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    Breitling Superocean Heritage II 42 -vs- Seiko SLA017J1 "62MAS" Die Erbschleicher kommen.

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    Einleitung

    Mit Seiko und Breitling heften gleich zwei namhafte Traditionshersteller im Jahr 2017 ihren historischen Tauchlegenden Erbschleicher an die Fersen. Welche reizvollen Parallelen und Unterschiede diese Unterfangen aufweisen und zu welchen Tricks die beiden Nachgeborenen greifen, um sich des jeweils bedeutenden Erbes zu bemächtigen, will dieser Beitrag beleuchten. Ob es sich dabei um einen vorstellenden Vergleich oder eine vergleichende Vorstellung handelt, mag der Leser entscheiden. Der Autor lässt es dahingestellt.

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    Historie vs. Historie

    Wir schreiben das Jahr 1957 und Willy Breitling steht seit 25 Jahren in leitender Verantwortung für die Geschicke der Firma. In diesem Jahr betritt der Hersteller mit dem Modell "SuperOcean" Neuland. Breitlings erste Taucheruhr mit der Referenz 1004 verfügt über ein Schalenbaugehäuse mit zifferblattseitig einmontiertem Werk unter einem speziellen Panzerglas. Maßnahmen, die eine für diese Zeit bemerkenswerte Wasserdichte von 200 Metern gewährleisten. Folgerichtig erweitert Breitling fortan seinen Werbeslogan auf: "Breitling Time. In der Luft, zu Land und zu Wasser." Das Dreizeigermodell mit einem Durchmesser von 38mm und einer auffällig konkav gestalteten Lünette wird im zivilen wie militärischen Einsatz durchaus erfolgreich sein, aber an den Nimbus einer Blancpain Fifty Fathoms oder gar Rolex Submariner nie anknüpfen können. Der Listenpreis 1960 in Deutschland beträgt übrigens 395 DM während das statistisch frei verfügbare Arbeitnehmerjahreseinkommen im gleichen Jahr 4.770 DM erreicht (Quelle: Statista). Entgegen herrschender Stammtischmeinung war die Anschaffung hochwertiger Uhren also schon damals für Normalverdiener kein billiges Vergnügen.



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    Acht Jahre nach Breitling und rund 9.400 km von La Chaux-de-Fonds entfernt in Tokio, entschließt sich 1965 Seiko ebenfalls, die erste eigene Taucheruhr und damit gleichzeitig auch die erste japanische Taucheruhr überhaupt auf den Markt zu bringen. Das Modell mit der Referenz "6217-8001" erlangt schnell unter der poetisch ausbaufähigen Bezeichnung "62MAS" (autoMAtic Selfdater) Bekanntheit und beweist seine bemerkenswerten Nehmerqualitäten unter denkbar widrigen Umständen als Begleiterin der 8. japanischen Antarktisexpedition (JARE8) ab dem Jahr 1966, deren Aufgabe hauptsächlich in der Durchführung geologischer Arbeiten wie dem Bergen von Bohrkernen in Victoria-Land (Beardmore- und Taylor-Gletscher) bestand. Die "62MAS" verfügt über ein Gehäuse mit 37mm Durchmesser. Zu ihren Besonderheiten gehören eine beidseitig drehbare Lünette und ein verschraubter Boden. Trotz unverschraubter Krone wird eine Wasserdichtigkeit von 150 Meter erreicht. In den kommenden Jahrzehnten werden viele Exemplare Seikos Verzicht auf eine Schraubkrone mit sichtbaren Feuchtigkeitsschäden am Zifferblatt bezahlen.


    (Historische Post aus der Antarktis von JARE8)

    Mehr als ein halbes Jahrhundert später bringen beide Hersteller Remineszenzen an ihre ersten Taucheruhren auf den Markt. Für Breitling ist es keine Premiere denn bereits seit 2007 bereichert mit der erfolgreichen Superocean Heritage eine Hommage an die erste SuperOcean in 42 und 46mm die Produktpalette. Die augenfälligsten Unterschiede zu dieser bestehen nun in der Verwendung von Keramik beim Material der Lünette, vorbildnähere Zeiger, der ausgewogeneren Datumsposition auf 6 Uhr auch beim 42mm Modell, einem Leuchtpunkt im Dreieck auf der Lünette und natürlich dem MT5612 Kaliber von Rolex/Tudor, das unter der Bezeichnung B20 zudem für einen Höhenzuwachs von 2mm beim Gehäuse verantwortlich zeichnet. Seiko gibt die gestalterische Neuinterpretation der "62MAS" in die Hände von Nobuhiro Kosugi, einem erfahrenen Designer des Unternehmens, der bereits einige Preise unter anderem für die Gestaltung von Grand Seiko Modellen erhielt. Kosugis finaler Entwurf erhöht den Durchmesser auf zeitgemäßere 39,9mm aber hält sich ansonsten bemerkenswert nah ans Vorbild. Zugleich betont die Neuauflage damit eindrucksvoll die zeitlos gültige Designqualität des Originals. Breitling gestattet sich dagegen trotz gesteigerter Vorbildnähe größere Freiräume und verzichtet bei der Neuauflage dankenswerterweise auf die Übernahme der bereits am Original seltsam anmutenden kreisrunden Stundenmarkierungen mit darübergelegten Keilindexen. Unterschiedlich legen beide Hersteller auch den Vertrieb der beiden Neuheiten an. Breitling fertigt die Neuauflage offensichtlich parallel zur Superocean Heritage I in offener Serie während sich Seiko auf eine limitierte Auflage von 2.000 Exemplaren beschränkt. Einigkeit herrscht dagegen hier wie dort bei der selbstbewußten Preisgestaltung. Seiko offeriert sein Retromodell für 3.800 Euro und Breitling weist 4.470 Euro in den Preislisten aus. Da bei Seiko beide Bandvarianten im Preis enthalten sind, addiert sich für einen fairen Vergleich bei der Breitling noch ein Betrag von 140 Euro für das neue Kautschukband "Aero Classic" auf zusammen insgesamt 4.610 Euro. Der ausstattungsbereinigte Listenpreisunterschied beträgt damit 810 Euro. Unter Berücksichtigung der realisierbaren deutlichen Nachlässe auf beide Uhren ließ sich der tatsächliche Preisunterschied meiner beiden Exemplare auf 507 Euro verringern. Er wird der Anknüpfungspunkt späterer Betrachtungen sein.



    Kaufentscheidung vs. Kaufentscheidung

    Breitlings Neuauflage begegnete mir erstmals beim gelangweilten Durchklicken der Baselneuheiten 2017 und begeisterte mich auf Anhieb. Die von mir am bisherigen Modell als nachteilig empfundene breite und kratzempfindliche Alulünette war gegen eine solche aus Keramik und endlich mit Leuchtpunkt ersetzt, das Datum des 42er Modells war symmetriefördernd auf die 6 Uhr Position gewandert, die Gestaltung der Zeiger wurde deutlich nachgeschärft und mit dem neuen von Rolex für Tudor entwickeltem, äußerst leistungsfähigen Manufakturkaliber vereinte die Uhr zudem sehr charmant Elemente von drei Herstellern, die mir allesamt äußerst sympathisch sind.

    Nur wegen dem neuen Werk allein hätte ich allerdings keinen Kauf erwogen; jedoch entsprachen die optischen Verbesserungen zu einhundert Prozent dem, was ich mir für dieses Modell immer schon gewünscht hatte. Dummerweise hatte ich jedoch einige Zeit davor eine recht günstige Gelegenheit bei meinem Stammkonzi ergriffen, der mir die Superocean Heritage I 42 für unterhalb der üblichen Grauhändlerpreise offeriert hatte. Und so wartete diese bereits ungetragen und verklebt auf ihren Einsatz. So haderte ich mit mir selbst und beschloß schließlich, das Schicksal würfeln zu lassen. Sollte sich der Verkauf mit einem von mir vorab festgelegten akzeptablen Verlust realisieren lassen, würde ich die neue Version bestellen oder ansonsten eben das alte Modell entkleben und tragen. Das beauftragte Schicksal würfelte günstig und ich beendete die Trennung von der Heritage I zu meiner Überraschung sogar mit einem einstelligen Gewinn, was ich als deutlichen Wink begriff, die Neue ebenso unverzüglich wie blind zu bestellen. Eine Bauchentscheidung, die sich als richtig erweisen sollte auch wenn sich die Wartezeit länger als gedacht gestaltete. Die Kaufentscheidung zur Seiko reifte dagegen über einen längeren Zeitraum. Oberflächlich betrachtet erschien sie mir zunächst für das Gebotene zu teuer. Nach eingehender Beschäftigung und dem interessierten Verfolgen der Diskussionen hier im Forum sah ich jedoch ein, meine ursprüngliche Meinung in diametraler Weise korrigieren zu müssen. Was folgte waren Wochen der Preisrecherche und schließlich die Entscheidung zur Vorbestellung für ein Exemplar aus europäischer Auslieferung zu einem denkbar günstigen Preis. Auch diese Blindbestellung auf Bauchgefühlbasis sollte sich als richtig erweisen zumal als Sahnehäubchen die vierstellige individuelle Limitierungsnummer ausgerechnet exakt meinem Geburtsdatum entspricht. Ein gutes Omen.

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    Dabei ist mein Verhältnis zu Seiko sicher kein einfaches sondern umfasst seit Jahren das gesamte Spektrum möglicher Gefühlslagen von größter Begeisterung über Euphorie bis hin zu Wut und bodenloser Enttäuschung. Es übersteigt meinen Verständnishorizont bei weitem, warum das japanische Traditionsunternehmen einerseits hochwertige handwerkliche Arbeit oder einzigartige technische Innovationen wie Kinetic oder Spring Drive hervorbringt aber gleichzeitig quer durch alle Produktlinien auffällig oft an einfachsten Dingen wie der korrekten Ausrichtung von Rehaut und Zifferblatt oder dem präzisen Setzen von Zeigern scheitert. Ein ambivalenter Hersteller wie ein Unfall, bei dem man nicht wegsehen kann weil sich Genialität und Stümperei als unvereinbare Gegensätze fröhlich die Hände reichen. Als würde ein Navigator zwar bei Orkan und Sturm mit verbundenen Augen und ohne Hilfsmittel über den Atlantik lotsen können aber sich daheim auf dem Weg vom Bad in die Küche verirren. Im Grunde hatte ich Anfang dieses Jahres nach qualitativen Querelen und der folgenden Wandlung einer Turtle PADI mit dem Hersteller -wieder einmal- abgeschlossen. Den in der Folge bereits begonnenen Abverkauf meiner Seiko-Sammlung stoppte jedoch ausgerechnet und unbeabsichtigt Seiko Deutschland selbst durch eine unerwartet makellose Glanzleistung bei der Neuausrichtung der leicht schief sitzenden Lünette an meiner Grand Seiko, welche ebenfalls verkauft werden sollte, weil mir die Lust vergangen war, mit einer GS weiterhin das Mitglied einer Produktlinie zu tragen, die für meinen Geschmack zu oft instrumentalisiert wird und für einige so etwas wie ein Statussymbol geworden ist, durch das man sich in Uhrenhobbykreisen die politisch korrekte Ablehnung von Imagedenken attestieren will. Meine GS sollte also gehen und ein Käufer war bereits gefunden, der allerdings wenige Tage vor Übergabe trotz fester Zusage den Handel platzen ließ weil () der Kühlschrank kaputt ging, () das Auto repariert werden oder () aus heiterem Himmel eine Renovierungsrücklage für die Eigentumswohnung vom Konto eingezogen wurde. Beliebig gelogene Ausrede bitte ankreuzen.

    Unglücklich war ich darüber nicht, denn in der Zeit zwischen Kaufzusage und angedachter Übergabe hatten sich in mir nagende Zweifel an der Richtigkeit meiner Entscheidung breit gemacht. Als dann noch Seiko Deutschland die Arbeit an meiner GS zu meiner Überraschung völlig kostenlos durchführte obwohl die Garantie bereits seit langem abgelaufen war, versöhnte mich die Freude über diese Geste des Eingeständnisses eigener Fehler mehr als erwartet. Die nunmehr perfekte GS durfte also bleiben und die von diesem positiven Erlebnis letztlich motivierte Neuanschaffung einer makellosen Marinemaster SBDX017 einige Monate später verfestigte das langsam zurückkehrende Vertrauen in den Hersteller auf den heutigen, halbwegs stabilen Stand. So raufen sich Seiko und ich also immer wieder zusammen denn die Uhren üben einen schwer zu beschreibenden Reiz auf mich aus, der sich wohl aus meiner Faszination für japanische Kultur, Mentalität und Gestaltung speist und sich selbst von der Tatsache, dass ich bei vier meiner fünf Turtles die Ausrichtung der Rehaut durch eigenhändiges Zerlegen und Remontieren der Uhren nachbessern musste, erstaunlich unbeirrt zeigt. Zum Fanboy der Marke oder Seiko-Ultra tauge ich leider trotzdem nicht.

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    Meine Einstellung zu Breitling kommt dagegen ohne Ambivalenzen, eigenes Nacharbeiten am Produkt und damit auch nervenschonender aus. Die plakativ zelebrierte Luftfahrtaffinität des Herstellers holt mich emotional ebenso zuverlässig ab wie das augenzwinkernde Marketing, das mit vielen Stilmitteln überaus gekonnt allerlei überholte und stereotype Männlichkeitsideale wie ein Playboy-Abo beschwört aber sich dabei durch die comicartige Überzeichnung dieser Elemente erkennbar selbst nicht allzu ernst nimmt. Diese Form überzeichneter Selbstironie ist auch elementarer Bestandteil meines persönlichen Humorportfolios.

    Absolut ernst nimmt man dagegen bei Breitling das Bemühen um hohe Fertigungsqualität. Die Strategie einer vernünftigen Mischung von prestigeträchtigen Inhousekalibern im Portfolio dort, wo es auch tatsächlich Sinn macht, und ansonsten dem Festhalten an den bewährten, teils modifizierten ETA-Werken in höchster Qualitäts- und Finissierungsstufe, entspricht auch meiner eigenen Philosophie - selbst wenn diese Firmenpolitik freilich auch ein großes Stück weit den eingeschränkten Möglichkeiten eines Herstellers vergleichsweise kleiner Stückzahlen geschuldet sein dürfte. Dabei mag die mantraartige Forderung nach Manufakturwerken um ihrer selbst willen zwar ein von unreflektiert denkenden Konsumenten aufgebauschter Trend sein aber kommt spätestens bei den Folgekosten und der Abhängigkeit vom Preisdiktat des Herstellers als Monopolisten für Ersatzteile und Wartung als schmerzhaft ins Budget schlagender Boomerang zurück. Schlußendlich schätze ich auch das regelmäßig polarisierende Design von Breitling in ganz besonderer Weise, weil es sich nicht dem hierzulande vorherrschenden Dogma vom Understatement als eigentlichem Mainstream anbiedert oder gar unterwirft sondern stattdessen expressiv auf den Putz haut und allen Grund dazu hat. Zurückhaltende Konsensgestaltung ist Breitlings Sache jedenfalls nicht und das ist auch wohltuend gut so selbst wenn die hier vorgestellte Superocean Heritage II vergleichsweise zurückhaltend auftritt und der Understatementträgerfraktion keinerlei nennenswerte Kompromisse abnötigen dürfte.

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    Gehäuse vs Gehäuse

    Das Gehäuse der Seiko präsentiert sich entsprechend dem Vorbild nüchtern, zweckmäßig und weitgehend schnörkellos was man aber keinesfalls leichtfertig mit einfach oder gar billig verwechseln sollte. Die hohe Designqualität des Entwurfs erschließt sich in seinen vielfältigen, fein akzentuierten Aspekten und Details erst nach und nach im direkten Kontakt was die Spannung und den Reiz der Uhr auch nach längerer Besitzzeit konstant hoch hält. Der Korpus überzeugt dabei mit einem geschmackvollen Wechsel polierter Flanken und satinierten Oberflächen unter einer schützenden, bereits von der Shogun oder der aktuellen MM300 bekannten Diashield-Beschichtung. Diese schützt sämtliche Oberflächen und insbesondere die in Bezug auf ihre verblüffend klare Tiefenwirkung exzellent ausgeführten Flankenpolituren in Seikos Zaratsu-Technik in einem gewissen Umfang vor Kratzern und Tragespuren. Unverwundbarkeit garantiert sie freilich nicht. Im Gegensatz zur Breitling verfügt sie über durchbohrte Hörner. Der Bandanstoß zum Gehäuse erfolgt auf der Oberseite nicht bündig sondern erzeugt eine schöne geschwungene Kante, die den sichtbaren Schnitt von poliertem Gehäuse zu satinierter Anstoßoberfläche stilvoll interpretiert.

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    Die Verarbeitung zielt insgesamt erkennbar auf das erwartbare Niveau der Preisklasse. Selbst über mehrere Zoomstufen hinweg äußerst sauber gefertigte und perfekt gesetzte Zeiger, eine sorgsam ausgerichtete Lünette, ein akribisch mittig justiertes Datum und die völlige Abwesenheit von Nachlässigkeiten an Zeigerspiel und Zifferblatt bestätigen die Ernsthaftigkeit der Ambitionen des Herstellers. Auch wenn auf das Deckglas noch einzugehen sein wird. Das bei allen 120 Rastungen satte und präzise Drehgefühl der gut zu greifenden Lünette überzeugt jedenfalls auf Anhieb und lässt keinen Zweifel an seiner Zugehörigkeit zur Preisklasse. Dabei kommt der im Sonnenlicht auffällig glänzende Drehring erfreulicherweise ohne jedes horizontale und vertikale Spiel aus. Ein wesentlicher Blickfang des mit 20bar bzw. 200M wasserdichten Gehäuses bleibt das stark gewölbte, entspiegelte Deckglas aus Saphir. Es verzerrt jedoch bereits bei leicht schrägem Blick auf das Zifferblatt aber unterstreicht damit auch gleichzeitig enorm das gewollte Vintage-Flair der Uhr. Hier fand sich auch der einzige Qualitätsmangel meines Exemplars: Das Deckglas war ab Werk nicht plan eingesetzt worden. Zwischen der 3-Uhr und 9-Uhr Seite betrug der Höhenunterschied volle 0,4mm:



    Obwohl ich mich für einen aufmerksamen Beobachter halte, war mir der Umstand selbst erst aufgefallen nachdem ein anderer Besitzer hier im Forum über dieses Problem an seiner Uhr berichtete. Ein schief eingepresstes Glas ist in dieser (und jeder anderen Preisklasse) freilich Stümperei. Daran gibt es nichts zu beschönigen oder abzuschwächen. Darüber könnte ich nun trefflich den Stab über Seiko brechen, theatralisch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und mit dem Zeigefinger wild nach Japan gestikulieren zumal ich mit meinem Problem auch kein Einzelfall bin. Möglicherweise würde ich es mir damit aber zu einfach machen, denn wenn ich einerseits zutreffend konstatiere, dass Seiko mit der SLA017 qualitativ grundsätzlich die Eintrittskarte in diese Preisliga gelöst hat, muß ich den entdeckten Fehler auch in den Kontext zu den Mängelquoten anderer Hersteller dieser Preisklasse oder gar darüber setzen um zu einem dem Sachverhalt angemessenen Urteil zu gelangen.

    Und insoweit hatte ich in der Vergangenheit Mängel bei Auslieferung zum Beispiel an einer meiner vier Breitlinge, an zwei meiner vier Omegas und nun eben an zwei meiner insgesamt vier hochpreisigen Seikos. Das ist nicht schön aber Realität und in der Gesamtschau dieser Erfahrungen mit anderen, anerkannt hochwertigen Marken empfinde ich die Sache mit dem Glas an dieser Seiko bei nüchterner Betrachtung weit weniger weltuntergangstauglich als im Affekt zumal sich die Lösung des Problems weder als kostenintensiv noch zeitraubend herausstellte. Als passionierter Pragmatiker konnte ich über das Forenmitglied Baris die Teilenummer der Glasdichtung in Erfahrung bringen. Dafür möchte ich ihm an dieser Stelle nochmals meinen aufrichtigen Dank aussprechen denn er hat diesen Service ausgerechnet während seines Urlaubs bewerkstelligt. Die Dichtung bestellte ich für kleines Geld in England und das erforderliche Aus- und anschließende perfekte Wiedereinpressen mit abschließendem Wasserdichtigkeitstest besorgte mein Uhrmacher kurzfristig und ohne auch nur die kleinste Spur an der Uhr zu hinterlassen.



    Das Auge erfreut sich nun am ungetrübten Blick durch ein perfekt ausgerichtetes, gewölbtes Saphirglas auf ein wirklich grandios gearbeitetes Zifferblatt, das ohne jeden Zweifel den Gesamteindruck dieser Seiko dominiert. In einem je nach Lichteinfall seidenmatten bis metallisch wirkenden Grauton kombiniert es einen wunderschönen, ausdrucksstarken Sonnenschliff mit übergroßen Indexen, gefüllt mit der seikotypisch extrem stark nachleuchtender Leuchtmasse Lumibrite, die großzügig auf die überdimensionalen, aufgesetzten Indexe aufgetragen wurde. Hierbei kommt die verbesserte, seit 2015 auch an der Referenz SBDX017 verwendete Lumibriteversion zum Einsatz, die eine spürbar stärkere und laut Seiko 60% längere Leuchtwirkung aufweist und diese Versprechen auch in der Realität weitgehend einlöst.



    Pefekte Zeigerlängen, ein gerahmtes Datumsfeld auf 3 Uhr und eine in weiß aufs Zifferblatt gedruckte Minuterie runden den überaus positiven Eindruck ab. Entsprechend der Vorlage fehlt auch der Neuauflage ein Kronenschutz. Auf der präzise verschraubbaren Krone selbst findet sich erhaben ausgeführt der Seiko-Schriftzug. Den ebenfalls geschraubten Boden ziert dagegen ein dezenter Hinweis auf die Seriennummer und die Auflage (xxxx/2000) sowie -in Anlehnung an das Vorbild- die Lasergravur eines Delfins. Zum Werk hin sorgen gleich zwei Bodendichtungen für Sicherheit.

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    Die Breitling kontert mit ebenfalls hochwertigen, orangenhauteffektfreien Polituren rundum ohne sich jedoch vom abwechslungsreicheren Gehäuse der Japanerin qualitativ entscheidend absetzen zu können. Das Gehäuse profiliert sich dennoch durch eine präzise und makellose Verarbeitung aller Komponenten. Auch hier erwarten den Träger perfekt gesetzte Zeiger, ein sauber ausgerichtetes Datum auf 6 Uhr und ein partikelfreies Zifferblatt im subtilen, effektvollen "Volcano-Schwarz" sowie der applizierten "B"-Initiale in 18 Karat (750) Gold.

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    Besonders beeindruckend ist die optische Eleganz der kratzunempfindlichen Keramiklünette, die ebenfalls 120 Rastungen besitzt. Der haptische Qualitätseindruck bei der Bedienung reicht jedoch nicht an den der Seiko heran. Zwar ist das Drehgefühl nicht ganz so trocken und knöchern wie zB das der Lünette einer Omega PO aber auch weit entfernt von der überaus satten Rückmeldung und Geschmeidigkeit des Drehrings der Japanerin. Wie bei dieser sind auch bei Breitling die Lünettenmarkierungen penibel und akkurat auf die Indexe des Zifferblatts ausgerichtet. Gegenüber der atemberaubenden Entspiegelungsgüte des Deckglases der Breitling muss sich die Seiko jedoch deutlich geschlagen geben was freilich ein Stück weit auch der Wölbung des Saphirglases geschuldet ist.

    Dafür hat die Seiko bei der Lume deutlich die Nase vorn. An der Breitling leuchten zwar Zeiger, acht Indexpunkte und der Punkt im Lünettendreieck zwar kräftig aber in ihrer Dimensionierung und Wirkung im direkten Vergleich zur Seiko deutlich verhaltener was aber auch hier weniger dem Unvermögen des Herstellers als der gewollten Gestaltung mit vorbildnäheren, kleineren Lumedots geschuldet ist. Während der Boden der Seiko nur günstig wirkende Lasergravuren aufweist, treibt Breitling in diesem Bereich deutlich mehr sicht- und spürbaren Aufwand. In Bezug auf die Verarbeitungsgüte von Zeigern, Indexen und dem Zifferblatt erfüllen dagegen beide gleichermaßen die hohen Erwartungen an eine Uhr ihrer Preisklasse vorbildlich.



    Polyurethan vs. Kautschuk

    Während das Polyurethan-Band der MM300 haptisch bekanntlich an störrisches Hartplastik erinnert, gemahnt das Silikon-Wafflestrap der SLA017J dagegen an Weichgummi. Schön gestaltet und sorgfältig verarbeitet verjüngt es sich von 19mm am Anstoß auf 18mm an der Schließe. Es ist bemerkenswert angenehm zu tragen auch wenn es im Alltag ein staubanziehendes Talent offenbart. Warum der mit Seiko beschriftete Metallkeeper schwarz beschichtet wurde während die ebenso funktionale wie einfallslos gestaltete Dornschließe selbst wiederum in poliertem Stahl ausgeführt ist, bleibt Seikos Geheimnis. Den erhofften schlüssigen gestalterischen Bezug zum Gehäuse und damit einen harmonischen Designeindruck hinterlässt das bei mir leider nicht. Vielmehr erinnert die Gestaltung erschreckend an die Einheitsschließen günstiger Massenware. Das anschmiegsame Kautschukband der Breitling namens "Aero Classic" verjüngt sich dagegen von 22mm am Anstoß auf 20mm an der Schließe und beeindruckt bereits optisch durch eine raffinierte, ans Milanaiseband bzw an das Band des Vintagemodells erinnnernde Gestaltung. Qualitativ überzeugt es durch geschmeidige, seidenmatte Oberflächen, eine detailverliebte, rundum makellose und dem Band der Seiko überlegenen Vearbeitung sowie eine stilistisch wie funktional gleichermaßen überzeugende Dornschließe in hochwertigem Finish. Für das Gebotene sind 140 Euro zwar nicht günstig aber im Vergleich zu vergleichbaren Bändern der Konkurrenz keinesfalls überzogen. Seiko berechnet dem Kunden im Nachkauf für sein Wafflestrap dagegen dem Vernehmen nach knapp 200 Euro. Sollte das zutreffen, überschreitet die Preisvorstellung der Japaner damit angesichts des Gebotenen für meine Begriffe nicht nur die Grenze zum Wucher sondern überfährt sie regelrecht mit hoher Geschwindigkeit und beschleunigt dabei noch.

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    Geändert von Spitfire73 (03.11.2017 um 17:50 Uhr)
    Dorthin zurückzugehen, wo man begonnen hat, ist nicht das Gleiche, wie nie zu gehen. Terry Pratchett

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    B20 vs. 8L35

    Seiko hat sich bei der Motorisierung für das Kaliber 8L35 entschieden und damit grundsätzlich eine angemessene Wahl getroffen. Die bereits aus der MM300 bekannte, sehr appetitlich mit Schliffen dekorierte Großserienvariante des Grand Seiko Kalibers 9S55 überzeugt mit geringen Lagenabweichungen, einem dank 28.800 A/h seidigen Gleiten des Sekundenzeigers und einer überdurchschnittlichen Gangreserve von 50 Std. Die Hochwertigkeit des in Morioka gefertigen Werks wird zudem auch durch die für japanische Uhren eher untypische Ausstattung mit einer Exzenterschraube zur Feinregulierung unterstrichen. Das umständliche und ein hohes Maß an Feingefühl erforderliche Regulieren über den Rücker entfällt damit. Umso unverständlicher, dass aufgrund der ab Werk nur in zwei Lagen erfolgten Regulierung nicht wenige Exemplare des Kalibers die Ganggenauigkeitbandbreite von -10/+15 Sek/24h offensichtlich großzügig austesten. Dabei weckte der Pressetext von Seiko im Vorfeld der Veröffentlichung ("…hand assembled and adjusted masterpiece…") durchaus höhere Erwartungen an die Ganggenauigkeit, die zumindest bei meinem Exemplar jedoch nicht eingelöst wurden. Ein Gangergebnis von +12 Sek/24h ist kein Beinbruch aber für die Preisklasse dann doch eher ernüchternd. Erfreulich dagegen die hohe Lagenstabilität, die sich bei meinem Exemplar in einer größten Lagendifferenz von nur 7 Sekunden manifestiert. Nach Ablauf einer angemessen erscheinenden Einlaufphase habe ich die Uhr daher geöffnet und auf einen geringen Vorlauf von knapp 4 Sek/24h reguliert. Was bleibt ist jedoch der Eindruck, dass das Kaliber ab Werk keinesfalls besser einreguliert wurde als bei der deutlich günstigeren MM300. Angesichts des beachtlichen Aufpreises hätte ein sorgfältigeres Einregulieren von Hand gerade dieser Limited Edition gut zu Gesicht gestanden.



    Für den nach Stückzahlen eher kleinen Hersteller Breitling als besonders chronographenlastige Marke, lohnte sich bislang die Fertigung eines eigenen Dreizeigerwerks im industriellen Maßstab nicht. Daher motorisierte die bisherige Superocean Heritage-Generation unter der Bezeichnung B17 ein modifiziertes ETA 2824-2 in der höchsten Qualitätsstufe "chronometre". Erstmals seit 2017 trägt jedoch eine bemerkenswerte strategische Partnerschaft mit Rolex Früchte und Breitling erhält dadurch den exklusiven Zugang zu dem von Rolex für Tudor entwickelten Inhousekaliber MT5612, das mit einem eigenen Rotor und ausschließlich an den Breitling-Exemplaren aufgebrachten aufwendigen Schliffen und Verzierungen als B20 verbaut wird, während Tudor umgekehrt den Zugriff auf Breitlings innovatives Inhousechronographenkaliber B01 erhält. Als deutlich jüngere Entwicklung merkt man dem MT5612 dabei die dahinterstehende enorme Entwicklungskompetenz von Rolex nicht nur in Bezug auf die robuste Auslegung an. Das COSC-Chronometer brilliert mit technischen Details wie einer stabilen Unruhbrücke, modernster Siliziumunruh, einem risikolos zu jeder beliebigen Uhrzeit einstellbaren Datum ohne Schaden für das Werk befürchten zu müssen, einer hohen Gangreserve von 72h und einem respektablen Gang ab Werk von knapp +2 Sek/24h bei extremst geringen Schwankungen in den einzelnen Lagen. Die Regulierung erfolgt im Gegensatz zum 8L35 über Unruhschraube. Mit einer gemessenen größten Lagendifferenz von lediglich 3 Sekunden unterbietet sie das an sich schon sehr gute 8L35 in beeindruckender Weise noch um mehr als die Hälfte und befindet sich damit auf absoluter Augenhöhe mit den technisch neuesten Manufakturwerken z.B. von Omega. Tudor ist zudem stolz darauf, dass nach den internen Erfahrungen die Werke mit Gangwerten von -2 bis +4 Sek/24h selbst die Anforderungen der COSC regelmäßig noch deutlich übertreffen. Auch bei der Einleitung des Datumswechsels herrscht zwischen den Kalibern von Seiko und Breitling Uneinigkeit im Detail: beim 8L35 beginnt der Wechsel ab ca. 23.15 Uhr zunächst schleichend und um 23.57 Uhr vollendet die Datumsscheibe dann den Sprung auf den nächsten Zähler. Beim B20 schaltet das Datum dagegen schlagartig und mit 23.59 Uhr auch fast exakt um Mitternacht um.



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    Oyster vs Milanaise

    Seiko legt ein satiniertes Stahlband im Oyster-Stil mit markentypischen Innenhülsen vor. Gestalterisch weckt es familiäre Erinnerungen an Bänder wie das der Sumo. In Bezug auf die qualitative Umsetzung hat es mit diesem jedoch rein gar nichts gemein. So ist die Schließenmechanik massiv ausgeführt, Fasen und Kanten am Schließenkasten sind deutlich präziser und wertiger umgesetzt. Gefaltetes Dünnblech wie bei der Sumo sucht man mit Ausnahme der integrierten Tauchverlängerung vergebens. Schließenhaube und Sicherheitsbügel sind ebenfalls massiv und dickwandig. Das Band lässt sich zumindest für erfahrene Seikoinnenhülsenkenner leicht kürzen und über die Feinverstellung bestens anpassen. Halbe Bandglieder vermisst man nicht. Auffällig und nicht preisklassengerecht wirkt jedoch das geringfügige horizontale Spiel der Bandanstöße zwischen den Hörnern, das nicht allein mit einem dadurch erleichterten Bandwechsel erklärt werden kann.

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    Breitling setzt aus historischen Gründen das bekannt vorzügliche Milanaiseband namens "Ocean Classic" dagegen. Aufwendig gearbeitet, mit polierten Schrauben versehen, angenehm kürz- und einstellbar darf es nach wie vor als Benchmark unter den hochwertigen Milanaisebändern am Markt gelten. Die Justierbarkeit ist dank schmaler Glieder feinfühliger als beim Seikoband, die Verarbeitung exzellent und auf noch höherem Niveau als bei Seiko. Das Kürzen des verschraubten Bandes geht so leicht und launig von der Hand dass man ganz ernsthaft aufpassen sollte, nicht aus purer Lust das gesamte Band zu zerlegen.

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    Der Schließenkasten ist ebenso wie die massiven Bauteile des Faltmechanismus hochglanzpoliert. Zurecht weisen entsprechende Gravuren stolz auf die Herkunft des Bandes aus echter Schweizerischer Produktion hin. Ein schöner Gruß an einige Schweizer Konzern-Konkurrenten, die mit Fernostbändern Profit aus dem Umstand ziehen, dass Bänder generell von der "Swiss Made"-Verordnung ausgenommen sind. Auch wenn an dieser Stelle darauf hinzuweisen ist, dass zwischenzeitlch wohl zumindest an den Einsteigerreferenzen Bänder auch aus Nichtschweizer Produktion verbaut werden. Der Tragekomfort ist hier wie dort beachtlich auch wenn das der Japanerin infolge der geringeren Abmessungen hauchdünn die Nase vorn hat. Letztlich schmiegen sich aber beide Bänder bestens ans Handgelenk und bieten mit jeweils vierstufigen Feineinstellmöglichkeiten an den Schließenkästen beste Voraussetzungen, eine individuell optimale Trageposition tatsächlich zu erreichen. Positiv fallen bei der Seiko die geringe Höhe des Schließenkastens und die Kompaktheit der Uhr am Arm insgesamt auf. Die Breitling überzeugt dagegen mit dem überaus gut kaschierten Höhenzuwachs des Gehäuses, der sich erfreulicherweise nicht in einer Kopflastigkeit niederschlägt.



    Präsentation vs. Präsentation

    Der für zwei Uhren der gleich gehobenen Preisklasse augenfällig dramatische Unterschied von Präsentation und Verpackung fordert die umfangreichere Auseinandersetzung mit dem Thema geradezu heraus. Bei Breitling gibt ein weißer Umkarton eine geschmackvolle und repräsentative Hardbox frei, deren Deckel, nach oben abgenommen, den Blick auf ein sehr schön gestaltetes, selbständig nutzbares Reiseetui aus Leder eröffnet. Darin findet die Uhr auf einem stabilen und maßhaltig integrierten Kissen festen und sicheren Halt. Unter einer herausnehmbaren Zwischendecke in der großen Box befinden sich darüber hinaus der Stauraum für Chronometerzertifikat, elektronische Garantiekarte und die weiteren Dokumente in einem beidseitig bestückbaren Etui. Insgesamt wirken Präsentation und Verpackung raumökonomisch durchdacht, stimmig, wertig und damit dem transportierten Inhalt angemessen. Auch auf Einzelhandelsebene ermöglicht der Hersteller dem Konzessionär vor Ort, die individuelle Kundenbindung durch die Zugabe verschiedener Präsente zu erhöhen. Über den Sinn von Mützen, Schreibgeräten, Schlüsselbändern usw. mag man freilich geteilter Meinung sein. Schlimmstenfalls bleibt es eine Form von ebenso leicht wie einträglich veräußerbarem Naturalrabatt.



    Die Seiko kommt in dem markentypisch dünnwandigen weißen Umkarton. Wer ihn öffnet, fühlt sich augenblicklich ohne Fallschirm ins günstigste Einstiegspreissegment zurückkatapultiert. Eine sehr einfach verarbeitete blaue Plastikbox besitzt auf der linken Seite ein unförmiges Kissen mit billigstem Füllmaterial auf dem die Uhr keinen sicheren Halt findet. Auf der rechten Seite befindet sich noch eine herausnehmbare Einlage aus unsauber zusammengeklebtem, grob beflocktem Karton für das Stahlband.



    Sinnvolle Unterbringungsmöglichkeiten für die Papiere zur Uhr sucht man vergebens. Zwar befindet sich im weißen Umkarton ein möglicherweise dafür gedachter Zwischenraum jedoch sind sowohl Garantieheft als auch Anleitung vom Format her zu breit um sie darin tatsächlich unterzubringen. Höflich ausgedrückt ist die Verpackung der Seiko insgesamt mehr preisklassenspezifischer Fremdkörper als erwartbarer Bestandteil des Lieferumfangs. Und das ist umso unverständlicher als es Seiko in günstigeren Preisklassen durchaus besser kann. Wer beispielsweise eine Presage mit der Referenz SPB039J erwirbt, erhält zu einem überschaubaren Listenpreis von 730 Euro eine optisch wie haptisch tadellos verarbeitete Hartbox in Holzoptik mit Druckknopf gereicht, die innen fein ausgeschlagen und mit einem gut verarbeiteten und brauchbaren Kissen die Wertigkeit des Produkts klar unterstreicht. Was sich Seiko Japan ausgerechnet bei einer mit 3.800 Euro selbstbewußt bepreisten Wiederauflage einer Markenikone gedacht hat, ist für mich ein Paradebeispiel für die eingangs genannte unselige Kombination von Genie und Wahnsinn. Gerade wenn man wie Seiko erkennbar nach oben strebt und in imagesensiblen Marktsegmenten vom Kunden auf Augenhöhe mit angesehenen Schweizer Produkten wahrgenommen werden will, sollten die dort üblichen Gepflogenheiten angemessener Produktpräsentation auch peinlich genau eingehalten werden. An diesem Punkt kommen ebenso regelmäßig wie stereotyp die Einwände, dass es sich vorliegend ja um eine "Toolwatch" handle und/oder die Verpackung ohnehin generell unwichtig sei. Diese Argumentation hält jedoch keiner Überprüfung stand. Wer im Zeitalter günstiger Tauchcomputer einen mechanischen Dreizeiger für 3.800 Euro am Markt platziert, verkauft zum einen kein Werkzeug sondern einen reinrassigen Luxusgegenstand bestenfalls in Tooloptik. Zum anderen ist eine emotional ansprechende Verpackung keinesfalls unwichtig. Das weiß spätestens jeder, dem sich in erotischer Betätigungsabsicht die gleiche Frau einmal ungeschminkt mit Wollsocken, Schlabberpulli und Jogginghose und einmal in Neglige, Spitzenwäsche und kampfwertgesteigert in Make up und knallrotem Lippenstift genähert hat. Eine hochwertige Verpackung sollte also nicht als lästiges Kostenelement betrachtet werden sondern vielmehr als äußerst preisgünstige Chance für den Hersteller, den Qualitätseindruck des darin überreichten Produkts maßgeblich zu betonen und die Wahrnehmung der eigenen Marke als hochwertig beim Kunden durch einen optisch und haptisch möglichst positiven Eindruck zu flankieren und zu verankern. Wer die japanische Mentalität kennt, weiß, dass gerade dort die Sorgfalt und Qualität einer Verpackung genauso wichtig sein kann, wie der überreichte Inhalt. Das Verständnis dafür müsste bei Seiko also eigentlich schon kulturell angelegt sein.





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    Es ist dem Gebot der Fairneß geschuldet, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich Seiko Deutschland als lokale Vetriebsgesellschaft mit gutem Grund dem fragwürdigen weltweiten Präsentationsdiktat des Mutterhauses widersetzt hat und auf eigene Faust die ihr zugeteilten 200 Exemplare durch Zugabe eines ansprechend gestalteten Koffers, eines U-Boot Modells und einiger weiterer Gimmicks deutich aufgewertet hat. Ich hatte unlängst bei Seikos Roadshow Gelegenheit, beides zu begutachten. Wobei sich der thematische Bezug zwischen dem Modell der Shinkai 2000 und der SLA017 freilich nur indirekt erschließen mag, denn an der Außenhaut des U-Boots bewährte sich im Jahr 1983 längst ein quarzangetriebener Marinemaster-Enkel der "62MAS". Beim Modell handelt es sich übrigens um die Wiederauflage eines älteren Pit-Road Fertigmodells im Maßstab 1/60, welches ich vor über 10 Jahren bereits besessen habe. Es kostete damals schon rund 50 Euro. Von daher ist mir durchaus bekannt, dass es sich dabei definitiv um keine billige Verlegenheitszugabe handelt. Die Entscheidung von Seiko Deutschland ist ebenso lobenswert wie richtig, zeigt aber zugleich auch, wie wenig trittsicher Seiko das Thema Selbstdarstellung in einem prestigefixierten Marktsegment beherrscht, in dem genau das notwendig wäre um den angepeilten Erfolg auch außerhalb nerdiger Fanboyzirkel zu realisieren. Es hätte Seiko gut gestanden, die Idee der Deutschen von vornherein und weltweit zu adaptieren. Vielleicht hätte man von Tokio aus auch mit einem Schlitzauge Richtung Schweiz schielen können. In der pompösen Box des Legend Divers zum Beispiel findet der Longines-Käufer ein durchaus unterhaltsames Buch vor, dass die Errungenschaften der Marke in Wort und Bild eindrucksvoll illustriert und vermittelt. An befüllbarem Inhalt für eine solche Beigabe hätte es auch Seiko bestimmt nicht gemangelt. Zusammengefasst tut es mir als großer Freund dieser Marke einfach weh, wie fahrlässig hier eine einmalige Chance vertan wurde.



    Preisleistung vs. Preisleistung

    Wer Taschenrechner und Zahlen liebt, dürfte festgestellt haben, dass die SLA017 stolze 1.500 Euro Listenpreisabstand zur weitgehend ähnlich ausgestatteten Marinemaster SBDX017 mit einem ebenfalls aufwendigen Gehäuse, gleicher (und von Hand aufgetragener) Leuchtmasse, dem gleichen Werk, der gleichen Diashield-Beschichtung und einem Lieferumfang mit ebenfalls zwei Bändern in einer noch windigeren Box aufweist. Dagegen steht die limitierte Auflage der SLA017, das aufwendige Sondergehäuse, die Sonderbänder, das hochwertigere Saphirglas statt Hardlex und den Rest füllt das erkennbare und vollkommen legitime Interesse von Seiko, am Trend, eigene Markenikonen wiederzubeleben und möglichst gewinnbringend versilbern zu wollen, teilzuhaben. So wie es Breitling, Tudor, Omega, Longines und viele andere seit Jahren erfolgreich vorexerzieren. Ein gutes Stück weit ist die selbstbewußte Bepreisung dieser Limited Edition und das dennoch enorme Interesse daran also auch eine erfreuliche Bestätigung des Herstellers und seiner Position im Markt. Und zu diesem Erfolg sollte man Seiko aufrichtig und neidlos gratulieren auch wenn der eine oder andere Anhänger der Marke die Politik des Herstellers am liebsten auf ewig an die Herstellung bodenständig bepreister und preisgünstiger Ware gekettet sehen möchte. Seikos Bemühungen zielen jedoch bereits seit einigen Jahren auf eine deutliche Höherpositionierung der Marken ab. Boutiquen werden eröffnet, der alte Grand Seiko Schriftzug auf den Zifferblättern wurde vor kurzem entrümpelt, Roadshows und Ausstellungen sollen für die Marke begeistern. Man strebt erkennbar nach oben und das Zeug dazu hat Seiko auch - selbst wenn das Auftreten bisweilen so hölzern wirkt, dass man sich bei der Beschäftigung mit der Marke Holzsplitter einzuziehen droht.

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    Die meisten dieser Sorgen hat Breitling nicht. Die Kombination aus starkem Image, hoher Qualität, emotional aufgeladenen und polarisierenden Produkten, einem gelungenen Marketingmix und nicht zuletzt eine im Vergleich zum Wettbewerb stets mit Augenmaß betriebene, kluge Preispolitik, die auch in Zeiten des Booms die Bedürfnisse des Einstiegssegments klar im Blick behielt, zahlt sich aus. Dazu gelang dem Hersteller durch die Kooperation mit Rolex/Tudor ein bemerkenswertes und echtes Husarenstück. Und das in einer bisweilen von Realitätsverlust geprägten Branche, in der manche Mitbewerber auf die Zeichen der Zeit mit dem Verpacken von drei gleich aussehenden Uhren in eine Holzkiste reagieren.

    Ein Aufpreis von mehreren hundert Euro für ein zertifiziertes Chronometerkaliber der Art und Güte des B20 gegenüber dem in allen Belangen unterlegenen 8L35 ist definitiv gerechtfertigt. Immerhin wird kein Standardkaliber im COSC-Kleid sondern eines der leistungsstärksten und modernsten Dreizeigerwerke der Welt überhaupt offeriert. Ein weiterer dreistelliger Teil des Mehrpreises geht gedanklich darüber hinaus für die spürbar höhere Qualität beider Bänder und Schließen absolut in Ordnung. Der kühle Rechner wird schließlich feststellen, dass Seiko dem Käufer nur die üblichen zwei Jahre Garantie auf die Uhr zusichert während Breitling dem Kunden großzügige fünf Jahre sorgenfreier Zeit einräumt. Die lange Garantiedauer ist dabei an das Absolvieren kostenloser Dichtigkeitsprüfungen weniger des Trägers als der Uhr im Zweijahresrythmus geknüpft. Auch das sollte und muß letztlich seinen fairen Niederschlag im Rahmen einer Betrachtung des Mehrpreises finden. Vor dem Hintergrund der aufgezählten Punkte darf der Aufpreis der Breitling von 507 Euro bei sachlicher Würdigung und unter Einbezug des Wettbewerbs nicht nur als moderat gelten sondern sogar als günstig. Damit heimst die Breitling den Titel des Preisleistungssiegers in diesem Vergleich ein ohne dass Argumente wie ihre der Preisklasse weitaus angemessenere Präsentation oder der große Imageunterschied überhaupt hätten bemüht werden müssen. Eine Seiko, die im Vergleich zu einer Breitling ausgerechnet beim Thema Preis/Leistung den Kürzeren zieht, dürfte das festgefügte Weltbild vieler Markenjünger kräftig in Schieflage bringen und ich kann mir ein ziemlich breites Grinsen darüber nicht verkneifen.

    Sieger vs. Sieger

    Diese Gegenüberstellung legt den Fokus aber weder auf Centfuchsereien noch Krämermentalität sondern betrachtet zwei Zeitmesser im durchaus vergleichbaren Segment, die ihre hohe Qualität und ihren emotionalen Mehrwert jeweils ganz unterschiedlich interpretieren aber in ihrer Gekonntheit doch so ähnlich zu entfalten verstehen, dass es eine wahre Freude ist, die eine wie die andere ans Handgelenk zu legen. Insoweit sehe ich mich am Ende dieses Beitrags zwei absolut gleichberechtigten Gewinnern gegenüber, deren Weg auf das Siegerpodest zwar einer Preisleistungsbetrachtung zugänglich gewesen sein mag, die aber letztlich ohne Einbezug der entscheidenden emotionalen Komponente unnützes Fragment bleibt.

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    Weitaus bedeutender erscheint mir dagegen die Frage, ob sich die beiden Erbschleicher nun das jeweils gesamte reichhaltige Erbe ihrer Altvorderen einverleiben konnten, denn immerhin bleibt ihnen der Tritt in die Fußstapfen der Bedeutung ihrer Ahnen als einst unverzichtbare Werkzeuge für die Erforschung der Tiefen im Zeitalter günstiger und leistungsstarker Tauchcomputer verwehrt. Ich vermute, die beiden Jungspunde pfeifen mit gutem Grund darauf, denn sie haben in einer der untersten Kisten des Nachlasses etwas viel Wichtigeres vorgefunden: den Pioniergeist und den Charme jener Jahre. Und wenn man die Asche der Jahrzehnte wegbläst, dann glimmt darunter sogar noch etwas rubinrote Glut auf. Und genau die tragen die beiden nun zusammen mit besseren Materialien, leistungsstarker Ausstattung, hochwertiger Verarbeitung, aufwendigen und präzisen Werken und natürlich bestens eingekleidet in das jeweilige gestalterische Vermächtnis stolz erhobenen Hauptes in die Zukunft. Beide könnten wenn sie wollten aber müssen nicht mehr. Und müssten sie tatsächlich, würden sie dabei noch unverschämt gut aussehen.

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    PS: beide Uhren verbindet noch eine weitere, recht persönliche Gemeinsamkeit: ihre Zugehörigkeit als Schlußsteine meines Exit-Konvoluts an sogenannten Retrouhren. Dieses wird unangefochten angeführt von der stilsicheren Tudor Black Bay, weil sie das wirklich bemerkenswerte Kunststück vollbringt, äußerst gekonnt ein Vorbild zu zitieren, das es so gar nicht gab. Flankiert wird sie dabei vom Longines Legend Diver mit dem absolut stimmig ins Zifferblatt integriertem Datum, der Innenlünette und der Doppelkrone, weil er den nahezu perfekten Spagat zwischen Eleganz und Sportlichkeit verkörpert. Dazu gesellt sich nun die charakterstarke Seiko weil sie japanische Wertigkeit, das Gespür für zeitloses Design und historische Vorbildtreue in ganz besonders charmanter Form in die Gegenwart transportiert. Und schließlich rundet die markante Superocean ein Quartett hochwertiger Uhren mit Wurzeln in der Vergangenheit perfekt ab, weil in ihr die markentypischen Qualitäten, ein Weltklassekaliber und die ganze maskuline Lässigkeit von Breitling in einem an das historische Vorbild angenäherten aber trotzdem modernen Entwurf gegenständlich werden.



    Technische Daten:

    Seiko SLA017J1

    Kaliber 8L35
    Automatik, beidseitig aufziehend, Sekundenstop, Handaufzug, Datum
    28.800 A/h, Gangreserve 50 Stunden, 26 Jewels
    Gehäuse Edelstahl, einseitig drehbare Lünette mit 120 Klicks, Durchmesser: 39,9mm, Höhe: 14,1mm, Diashield-Beschichtung, Bandanstoß: 19mm, zur Schließe auf 18mm verjüngend, Gehäuseboden und Krone verschraubt
    Saphirglas, bombiert, entspiegelt
    Wasserdichtigkeit: 20 bar/200m

    Superocean Héritage II 42 (REF. AB201012|BF73|154A)

    Kaliber B20
    Automatik, COSC-Chronometer, beidseitiger Aufzug, Sekundenstop, Handaufzug, Datum
    28.800 A/h, Gangreserve: 70 Stunden, 28 Jewels
    Gehäuse Edelstahl, einseitig drehbare Lünette mit Keramikinlay und 120 Klicks, Durchmesser: 42mm, Höhe: 14,35mm, Bandanstoß: 22mm, zur Schließe auf 20mm verjüngend, Gehäuseboden und Krone verschraubt
    Saphirglas, bombiert, beidseitig entspiegelt
    Wasserdichtigkeit: 20 bar/200m

    Vielen Dank fürs Reinschauen.
    Geändert von Spitfire73 (04.11.2017 um 11:50 Uhr)
    Dorthin zurückzugehen, wo man begonnen hat, ist nicht das Gleiche, wie nie zu gehen. Terry Pratchett

  3. #3
    Avatar von GulDukat
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    Erneut eine ganz vorzügliche Vorstellung. Hut ab......
    MfG, Manuel

    "Besser man hat, als man hätte"

  4. #4
    Avatar von kater7
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    Hallo Helmut,
    das ist wirklich eine sehr umfangreiche Vergleichsvorstellung der beiden "Erbschleicher" von Breitling und Seiko. Optisch scheint Breitling qualitativ vor der Seiko zu liegen, Deinen Schilderungen nach ist es auch so. Zudem hat Breitling das deutlich hochwertigere Werk verbaut, die geringwertige Justierung bei Seiko finde ich enttäuschend.

    Da es Retrouhren sind muß ich jedoch anmerken das beide etwas in der Größe zulegen, Breitling leider deutlich mehr als Seiko. Zudem bleibt Seiko optisch, insbesondere bei der Gestaltung von ZB und Zeigern, viel näher am Original. Die Lünette bleibt ja bis auf den Leuchtpunkt unverändert, die Zeiger sowie Indexe haben die selbe Formensprache, die Indexe einen etwas mehr gerundeten Rand der minimal dicker erscheint, dafür ist das Datum schlanker. Zeiger sehen sich extrem ähnlich. Bei der Breitling stimmt eigentlich, bis auf die Lünette, nichts. Die Leuchtperle in der Lünette ist ja noch verzeihlich, aber das ZB wirkt durch die stark veränderten Indexe, denen zudem noch die hinterlegten Leuchtpunkte bei 3,6,9 und 12 fehlen, komplett anders, zusätzlich wurde ein Datum integriert. Die Breitling Superocean Heritage ist damit für mich vom Original so weit entfernt wie der New Beetle vom legendären Käfer. Thema leider komplett verfehlt.

    Das sind aber natürlich nur meine sehr persönlichen Gedanken, die haben nichts mit Deiner hervorragenden Vorstellung, die wie gewohnt ausgezeichnet mit Bildern bereichert wurde, zu tun. Also Dank nochmals für das sehr unterhaltsame Lesevergnügen und Dir weiterhin viel Freude an beiden Uhren
    LG, Frank

    "Wie es auch sei, das Leben, es ist gut"
    (Goethe)

  5. #5
    Avatar von eretmodus
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    Sauber

    Vielen lieben Dank.

    Mal wieder eine Vorstellung toller Uhren mit grandiosen Bildern, die mich stark zum Nachdenken bringt.
    Seiko, ja das ZB ist toll aber die Zeiger sind nicht so meines, zudem habe ich Werk und ähnliches Gehäuse schon.
    Breitling, die ist wirklich toll und mit grüner Lünette käme ich in Versuchung es dir gleichzutun.
    Da muss ich viele Nächte drüber schlafen, zu mal ich mehrere Aquarien austauschen muss und noch keinen KVA über die Sonderanfertigung für das Wohnzimmer habe. Warum sind auch immer noch so viele tolle Uhren übrig, wenn das Geld alle ist?

    Du hast viele schöne Uhren, aber um eine beneide ich dich wirklich, die LLD!

    Trotzdem natürlich viel Spass mit dem hier vorgestellten magischen Duo und ewig gute Gangwerte.
    Mit freundlichem Gruß - X X X
    Freund aller Uhren, aber besonders der mechanischen ....
    Die Einstellung der Menschen verändert sich nicht dadurch, das Feindbilder ausgetauscht werden.

  6. #6
    Avatar von pre-mastered
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    "Ein ambivalenter Hersteller wie ein Unfall, bei dem man nicht wegsehen kann weil sich Genialität und Stümperei als unvereinbare Gegensätze fröhlich die Hände reichen."

    Du beweist mit solch pikant-zutreffenden verbalen Punktlandungen einmal mehr schriftstellerisches Talent, Helmut.

    Mit diesem Beitrag hast du mein Feuer für die - braune - SOH II erneut entfacht, wäre da nicht die dürftige Lume, hätte ich meinem PO-Exitmythos längst abgeschworen und sie mir als Zweitdiver angeschafft. Aber einen Grund, um dieser Unvernunft weiterhin widerstehen zu können, brauche ich doch!

    Danke für diesen erneut herausstechenden Beitrag!

  7. #7
    Avatar von Uhrakel
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    Ein Hochgenuss Deine Vorstellungen. Eine wie die Andere. Die Bilder machen Appetit - der Text zeugt von Leidenschaft. Die Seiko ist ein Traum - ein Klassiker, wunderschön in ihrer schlichten Eleganz. Sie wäre mein Favorit. Danke für die Zeit die Du Dir nimmst um uns hier alle zu beglücken und teilhaben zu lassen, an Deiner Leidenschaft und Sprachgewalt.
    Gruß Marc

  8. #8
    Avatar von ticktick
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    Wahnsinn...wieder so eine Hammervorstellung! Absolut geniale Bilder zweier toller Uhren. Wenn ich jemals eine dieser Uhren kaufen wollte, deine Vorstellung würde mir als absolute Referenz und Grundlage zur Kaufentscheidung dienen.
    Wie immer sehr kurzweilig zu lesen.

    Deshalb auch von mir

    Viel Spaß mit deinem Retro-Exitduo bzw. Quartett!
    Gruß Andi
    BREITLING Avenger II GMT A32390
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    SEIKO Marinemaster Auto SBDX001

  9. #9
    Avatar von herki
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    Was für eine Vorstellung, genau mein Humor und großartige Bilder.

    Ganz herzlichen Dank für die Mühe

  10. #10

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    Hallo Helmut, grandiose Vorstellungen wie Deine sind der Grund, warum ich keine Uhrenvorstellungen mache...
    Vielen Dank und weiter viel Spaß!
    Geändert von Uhraholic (03.11.2017 um 07:50 Uhr)
    Viele Leute halten mich für eingebildet. Das stimmt nicht, mich gibt es wirklich!

  11. #11
    Avatar von volkerjoschi
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    Der erste Morgenkaffee, einen Blick ins Uhrforum, meine SLA017 ist bereits am Arm.
    Eigentlich habe ich soviel zu tun, jetzt kann ich nicht anders.
    Fertig gelesen, wie immer ist dein Thema ein Superlativ.
    Bei jedem Satz kann ich nur abnicken, deine Fotos sind von einer Güte. Der Wahnsinn.
    Ich sage mal artig, danke.

  12. #12
    Avatar von funchal
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    Danke für die schöne Frühstückslektüre. Tolle Uhren, da fiele es schwer sich zu entscheiden, wenn man sich eine aussuchen dürfte.

  13. #13
    Avatar von Spitfire73
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    Zitat Zitat von GulDukat Beitrag anzeigen
    Erneut eine ganz vorzügliche Vorstellung. Hut ab......
    Vielen Dank, Manuel!

    Zitat Zitat von kater7 Beitrag anzeigen
    Optisch scheint Breitling qualitativ vor der Seiko zu liegen, Deinen Schilderungen nach ist es auch so.
    Das kommt auf die persönliche Gewichtung an. Ich sehe die beiden beim Gehäuse unterm Strich gleichauf. Bei den Bändern und dem Kaliber kann die Breitling dagegen mehr punkten. Einen klaren Sieger und einen klaren Verlierer sehe ich nicht. Aber jeder kann (und soll) natürlich sein eigenes Fazit aus den genannten Fakten ziehen.

    Zitat Zitat von kater7 Beitrag anzeigen
    Da es Retrouhren sind muß ich jedoch anmerken das beide etwas in der Größe zulegen, Breitling leider deutlich mehr als Seiko. Zudem bleibt Seiko optisch, insbesondere bei der Gestaltung von ZB und Zeigern, viel näher am Original. Die Lünette bleibt ja bis auf den Leuchtpunkt unverändert, die Zeiger sowie Indexe haben die selbe Formensprache, die Indexe einen etwas mehr gerundeten Rand der minimal dicker erscheint, dafür ist das Datum schlanker. Zeiger sehen sich extrem ähnlich. Bei der Breitling stimmt eigentlich, bis auf die Lünette, nichts. Die Leuchtperle in der Lünette ist ja noch verzeihlich, aber das ZB wirkt durch die stark veränderten Indexe, denen zudem noch die hinterlegten Leuchtpunkte bei 3,6,9 und 12 fehlen, komplett anders, zusätzlich wurde ein Datum integriert. Die Breitling Superocean Heritage ist damit für mich vom Original so weit entfernt wie der New Beetle vom legendären Käfer. Thema leider komplett verfehlt.
    Danke, Frank! Über Geschmack können wir freilich nicht diskutieren aber wenn eine Uhr die Gemüter spaltet, dann hat der Hersteller mMn schon vieles richtig gemacht. Ich würde übrigens persönlich das Original der Superocean nicht geschenkt tragen wollen, weil ich es gestalterisch mit der konusförmigen Lünette und den runden Kreisen sowie den darübergelegten Keilindexen als recht mißlungen empfinde.

    Zitat Zitat von eretmodus Beitrag anzeigen
    Da muss ich viele Nächte drüber schlafen, zu mal ich mehrere Aquarien austauschen muss und noch keinen KVA über die Sonderanfertigung für das Wohnzimmer habe. Warum sind auch immer noch so viele tolle Uhren übrig, wenn das Geld alle ist?
    Vielen Dank, Stefan! Und diese Frage habe ich mir auch schon oft gestellt...

    Zitat Zitat von pre-mastered Beitrag anzeigen
    Mit diesem Beitrag hast du mein Feuer für die - braune - SOH II erneut entfacht, wäre da nicht die dürftige Lume, hätte ich meinem PO-Exitmythos längst abgeschworen und sie mir als Zweitdiver angeschafft. Aber einen Grund, um dieser Unvernunft weiterhin widerstehen zu können, brauche ich doch!
    Gern geschehen und vielen Dank!

    Zitat Zitat von Uhrakel Beitrag anzeigen


    Ein Hochgenuss Deine Vorstellungen. Eine wie die Andere. Die Bilder machen Appetit - der Text zeugt von Leidenschaft. Die Seiko ist ein Traum - ein Klassiker, wunderschön in ihrer schlichten Eleganz. Sie wäre mein Favorit. Danke für die Zeit die Du Dir nimmst um uns hier alle zu beglücken und teilhaben zu lassen, an Deiner Leidenschaft und Sprachgewalt.
    Vielen lieben Dank!

    Zitat Zitat von ticktick Beitrag anzeigen
    Viel Spaß mit deinem Retro-Exitduo bzw. Quartett!
    Den habe ich, vielen Dank für Dein Lob, Andi!

    Zitat Zitat von herki Beitrag anzeigen
    Was für eine Vorstellung, genau mein Humor und großartige Bilder.
    Ganz herzlichen Dank für die Mühe
    Danke Dir!

    Zitat Zitat von Uhraholic Beitrag anzeigen
    Hallo Helmut, grandiose Vorstellungen wie Deine sind der Grund, warum ich keine Uhrenvorstellungen mache...
    Vielen Dank und weiter viel Spaß!
    Ach komm, genau das wäre völlig kontraproduktiv.

    Zitat Zitat von volkerjoschi Beitrag anzeigen
    Der erste Morgenkaffee, einen Blick ins Uhrforum, meine SLA017 ist bereits am Arm.
    Eigentlich habe ich soviel zu tun, jetzt kann ich nicht anders.
    Fertig gelesen, wie immer ist dein Thema ein Superlativ.
    Bei jedem Satz kann ich nur abnicken, deine Fotos sind von einer Güte. Der Wahnsinn.
    Ich sage mal artig, danke.
    Und ich bedanke mich für Deine freundlichen Worte am frühen Morgen!

    Zitat Zitat von funchal Beitrag anzeigen
    Danke für die schöne Frühstückslektüre. Tolle Uhren, da fiele es schwer sich zu entscheiden, wenn man sich eine aussuchen dürfte.
    Danke Dir, funchal!

    Gruß
    Helmut
    Geändert von Spitfire73 (03.11.2017 um 08:47 Uhr)
    Dorthin zurückzugehen, wo man begonnen hat, ist nicht das Gleiche, wie nie zu gehen. Terry Pratchett

  14. #14
    Avatar von Vosas
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    An dieser Stelle kann ich mich für diese Vorstellung bzw. diesen Vergleich auch nur bedanken. Ausführlichkeit, der Stil und die Bilder sind einfach nur großartig. Bei der Seiko kann ich nicht mitreden. Die Haptik bei Breitling habe ich - als ehemaliger Besitzer einer Superocean 44 - ebenfalls als sehr hochwertig empfunden. Auch bei mir hat damals (und das tut es auch noch heute) das Marketing der Marke Breitling mitten ins Schwarze getroffen. Die Superocean 44 musste ich nur wegen der Größe ziehen lassen. Die (kleine) Navitimer dagegen habe ich schon auf dem Schirm.

    Herzlichen Dank für die Mühe!
    Grüße Vosas

  15. #15
    Avatar von Uhrbene
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    Helmut, das ist keine Vorstellung, das ist eine Reportage eines Kenners, die man so auch als gebundenes Buch verkaufen könnte. Wirklich toll, so viel Mühe und Herzblut mit uns zu teilen.

    Hut ab auch vor deinem partiellen Exitkonvolut historischer Vorbilder. Wie sieht wohl das Exitkonvolut moderner Uhren aus?

    Deine Eindrücke zu der SLA017 (die Breitling habe ich nicht) kann ich zu 100% teilen. Nur dass ich kein schiefes Glas hatte. Aber sowohl die Highlights wie Verarbeitung, Zifferblatt und extrem stimmiges Gesamtdesign als auch die Nachteile wie schlechte Regulierung (meine +13 sec, auch sehr lagenunabhängig) und besonders die Bänder kann ich nachvollziehen. Das Bandproblem lässt sich aber lösen: Ich habe mir ein individuelles Band aus Störleder machen lassen und für heiße Tage ein Strap von Uncle Seiko besorgt.

    Und die Präsentation ist - wie von dir schon angemerkt - in der deutschen Variante wirklich spitze. Allein der Koffer wird schon deutlich über 50 Euro liegen, das U-Boot sowieso. Da muss man Seiko D ein großes Kompliment machen.
    Vorstand P.O.C ./ Instagram : mpbene6110
    "Meine Zeit steht in Deinen Händen" (Psalm 31,16)

  16. #16
    Avatar von Deejay
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    Sensation ...... was für eine Arbeit. Respekt.

    Gruß,

    Dirk
    Geändert von Deejay (03.11.2017 um 08:40 Uhr) Grund: Fehler korrigiert.
    R.T.O.C. - L.E.O. - K.W.O.C. - D.W.C. - M.O.C. - D.B.D.C. - U.G.O.C. - O.O.C./S.O.C. - S.O.C.C. - F.O.C. - R.F.G. ...... wird langsam.

  17. #17
    Avatar von Bulli
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    Helmut: meinen Glückwunsch erstmal zu deinen Uhren und danke für die wahnsinnig geniale Vorstellung. Seiko ist nun nicht so meins, aber die SOH ist der Hammer! Ich muss sie mir unbedingt mal in 46mm anschauen! Greetz Chris
    BULLTERRIER, Alles andere sind NUR Hunde!

  18. #18
    Avatar von Spitfire73
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    Zitat Zitat von Vosas Beitrag anzeigen
    Auch bei mir hat damals (und das tut es auch noch heute) das Marketing der Marke Breitling mitten ins Schwarze getroffen. Die Superocean 44 musste ich nur wegen der Größe ziehen lassen. Die (kleine) Navitimer dagegen habe ich schon auf dem Schirm.
    Vielen Dank und wie ich lese, bist Du ein Leidensgenosse, der wie ich dem Marketing von Breitling weitgehend schutzlos ausgeliefert scheint.

    Zitat Zitat von Uhrbene Beitrag anzeigen
    Deine Eindrücke zu der SLA017 (die Breitling habe ich nicht) kann ich zu 100% teilen. Nur dass ich kein schiefes Glas hatte. Aber sowohl die Highlights wie Verarbeitung, Zifferblatt und extrem stimmiges Gesamtdesign als auch die Nachteile wie schlechte Regulierung (meine +13 sec, auch sehr lagenunabhängig) und besonders die Bänder kann ich nachvollziehen. Das Bandproblem lässt sich aber lösen: Ich habe mir ein individuelles Band aus Störleder machen lassen und für heiße Tage ein Strap von Uncle Seiko besorgt.

    Und die Präsentation ist - wie von dir schon angemerkt - in der deutschen Variante wirklich spitze. Allein der Koffer wird schon deutlich über 50 Euro liegen, das U-Boot sowieso. Da muss man Seiko D ein großes Kompliment machen.
    Da hast Du recht. Seiko Deutschland hat in der Hinsicht meinen vollsten Respekt. Das Uncle Seiko Strap trage ich an der Turtle und bin begeistert. Das exotische Störlederband an Deiner muß ich mir auf einem Foto ansehen gehen (falls Du es hier irgendwo gepostet hast).

    Zitat Zitat von Deejay Beitrag anzeigen
    Sensation ...... was für eine Arbeit. Respekt.
    Vielen Dank, Dirk!

    Zitat Zitat von Bulli Beitrag anzeigen
    Helmut: meinen Glückwunsch erstmal zu deinen Uhren und danke für die wahnsinnig geniale Vorstellung. Seiko ist nun nicht so meins, aber die SOH ist der Hammer! Ich muss sie mir unbedingt mal in 46mm anschauen! Greetz Chris
    Danke, Chris! Ich hatte die SOH II 46 in blau am Arm. Das Zifferblatt wirkte auf mich etwas "leerer" und das Blau des Zifferblatts empfand ich sehr enttäuschend denn es ist nicht mehr so kräftig wie das der SOH I sondern dem pastelligen Blauton der Keramiklünette angenähert.

    Gruß
    Helmut
    Dorthin zurückzugehen, wo man begonnen hat, ist nicht das Gleiche, wie nie zu gehen. Terry Pratchett

  19. #19
    Avatar von River
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    Helmut, das ist ja der Wahnsinn! Dass du die beiden Uhren ins Auge gefasst hattest, dies hatte ich bereits mitbekommen - und mir dann insgeheim eine solche Vergleichsvorstellung gewünscht, und jetzt ist sie da.
    Und gleich was für eine! Danke, dass du diesen beiden großartigen und für mich spannendsten Retrodiver-Neuerscheinungen seit langem eine solche Vorstellung widmest, es ist eine schiere Freude sie zu lesen und anzuschauen.
    Viel Spaß mit diesen beiden Schönheiten, und ach, von deinem Quartett will ich gar nicht anfangen...

    Viele Grüße
    Thomas

  20. #20
    Avatar von Uhrbene
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    @Spitfire: Das Störlederband an der SLA017. Im SLA017-Thread im Cafe gibt es noch mehr Fotos.
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