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  1. #1
    Avatar von Labrador
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    Labradors Werkstatt: Gehäuse mit Sonnenschliff aufarbeiten

    Da dies in der Vergangenheit immer wieder ein Thema war, möchte ich euch heute zeigen, wie ich ein Gehäuse mit dem für die 70er typischen Sonnenschliff aufarbeite. Bei diesem Projekt hat mich meine Tochter Katharina (8 Jahre) unterstützt indem sie einige Fotos gemacht hat und bei der Arbeit assistiert hat.

    Mein Avatar hat sich während dieser Session genüsslich einem kleinen Werkstattschlaf hingegeben.



    So einfach hatten wir es aber nicht. Ausgangsbasis war ein mit recht tiefen Macken versehrtes Certina Gehäuse in Stahl, dass mir ULI (hass67) zur Revision dagelassen hat, als er vor ein paar Wochen zu Besuch war und ein kleines Uhrenseminar bei mir absolvierte.



    Hier noch zwei Bilder durch meine Lupe, um alles noch drastischer darstellen zu können:





    Zuerst habe ich das Gehäuse grob von Hand abgeschliffen, damit die tifen Kratzer verschwinden. Hierbei ist darauf zu achten, dass die ursprüngliche Gehäuseform nicht verändert wird. Deshalb lege ich das Gehäuse fest auf und führe eine Schleiflatte (mit Schleifpapier beklebte Holzlatte) möglichst der ursprünglichen Form folgend darüber. Da wir es mit einem Edelstahlgehäuse zu tun haben, gibt es auch keine oberflächliche Schicht, die durchgeschliffen werden könnte.

    Übrigens ein Bild, dass Katharina gemacht hat, da mir dafür die dritte Hand fehlt.



    Nach dem Vorschliff sah das Gehäuse so aus - die tiefen Macken sind verschwunden:



    Ich habe darauf geachtet, dass die Kanten nicht rund werden. Wenn das nicht sorgfältig beachtet wird, sieht man sofort, dass das Gehäuse mit wenig Aufwand aufgehübscht wurde. Hier also schöne Kanten:



    Auch im Kronenbereich, wo ich vorsichtig um den Tubus herumgeschliffen habe. Alternativ hätte ich ihn auch entfernen können, was aber der späteren Wasserdichtigkeit nicht zuträglich ist.



    In der Zwischenzeit hat Katharina die Spannbacken des Vierbackenfutters umgesetzt:



    Damit wir nun das Gehäuse in die Drehbank einspannen können. Um das Innengewinde zu schonen (hier setzen die Spannbacken an) haben wir eine alte, breite Bodendichtung zwischen Gehäuse und Spannbacken gezogen.



    Nun kommt der Sonnenschliff wieder auf den oberen Bereich des Gehäuses. Dafür habe ich ein Schmirgelleinen mit passender Körnung über eine schmale Feile gezogen und ziehe damit in gleichmäßigen und möglichst graden Strichen über die Fläche. Dabei drehe ich das Vierbackenfutter ganz langsam in eine Richung. Die Schleiffeile lege ich dabei auf die Handstichelauflage auf, damit ich etwas Führung bekomme.



    Mehrere Drehungen sind dafür notwendig.


    Die Herausforderung ist dabei, nicht zu verkanten, damit es eine gleichmäßige Oberfläche ergibt.



    Das Polieren der übrigen Flächen war dagegen recht einfach, da alles sauber vorgeschliffen war. Hier das Ergebnis:



    Die Spiegelung im Schliff lässt sich nur schwer im Foto festhalten.

    Als letztes brauchte auch der Schraubboden Zuwendung. Es sah fast so aus, als hätte irgendwer versucht, die Uhr mit einem Meißel zu öffnen. Um dieser Verschandelung beizukommen, haben wir den Boden mit dem Vierbackenfutter eingespannt und mit einer Schmirgellatte geschliffen.



    Zum Schluss haben wir die Schräge, wo die Einfräsungen für den Öffner sitzen mit einem spitzzulaufenden Schleifstein bearbeitet.



    Ich freue mich sehr, dass wir dieses arg geschunden Certinagehäuse retten konnten, aber noch viel mehr, dass sich meine Tochter allmählich immer mehr für die Uhrmacherarbeit interessiert. Es wird ja auch langsam Zeit, dass ich mein Wissen weitergebe.

    Diese gezeigte Aufarbeitung ist sicher noch effektiver und perfekter mit einer speziellen Maschine auszuführen - aber auch ich habe nicht alles...

    Viele Grüße

    Jörn (Labrador)

  2. #2
    Avatar von Lexi
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    Wieder mal ein klasse Bericht von dir . Vielen Dank dafür.

    Als Dreher kann ich mich da sehr gut reinversetzen. Bei mir ist alles nur ein wenig grösser .

    Gruss vom Lexi
    Gruss vom Lexi

  3. #3
    Avatar von Micha
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    Klasse Arbeit, danke für´s zeigen.
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    Breitling Full ling Club Member/ Grüße Micha

  4. #4
    Avatar von RiGa
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    Lieber Jörn!

    Ich möchte an dieser Stelle einmal DANKE sagen.

    Danke dafür, daß Du uns hier immer wieder an Deiner sehr interessanten Arbeit teilhaben läßt.

    Selbstlos. Hochinteressant. Mit Herz und Seele!

    Und nun durften wir sogar Zeuge sein, wie sehr Du Deine mit Leidenschaft durchgeführte Tätigkeiten in die Familie trägst.




    Nur Dein Hund dürfte noch nicht davon angesteckt worden zu sein.

    Gruß, Richard
    (der wirklich froh darüber ist, Dich persönlich kennengelernt haben zu düfen)

  5. #5
    Avatar von falko
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    Wieder ein toller und sehr interessanter Bericht, Danke Jörn!
    Diese Art des Gehäuseschliffes ist sehr schwer instandzusetzen. Da ich keine Drehbank mit entsprechendem Futter habe, wird mir dergleichen auch in Zukunft verwehrt bleiben. Auch wäre ich mir nicht so sicher, immer genau in der gleichen Weise vom Zentrum aus schleifen zu können. Respekt, Jörn!
    Grüsse Gerd
    Die Beschäftigung mit Uhren lässt die Zeit vergessen.
    Man sollte nicht alles tun, was man könnte,
    aber man sollte alles können, was man tut!

  6. #6
    Avatar von mini
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    Danke, Jörn,

    wieder ein hochinteressanter Besuch in Deiner Werkstatt.
    Leider werden mir (bei allem Ehrgeiz) Deine Erfolge versagt bleiben.
    Aber für die kleinen Arbeiten nehme ich trotzdem genug mit...

    Vielen Dank für dieses und für hoffentlich viele weitere Tutorials
    Achja: und auch vielen Dank an Katharina!

    Gruss
    Mathias
    Geändert von mini (20.06.2010 um 21:47 Uhr)
    Geändert von mini (heute 07:43 Uhr). Grund: Eine einzige Tatsache kann Dir die ganze Argumentation versauen!

  7. #7
    Avatar von hass67
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    Hallo Jörn,

    da werde ich vor Freude ja ganz zittrig. Das habe ich ja in keinster Weise erwartet, dass Du Dich so über das Gehäuse hermachst, die Macken wegschleifst und sogar den Zierschliff erneuerst.

    Ich hätte durchaus mit dem Gehäuse leben können und hätte nie im Traum daran gedacht, Dich um eine solch mühevolle Aufarbeitung zu bitten. Aber wahrscheinlich war der Zustand des Gehäuses mit Deiner Uhrmacherehre nicht vereinbar. du bist da ja recht genau.

    Ich bedanke mich bereits jetzt für die Mühe, die Du in die Aufarbeitung gesteckt hast und alleine die Fotos sehen schon toll aus. Ich sehe schon, ich bekomme eine nahezu neuwertige Uhr zurück. Tolle Arbeit.

    Besten Dank
    ULI

  8. #8
    lopo
    Gast
    Mensch Jörn was ist das wieder ein toller Bericht und super Fotos die deine Tochter da gemacht hat so gute würde ich nicht hinbekommen
    Ich hab mich immer gefragt wie so ein Sonnenschliff hergestellt wird. Anhand deiner Beschreibung kann ich mir das jetzt gut vorstellen.

  9. #9
    Avatar von Silky Johnson
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    Ein sehr schönes Tutorial! Vielen Dank an das Familiengespann, habe wieder was dazu gelernt.



    Gruß
    Waldemar

  10. #10
    Avatar von mini
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    Zitat Zitat von hass67 Beitrag anzeigen
    Hallo Jörn,

    da werde ich vor Freude ja ganz zittrig. Das habe ich ja in keinster Weise erwartet, dass Du Dich so über das Gehäuse hermachst, die Macken wegschleifst und sogar den Zierschliff erneuerst.

    ...

    ULI
    Gut, Uli,

    DAS riecht nach einer Neuvorstellung...
    Ich freu mich drauf...

    Schönen Abend.
    Mathias
    Geändert von mini (heute 07:43 Uhr). Grund: Eine einzige Tatsache kann Dir die ganze Argumentation versauen!

  11. #11
    Newsman
    Gast
    Wieder mal ein ganz wunderbarer Beitrag Nicht zuletzt der Grund, warum der Werkstatt-Channel immer mehr zu meinem persönlichen Favoriten wird. Der neue Schliff sieht klasse aus.... aber auch die Bilder deiner Tochter können sich sehen lassen

    Freue mich schon auf die nächste Show

    LG Micha

  12. #12

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    Danke für die Anleitung. Wird vielen Nichtmetallern helfen.
    Mir stellt sich daber die Frage, warum du runde Teile in ein 4 Backenfutter spannst?
    Solange du die Maschine nur zum halten nutzt, ist das kein Problem. aber wenn du mal damit spanen willst, neigt das gerne mal zum "eiern" des Werkstückes.

    Ich finde deine Schleifarbeit an den Kanten beeindruckend.
    x

  13. #13
    Avatar von Labrador
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    @Lexi: Vielen Dank! Ja, bei euch ist das alles viel größer. Aber die Teile, die die Uhrmacheranfertigen gehen bei euch noch als Späne durch...

    @Micha: Danke, gern geschehen - macht mir auch immer wieder Spaß.

    @RiGa: Danke, Richard. Am Hund arbeite ich noch. Immerhin dient er schon als Avatar...

    @falko: Gerd, das kann ja noch kommen. Bei Ebay gibt es da manchmal gute Angebote. Was deine Fähigkeit grade Schliffe zu produzieren angeht, habe ich nicht die geringsten Bedenken. Da hast du uns schon oft ganz andere Sachen vorgeführt.

    @ mini: Gern geschehen! Katharina hat das auch Spaß gemacht. Mal sehen, was daraus wird...

    @hass67: Ich habe das schöne Werk gesehen und da konnte ich das Gehäuse so nicht lassen, sorry. Aber das hast du ja bei unseren Workschop auch gemerkt... Ich hoffe, sie gefällt dir nacher auch...

    @lopo: Dank dir. Ich war auch erstaunt wie gut sie das hinbekommen hat.

    @wwall: Vielen Dank, Waldemar.

    @Newsman: Hallo Micha, hab Dank! Der nächst Beitrag kommt bestimmt - macht mir auch immer wieder Spaß.

    @haifisch18: Danke dir. So große Teile gehen bei der Uhrmacherdrehbank nur in das Vierbackenfutter. Spannzangen gibt es dazu m.W. nicht. Klapppt so aber auch ganz gut.

  14. #14
    Avatar von hiltibrant
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    Chapeau, lieber Jörn.

    Hast du schonmal drüber nachgedacht, solche Tutorials in einem Buch zusammenzufassen? Solche detaillierten, interessanten, lehrreichen und zudem für jeden Laienschrauber verständlichen Beschreibungen eines kompetenten Fachmannes haben ein noch größeres Publikum verdient - ehrlich.

    Großes DANKE für die Sonnenschliff - Nachhilfe
    Rolf-Jürgen

  15. #15

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    Ich meinte ja auch keine Spannzange. Hätte ich vielleicht dazusagen sollen. Runde Teile spannt man eigentlich im 3 Backenfutter. Das kann natürlich auch eiern, aber durch den Verzicht auf eine Spannfläche halt weniger.
    x

  16. #16
    Avatar von Tirolex
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    Genial, hatte erst kürzlich das Problem als Thread eröffnet und jetzt bietest Du hier die perkte Lösung an.

    Toll bebildert und beschrieben.

    Vielen Dank!
    Viele Grüße

    Tilo

  17. #17
    Avatar von Labrador
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    @hiltibrant: Danke für die Blumen. Nein, über eine Veröffentlichung habe ich noch nicht nachgedacht. Fehlt uns nur noch der Verleger?

    @haifisch18: Dreibackenfutter habe ich leider nicht. Bislang hatte ich auch keinen Probleme mit unrundem Lauf. In der Regel nutze ich das Futter auch nur für Böden oder Gehäuse. Dank dir aber für den Hinweis.

    @Tirolex: Vielen Dank! Ich wünsche dir gutes Gelingen beim Sonnenschleifen.

  18. #18
    Avatar von Uhrheber
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    Labrador-Ronaldo: 1:0

    Die Übertragung des Portugal-Spiels läuft zwar bereits, aber Dein Bericht erschien mir interessanter, sodass die erste Viertelstunde an Dich geht, lieber Jörn.
    Grüße Peter

  19. #19
    Avatar von Philipp
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    Gehäuseschliff

    Jörn, einfach klasse !!!

    Beim BUF haben wir noch darüber gesprochen, wie ein solcher Gehäuseschliff wiederhergestellt werden kann.
    Einen Tag später zeigst du es uns hier im Forum - perfektes Timing
    Gruß aus Berlin
    Philipp
    "チトーニ / 梅花錶 / 티토니"

  20. #20
    Avatar von Doerthe
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    Hallo Jörn,
    wieder eine tolle Leistung, danke fürs zeigen
    Liebe Grüsse
    Dörthe

    Mitglied im V.C.C., L.O.C., Interessengemeinschaft elektronisch gesteuerter Uhren, FSJW, Z.d. BWC-E, C.W.M., IWC Uhren Club, L.U.C. - Laco Uhren Club, G.B.C.

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