat. Bei der Tissot geht vorwärts wie auch rückwärts drehen.

  6. #6
    Avatar von Poljotnik
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    ...was soll man da noch sagen ausser: Merci! So lernt sichs einfach klasse...

    Vielen Dank!

    Enrico
    - ex oriente pulsus -

  7. #7
    Avatar von bonjuhr
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    Wieder mal ein toller Bericht mit anschaulichen Fotos,
    herzlichen Dank dafür

    lg aus Wien
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  8. #8
    Avatar von RiGa
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    Hallo, Jörn!

    Mittlerweile fast schon zur liebgewordenen und nicht mehr wegzudenkenden Gewohnheit geworden - man lehnt sich entspannt zurück und genießt ganz einfach.

    Die Bilder in Kombination mit Deinen aufschlußreichen Texten lassen hier gar einen Fernlehrkurs vermuten.
    Im Ernst jetzt: Genau diese Detailaufnahmen mit erläuternden Bemerkungen eines Könners sind es, die uhrentechnischen Laien wie mir immer wieder auf die Sprünge helfen, und ein wenig dieser Lücke zu schließen vermögen.

    Danke dafür!

    Zitat Zitat von Labrador Beitrag anzeigen
    Hier ein Bild vom Werk. Oberflächlich betrachtet sieht es gar nicht mal verschmutzt aus...
    Na siehst Du! Und da wir dieses Thema erst unlängst hatten, darf es Dich nicht verwunden, daß ich da immer ein wenig hilflos schwimme ...

    Gruß, Richard

  9. #9
    Avatar von Labrador
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    @Poljotnik: Hallo Enrico, danke, gern geschehen.

    @bonjuhr: Hallo Wolfgang, danke dir. Die Tourist von dir ist auch irgendwann an der Reihe - aber erst gehen die Aufträge vor...

    @RiGa: Lieber Richard, danke dir für deine netten Worte. Das mit den verschmutzten Lagern von Uhren, die trotzdem noch laufen ist ja auch ein Thema für sich. Vielfach werden hier gefährlich falsche Meinungen vertreten.
    Da du ja jetzt auch so langsam im Vintagebereicht heimisch geworden bist, rate ich dir, bei 95% aller Vintagekäufe von einer notwendigen Reinigung der Uhr auszugehen. Wenn das ins Budget eingeplant wird, geht es allen Beteiligten gut - vor allem der Uhr.

    Viele Grüße

    Jörn

  10. #10
    Avatar von H.Solo
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    Jörn, Deine Einblicke ins Innere von Uhren erstaunen und faszinieren mich immer wieder aufs neue!

    Vielen lieben Dank fürs zeigen... ich freue mich schon, wenn es an dieser Stelle weitergeht!
    Viele Grüße, Michael

  11. #11
    Avatar von pretium intus
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    Zeigerdatum auch modern

    Hi,
    vielen Dank für die techn. Aufklärung beim Zeigerdatum.
    Möchte jedoch bemerken, daß es auch moderne Konstruktionen gibt, die dieses aufgreifen. Also nicht nur Vintage......
    Gilt diese Datumsstellung auch bei moderneren Werken?
    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken  
    mi reloj es mi corazón (Aufkleber auf chilenischen Trucks)

  12. #12
    Avatar von Labrador
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    @H.Solo: Hallo Michael, danke dir. Fortsetzung? Ja, warum nicht. Ursprünglich war es mein Plan, hier nur die Pointerdatum zu zeigen. Wenn daran aber Interesse besteht, mache ich das gerne.

    @pretium intus: Du hast natürlich Recht, das gibt es heute auch immer wieder und wird auch gerne als nostalgisches Stilmittel aufgegriffen. Grundsätzlich wird sich die technische Konstruktion nicht wesentlich davon unterscheiden. Bei deiner Citizen ist auch sehr schön der Halbmondzeiger zusehen. Danke fürs Zeigen.

  13. #13
    lopo
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    Hallo Jörn, ich hoffe Uli hat dir noch mehr seiner alten Schätzchen dagelassen.
    Du bedschreibst deine Revisionen einfach ganz toll. Da verstehe ich sogar was gemacht wird.

  14. #14
    Avatar von Jonny
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    Und wieder was gelernt, danke
    OS X is like a wigwam: no windows, no gates and an apache inside !

  15. #15
    Avatar von hass67
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    Schöne Uhr, schönes Werk, sehr schön erklärt und bebildert.

    Und ich kann Gerd nur absolut Recht geben. Man merkt bei jedem Satz und jedem Foto mit welcher Leidenschaft Du Dich mit Uhren beschäftigst.



    Das Problem was ich bei Vintage-Uhren habe, wenn ich mir nicht sicher bin, ob das Werk noch hinreichend geschmiert ist, ist, dass ich diese Uhr dann auch nur mit halber Freude tragen kann, da ich immer im Hinterkopf habe, dass ja vielleicht doch größere Abnutzung und Schädigung daraus resultieren. Daher rate ich jedem, nach dem Kauf einer Vintageuhr einen Fachmannn nach dem Werk schauen zu lassen, selbst wenn sie einigermaßen ganggenau läuft.

    Ich freue mich schon wieder auf eine revisionierte Tissot, die ich ohne Skrubel tragen kann und keine größeren Verschleißerscheinungen zu befürchten brauche.

    Gruß
    ULI

  16. #16
    Avatar von mahlekolben
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    Bin zwar mal wieder etwas spät dran - aber Reinigung, Zusammenbau, Funktionstest und Feinregulierung habe ich noch nicht verpasst...

    Vielleicht noch gerade rechtzeitig genug?

    Die Technik hast Du wieder ein Mal schön dargestellt und erklärt, Jörn!

    Danke für Deine Arbeit!

    Ich beobachte gerne weiter...

    Liebe Grüße

    Michael

  17. #17
    Avatar von Labrador
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    @mahlekolben: Hallo Michael, du bist nicht zu spät. Hab Dank für dein nettes Feedback.

    Und heute gehts nun auch wieder etwas weiter. Vor der Reinigung der Teile habe ich den Abstandsring, der zwischen Zifferblattunterseite und Uhrwerk für den nötigen Platz sorgt abgenommen.



    Er ist einfach nur aufgesteckt. Hier sind die an der Unterseites des Rings angebrachten Füße zu erkennen.



    Ich möchte heute einmal zeigen, wie saubere Lager aussehen. Die schmutzigen und verklebten kennen wir ja alle... Für den verschleißfreien und leichten Gang der Uhr ist es aber unbedingte notwendig alle Lager mit allergrößter Sorgfalt zu reinigen - sie müssen vor dem Zusammensetzen sozusagen "klinisch" rein sein. Kleinste Krümel oder auch ein zarter Schlierenfilm würde das ÖL innerhalb kürzester Zeit um seine Schierfähigkeit bringen. Auf dem folgenden Bild habe ich einmal versucht diesen Zustand fest zu halten.



    Das Gleiche gilt natürlich auch für die Rad und Treibzähne (die werden allerdings nicht geölt). Auf dem Bild sind schwarze Dreckreste zu erkennen. Diesen oft hartnäckigen Dreck kann man am besten mit einem angespitzten Putzholz entfernen. Verunreinigungen aus den Radzahnen entfernt man leicht mit einer kleinen Glasfaserbürste.



    Nach der sorgfältigen Reinigung und einem abschließenden Bad in Benzin sollte das Trieb so aussehen:



    Oft bemerkt man erst beim Zerlegen, wie schön diese klassischen und alten Uhrwerke gearbeitet sind. Das möchte ich euch nicht vorenthalten. Hier ein Bild vom Kronrad mit jeweils einer Verzahnung zur Seite (treibt das Sperrad an) und einer nach unten, wo die Kupplungsradzähne eingreifen. Diese fertigungstechnische Mühe macht sich heute wohl kaum ein Hersteller mehr - da greift das Kupplungsrad einfach direkt in die äußeren Zähne ein...



    Ein anderes Zeichen für klassische Bauweise kann man an den Schrauben erkennen. Die sind für ihren Durchmesser relativ lang und schmal.



    Für heute ist erstmal Schluss. Der Labrador ist nun müde...

    Viele Grüße

    Jörn (Labrador)

  18. #18
    Avatar von mahlekolben
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    Wow - tolle Bilder - schöne Erklärungen - Danke!

    Der Tipp mit dem Glasfaserstift ist klasse - Deinen Feierabend hast Du Dir verdient!
    Liebe Grüße

    Michael

  19. #19
    Avatar von mahlekolben
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    Habe ich Dir jetzt Deinen Thread versaut?

    Das wollte ich nicht, aber irgendwie macht keiner mehr mit...

    Ich hol ihn jetzt mal wieder nach oben!
    Liebe Grüße

    Michael

  20. #20
    Avatar von JungHans
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    Klasse, wie immer von Labrador!
    Lehrreich, interessant und verständlich
    Auch wenn ich es nie machen werde
    Gruss Wolfgang

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