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  1. #1
    Avatar von mahlekolben
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    Eine Junghans Herrenuhr - Achtung! Der Thread ist länger, als die Uhr alt ist!

    Verehrte Forianer!

    In Anlehnung an meinen "Ich suche..."-Thread https://uhrforum.de/taschenuhren-t35441 sowie den einen oder anderen Kauf hier möchte ich Euch nun ein (semi-) geglücktes Projekt vorstellen.

    Ich bitte im Vorhinein höflich darum, meine sicher laienhafte Vorgehensweise zu entschuldigen

    Proband hier ist eine alte Junghans-Herrenarmbanduhr, schätzungsweise aus den 50- 60-ern. Eine weitere Bestimmung ist trotz ausgiebiger Recherche leider nicht möglich - aber vielleicht kennt ja von Euch jemand das Modell oder ich versuche tatsächlich einmal, Junghans zu kontaktieren...

    Das Gehäuse misst etwa 31mm in der Breite 34mm in der Höhe, die applizierten Indexe finden schön auf dem mattierten, (Teppich-) dunkelblauen Zifferblatt platz, alle Leuchtpunkte sind vorhanden. Das typischerweise stark gewölbte Plexiglas erschwert die Fotografie erheblich, erzählt jedoch mit den nicht unerheblichen Spuren am Gehäuse eine bewegte, doch authentische Geschichte.

    Aufziehen lässt sie sich nicht, jedoch bewegen sich die Zeiger in jeder Stellung der unmotiviert lose herausnehmbaren Krone: Flutsch!



    Der abgenommene Deckel zeigt (neben jeder Menge Dreck) eine verbogene Unruh-Spirale am sonst überaschend sauberen Werk Junghans 620.00 mit 17 Steinen (1x Hebestein, 2x Ankerplatten, 2x Unruhwelle Lochstein, 2x Unruhwelle
    Deckstein, 2x Ankerwelle, 4x Räderwerk, 2x Hemmradwelle, 2x Federhauswelle - richtig?), die Unruhwelle selbst ist mit der Incablock-Stoßsicherung geschützt, die auf beiden Seiten unter den goldenen Federchen jeweils einen Loch- und einen Deckstein birgt und somit für eine gewisse Beweglichkeit sorgt.

    Das Werk ist laut Websuche ein recht frühes Werk von Junghans ohne dezentrale kleine Sekunde und wurde auch von der Firma Diehl eingesetzt, hier jedoch ohne Steinlager für die Wellen des Räderwerks. Es schwingt mit 18.000 Halbschwingungen pro Stunde.



    Die mit dem Kloben ausgebaute Unruhe gibt den Blick auf den winkligen Anker und das Hemmrad frei.



    So - alle Hemmungen weg...



    ... und auch die Dreiviertel-Platine, die mich später noch mächtig ärgern soll. Immerhin hält sie - geführt von zwei Passstiften - vier Wellen, die sauber koordiniert sein wollen, sodass die Platine sauber verschraubt werden kann...



    Hier die Platine von unten mit dem Sperrrad des Aufzugs und der in eine Richtung klemmenden Feder. Die Lagersteine sind offensichtlich nicht beschädigt.



    Trotz seiner brachialen Wirkung hinterlässt dieses Werkzeug tatsächlich keine (zusätzlichen) Spuren am Plexi - die Kraft, die hier auf das Glas wirkt, ist jedoch immens...



    ... doch wenn er einmal richtig zugepackt hat, kann mit ordentlich Schmalz das Glas abgehoben werden:



    Da liegt sie nun, die Gute. Was ich mir sicher überlegen muss, wäre eine optimierte Reihenfolge des Zerlegens.

    Hier meinte ich jedoch, für alle beteiligten Komponenten die kleinstmögliche Zeit der Beschädigungsgefahr gewählt zu haben...



    Um die Zeiger und (vor allem) das schöne Zifferblatt nicht zu beschädigen, habe ich mir aus Papier einige Fetzen zur Unterlage genommen,



    um dann mit einem kleinen Zeigerheber die Zeiger abzuheben. Verwundert war ich darüber, wie fest sie saßen!



    Das mit dem Papier war nicht schlecht, es ist zumindest keine sichtbare Beschädigung hinzugekommen...



    Das Werk selbst wird dann einfach nach oben aus dem Gehäuse geschubst. Geführt wird es durch die Krone, ein aufgesetztes Glas scheint sein Restliches zum Halt hinzuzugeben...



    Vorn in der Flanke ist eine von zwei Schrauben zu sehen, die das Zifferblatt an seinen beiden Füßen halten.



    Ist das das Kleinbodenrad, auf dem die gebogene Scheibe liegt, die von unten gegen das Zifferblatt federt?



    Das Minutenrohr ließ sich gut mit dem Zeigerheber abziehen. Wenn ich es richtig verstanden habe, kommt ihm eine zentrale Rolle zu: Einerseits soll es fest genug sitzen, um den Minutenzeiger durch das Uhrwerk zu bewegen, andererseits soll es durchrutschen, um die Uhr stellen zu können...



    Werk umgedreht und verbliebene Räder inklusive Federhaus "rausgeschüttelt", daneben die beiden Schrauben, die das Zifferblatt halten:



    Hier wird der Mechanismus zerlegt, der dafür Sorge trägt, Drehungen an der Krone auf das Federhaus oder auf die Zeiger zu bringen. Die kleine Feder sitzt an seichten Kanten und wird von oben durch das Blech niedergehalten:



    "Unwichtiger" Kleinkran will auch dokumentiert werden - sonst gibt's Schwierigkeiten!



    "Spack" in jeder Ritze, der Zahnstocher wird zum Freund:



    Doch der Ultraschall wird's schon richten...



    Platinen nach der Behandlung mit Kavitation



    Und Kleinteile ebenso:



    Na - sieht doch schon ganz anders aus, oder?

    Mit frischer Unterlage geht's dann auch weiter:





    Was auseinander ging, soll nun wieder zusammen. Dazu wird die Hauptplatine ("Mainboard"???) in einen hübschen Werkhalter gespannt. Jedoch nicht zu fest, sonst gibt's Macken, oder es wird krumm... Hier die Zifferblattseite:



    An Stellen, wo Metallteile gegeneinander reiben, habe ich ein wenig Maschinenfett gegeben, die Feder erklärte mir den Kampf und "verdrückte" sich mehrfach...





    Werk von unten, Krone gedrückt



    Werk von unten, Krone gezogen



    Zifferblattseite, Krone gedrückt



    Zifferblattseite, Krone gezogen



    Stück um Stück, Teil um Teil wird alles wieder schön zusammengebaut...





    und dabei vergessen, ein Foto zu machen - dafür war aber bei der Fummelei mit der riesigen Platine, den Wellen in ihren Lagern oben und unten, den Passstiften, wieder herausgezippelter Hemmradwelle, runter geplöppter Schrauben... kaum Zeit.

    [Ausflug]

    Es macht Spaß, an einem Werk zu basteln (was anderes ist das, was ich tue, bestimmt nicht!). An einem Werk zu arbeiten, weil es der Beruf ist, ist jedoch sicher anstrengend.

    Das angestrengte Blicken durch die Lupe macht es dem bloßen Auge schwer, sich wieder auf normales Blicken einzustellen.

    Die Lupe selbst will im Auge gehalten werden, was ohne Training schwer fällt. Auch glaubt sie, im entscheidenden Augenblick beschlagen zu müssen, was Einhalt und ausblasen erfordert. Hin und wieder - wenn man es so gar nicht gebrauchen kann - flutscht sie auch gerne mal runter.

    Das Ganze ist so klein und die Augen so müde, dass es schwer fällt, die Klinge am Schraubendreher zu erkennen, der ja jetzt in den Schlitz der nur locker angelegten Schraube soll - Schwupps - Schraube weg... Und wenn man nur mit einem Auge gucken kann, fehlt halt die räumliche Tiefe!

    Und wenn dann noch Miezekatze (https://uhrforum.de/fast-ganz-normaler-tag-t11629) um die Beine streicht und das Telefon klingelt...

    [/Ausflug]

    Ach ja - Federhaus! Das Federhaus selbst wollte ich nach einigen Versuchen nicht mehr zerlegen. Zunächst konnte ich es nur wiederwillig gegeneinander verdrehen, dann machte es plötzlich "Plopp!" und ich befürchtete (nicht zum
    ersten Mal...) die Feder gehimmelt zu haben. Es stellte sich jedoch heraus, dass ich Glück haben sollte. Über die drei Löcher im Deckel habe ich dann auf die teilgespannte Feder jeweils ein Tröpfchen Öl gegeben.

    Vor kurzem habe ich hier einen wertvollen Tipp gelesen: Unruh und Anker des entspannten Werks ausbauen, das Werk kurz über die Krone anspannen und die Räder ablaufen lassen.

    Zum Schluss (das ist dann der wichtige Punkt!) darf das Hemmrad nicht abrupt stehen bleiben, sondern es soll schön auslaufen, zum Stillstand kommen, um sich dann einige Umdrehungen in die entgegengesetzte Richtung auszupendeln.

    Dieses "Auslaufen, Stillstand, andersrum Auslaufen" gibt einen wichtigen Hinweis auf ein leicht und frei laufendes Werk.

    Alle Räder laufen schön frei, und auch das richtige Auslaufen durfte ich beobachten...



    Die Rückseite wird weiter komplettiert, zumindest so weit, wie keine losen Teile eingesetzt werden müssen



    Vor Einsetzen des Ankers habe ich die Paletten an den Berührungsflächen zum Hemmrad leicht geölt, indem ich die Flächen vorsichtig am Ölgeber vorbeigestrichen habe.

    Auch das obere Lager bekommt sein Öl. Hier habe ich mit dem kleinsten Ölgeber leicht das Lager berührt und konnte zusehen, wie das Öl ins Lager "geschlotzt" wurde. Eine winzige Menge soll ausreichen - mehr Öl würde nur aus dem Lager laufen...

    Die größten Probleme beim Ölen gab es bei der Stoßsicherung, da es schwer war, die Decksteine wieder richtig auf den Lochsteinen zu platzieren. Der leichteste "Schieber" in Richtung Lager endete oft in einem hektischen "Zack!
    Ich bin dann mal weg!" des Steines. Festgestellt habe ich hierbei die lächerliche menschliche Eitelkeit, glauben zu können, einem solchen Splitter im Fluge folgen zu können... Lächerlich! Und WO so ein Teil überall hinschnippsen kann...

    Beim letzten Mal klebte es an meiner Nasenspitze... Bitte nicht weiter erzählen...

    Beim nächsten Mal werde ich ihn sicher mit etwas Fett an einem Zahnstocher festkleben...



    Alle Lager fein geölt, an beiden Enden der Wellen



    Nach dem Einsetzen der Unruhe habe ich das Werk einmal "angeworfen", um mich mit dem nun entstehenden TickTack ein wenig belohnen zu lassen.

    Wer weiß, wo er gucken muss, erkennt schön die unschön gebogene Unruhspirale.



    Die Zifferblattseite wird komplettiert, da ja nun auch das Zifferblatt selbst und die Zeiger montiert werden wollen.





    Glas nach etwas Polierarbeit druff



    Na? Sieht doch schon wieder fast wie eine Uhr aus, oder?

    Das Problem mit der Unruhspirale wird vermutlich hier (https://uhrforum.de/wie-prueft-man-warum-die-unruhe-zu-weing-schwingt-t41904) weiter besprochen. Ich werde da mal aufmerksam aufpassen, da meine hier recht motivationslos - doch irgendwie beständig - hin und her eiert und je nach Lage bedrohlich langsam wird... Obwohl das Werk im ausgebauten Zustand schon über 28 Stunden durchlief!

    Wie sie - im jetzigen Zustand - die Zeit hält, prüfe ich gerade. Innerhalb der letzten drei Stunden (während ich hier tippe) bin ich positiv überrascht: Mal einige, wenige Sekunden zu langsam, dann wieder um einen ähnlichen Wert zu schnell, immer im Bereich von 3-5 Sekunden...

    Gerne würde ich:

    - Die Lager und Wellen reinigen
    - Die Unruhe auf Unwucht prüfen
    - Die Spirale richten
    - ...

    und viele Arbeiten mehr fachmännisch (etwas fachmännischer...) ausführen, doch dazu fehlt es mir an Kenntnissen und Werkzeugen. Werkzeuge werden hin und wieder besorgt, Kenntnisse sollen hier erworben und an entsprechenden Sparringspartnern geübt werden - soweit jedenfalls der Plan und wie es die Zeit zulässt.

    Nun lehne ich mich ein wenig zurück und freue mich auf Eure Kommentare, wie ich auch der Schelte der echten Fachleute hier entgegen sehe.

    Ich hoffe, Euch nicht gelangweilt zu haben und danke den geneigten Lesern!


    (UFF - FERTIG!!!)
    Liebe Grüße

    Michael

  2. #2
    Avatar von TwoShedsJack
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    Extrem gei...es Projekt, extrem gei.. präsentiert. Macht Freude sich das durchzuschauen, macht allerdings auch Kopfweh, sich sowas selber anzutun. Gratuliere zur Umsetzung!

  3. #3
    Avatar von noosa
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    Toller Beitrag, den ich mit größtem Interesse gelesen habe. Ich selbst "bastele" auch seit ca. einem Jahr mit den hier beschriebenen Werkzeugen an Uhren. Mal ein Werk einschalen oder eine Aufzugswelle kürzen - alles kein Problem! Aber immer, wenn ich mich dem Werk selbst widme, scheitere ich. Es ist mir bisher erst einmal gelungen (ein chinesischer Unitas 6497 - Klon), ein Werk komplett zu demontieren und dann wieder funktionionsfähig zusammenzubauen. Ja, ja, die Uhrmacherei ist eben ein richtiger Beruf, der langjährige Erfahrungen voraussetzt. Ansonsten haben bei mir schon diverse Werke daran "glauben" müssen, zuletzt auch ein Junghans-Handaufzug. Ich scheitere meist am Aufsetzen der Räderwerks- und der Ankerbrücke. Irgendwie bricht immer wieder ein Zapfen eines Zahnrades ab (was für eine Pfuscherei!!!). Deshalb freut es mich um so mehr, dass hier ein bekennender Amateur so erfolgreich war und das ganze noch so professionell präsentiert hat.
    Nochmals herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für den schönen Beitrag.
    noosa

  4. #4
    Avatar von falko
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    Du bist offenbar sehr talentiert und mutig, eine tolle, anerkennenswerte Leistung, das Werk wieder zusammenzubauen! Wie hast Du das Glas eigentlich wieder draufbekommen. Normalerweise lassen sich solche armierten Gläser nur mit der Presse wieder aufsetzen. Das Abnehmen des Glases wäre auch nicht nötig gewesen. Die Unruh sollte keinesfalls eiern. Wenn die Lager richtig sitzen, sollte sie kein nennenswertes Spiel haben, ansonsten muss die U-Welle ersetzt werden. Die Spirale muss unbedingt gerichtet werden, so kann sie keinen gescheiten Gang machen.
    Grüsse Gerd
    Die Beschäftigung mit Uhren lässt die Zeit vergessen.
    Man sollte nicht alles tun, was man könnte,
    aber man sollte alles können, was man tut!

  5. #5
    Avatar von JungHans
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    Hallo,
    Die Uhr ist aus den 70igern.
    Das 620 ist von ca 1968 bis 1975 gebaut worden.

  6. #6
    Avatar von mahlekolben
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    Ihr lest Euch das alles durch und habt Interesse daran?

    Euer Lob lässt mich ein wenig erröten - VIELEN DANK - tut gut, nach dem "Brassel" und motiviert zu weiteren Taten...

    Das Glas musste runter, da das Zifferblatt mit angeschraubtem Werk innen auf dem Gehäusering liegt und somit den Ausbau des Werks verhindert hätte. Eigentlich wollte ich ja nur den Mechanismus reinigen, der die Krone betrifft...

    Zum Aufsetzen des Glases reichten meine müsligestärkten Daumenschrauben.

    Nach erstmaligem Abnehmen des Bodendeckels bot sich folgendes Bild:



    Die Unruhwelle hat kein sonderliches Spiel, der Gang ändert sich auch bei geöffneten Lagern nicht (jedenfalls nicht so gravierend, wie ich es mit bloßem Auge zu erfassen vermag). Die Spirale stellt mich vor ein echtes Problem, da muss was dran gemacht werden, wenn es ordentlich werden soll - das ist klar.

    Nur muss ich mich damit noch eingehend beschäftigen - da fehlt's halt noch bei mir...

    Aber mit Eurer Hilfe könnte es noch was werden - bin da für einiges zu haben, (hoch-) interessiert und motiviert!

    Einiges an Werkzeug ist vorhanden, weiteres wird nach Bedarf, Zeit und "Taschengeld" beschafft.

    Auch ist die Uhr selbst nicht vollständig: Die Federstifte sind hart und müssen ersetzt werden, ein Armband (rötlich-braun, leicht samtig glänzend mit Kroko-Prägung??) fehlt ebenso, wie der Dichtring für den Bodendeckel.

    Zitat Zitat von falko Beitrag anzeigen
    Die Beschäftigung mit Uhren lässt die Zeit vergessen.
    Du hast ja sooo Recht...

    Zitat Zitat von JungHans Beitrag anzeigen
    Hallo,
    Die Uhr ist aus den 70igern.
    Das 620 ist von ca 1968 bis 1975 gebaut worden.
    Danke!!
    Liebe Grüße

    Michael

  7. #7
    Avatar von Rocketman
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    Hallo Michael,
    ich stolpere jetzt erst über deinen Beitrag...er ist großartig!
    Glückwünsche zum Mut dich dieses doch recht 'pflegebedürftigen' Patienten anzunehmen.
    Und Hut ab vor deinem technischen Verständnis und Geschick.

    Als Hobbybastler kann ich mich gut in deine Beschreibung einfühlen,
    fliegende Teile und unwillige Räderwerkbrücken kenne ich bestens aus eigener Erfahrung.

    Danke für diesen schönen Beitrag und weiterhin viel Erfolg.
    Viele Grüße
    Volker

  8. #8
    Avatar von RiGa
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    Hallo, Michael!

    Wie wohl nicht gänzlich unerkannt geblieben sein wird, reizen mich solche Threads immer sehr.

    Vor allem, wenn sie von soviel Wagemut und Liebe zum Objekt erkennen lassen, dies auch noch eindrucksvoll in Wort und Bild dokumentiert und man letztendlich das Gefühl hat, bei dieser Operation als Assistent (und sei es auch nur als Schweißtropfenabtupfer *gg*) dabei gewesen zu sein.

    Für diese Art, für Deine Mühe, uns dies hier so zu präsentieren, möchte ich mich beeindruckt bedanken.

    Zitat Zitat von mahlekolben Beitrag anzeigen
    Na? Sieht doch schon wieder fast wie eine Uhr aus, oder?
    Oh ja, das tut es.

    Und auch wenn es nicht so wäre - völlig egal, denn letztendlich ging es ja um etwas gänzlich anders.
    Daß Deine Bemühungen schließlich in diesem Ergebnis gegipfelt haben, darf wohl unter "mehr als nur gerechter Belohnung" fallen.

    Zitat Zitat von mahlekolben Beitrag anzeigen
    Ich hoffe, Euch nicht gelangweilt zu haben und danke den geneigten Lesern!
    Wie gesagt - mir als "Assistent der anderen Art" wurde da keinesfalls langweilig, hatte ja schließlich und endlich auch genügend zu tun.
    Wobei ich zugeben möchte, daß das Lesen wesentlich leichter als das Erstellen dieses Threads fällt.

    Gruß, Richard

  9. #9
    Avatar von Labrador
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    Hallo Michael,

    ein sehr langer Thread, der aber hervorragend gemacht ist - sehr informativ und toll fotogrfiert! Die befürchtete Schelte ist hier sowas von fehl am Platze...

    Das Richten einer Spirale, vor allem bei einer Kleinuhr, erfordert viel Erfahrung. Das geht schnell in die Hose. In meiner Ausbildung zum Uhrmacher gab es da ein Phase von ca. drei Wochen (gefühlt waren das eher drei Jahre), wo mein Meister jeden Morgen mir mindestens eine Spirale verbogen hatte und es mein Job war diese wieder optimal zu richten. Das war eine sehr anstrengende Zeit, in der ich aber andererseits viel gelernt habe. Zuvor hatte ich mir ein Werkzeug angefertigt, womit man Spiralen gut richten kann.

    Das Problem bei deiner Spirale scheint am Anfang (Klötzchen) zu liegen. Das lässt sich relativ schnell beheben. Auf deinem letzten Foto sieht das auch so aus, als wenn der Spiralschlüssel (Regulierorgan) zu weit zum Klötchen verschoben ist. Allein dadurch kann es bei entsprechender Spiralform zu so einem Bild kommen. Auf deinem Foto, wo die Uhr wieder läuft sieht das schon nicht mehr so aus.

    Bei Interesse und falls ich mich in deinen Thread einmischen darf zeige ich gerne heute Abend Fotos von meinen Spiralrichtwerkzeug und der dazugehörigen Pinzette.

    Du hast in meinen Augen eine ausergewöhnliche Leistung gezeigt!

    Hoch anerkennende Grüße von

    Jörn (Labrador)

  10. #10
    Avatar von mahlekolben
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    Mit so viel positivem (und gewichtigen!) Zuspruch hatte ich gar nicht gerechnet - vielen Dank!

    Das Basteln an Uhren verschafft mir Abstand zum Alltag, der gewiss stressig genug ist. Es ist etwas völlig anderes und zwingt die Konzentration auf gänzlich andere Themen.

    Ich möchte zugeben, das das Hineinstellen hier ins Forum deutlich mehr Nerven gekostet hat. Irgendwie kamen dann doch nicht alle Bilder so ins Album, wie suggeriert wurde. Dann hatte ich mir einen feinen Text geschrieben, in dem ich die Verlinkungen der Bilder gleich mit eingefügt hatte. Dummerweise unterscheidet sich der Link von zwei Bildern nicht nur in seinem reinen Dateinamen, sodass ich erst immer das gleiche Bild hatte. Als ich den Trick raus hatte, fiel erst später auf, dass noch Bilder fehlen würden - und immer die Sorge im Nacken, dass der Timer gleich abläuft und mich rauskickt...

    Wie oben geschrieben stehen noch einige Arbeiten aus, die auch erledigt werden sollen. Da es hier aber deutlich an Knowhow und auch Werkzeug fehlt, wird es noch einiges an Zeit dauern, bis die Junghans angemessen fertig ist (Chronometergang wird sie nicht erreichen und ist hier auch kaum als Ziel anzupeilen).

    Derzeit tickert sie noch lustig vor sich hin - und das seit gestern Morgen um 08:00, als ich sie soweit fertig gebaut hatte. Allerdings möchte sie mir gerne einreden, dass es zum jetzigen Zeitpunkt (19:30) bereits 21:30 sein soll, also rennt sie innerhalb ihrer fast erreichten 36 Stunden (!!!) um zwei Stunden allen anderen Uhren hier davon.

    Ich freue mich schon wieder darauf, losschrauben zu können - zumal hier noch genügend Opfer auf ihre Behandlung warten.

    Mit Eurer Unterstützung, um die ich Euch höflich ermuntern möchte, und der Gewissheit, dass mir in entscheidenden Momenten jemand mit österreichischem Akzent beruhigend zur Seite steht, soll das alles klappen.

    Als nächstes soll die Spirale eingehender bearbeitet werden. Wie in den Bildern zu sehen ist, habe ich an betreffenden Stellen schon ein wenig verstellt und die Spirale mit der Pinzette ein wenig nachgeführt.

    Hiermit wollte ich die Reibung aus den Federwindungen und den entstehenden seitlich wirkenden Druck von der Unruhwelle zu nehmen.

    Aber so richtig gerade ist sie noch lange nicht - auch habe ich kein Bild vor Augen, wie sie ursprünglich auszusehen hat.

    (gerade läuft Pink Floyds "Wish You Were Here", muss mal gerade ein wenig inne halten...)

    So - bin wieder da - ääääh - Unruhspirale, ja... Hier mal der letzte Status (wobei der Fokus nicht ganz passt):



    Ich kann mir kaum vorstellen, dass da mit einer Zange gebogen wird, eher könnte ich mir drei kleine Rollen vorstellen, durch die sie geführt wird.

    Aber ich bin mal gespannt, was hier vorgeschlagen wird. Vielleicht ein Tutorial, damit es nicht mit diesem Thread untergeht?
    Liebe Grüße

    Michael

  11. #11
    Avatar von Labrador
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    Hallo Michael,

    ich habe dir einmal in dein Bild eingezeichnet, wo die Knicke sind - soweit zu erkennen. Außerdem eine etwas kindlich gezeichnete Idealkurve der Spirale, wie sie laufen sollte. Mit der Maus habe ich das nicht besser hinbekommen - sorry.



    Nimme dir die Knicke einfach der Reihe nach vor. Wenn du anfängst achte noch nicht auf die Endgültige Form, die du erreichen willst, das kommt erst mit dem letzten Richten. Am besten nimmst du eine sehr feine Pinzette (die muss vorne superexakt schließen - ohne Spalt!!!) und hältst die Spiral rechtwinkelig von oben fest. Mit einem feinen Schraubendreher oder (sauberen) Ölgeber richtest du die Kurve passend. Wie schon gesagt, immer nur den momentan zu bearbeitenden Knick beachten und nur in einer Richtung arbeitend. Ich würde vom Klötzchen her mich zum Knick III durcharbeiten. Es ist wichtig, dass du senkrecht von oben mit der Pinzette greifst, da du sonst einen Höhenschlag hereinbiegst. Erfahrungsgemäß sind die silberfarbenen Spiralen eher weich und reagieren schnell auf das Richten - gehe also moderat vor.

    Für dein Erstlingswerk im Spiralerichten wünsche ich dir viel Erfolg!

    Viele Grüße

    der Labrador (Jörn)

    Nachträglich hinzugefügt: Hier, wie versprochen Bilder von meinem Spiralwerkzeug. Es ist eine Glasscheibe mit mittig einer Bohrung und weißem Untergrund.



    In die Bohrung in der Glasscheibe wird das Röllchen der Spirale gelegt, so dass sie flach auf dem Glas aufliegt und vor den weißen Hintergrund gut sichtbar, gerichtet werden kann:





    Auch bei der Arbeit mit diesen Gerät ist es wichtig immer senkrecht von oben zu greifen.

    Zum Richten von Spiralen gehört aber - neben einem guten Tag - auch recht viel Erfahrung. Es ist halt eines der feinsten Bauteile einer Uhr.

    Viele Grüße

    der Labrador (Jörn)
    Geändert von Labrador (16.02.2010 um 21:49 Uhr)

  12. #12
    Avatar von RiGa
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    Zitat Zitat von mahlekolben Beitrag anzeigen
    (gerade läuft Pink Floyds "Wish You Were Here", muss mal gerade ein wenig inne halten...)
    Für diese Art von Operation könnte ich Dir aber auch Disk 1 auf Endlosschleife von Physical Graffitti/Led Zeppelin empfehlen.



    Weiterhin viel Erfolg (und Disk 2 für die nächsten anstehenden Schritte *gg*)!

    Gruß, Richard

  13. #13
    Franziskuss
    Gast
    Sehr schöne und detailreiche Vorstellung deines Projektes

    Da macht das Hobby Uhren sehr viel Spaß, besonders, wenn dann solche

    Ergebnisse rauskommen

  14. #14
    Avatar von mahlekolben
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    So - hier mal ein Update:

    Spirale, wie sie alle kennen (Upps - Lager halb offen...):



    Bereits ein wenig begradigt mit schönem Blick auf die regulierende Klammer. Ist die Position der Feder richtig? Eine "Raste" weiter außen trüge zur Entspannung bei...



    Wozu fliegt hier ein Entmagnetisierer rum??? Rauf damit!



    Noch ein Blick auf die laienhaft gerichtete Spirale:



    Was mich stört, ist die konzentrische Lage der Spirale. Irgendwie scheint sie mir zu lang zu sein.

    Kann es sein, dass einer meiner Vorgänger hier gepfuscht und eine zu lange Feder eingebaut hat?

    Das würde auch die fürchterliche Schlaufe zu Beginn erklären...
    Liebe Grüße

    Michael

  15. #15
    Avatar von Labrador
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    Nein, sie ist bestimmt nicht zu lang. Ihre Form passt nicht: Vom Klötzchen her betrachtet ist der Bogen zu weit, so dass sich der Rest zusammenzieht. Versuche den Bogen zum Spiralschlüssel etwas enger zu ziehen - auch das Stück Feder hinter den Spiralschlüsssel. Das lässt sich alles nur schwer erklären, sorry. Für einen Uhrmacher mit etwas Übung sind das wenige Handgriffe.

    Du hast das aber bislang schon ganz gut gemacht. Die Feder sollte ganz gleichmäßig und flach liegen. So, wie auf dem Bild, das ich hier reingestellt habe.

    Viel Erfolg und eine ruhige Hand wünscht dir,

    der Labrador

  16. #16
    Avatar von mahlekolben
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    Hallo Jörn!

    Vielen Dank für Dein Lob.

    Um über das Selbe zu sprechen: Welches der abgebildeten Bauteile hat bitte welchen Namen?

    Im Endeffekt ist es ziemlich egal, welches Klötzchen ich wohin schiebe - es ist immer das gleiche Bild:

    Irgendwie wirkt die Spirale wie zusammengeschoben "ob ihrer Länge"

    Ist wirklich doof zu beschreiben...

    Selbst wenn ich den im letzten Bild unteren Hebel bis zum Anschlag zurückdrehe (gegen den Uhrzeigersinn) und den oberen Hebel nebenan lege (hier die vermutete größte Entspannung) "knubbelt" sich die Feder um die Unruhwelle.

    Eigentlich müsste es doch so sein, dass die Spirale fast wie auf DEINEN Bildern entspannt um die Welle "herumdümpelt" - ganz locker und lässig.

    Dabei sollte wohl der Hebestein recht lose in der Ankergabel liegen.

    Hemmungen sind wirklich ein Thema für sich...
    Liebe Grüße

    Michael

  17. #17
    Avatar von Labrador
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    Sorry, hier die Auflösung der Fachbegriffe:

    I ist das Klötzchen. Hier ist der Spiralendpunkt befestigt. Durch Verstellen des Klötzchens wird die Symmetrie eingestellt. Symmetrie --> im Idealfall sollte die Ankergabel bei ausgeschwungeneer Unruh exakt zwischen den Ankerbegrenzungsstiften stehen (gleich mäßiges Auslösen der Hemmung und auch über das Tickgeräusch hörbar für Leute mit Taktgefühl.)


    II ist der Spiralschlüssel. Durch ihn läuft die Spirale hindurch und wird zwischen den beiden Stiften gehalten. Durch Verschieben des Spiralschlüssels wird die Uhr reguliert. Verkürzung des möglichen Federweges = schneller (Drehrichtung von Klötzchen weg) Verlängerung des möglichen Federweges = (langsamer Drehrichtung zum Klötzchen hin)



    Ich habe dir hier eingezeichent, wie die Spirale ungefähr laufen sollte. Natürlich nicht so krakelig, wie ich das hier mit der Maus eingezeichnet habe...

    Dadurch, dass die Spirale vom Startpunkt (Klötzchen) her zu weit nach außen verläuft, zieht sie sich gegenüberliegend zusammen, so dass die Umgänge sich berühern.

    Viele Grüße

    Jörn (Labrador)

  18. #18
    Avatar von mahlekolben
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    Uaaaaah - hast Recht (natürlich!)

    Mit viel "Streicheln" der Spirale habe ich sie so weit bekommen, dass die Winkel mit den von Dir vorgegebenen in etwa übereinstimmen.

    Plötzlich wirkt alles wesentlich entspannter und keine Windung berührt mehr die andere.



    Semioptimal, wie sie nun ist, habe ich das Klötzchen auf einen "Takt meines Geschmacks" ausgerichtet, den Rest muss nun der Spiralschlüssel übernehmen können.

    Würdest Du, Jörn (würdet Ihr, liebe Forianer), hierzu ein O.K. geben, oder sollte ich weiter optimieren?
    Liebe Grüße

    Michael

  19. #19
    Avatar von Labrador
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    Daumen hoch

    Für dein erstes Spiralenrichten bleibt mir da einfach nur der Mund offenstehen - das hast du aber hervorragend hinbekommen. Du scheinst ein feinmechanisches Naturtalent zu sein.

    Sofern die Spirale von der Seite her betrachtet schön flach liegt, würde ich an deiner Stelle nicht weiter daran arbeiten. Die Umgänge liegen recht gleichmäßig auseinander, so dass es hier zu keinen nennenswerten Störungen kommen dürfte.

    Die Symmetrie kannst du am besten per Auge einstellen, indem du die Uhr komplett abspannst und das Klötzchen so einstellst, dass die Ankergabel mittig zwischen den Begrenzungsstiften liegt. Ich persönlich vermag das nicht zu hören - Taktgefühl, wie er z. B. beim Tanzen erforderlich wäre, fehlt mir gänzlich...

    Wenn du die Uhr aufgezogen hast und die Unruh schwingt, sollte die Spirale nicht eiern (über die Höhe, von der Seite betrachtet).

    Ich wünsche dir viel Erfolg beim Regulieren.


    Viele Grüße

    der Labrador (Jörn)

  20. #20
    Avatar von falko
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    Ich finde das Ergebnis des Spiralerichtens auch toll und ziehe meinen Hut! Ich gehe davon aus, dass Du keine Zeitwage hast, dann wäre nämlich die Abfalleinstellung einfach. Ansonsten hat ja Jörn die Vorgehensweise bereits beschrieben.
    Grüsse Gerd
    Die Beschäftigung mit Uhren lässt die Zeit vergessen.
    Man sollte nicht alles tun, was man könnte,
    aber man sollte alles können, was man tut!

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