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05.08.2010, 15:31 #1
Labradors Werkstatt: Überholung Jaeger le Coultre
Zu diesem Thread, den ich heute starte, ging der folgende Beitrag voraus: Jaeger LeCoultre welches Modell & wie kann ich Sie reparieren ?
Estepam hat mir die Uhr gebracht (ich danke für das große Vertrauen) und ich werde versuchen, sie möglichst nah am Originalzustand wieder in einen guten Zustand zu versetzen. Wir haben besprochen, dass das Blatt so bleiben soll, nur technische Belange geregelt werden und das Gehäuse aufgearbeitet wird.
Vorab ein paar Bilder vom Zustand vor Beginn der Arbeiten:
Die Uhr befindet sich in einem getragenen aber für meinen Geschmack ehrlichen Zustand. Sie sieht nicht danach aus, dass hier schon herumgebastelt wurde.
Nachdem ich sie geöffnet hatte kam das wunderschöne Jaeger P800/C zum Vorschein.
Hier die Innenseite des Rückdeckels mit JlC Signatur.
Nach Demontage des Unruhklobens und der Unruhwelle war die Kaliberbezeichnung gut sichtbar.
Auf der anderen Seite die Seriennummer. Leider habe ich noch keine Liste mit den Seriennummern und den dazugehörigen Jahrgängen gefunden - vielleicht weiß hier jemand mehr und wir können das Alter der Uhr (ich tippe auf mitte 40er) genau bestimmen. (856973)
Zum Glück ist das stark von Feuchtigkeit gebeutelte Zifferblatt von der Bedruckung her noch vollständig.
Hier etwas näher durch die Lupe:
Ich werde später versuchen die Indexe und Zeiger wieder etwas blank zu bekommen.
Ein sehr schönes Detail und gleichzeitig auch ein Beweis für die hervorragende Fertigungsqualität hält der Minutenzeiger bereit: Er hat ein extra Futter (Messing oder Kupfer?), damit der Zeiger auch wirklich satt und fest auf dem Minutenrohr sitzt. So etwas Schönes ist eine Seltenheit...
Eine interessante Überraschung habe ich auf der Unterseite des Zifferblattes gefunden. Hier hat irgendwann jemand etwas mit Bleistift geschrieben (und wieder durchgestrichen). Entweder stammt das noch aus der Produktion oder es wurde bei einer Revision dort hingeschrieben. Ich finde das hochinteressant (kann das leider nicht entziffern) - zeigt es doch wieder einmal wieviel Geschichte in den Vintages stecken kann.
Eine weitere technische Besonderheit ist die Kupplungshebelfeder. Hier handelt es sich nicht um eine simple in U-Form gebogene Feder (die, die gerne wegspringen), sondern sie wurde aus dem Vollen gearbeitet und ist mit der Grundplatine verschraubt. (Ich gebe zu, dass ich in Bezug auf Verarbeitungsqualität eine leichte Macke habe...ich hoffe aber, dass bei einigen von euch der Funke rüberspringt)
Dieses Bild zeigt die Oberseite des Werkes - mit intakter Winkelhebelfeder!
Zum Schluss möchte ich auch noch den wunderschön anglierten Anker zeigen. (Anglierung ist die hochpolierte Phase oder auch Kantenbrechung)
Das Kaliber P800/C besitzt eine frühe Stosssicherung - gut zu erkennen an dem goldenen Federblech, dass den Deckstein hält.
Die Uhr ist nun vollständig zerlegt und ich kann estepam beruhigen: Es sind keine groben Schäden an den Einzelteilen zu erkennen.
Die Feininspektion kann aber erst nach der gründlichen Reinigung der Teile erfolgen.
Bald geht es weiter...
Viele Grüße
Jörn (Labrador)Geändert von raxon (05.08.2010 um 21:28 Uhr) Grund: erledigt
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05.08.2010, 15:47 #2
Das freut mich.
Ich hoffe die Bilder kommen bald.
Kannst du auch bitte ein Foto zeigen, wo die Uhr komplett zerlegt ist, mit allen einzelteilen.Das werde ich ausdrucken und in einem Rahmen packen.
Beste Grüße
Estepam
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05.08.2010, 15:55 #3Uhrenmacherlehrling
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Hallo Labrador;
Ich habe deinen Startpost mit Interesse gelesen und wünsche dir eine ruhige Hand und gutes Gelingen. Bin schon gespannt auf die Fortsetzung. Ich hoffe, jemand im Forum besitzt Literatur, um noch nähere Infos beisteuern zu können. Schade, daß der Hersteller (JLC) für eine Auskunft aus dem Archiv erstmal 300 Franken verlangt.Das ist mir noch nie passiert.
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05.08.2010, 15:56 #4
Ja, die Bilder sind nicht sichtbar - habe alles so gemacht wie immer. Sie waren beim Schreiben auch in der Vorschau sichtbar.
Ich hoffe mein Hilferuf wird erhört.
@estepam: Das Bild mit den Einzelteilen ist auch dabei. Vielleicht kannst du es in meinem Profil im Album JlC sehen?
Viele Grüße
Jörn
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05.08.2010, 16:13 #5
Ja stimmt
sind da, sieht super aus
Jetzt haben wir auch beide Nummern und ich kann weitersuchen.
Wenn ich was neues habe, werde ich es mitteilen.
Viel Erfolg
Und vielen Dank nochmal
Achso, die Fotos darf ich benutzen oder?Beste Grüße
Estepam
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05.08.2010, 16:18 #6
Hallo Jörn,
ohne Bilder ist dein Bericht ja leider nur halb so schön.
Mein Album ist leider auch noch völlig durcheinander, aber eins deiner Bilder ist bei mir gelandet.
Das kann ich schon mal zeigen...
Edit: ... aber auch nur in der Vorschau sichtbar...
Edit II: Bilder sichtbar...
Schöne interessante Bilder - die Kupplungsfeder sieht "wie für die Ewigkeit gemacht" aus und solch eine Stosssicherung habe ich auch noch nicht gesehen.
Die Rückseite von Zifferblättern zeigt oft das Gegenteil von dem, was man vorn zu sehen bekommt.
Auf der sichtbaren Seite wird Wert auf höchst Präzision und Sauberkeit gelegt, während die Rückseite nur Ihren Zweck erfüllt.
Danke fürs mitnehmen…Geändert von Philipp (06.08.2010 um 08:02 Uhr) Grund: Bilder sichtbar
Gruß aus Berlin
Philipp
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05.08.2010, 21:42 #7
JAa klappt doch!! Vielen Dank Raxon.
Beste Grüße
Estepam
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05.08.2010, 21:46 #8
Ja, auch von mir herzlichen Dank für die Bilder!
Viele Grüße
Jörn
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05.08.2010, 22:57 #9
Lieber Jörn,
das ist und wird wieder ein toller Bericht von dir, herzlichen Dank
lg aus Wienaktuelle Verkäufe:
http://uhrforum.de/members/14850-albums2813.html
Mitglied im C.L.G.U.
Mitglied im SWOC
Mitglied im L.O.C.
Mitglied im O.S.O.C.
Mitglied im A.B.C.
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05.08.2010, 23:38 #10
Mensch Jörn, wunderbar wie du das rüberbringst
Da versteht sogar der Laie was gemeint ist.
Du solltest evtl. mal ein Uhrforum- Uhrenseminar anbieten. Ich denke das würde sehr gut angenommenDie drei größten Krisen im Leben eines Mannes: Frau weg, Job weg, Kratzer auf der Uhr
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06.08.2010, 00:23 #11
Man soll solche Beiträge nicht vor dem Schlafengehen anschauen. Allererste Sahne, Jörn. wie immer. Ein Erlebnis, da mitzulesen.
Nachdem raxon auch im Maschinenraum einige Ventile bewegt hat, auch mit Bildern.
Danke für´s Zeigen. Ich bin schon auf die Fortsetzung gespannt.
viele Grüße...Frank.Member of the TWOC
Ich liebe Uhren - keine Marken
Wie spät ist es eigentlich ?...
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06.08.2010, 00:30 #12
Na, da weiß ich ja jetzt, in wessen Obhut ich bei Bedarf meine Tickerchen hingeben kann - sind doch gerade mal knapp 15 km bis Bielefeld!
Tolle Vorstellung, tolle Bilder, klasse erklärt. Respekt
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06.08.2010, 00:35 #13ZickeGast
Welch ein Vergnügen quasi gemeinsam mit einem Uhrmacher, eine Uhr, durch seine Lupe betrachten zu können.
Hätte ich doch nur während meiner Schulzeit ausschließlich solch leidenschaftliche Lehrer gehabt, die auch nur annähernd wie Du Deine Begeisterung und Faszination und die Zuneigung zum eigenen Beruf rüberbringen können.
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06.08.2010, 04:26 #14
Hallo, Jörn!
Schon gestern wollte ich interessiert betrachten - aber leider war bis auf kleine blaue Kasterln ja wenig zu sehen.
Dann hat Lukas eine weitere Nachtschicht eingelegt, und ...
... siehe da: Auf einmal geht's.
Zwei Dinge möchte ich da wieder als äußerst positiv angemerkt hervorkehren: Deine immerwährenden Bemühungen und Hilfeleistungen, hier Deine enorm fachspezifischen Kenntnisse an den Tag zu legen, und ...
... uns daran immer so eindrucksvoll teilhaben zu lassen!
Und nicht nur dafür möchte ich Dir ausdrücklich danken!
@estepam: Wähne Dich glücklich - zur Uhr, und daß sich diese nun in kundiger Doktorhand befindet.
Gruß, Richard
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06.08.2010, 08:43 #15
Moin Jörn,
ganz großes Kino - ich bin total begeistert!
Mach schnell weiter mit der Uhr!
Gruss Jürgen
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06.08.2010, 09:41 #16
Herrlich! Ich bastel ja auch gerne rum, finde aber nie die Muße und Geduld das mit Fotos zu dokumentieren. Dank dafür.
Hast Du ein besonderes System beim Ablegen der Einzelteile? Schrauben zur Brücke?
Gruß
AL...verlieren keine Zeit, denn uns lässt die Zeit altern und in unserem Zeitalter hat man keine Zeit- Alter...
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06.08.2010, 09:48 #17
Einfach nur SUPER ! Weiter machen. Möchte mehr sehen.....
Gruß BerndGruß Bernd
Gründer und Vorstandsmitglied des P.O.C. & IWC Uhren Club
Und Member in vielen Clubs. Einer der MAD.
Erfahrung ist die Summe meiner gemachten Fehler.
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06.08.2010, 10:24 #18
@Riga: Ja ich bin auch sehr froh! Jörn hat mir auch viel zur Uhr erzählt, fand ich sehr gut. Und vorallem mit viel Geduld, da ich bei 0 anfange
Beste Grüße
Estepam
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Member of Jaeger LeCoultre owners Club [ J.lC.O.C ]
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06.08.2010, 23:17 #19
@bonjuhr:Lieber Wolfgang, danke dir. Die Tourist, die ich von dir habe werde ich auch noch vorstellen - wenn ich etwas Zeit für meine Uhren habe...
@lopo: Das Thema Uhrenseminar habe ich ja schon einmal angeboten:Glashütte GUB Vintage
Für weitere Treffen bin ich offen...
@carpediem: Lieber Frank, danke für deine netten Worte - ich möchte aber nicht an ZUSÄTZLICHEM Schlafmangel bei dir verantwortlich sein. Das Forum raubt dir sicher so mache Stunde - was wir aber alle sehr zu schätzen wissen.
@G-Shock: Ja, gerne, wenn ich dir helfen kann melde dich einfach. 15Km ist ja fast nebenan...
@Zicke: Danke für dein Lob. Die Uhrmacherei ist meine Leidenschaft aber nicht mein Beruf - momentan. Aber als Ausgleich ganz hervorragend geeignet. Ich habe festgesellt, dass das Reparieren von Uhren ohne wirtschaftlichen Zwang erst richtig Spaß macht... Wenn man davon leben muss, braucht es viele Potente Kunden, sonst kann man besonders den alten Uhren nur schwer gerecht werden. Die brauchen oft viel zeitraubende Zuwendung.
@RiGa: Lieber Richard, die Kasterln sind zurück. Aber ich bin sicher, dass wird sich wieder ändern. Hab Dank für deine anerkennenden Worte. Für mich ist es eine große Freude, wenn ich meine Faszination mit- und teilen kann.
@jc51: Hallo Jürgen, ich bin schon etwas weiter - nur leider lässt sich das momentan noch nicht darstellen.
@Aeternitas: Hallo Al, das mit den Schrauben ist besonders bei der JlC wichtig, da sie an einigen Stellen ungleich lang sind. Ein Vertauschen würde hier Schäden auf der Platinenoberseite nach sich ziehen. Habe das aber auch schon in Bildern festgehalten und werde das hier noch zeigen. Es macht immer Sinn, die Einzelteile in Gruppen abzulegen (z.B. in einzelne Fächer, wie auf meinen Bildern). Der Zusammenbau geht dann schneller und du vertauscht nicht versehentlich Schrauben, die sehr ähnlich sind aber doch unterschiedliche Maße haben.
@BSBV: Hallo Bernd, vielen Dank. Das mache ich - versprochen. Sogar heute.
@estepam: Wir haben alle mal bei 0 angefangen, mach dir keine Sorgen... Deine Uhr ist auf einem guten Weg! Dein Uhreneinstand kann sich sehen lassen.
Auch wenn die Bilder momentan nicht sichtbar sind mache ich einfach mal weiter.
Als estepam seine Uhr hier zum ersten Mal gezeigt hatte, fiel mir auf, dass ein der Werkhalteschrauben abgebrochen war (die andere fehlte). Mit Glück konnte ich den in der Grundplatine festsitzenden Rest nach unten herausdrehen. Hier ein Bild von dem Schraubenrest:
Dadurch, dass sich das Reststück einfach lösen lies, ist das Gewinde auch nicht beschädigt worden und ich kann später beide Werkhalteschrauben ersetzen.
Nachdem alle Teile gründlich gereingt sind, habe ich die Räder wieder eingesetzt. Sämtliche Zapfen und Lager sind vollkommen in Ordnung - ein großer Beweis für die Qualität der verwendeten Materialien.
Bei dem Blick von der Seite ist rechts der hochstende Zapfen sichtbar, auf den später das Mitnehmerrad für die indirekte Zentralsekunde gesetzt wird. Es ist in diesem Fall aber nicht das Sekundenrad (bei kleiner Sekunde üblich) sondern das Kleinbodenrad, dass in direkten Eingriff mit dem Minutenrad steht.
Das Räderwerk läuft sehr leicht - es gibt also keine mechanische Probleme.
Danach habe ich das Federhaus geöffnet: jahrzehnte alter Schmödder (Gemisch aus Dreck und altem Schmierstoff) war hier zu Hause.
Da ich noch nicht alle Bilder hochladen konnte, gehts hier bald weiter.
Viele Grüße
Jörn (Labrador)
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06.08.2010, 23:28 #20
Wie immer ein spektakulärer Ausflug in Deine Werkstatt, diesmal als Fortsetzungsroman...
Bin gespannt auf die weiteren Folgen, bis hierhin Chapeau und vielen Dank
von
MathiasClemens darf Torben zu mir sagen.
Hier wird lediglich meine eigene Meinung veröffentlicht.
Die Rechtslage macht diese Erklärung leider notwendig, sie hat nichts mit der Qualität der Ware zu tun.
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