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Thema: Was ist das ??
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15.08.2010, 22:04 #1Uhrenlaie
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Was ist das ??
Hallo. Ich bin neu hier und hätte eine Frage: Ich habe aus einem alten Uhrmachernachlass dieses alte und interessante Gerät erhalten. Leider weiß ich jetzt nicht was es ist.
Der Holzkasten ist bezeichnet mit:
MACHINE A REGLER - LUTHY
Das Gerät selbst hat eine Herstellerbezeichnung:
R. MAYER - SCHWENNINGEN
Innen ist eine Unruh die sich durch einen Hebelmechanismus in Schwingungen versetzen lässt.
Ist das Gerät ev. zum wuchten der Unruh???
Ich bedanke mich im Voraus für die Antworten !

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15.08.2010, 22:55 #2Uhrenfreund
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Hallo Blechpest,
Das ist eine Vorrichtung zur Ermittlung des richtigen Ansteckungspunktes der Spirale. Es wurde früher benötigt um die richtige Spirale für eine vorhandene Unruh zu ermitteln. Die vorhandene Unruh wurde mit einer neuen Rohspirale versehen und das äußere Spiralfederende in der Klemme befestigt. Dann ließ der Reparateur die Unruh auf der Glasplatte schwingen und verglich visuell die Schwingungszahl mit der darunter liegenden Unruh, welche in der Regel 18000 A/h beträgt. Bei zu niedriger Frequenz wurde die Spirale dann in der Klemme kürzer eingeklemmt, bis eben die Schwingungszahl übereinstimmte. Dieser Punkt war dann die Stelle an der die Rückerstifte sein sollten.
Schönen Abend noch
Werner
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16.08.2010, 19:53 #3Uhrenlaie
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Hallo Werner
Danke für diese ausführliche Antwort!
Ja, da wäre ich nicht draufgekommen.
Hätten das hier im Forum viele gewusst???
Beste Grüße,
Gerhard
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16.08.2010, 19:55 #4
Ich hätte es nicht gewusst. Respekt, tschasovschik!
Gruß,
JoachimGruß, Joachim
Am Ende des Tages sind´s doch bloß Uhren!
Mitglied: (T.)H.O.C., ML.O.C., S.G.F.F., F.O.C. (a.D.)
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16.08.2010, 22:09 #5
@ tschasovschik: Du bist definitiv KEIN Uhrenlaie (wie es in Deinem Avatar steht). Dir sollte man den Titel 'Profi' ehrenhalber geben.
Ich hätte es auch nicht gewusst, dachte aber in die Richtung, wg. der großen Unruh unter dem Glas. Hielt es aber dann doch für zu fantastisch.
Danke für die ausführliche Erklärung. Hört sich sehr plausibel an.
Grüße von hierJeder lebt in seinem eigenen Universum.
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16.08.2010, 22:26 #6Uhrenmacherlehrling
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16.08.2010, 22:29 #7
Meinen Respekt fuer diese eloquente Antwort
PS: Ich hatte keinen Schimmer
Chuck Norris doesn't wear a watch, HE decides what time it is.
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17.08.2010, 23:04 #8Uhrenfreund
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Hallo zusammen,
Ich bedanke mich für diese netten Kommentare!
Ich denke daß dieses Gerät nur selten dem einfachen Uhrmacher auf dem Lande zur Verfügung stand. Diese Uhrmacher mußten sich damit behelfen die Spirale mit der Pinzette festzuhalten und auf dem Werktisch schwingen zu lassen. Oft diente dann eine aufgeklappte Taschenuhr als "Vergleichsnormal". Es ist schon manchmal bewundernswert was die Meister in früheren Zeiten alles konnten! Natürlich war eine solche Arbeit nur dann erfolgreich wenn eine passende Rohspirale verfügbar war. Man trifft zuweilen auf historische Uhren, bei denen auf alle möglichen Arten die Unruh auf die nicht passende Spirale "angepasst" wurde. "Verzierungen" aus Zinn am Unruhreif, wenn die Spirale zu stark war. Oder bei zu schwacher Spirale einfach Unruhschrauben paarweise entfernt um auf die richtige Schwingungszahl zu kommen. Eine wesentliche Arbeitserleichterung war nach dem Krieg die Einführung des C.G.S. Systems um die passende Rohspirale zu bestimmen. Ebenfalls traten in der Wirtschaftswunderzeit betriebswirtschaftliche Überlegungen in den Vordergrund, ein neues einbaufertiges komplettes Schwingsystem war günstiger als zeitraubendes Wiederherstellen der alten Unruh. Man hat manchmal noch nicht einmal defekte Unruhwellen ersetzt, einfach weil es unter dem Strich günstiger war eine komplette Unruh einzusetzen. Auf der anderen Seite sind natürlich durch diese rationelle Arbeitsweise unserem Berufsstand Fähigkeiten verlorengegangen, einfach weil diese Dinge in der Ausbildung oft nicht mehr vermittelt werden. Ich denke, unser Beruf wird sich aufspalten in den wirklichen Uhrmacher, welcher in allen Techniken und Fertigkeiten der Uhrenreparatur umfassend ausgebildet wurde. Und eben für heutige Anforderungen die Servicefachkraft zum Batterieersatz und Bänder dranspaxen. Dadurch hat dann der wirkliche Uhrmacher wieder die notwendige Zeit und Konzentration für ernsthafte Reparaturen, welche unter Umständen dann nicht mehr im Ladengeschäft stattfinden müssen. Hoffe, mit diesem kleinen Exkurs niemanden gelangweilt zu haben.
Gruß vom Niederrhein
Werner
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19.08.2010, 11:36 #9Gast
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RESPECT und ehre wem ehre gebührt.
Wider etwas dazu gelernt !!
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19.08.2010, 12:47 #10
Wieder was gelernt!
Ich hätt dem Schenker wahrscheinlich au Unwissenheit gesagt, dass er seinen Schrott selber entsorgen soll________________________________________
Grüsse aus Wien,
Bertl

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